Ford Interceptor Der Abfangjäger

14.12.2007

Mit einer spektakulären Studie zielt Ford auf amerikanische Ur-Instinkte. Von den Musclecars der 60er- und 70er-Jahre inspiriert, zeigt der Interceptor – zu Deutsch Abfangjäger –, was drüben zählt: Kraft und Größe. Der 400 PS starke Bolide basiert auf dem Mustang. Eine exklusive Ausfahrt

Henry Ford war ein Mann, dem wir alle miteinander jeden Tag dankbar sein sollten. Gut, die Deutschen mögen das Auto erfunden haben. Der alte Henry aber war es, der mit seiner Fließbandproduktion dafür gesorgt hat, dass sich auch so gut wie jeder einen fahrbaren Untersatz leisten konnte. Aus Dearborn im Staate Michigan machte er den überkandidelten Europäern ordentlich Dampf. Recht so. Ford, der geniale Instinktmensch: Wenn ich die Leute gefragt hätte, was sie wollen, hätten sie gesagt, schnellere Pferde, gab er einmal zum Besten. Will heißen: Man soll nicht fragen, sondern machen.

Die Kunst, anständige Autos zu einem anständigen Preis auf den Markt zu bringen, haben auch seine Nachfahren verinnerlicht. Im April 1964 stellte Ford den Mustang vor. Ein Mega-Hit: Der 1200 Kilo leichte Sportler wurde binnen drei Jahren knapp 1,3 Millionen Mal verkauft. In seiner wechselvollen Modellgeschichte verlotterte der knackige Sunnyboy allerdings zeitweilig zum Moppelchen. Der Begriff fuel-to-noise-converter machte die Runde, denn besonders die schwachbrüstigen Sechszylinder setzten den ihnen zugeführten Kraftstoff eher in Lärm als in nennenswerte Fahrleistungen um. Irgendwann muss den Ford-Bossen der alte Henry im Traum erschienen sein: Jungs, nicht einfach machen, sondern richtig machen! Ende 2004 kam die bislang fünfte Generation auf den Markt. Mit peppigem Retro-Design und ordentlich Mumm unter der Haube war der Mustang endlich wieder fit for fun.

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Erfolg macht mutig. Die Steigerung von Mustang heißt Interceptor, so der Name der Studie, die Ford auf der Detroit Auto Show 2007 gezeigt hat.

Auf der verlängerten Basis des Mustang bauend, war der Interceptor bereits auf der Messe dazu fähig, den US-Bürgern im Handumdrehen den Verstand zu rauben. Ein viertüriges Musclecar mit Mustang-Genen? Great!

Von Hand gebaut, etliche Millionen Dollar teuer, 5,12 Meter lang und 400 PS stark - ein derart selbstbewusstes Statement ist so recht nach amerikanischem Geschmack. Wie die Modellbezeichnung auch: Abfangjäger. Ein Name, bei dem man in Germany in Deckung gehen würde. Aber im Geschwader mit all den Crossfire, Avenger und Viper, die auf den Freeways unterwegs sind, muss man schon dicker auftragen.

Szenenwechsel ins Ford-Research- & Development-Center in Dearborn nahe Detroit. Es gilt die höchste Sicherheitsstufe. Im Forschungs- und Entwicklungszentrum testet der Ford-Konzern seine Neuheiten. Leute mit Fotoapparaten sind hier werktags so beliebt wie Kolibakterien. Wir aber haben einen Termin mit dem Abfangjäger und ignorieren die geheimen Versuchsträger samt ihrer Hybrid- oder Brennstoffzellenantriebe deshalb nach Kräften. Graue Asphaltbänder mit allen nur denkbaren Kurvenradien schlängeln sich über eine weite Fläche, auf der man problemlos einen Flughafen mittlerer Größe unterbringen könnte. Der Ort atmet Geschichte. Hinter einer endlos scheinenden Ziegelsteinmauer liegt das berühmte Henry Ford-Museum samt der Villa des alten Patriarchen. Dann plötzlich der Urknall. Während wir über Henry räsonieren, ist jemand in den zuvor verschlossenen Truck hinter uns geklettert und hat den dort lauernden Interceptor geweckt. Die Köpfe fahren herum. Der Fünfliter-V8 bollert. Eine von LED-Leuchten eingerahmte, extrem breite Heckpartie schiebt sich majestätisch ins Tageslicht, das von den riesigen hochglanzverchromten 22-Zoll-Felgen reflektiert wird. Der Koloss rollt langsam die Rampe herunter und benötigt so viel Raum wie Bud Spencer auf dem Weg zur Theke. Macht Platz, hier kommt der Landvogt, lautet die Botschaft. Das überzeugt uns, wir machen Platz.

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Der Interceptor verkörpert die ur-amerikanischen Werte des Automobilbaus, wonach ein anständiges Auto in erster Linie groß und herzhaft motorisiert sein muss und über belastbare Technik verfügen soll. Besonders die Seitenperspektive zeigt die Anleihen an die Musclecars der 60er- und 70er-Jahre. Die breite Schulterpartie mit ihrer hohen Bordwand wird von einem vergleichsweise knapp bemessenen Greenhouse gekrönt, dem Fahrgastabteil.

Die gigantische Motorhaube klappt nach vorn auf. Sie umkränzt den dicken Fünfliter-V8 u-förmig. Der Ansaugtrakt behält seine Mütze auf. Eine perfekte Inszenierung für ein 400-PS-Aggregat, das Ford in ähnlicher Form bereits im Motorsport beim FR500C eingesetzt hat - und das den Interceptor problemlos in Stücke reißen könnte, wenn man mit ihm ernsthaft auf die Jagd ginge. Das ist ein Showcar, erinnern wir uns und walten mit Vorsicht. Die schmalen Ledersitze bieten in etwa so viel Seitenhalt wie eine Le Corbusier-Liege - also gar keinen -, aber das ist egal, denn sie sehen toll aus. Die Kopfstützen sind am Dach angeflanscht. Der Blick aufs Armaturenbrett zeigt ein Brett mit Armaturen. Wir registrieren das Fehlen jeglichen Tüddelkrams mit Freude.

Mit den Technik-Genen des Mustang hat der Interceptor auch dessen rustikales Fahrwerk geerbt. Eine hintere Längslenker-Starrachse führt die Goodyear-Walzen des Formats 245/40 R 22. Ein Panhardstab übernimmt die Querabstützung der Achse und verhindert unerwünschte Seitwärtsbewegungen. Unerwünschten Vorwärtsbewegungen dagegen steht der Ford-Sicherheitsdienst im Weg. Schade, ein wenig Bodenmalerei mit den Goodyear-Pinseln hätte bestimmt hübsch ausgesehen. So beschränken wir uns aufs zahme Cruisen.

Das Abgas des in den dicken Pötten des Achtzylinders verbrannten Sprits dient den großflächigen Diffusor-Posaunen am Heck als kraftvoller Atem. Mit unergründlich sattem, bei herzhaften Gasstößen auch kehligem Motown-Sound steckt der Mega-Ford sein Revier ab. Ob der Interceptor - etwa als Antwort auf den Chrysler 300C - in Serie gehen wird, bleibt abzuwarten. Wozu dann das ganze Spektakel? Fingerübungen wie der Interceptor sind ein hervorragendes Beispiel, um die Vielfalt einer Auto-Zukunft aufzuzeigen, in der beileibe nicht jeder an Bord eines leistungskastrierten Hybrid-Mobils über den Highway kullern möchte. Attraktive, zeitgemäße Alternativen sind gefragt. Auch Fords Leute arbeiten daran, in Dearborn und rund um den Globus. Der alte Henry hätte seine helle Freude daran gehabt - und am Interceptor sowieso. Der läuft n&a

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