Ford Ka, Hyundai i10, Peugeot 107 im Vergleichstest

22.08.2011
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Kleinwagen werden immer anspruchsvoller: Design und Sicherheit sind längst keine Tabus mehr. Ist der überarbeitete Hyundai i10 besser als Ford Ka und Peugeot 107?

Kurz und wendig muss ein Kleinwagen sein. Er muss den Einkauf schleppen und die Kinder sicher zum Sport bringen. Er soll sparsam sein, darf aber auch auf der Autobahn nicht zum Hindernis werden. Es sind hohe Anforderungen, die wir an dreieinhalb Meter Blech stellen. Bei vergleichbarer PS-Leistung gehen der frisch geliftete Hyundai i10, der Peugeot 107 und der Ford Ka mit unterschiedlichen Philosophien an das Thema heran. Am Ende aber zählt nur, wer das beste Angebot auf die Räder stellt.

 

Karosserie

Während es den Ford Ka nur mit drei Türen und den Hyundai i10 nur mit fünfen gibt, kann man sich beim Peugeot 107 entscheiden, ob man 450 Euro Mehrpreis für einen leichteren Einstieg hinten investiert. Gerade im Peugeot würde sich das lohnen, denn nach jedem Entern der Rückbank darf man die Vordersitze neu einstellen. Das macht der Ka mit seiner Memory-Funktion besser. Der Hyundai ist mit 3,59 Metern von Scheinwerfer zu Rücklicht zwar kürzer als der Ka (3,62 m), dennoch bietet er das größte Kofferraumvolumen: 225 bis 925 Liter (Ka: 224 bis 710 l, 107: 130 bis 751 l). Die Ladefläche ist neun Zentimeter länger als im Peugeot und zudem eben. Anders als Ka und 107 bietet der Hyundai Staufächer im doppelten Laderaumboden. Und auch wenn der Ford wie der Hyundai 1,17 Meter Laderaumlänge maximal bereitstellt: Die recht kleine Luke und die unebene Ladefläche verweisen den Ka auf den zweiten Platz. Der Peugeot 107 mit seinem Mini-Gepäckabteil kann hier nicht mithalten. Das Raumangebot für die Passagiere der ersten Reihe ist in allen drei Testwagen ausgesprochen gut. Der Peugeot wirkt vor allem im Beinbereich luftig, weil keine wuchtige Mittelkonsole stört. Zudem gefällt der 107 mit den meisten Ablagen. In ihm kann man selbst eine Ein-Liter-Wasserflasche griffgünstig und sicher unterbringen. Das klappt in Hyundai und Ford nicht.

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Von solch luxuriösem Platzangebot wie vorn kann man in zweiter Reihe nur träumen, wenn man in Ka und Peugeot zusteigt. Der Ford offeriert hinten allenfalls Kindern genügend Platz. Das liegt an der geringen Kopffreiheit. Ähnlich ist es im Peugeot. Beide Autos sind nur für vier Personen zugelassen. Beim Peugeot sind Isofix-Halterungen erst ab dem Modell „Filou“ Serie, in Ka und Hyundai sind sie immer an Bord. Im Ford Ka kann man den Beifahrerairbag nur in der Werkstatt deaktivieren lassen – das ist nicht mehr Stand der Technik. i10 und 107 haben die gewohnten Schlüsselschalter, um auch ein Baby in der Schale sicher transportieren zu können.

Für Seitenairbags vorn muss man nur im Ka 230 Euro extra anlegen. Kopfairbags sind im Peugeot mit 260 Euro am günstigsten. Im Ford kosten sie 490 Euro Aufpreis, Hyundai bietet sie im empfehlenswerten Sicherheitspaket an. Das kostet zwar auf den ersten Blick üppige 910 Euro, beinhaltet neben den Kopfairbags aber auch aktive Kopfstützen, die für Ford und Peugeot nicht erhältlich sind, ein ESP und Scheibenbremsen hinten.

Beim Thema Qualität und Verarbeitung fallen im Peugeot billiges Plastik und schlecht entgratete Kunststoffkanten auf. Solche Blößen gibt sich der Hyundai nicht. Der Ka kann qualitativ mit dem i10 locker mithalten. Doch verbucht der Koreaner diese Kapitelwertung mit großem Abstand für sich. Er wirkt erwachsener, darf fünf Leute von A nach B bringen, hat die mit Abstand höchste Zuladung und kann sogar noch bis 700 Kilo Anhängelast ziehen. Ka und 107 müssen da komplett passen.

KarosserieMax. PunkteFord Ka 1.2Hyundai i10 1.1Peugeot 107 Petit Filou 70
Raumangebot vorn100565750
Raumangebot hinten100303836
Übersichtlichkeit70454839
Bedienung/ Funktion100697570
Kofferraumvolumen1008110
Variabilität100153515
Zuladung/ Anhängelast80122212
Sicherheit150394753
Qualität/ Verarbeitung200115117103
Kapitelbewertung1000389450378

 

Fahrkomfort

Wer in den Ford Ka einsteigt, der wird sich auf den Vordersitzen sofort wohlfühlen. Sie sind so geschnitten, dass die Oberschenkel aufliegen. Zudem haben sie Kopfstützen, die sich weit genug herausziehen lassen. Ab dem Modell „Trend“ (Aufpreis 400 Euro) ist eine Sitzhöheneinstellung serienmäßig an Bord. Hyundai ruft für dieses Feature im Verbund mit der „Style“-Ausstattung 1400 Euro auf, bei Peugeot ist keine Sitzhöheneinstellung möglich. Im Hyundai i10 kann man die Gurte vorn in der Höhe einstellen, in Ka und 107 nicht. Die Sitze des Hyundai überzeugen wie die des Ka mit gutem Seitenhalt. Die Vordersitze im Peugeot bieten dagegen den schlechtesten Komfort: Neben fehlender seitlicher Abstützung sind die Sitzpolster rasch schweißtreibend. Alle drei Kandidaten haben nur in der Höhe einstellbare Lenkräder.

In Sachen Fahrkomfort punkten Hyundai i10 und Ford Ka. Leer wie beladen federt und dämpft vor allem der kleine Kölner sensibel und ausgewogen. Karosserie und Fahrwerk sind ordentlich entkoppelt, kleine Fahrbahnunebenheiten werden gut absorbiert. Voll beladen stößt die Federung auch mal an Grenzen, wo der Hyundai noch kleine Reserven hat. Dieser leichte Vorteil, die angenehme Geräuschdämmung und der gute Sitzkomfort hinten verhelfen ihm zum Sieg in dieser Kategorie. Der Peugeot 107 fällt hier ein wenig ab. Leer neigt das Fahrwerk zum Poltern. Beladen wird das Fahrverhalten besser, jedoch stört die praktisch nicht vorhandene Geräuschdämmung. Jedes Rollsplitt-Steinchen ist zu hören. Dieser subjektiv schlechte Eindruck im Verbund mit dem knurrigen Dreizylinder-Motor steht allerdings im Kontrast zu den Geräusch-Messungen.

Was die Bedienbarkeit und die Anordnung der Schalter angeht, hat der Hyundai gute Karten. Große Tasten minimieren das Risiko der Fehlbedienung. Nur die Schalter für die Nebellampen sind zu weit unten angeordnet, und es gibt keine Kontrollanzeige im Cockpit. Da ist ein Vergessen vorprogrammiert. Der Ka hat sehr dem Design unterworfene Schalter – teils mit Doppelbelegung –, was die Bedienung etwas erschwert. Die Bedienlogik des 107 geht auf, einzig die Leuchtweitenregulierung der Scheinwerfer ist fernab von allen anderen Schaltern angebracht und so leicht zu übersehen. Wer im kleinen Löwen eine Sicherung wechseln will, muss die Lenksäulenverkleidung abschrauben. Im Ford und im Hyundai kommt man ohne Werkzeug an die Box. Sicherungen muss man selten wechseln, Tanken und nach dem Öl schauen hingegen regelmäßig. Auch hier bekleckert sich der Peugeot nicht mit Ruhm. Der Tankdeckel ist eine fummelige Angelegenheit, der Ölpeilstab tief im Motorraum verborgen.

FahrkomfortMax. PunkteFord Ka 1.2Hyundai i10 1.1Peugeot 107 Petit Filou 70
Sitzkomfort vorn150757370
Sitzkomfort hinten100325040
Ergonomie15010511075
Innengeräusche50161721
Geräuscheindruck100545639
Klimatisierung50191512
Federung leer200969085
Federung beladen200868886
Kapitelbewertung1000483499428

 

Motor und Getriebe

Ein Maßkrug voll Hubraum, verteilt auf drei Zylinder – das ist bei Saugmotoren derzeit die Untergrenze dessen, was zum Vortrieb von Automobilen eingesetzt wird. So leistet der besagte 1,0-Liter-Dreizylinder des Peugeot 107, der übrigens auch in Citroën C1 und Toyota Aygo zu finden ist, 68 PS. Damit zeigt das Bonsai-Aggregat seinen hubraumstärkeren Konkurrenten beim Ampelsprint jedoch eine lange Nase. Nach 13,2 Sekunden fällt die 100-km/h- Marke (Ford: 13,8 Sekunden, Hyundai: 13,7 Sekunden). Auch von der Tankstelle fährt der Franzose schnell wieder weg: 5,3 Liter Super Testverbrauch auf 100 Kilometern schonen die Reisekasse. Doch wo Licht ist, fällt auch Schatten: Der Dreizylinder läuft rauer als seine Konkurrenten, und die Schalthebelführung des 107-Getriebes kennt die Vokabel Präzision nur vom Hörensagen. Zudem ist der Drehzahlsprung vom zweiten in den dritten Gang zu groß.

Da ist der 1242 cm3 messende, 69 PS starke Ford-Vierzylinder aus ganz anderem Holz geschnitzt. Bis an die Drehzahlgrenze nahezu frei von störenden Vibrationen, hinterlässt der Geschwister-Duell: Ford Ka gegen Ford Fiesta einen sehr angenehmen Eindruck, auch wenn die Quirligkeit bei höheren Drehzahlen mit einer gewissen Müdigkeit im Drehzahlkeller gepaart ist. Die Elastizitätsmessung von 80 auf 120 km/h im fünften Gang, dauert elend lange 28,7 Sekunden. Da heißt es, für zügiges Vorankommen öfter mal einen Gangwechsel vornehmen, was angesichts der knackigsten Schaltung im Testfeld eine Freude ist. Die 159 km/h Höchstgeschwindigkeit verhindern, dass der Ford ebenso wie seine Konkurrenten auf der Autobahn zum Verkehrshindernis wird. Aber: Mit 6,5 Litern fällt der Testverbrauch trotz serienmäßiger Start-Stopp-Automatik am höchsten aus.

Das ebenfalls 69 PS starke 1,1-Liter-Aggregat des Hyundai i10 ist demgegenüber mit 5,6 Litern deutlich sparsamer und auch elastischer als der Ford-Motor. Vor allem im Drehzahlkeller geht der kleine Vierzylinder munterer zur Sache. Hohe Drehzahlen beantwortet das Triebwerk mit spürbaren Vibrationen. Die Schaltung funktioniert im Normalbetrieb ohne Tadel, bei schnellen Gangwechseln reicht sie jedoch nicht an die Präzision des Ka-Pendants heran.

Motor und GetriebeMax. PunkteFord Ka 1.2Hyundai i10 1.1Peugeot 107 Petit Filou 70
Beschleunigung150737478
Elastizität100405049
Höchstgeschwindigkeit150222021
Getriebeabstufung100777571
Kraftentfaltung50252526
Laufkultur100565240
Verbrauch325258275281
Reichweite2581112
Kapitelbewertung1000559582578

 

Fahrdynamik

Ein kurzer Radstand und ein relativ geringes Fahrzeuggewicht sind eigentlich ideale Grundvoraussetzungen für gutes Handling. Doch zeigen die Kleinen bei den Fahrdynamik-Versuchen beträchtliche Unterschiede. Dank „Individualpaket“ mit 195er-Reifen bestückt, gibt der Ford Ka das Kart. Er lenkt am zackigsten ein, erzielt die höchsten Kurvengeschwindigkeiten, die kürzesten Bremswege und verkneift sich tückische Reaktion im Grenzbereich. Hier greift das ESP (360 Euro Aufpreis) rechtzeitig ein. Auch seine Traktion lässt für einen Fronttriebler keine Wünsche offen.

Dieses Thema bereitet dem Hyundai i10 deutlich mehr Probleme. Mit 69 PS und 98 Nm Maximaldrehmoment beileibe kein Reifenschreck, endet die Traktionssuche bei vollem Leistungseinsatz entweder im Regelbereich des ESP (Bestandteile des Sicherheitspakets: 910 Euro) oder bei deaktiviertem Schleuderschutz in Rauchzeichen. Zudem untersteuert er an der Reifenhaftgrenze spürbar. Dass das Sicherheitspaket neben dem ESP auch Scheibenbremsen an der Hinterachse beinhaltet, ist zwar erfreulich, bleibt aber ohne Wirkung, denn der Koreaner liefert die längsten Bremswege. Auch dürfte die Lenkung mehr Fahrbahnkontakt vermitteln.

Der Peugeot 107 besitzt als einziger ein serienmäßiges ESP. Wie der Hyundai neigt auch er dazu, im Grenzbereich über die Vorderräder zu schieben. Sein ESP greift vergleichsweise spät, dafür aber heftig ein und lässt den kleinen Franzosen erst spät wieder von der elektronischen Leine. Seine Lenkung wirkt angenehmer als die des Hyundai, da sie etwas höhere Rückstellkräfte erzeugt. Und was die Bremsen angeht, kommt er auf deutlich bessere Werte als der i10.

FahrdynamikMax. PunkteFord Ka 1.2Hyundai i10 1.1Peugeot 107 Petit Filou 70
Handling150533023
Slalom100715950
Lenkung100604546
Geradeauslauf50253230
Bremsdosierung30212018
Bremsweg kalt150806275
Bremsweg warm150906084
Traktion100503838
Fahrsicherheit15010510095
Wendekreis20222121
Kapitelbewertung1000577467480

 

Umwelt und Kosten

Grundpreise unterhalb der 10.000-Euro-Schwelle, wie im Fall von Ford und Peugeot, klingen zunächst verlockend, doch stellt sich bei beiden – wie auch beim Hyundai i10 für 10.290 Euro – heraus, dass damit die Ausstattung sehr lückenhaft ist. Ein ESP etwa schlägt bei Ka und i10 extra zu Buche. Und elektrische Fensterheber sind nur in Verbindung mit höheren Ausstattungsvarianten erhältlich. So werden für die nach der AUTO ZEITUNG-Normausstattung konfigurierten Kandidaten jeweils um die 13.000 Euro fällig, soll es sicher und auch etwas komfortabel zugehen. Bei Wertverlust und Werkstattkosten treten keine großen Unterschiede zutage. Auch die Versicherungsprämien fallen erfreulich gering aus. Offenbar sind Schadenshäufigkeit und -höhe ebenso moderat wie die Motorleistung der Kleinwagen. Die CO2-Werte liegen laut Homologation alle diesseits der 120-Gramm-Grenze, sodass die anfallenden Kfz-Steuern von 20 (Peugeot) bis 26 Euro (Ford) bei diesem Bewertungskriterium jeweils für die Höchstpunktzahl sorgen. Größer sind die Unterschiede bei den Kraftstoffkosten, wo der Ford am schlechtesten und der Peugeot am besten abschneidet, was dem 107 den Kapitelsieg beschert.

Kosten/UmweltMax. PunkteFord Ka 1.2Hyundai i10 1.1Peugeot 107 Petit Filou 70
Bewerteter Preis675429413421
Wertverlust50434242
Ausstattung25000
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung50163028
Werkstattkosten20151515
Steuer10101010
Versicherung40343535
Kraftstoff55424445
Emissionswerte25888989
Kapitelbewertung1000677678685

 

Fazit

Vergleichsweise geräumig und mit ordentlichem Komfort gesegnet, ist der facegeliftete Hyundai i10 mehr als ein Minimal-Mobil. Hätte er bessere Bremswerte geliefert, würde er auf dem Siegerpodest parken. So schiebt sich der überaus fahraktive Ford Ka an dem Koreaner vorbei. Dass der knapp geschnittene Peugeot 107 im Test gegen Chevrolet Matiz in die Jahre gekommen ist, merkt man ihm an. So kann der Drittplatzierte in der Hauptsache mit seinem sparsamen Motor und der sehr guten Kostenbilanz Punkte sammeln.

Gesamtbewertung

Max. PunkteFord Ka 1.2Hyundai i10 1.1Peugeot 107 Petit Filou 70
Summe5000268526762549
Platzierung123

Tags:
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