Ford Focus ST vs. Peugeot 308 GT und Skoda Octavia RS Combi Sportliche Kombination

13.04.2015
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor/Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt/Kosten
  6. Fazit

Den betont dynamischen Ford Focus ST gibt es nun auch mit einem effizienten, kraftvollen Diesel. Wie schlägt sich der Ford gegen die starken Wettbewerber? Vergleichstest

Jahrelang stand der Ford Focus ST für enthemmten Fahrspaß mit wildem Vierzylinder-Turbobenziner – und das bei Bedarf auch als familientauglicher Kombi. Seit der jüngst erfolgten großen Modellpflege ist der Kölner Sportler auch mit einem Turbodiesel-Aggregat zu haben.

185 PS schickt das 2,0 Liter große Triebwerk an die Vorderachse – bei einem vom Hersteller angegebenen EU-Verbrauch von gerade mal 4,2 Litern je 100 Kilometer. Damit erreicht der Selbstzünder-ST eine völlig andere Effizienz-Dimension als die Benziner-Variante.

Ob der Neuling allerdings genauso viele fahrdynamische Reize vorzuweisen hat, klärt der Vergleichstest gegen zwei überaus potente Wettbewerber: den 180 PS starken Peugeot 308 GT SW Blue HDi und den Skoda Octavia RS Combi mit 184 PS.

 

Karosserie

Mit einem Gardemaß von rund 4,69 Metern in der Länge sprengt der Skoda Octavia die für die Kompaktklasse gängigen Dimensionen deutlich. Das Gleiche gilt für den makellos verarbeiteten Innenraum. Gerade hinten stellt der Tscheche mehr Platz zur Verfügung als so manches Oberklasse-Vehikel.

Ganz zu schweigen vom riesigen Gepäckabteil, das schon im Normalfall – wie übrigens auch das des Peugeot – 610 Liter Gepäck aufnimmt. Endgültig zum Lademeister avanciert der Skoda allerdings bei umgelegter Rückbanklehne. Konkurrenzlose 1740 Liter stehen dann zur Verfügung.

Kleiner Wermutstropfen: Die Ladefläche ist nicht ganz eben, was das Durchschieben langer Gegenstände etwas erschwert. An seinem souveränen Sieg im Karosserie-Kapitel ändert dies jedoch nichts, zumal der Octavia-Testwagen mit 525 Kilogramm auch am meisten Gepäck schleppen darf und sich mit einer Anhängelast von maximal 1600 Kilogramm als kompetente Zugmaschine eignet.

Darüber hinaus sammelt der beliebte Skoda viele Punkte durch seine umfangreiche Sicherheitsausstattung, die auf Wunsch sogar einen proaktiven Insassenschutz inklusive Fond-Seitenairbags (440 Euro Aufpreis) enthält. Dieses System strafft im Fall eines drohenden Unfalls die Gurte und schließt die Fenster sowie das (optionale) Schiebedach.

Der Peugeot 308 SW ist dem Skoda Octavia, zumindest was das Kofferraumvolumen angeht, recht dicht auf den Fersen. Mit bis zu 1660 Litern eignet sich auch der Franzose durchaus für einen Besuch beim schwedischen Möbeldiscounter.

Allerdings offeriert er im Innenraum weniger Platz – ohne seine Passagiere dabei wirklich einzuengen. Die Armaturentafel präsentiert sich aufgeräumter als in vielen anderen Fahrzeugen und verzichtet weitgehend auf Schalter oder Regler. Radio, Navigation, ja sogar die Klimatisierung werden über den zentralen Touchscreen bedient.

Das ist weder sonderlich intuitiv noch praktisch. Navigationsadresse eingeben und nebenher mal eben die Innenraumtemperatur regulieren? Dazu muss zunächst umständlich das Obermenü gewechselt werden. Positiv hingegen: Die verwendeten Materialien wirken recht hochwertig, und die Verarbeitung ist ebenfalls ordentlich.

Weniger gut: Der Schulterblick nach hinten wird im Fall des Peugeot durch das schießschartenartige Heckfenster und die wuchtigen Dachsäulen erschwert. Gut, dass Einparkhilfen vorn und hinten beim 308 GT, der auf der Topausstattung Allure basiert, serienmäßig sind.

Der Ford Focus ist innen deutlich mehr auf Taille geschneidert als der Octavia. Am offen-sichtlichsten ist dies im Fond zu erkennen, der innerhalb dieses Trios den geringsten Fußraum bereitstellt. Zudem schränken die wuchtigen Lehnen der modellspezifischen Recaro-Sportsitze den Knieraum in Reihe zwei weiter ein.

Darüber hinaus knausert der frisch geliftete Kölner mit Platz fürs Gepäck. Sein Kofferraum fasst lediglich 490 bis 1516 Liter. Ein weiterer Nachteil des sportlichen Kölners: Wegen der mittig platzierten Auspuff-Endrohre ist für ihn keine Anhängerkupplung verfügbar.

Damit scheidet er als Zugfahrzeug für Anhänger automatisch aus. Im Zuge der großen Modellpflege erhielt der Focus ein komplett neues Multimediasystem. Die bisherige Lösung mit ihrer Armada an Knöpfchen wurde in Rente geschickt und durch einen zeitgemäßen Touchscreen ersetzt.

Die Menüs sind recht übersichtlich strukturiert und nach ein wenig Eingewöhnung auch schnell verinnerlicht. Allerdings reagiert der Bildschirm manchmal etwas träge, und einige Icons hätten gern etwas größer ausfallen dürfen.

 

Fahrkomfort

Der Ford Focus ST fordert im Alltag aufgrund der sportlich-harten Federung innerhalb dieses Trios die größte Kompromissbereitschaft von seinen Fahrgästen. Sowohl auf kleineren Fahrbahnschäden als auch beim Überfahren von groben Schlaglöchern und Ähnlichem präsentiert sich der Kölner eher von der unnachgiebigen Sorte.

Am besten gelingt dem Skoda Octavia RS der schwierige Spagat zwischen Sportlichkeit und Federungskomfort. Zwar ist auch der agile Tscheche als RS-Modell bedeutend straffer abgestimmt als seine zahmeren Brüder, dennoch verarbeitet seine Federung Anregungen aller Art geschmeidiger und souveräner als die hier versammelte Konkurrenz.

Außerdem bringt er die bequemsten Sitze mit. Sie stützen den Körper in Kurven wirkungsvoll ab, ohne ihn einzuengen, und garantieren dank der angenehmen Polsterung ein entspanntes Reisen Der Peugeot 308 GT SW schiebt sich mit seinen durchaus hochentwickelten Komforteigenschaften zwischen den Ford Focus ST Turnier und den Skoda Octavia RS Combi.

Die Sitze sind zwar bedeutend größer geschnitten als die relativ engen Recaros des Ford, dafür lassen sie es beim schnellen Kurvenfahren an Seitenführung vermissen. Das ebenfalls straff abgestimmte Fahrwerk ermöglicht aufgrund des sensiblen Ansprechverhaltens auf kleineren Anregungen einen guten Langstreckenkomfort auf Autobahnen oder Landstraßen, hält bei groben Fahrbahnschäden aber nicht so viele Reserven bereit wie das des Skoda Octavia.

Dieser Eindruck verschärft sich bei maximaler Beladung gravierend. Dann kommt das Set-up des Franzosen, der hinten sichtbar in die Knie geht, wesentlich früher an seine Grenzen als dies bei den Wettbewerbern der Fall ist.

 

Motor/Getriebe

Der bullige, dank Soundaktuator sehr kernig klingende Turbodiesel passt mit seiner explosiven Leistungsentfaltung hervorragend zum ungestümen Charakter des Ford Focus ST. Bereits knapp über Leerlaufdrehzahl legt sich der Vierzylinder mächtig ins Zeug und treibt den immerhin 1558 Kilogramm schweren Turnier zügig voran.

Den Standardsprint von null auf 100 km/h absolviert der Ford in ordentlichen 7,9 Sekunden. Die Kraftübertragung erfolgt alternativlos über ein manuelles Sechsgang-Getriebe, dessen Schaltwege gern etwas kürzer hätten ausfallen dürfen. Nichts zu meckern gibt es hingegen am Verbrauch.

Mit durchschnittlich 6,1 Litern pro 100 Kilometer ist der Focus ST in diesem Vergleichstest mit Abstand der Sparsamste. Noch zügiger geht es im Skoda Octavia RS voran. Auch aufgrund des geringsten Gewichts (1473 Kilogramm) liefert der Tscheche die besten Fahrleistungen und beschleunigt in 7,4 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h.

Wegen fehlender Verfügbarkeit ist unser Testwagen anstelle des serienmäßigen Sechsgang-Schaltgetriebes mit einem Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe ausgerüstet, das die Gänge schnell und unmerklich sortiert.

Allerdings ist der Skoda, dessen Motor als einziger nur die Euro-5-Norm erfüllt, der durstigste Testkandidat – wenngleich 6,8 Liter keinen Grund zur Klage geben. Den Peugeot 308 GT gibt es nur mit einer Sechsstufen-Automatik.

Sie überträgt die Kraft des leisen und kultivierten Selbstzünders auf die Vorderräder und verteilt die Übersetzungsstufen schnell und unauffällig. In puncto Beschleunigung fährt der Franzose den beiden anderen dennoch knapp hinterher – er benötigt als einziger mehr als acht Sekunden, um auf 100 km/h zu sprinten.

 

Fahrdynamik

Auf kurvigen Strecken läuft der Ford Focus ST zur Höchstform auf. Die präzise, nicht zu leichtgängige Lenkung ermöglicht ein zielgenaues Kurvenräubern. Die geringen Karosseriebewegungen und die hoch entwickelte Traktion tragen ihren Teil zum sportlich-direkten Eindruck bei, den der Kombi hinterlässt.

Der überaus agile Charakter wird außerdem durch das lebhafte Heck unterstrichen, das beim Gaswegnehmen leicht nach außen drückt. Tückisch wird dieses sportliche Fahrverhalten indes zu keinem Zeitpunkt, auch mit deaktiviertem ESP nicht.

Zudem ist jederzeit auf die gut dosierbare Bremsanlage Verlass, die vor allem im warmen Betriebszustand sehr gute Werte liefert. Doch auch wenn der Ford sich am rasantesten anfühlt: Den Bestwert erreicht er auf unserem Handlingkurs nicht.

Die Messlatte auf der Rundstrecke ist der unauffällig schnelle Octavia. Der große Kombi nimmt auch wegen seines vergleichsweise niedrigen Gewichts stets etwas mehr Geschwindigkeit mit in die Kurve hinein und bleibt länger neutral, bevor er in sanftes Untersteuern übergeht.

Beim Herausbeschleunigen aus engen Kehren hilft dem Skoda obendrein das serienmäßige elektronische Sperrdifferenzial, das Traktionsverluste an der Antriebsachse wirksam minimiert. Außerdem verfügt er über die beste Bremsanlage innerhalb dieses Trios.

Der Peugeot 308 GT SW fährt den anderen beiden auf der Rundstrecke mit einem Respektabstand von 1,8 beziehungsweise 1,5 Sekunden hinterher. Er lenkt träger ein, schiebt früher über die Vorderräder und wirkt kopflastiger.

azu fehlt es seiner Lenkung trotz des extrem kleinen Lenkrads etwas an Präzision und Direktheit. Die Bremsanlage verzögert insgesamt auf ordentlichem Niveau, ohne aber die guten Warmbremswerte der Rivalen zur erreichen.

 

Umwelt/Kosten

Alle drei Hersteller schicken ihre sportlichen Kompaktkombis mit umfangreicher Serienausstattung auf die Straße. Das Kostenkapitel entscheidet indes der Peugeot dank der umfangreichsten Garantieleistungen für sich.

Aber auch der Ford Focus ST hat im Vergleich einige wichtige Argumente auf seiner Seite: den niedrigsten Preis, den geringsten Wertverlust und die günstigsten Versicherungseinstufungen. Außerdem ist bei ihm durch den geringen Durst des Motors mit den zivilsten Kraftstoffkosten zu rechnen.

 

Fazit

Mit seinem ungestümen Charakter gewinnt der Ford Focus ST auch als Diesel die Herzen sportlich ambitionierter Fahrer – aber nicht den Vergleichstest. Dazu fordert er im Alltag von seinen Fahrgästen zu viele Nehmerqualitäten und spart zudem an den typischen Kombi-Tugenden. Deshalb reicht´s dieses Mal nur für die Bronzemedaille.

Ganz im Gegensatz dazu der Testsieger, der Skoda Octavia RS: Er ist nicht nur komfortabler und schneller als der Focus, er bietet auch das deutlich üppigere Raumangebot für Mensch und Gepäck.

Den zweiten Platz sichert sich der Peugeot 308 GT, der die umfangreichsten Garantieleistungen mitbringt. Der Dynamischste ist der charmante Franzose aber nicht.

Marcel Kühler

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