Ford Kuga und Hyundai ix35: ­Kompakte SUV im Vergleichstest Zwei kompakte SUV

Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

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Es ist eine Erfolgsgeschichte: Innerhalb weniger Jahre sind kompakte SUV auf deutschen Straßen ebenso selbstverständlich geworden wie Kombis oder Limousinen. Viele Käufer schätzen die Vorteile von hoher Sitzposition und interessanter Optik. Während Ford den Kuga erst seit gut zwei Jahren anbietet, zählt Hyundai fast schon zu den alten Hasen: Nach fünfeinhalb erfolgreichen Jahren mit dem Tucson (53.000 Autos in Deutschland) haben die Koreaner jetzt den Nachfolger ihres Bestsellers auf den Markt gebracht. Und siehe da – der ix35 verkaufte sich hierzulande seit März schon 5500 Mal.

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Karosserie

Wer wegen der hochgewachsenen Staturen von etwa 1,70 Meter jetzt ein fürstliches Raumangebot erwartet, wird von den SUV etwas enttäuscht. Natürlich fühlen sich vier Passagiere in beiden Autos gut untergebracht. Dem ix35 merkt man aber nicht unbedingt an, dass er in der Länge ganze zehn Zentimeter zum Vorgänger Tucson zugelegt hat. Nur das Kofferraumvolumen ist mit 465 Litern deutlich größer geworden (Tucson: 325 Liter). Dafür schränkt die modernere, runde Form die Übersicht nach hinten ein. Kein Wunder also, dass Hyundai eine Einparkhilfe serienmäßig verbaut (ab Style-Ausstattung, Serie beim 184-PS-Diesel). Noch einfacher rangiert es sich mit der optionalen Rückfahrkamera, die es mit dem Navigationssystem für 1720 Euro gibt. Auch im Ford Kuga empfi ehlt sich eine Einparkhilfe, die hier aber extra kostet. Denn das Heck der kantigeren Hülle ist keineswegs besser abzuschätzen. Trotz der steiler abfallenden Heckklappe ist der Kofferraum zudem ganze 50 Liter kleiner als der des Hyundai. Dafür lässt sich die Scheibe in der Ford-Klappe separat öffnen.

Auf den hinteren Plätzen mangelt es beiden durch die leicht abfallende Dachlinie etwas an Kopffreiheit. Für Großgewachsene sind Föhnfrisuren absolut tabu. Enttäuschend ist die geringe Anhängelast des Koreaners. Gerade weil ein Diesel-SUV mit Allradantrieb oft als Zugfahrzeug verwendet wird, dürfte man mehr als 1600 Kilogramm erwarten. Beim ix35 mit manueller Schaltung sind es immerhin zwei Tonnen.

KarosserieMax. PunkteFord Kuga 2.0 TDCi 4x4 PowershiftHyundai ix35 2.0 CRDi 4WD
Raumangebot vorn1007275
Raumangebot hinten1006568
Übersichtlichkeit704847
Bedienung/ Funktion1008784
Kofferraumvolumen1003945
Variabilität1004430
Zuladung/ Anhängelast803633
Sicherheit1508079
Qualität/ Verarbeitung200168165
Kapitelbewertung1000639626

 

Fahrkomfort

In Sachen Komfortausstattung hat der Hyundai klar die Nase vorn. Eine Zweizonen-Klimaautomatik für Fahrer und Beifahrer gibt es beim 184-PS-Diesel bereits in der Basisvariante Style serienmäßig, genau wie einer Sitzheizung vorn und hinten. Die Schalter dafür finden die Fondpassagiere praktischerweise an den Türgriffen.

Die Dämmung im Hyundai geht absolut in Ordnung – Geräusche von Dieselmotor und Reifen dringen während der Fahrt nur dezent zu den Insassen durch. Lediglich bei höherem Tempo macht sich das große Panoramadach (785 Euro) leise pfeifend bemerkbar. Im Kuga muss sowohl die Sitzheizung (nur vorn: 255 Euro) als auch die getrennte Klimaregelung extra bezahlt werden. Zudem sitzt man auf den kürzeren Sitzfl ächen des Ford deutlich höher, vor allem im hinteren Abteil. Wie im Kinosaal thront man hier über der vorderen Reihe. Nach dem direkten Umsteigen vom Hyundai muss man sich als Fahrer erst daran gewöhnen – man sitzt weniger im als auf dem Auto. Dafür schmeicheln die weichen Aufl agen auf der Türverkleidung den Ellenbogen.

Mit seiner ausgewogenen Fahrwerksabstimmung kann der Ford richtig punkten. Ob voll beladen oder mit nur zwei Leuten besetzt – die Federung hat immer ausreichend Reserven und wirkt mit den großen 18-Zöllern des Testwagens nicht überfordert. Ganz im Gegenteil dazu der Hyundai. Steckt das Fahrwerk im unbeladenen Zustand noch sehr harte Anregungen ohne Probleme weg, kommen die Federwege bei Beladung doch schnell an ihre Grenzen. Gerade hinten bleibt man nicht von Durchschlägen und kräftigen Aufbaubewegungen verschont. Für Geländefahrten ist der Hyundai übrigens serienmäßig mit Bergan- und abfahrkontrolle ausgerüstet. Zudem lässt sich die Kraftverteilung zwischen Vorderund Hinterachse per Knopfdruck starr einstellen.

FahrkomfortMax. PunkteFord Kuga 2.0 TDCi 4x4 PowershiftHyundai ix35 2.0 CRDi 4WD
Sitzkomfort vorn150106110
Sitzkomfort hinten1007369
Ergonomie150135130
Innengeräusche502528
Geräuscheindruck1006965
Klimatisierung503638
Federung leer200149145
Federung beladen200149139
Kapitelbewertung1000742724

 

Motor und Getriebe

Der neue Antrieb im Ford kann nicht auf ganzer Linie überzeugen. Zwar sind die Schaltzeiten des Doppelkupplungsgetriebes kürzer als bei einer Wandlerautomatik, doch wirkt die Abstimmung im Kuga etwas nervös. Zu schnell quittiert die Elektronik den Druck aufs Gaspedal mit hektischem Herunterschalten – zu ausgeprägt hemmt die Anfahrverzögerung den Ampelstart. So kann der komplett überarbeitete, 163 PS starke Zweiliter- Diesel (neu gestaltete Brennräume, 2000 bar Einspritzdruck, Turbolader mit variabler Geometrie) sein Potenzial und sein Drehmoment von 340 Newtonmetern nicht richtig ausspielen.

Schon von den Eckdaten her ist der 21 PS stärkere Hyundai dem Ford deutlich überlegen. Dass das beim Beschleunigen auf Landstraßentempo für einen Vorsprung von zweieinhalb Sekunden reicht, ist aber eine absolute Überraschung. Die zweite wartet an der Zapfsäule. Denn trotz des auf dem Papier Testdeutlich moderneren Antriebskonzepts gönnt sich der Kuga in diesem Test knapp einen Liter Diesel mehr pro 100 Kilometer

Motor und GetriebeMax. PunkteFord Kuga 2.0 TDCi 4x4 PowershiftHyundai ix35 2.0 CRDi 4WD
Beschleunigung15092110
Elastizität100
Höchstgeschwindigkeit1504749
Getriebeabstufung1008275
Kraftentfaltung503231
Laufkultur1007068
Verbrauch325220239
Reichweite251214
Kapitelbewertung1000555586

 

Fahrdynamik

Der Handling- und Slalomparcours ist nicht die Welt dieser gut 1,7 Tonnen schweren SUV. Den Hyundai muss man regelrecht zur Richtungsänderung zwingen. Früher als man es erwartet beginnen seine Vorderräder mit dem Gesang des Untersteuerns. Der Traktion hilft es kaum, dass die Elektronik die Antriebskraft schlupfabhängig über eine Mehrscheibenkupplung an die Hinterräder leitet. Und bei den Bremsleistungen liefert der Koreaner unbefriedigende Werte. Nur durch den kräftig zupackenden Dieselmotor kann er sich die Bestzeit auf dem Kurs sichern. Der Ford Kuga lenkt zwar deutlich direkter ein, lässt es aber vor allem bei aufeinanderfolgenden Richtungswechseln an Rückmeldung vermissen. Die Tendenz zum frühen Untersteuern zeigt er ebenso. Allerdings lässt sich hier das Heck bei plötzlicher Gaswegnahme zum Mitlenken provozieren.

FahrdynamikMax. PunkteFord Kuga 2.0 TDCi 4x4 PowershiftHyundai ix35 2.0 CRDi 4WD
Handling1504853
Slalom1003945
Lenkung1008475
Geradeauslauf504341
Bremsdosierung301814
Bremsweg kalt1507766
Bremsweg warm1508661
Traktion1007670
Fahrsicherheit150132125
Wendekreis20912
Kapitelbewertung1000612562

 

Umwelt und Kosten

Mindestens 32.000 Euro muss man für einen Kuga mit 163-PS-Diesel und Doppelkupplungsgetriebe bezahlen. Dank überarbeitetem Common-Rail-Motor (zusammen mit Peugeot/Citroën entwickelt) schafft er jetzt auch die Euro-5- Norm. Dafür ist er für diesen üppigen Preis nicht einmal mit Radio, Alu-Rädern oder Einparkhilfe bestückt. Der Hyundai für 29.940 Euro hingegen schon. Obendrein kann man ihn dank Fünfjahresgarantie und fünf Jahren kostenloser Wartung völlig unbeschwert fahren. Das Kostenkapitel entscheidet der ix35 auch wegen des geringeren Wertverlusts und der Werkstattkosten klar für sich.

Kosten/UmweltMax. PunkteFord Kuga 2.0 TDCi 4x4 PowershiftHyundai ix35 2.0 CRDi 4WD
Bewerteter Preis675177187
Wertverlust501820
Ausstattung25220
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung501839
Werkstattkosten201316
Steuer1077
Versicherung403327
Kraftstoff553740
Emissionswerte258483
Kapitelbewertung1000389439

 

Fazit

Der Test endet mit einem Unentschieden, auch wenn Ford Kuga und Hyundai ix35 grundverschieden sind. Der Ford punktet mit gutem Fahrwerk und besseren Bremsen. Sein Doppelkupplungsgetriebe schaltet zwar schnell, manchmal jedoch nicht so wie erwartet. Erstaunlich ist, dass der ix35 hier mit Wandlerautomatik nicht nur subjektiv ein besseres Bild abgibt, in den Verbrauchsund Fahrleistungen ist der Koreaner deutlich überlegen. Auf der Kostenseite liefert er ohnehin die viel besseren Argumente.

Gesamtbewertung

Max. PunkteFord Kuga 2.0 TDCi 4x4 PowershiftHyundai ix35 2.0 CRDi 4WD
Summe500029372937
Platzierung12

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