Ford Focus RS vs. Subaru Impreza WRX STi Auf den Spuren der Rallye Monte Carlo

14.05.2009

Der neue Ford Focus RS und der Subaru Impreza WRX STi folgen den Spuren der Rallye Monte Carlo und liefern sich in den Seealpen ein Duell der Antriebs-konzepte

Noch 200, dann rechts 2, 150, links 1 – Vorsicht, innen Steine: So könnte der Aufschrieb für die schnell aufeinanderfolgenden Kehren am Col de Braus lauten. Je kleiner die Zahl für die Kurve, umso enger ist sie. Auf brutales Beschleunigen folgt auf der ehemaligen Wertungsprüfung der Rallye Monte Carlo ebenso brutales, abruptes Bremsen, teilweise bis in den ersten Gang. Der emotionslos mit D2204 bezeichnete Asphalt-Bandwurm oberhalb von Monaco schlängelt sich kurvenreich durch die Seealpen. Er verbindet die Orte L’Escarène und Sospel miteinander – Namen, die Unwissenden nichts bedeuten, von Eingeweihten aber andächtig geflüstert werden.

Diese Pfade standesgemäß zu befahren – den Begriff „Straße“ verdienen viel gar nicht erst –, verlangt nach einem turbobefeuerten Fahrzeug. Der neue Ford Focus RS drängt sich trotz des Verzichts auf den Allradantrieb in die erste Reihe. Er ist ein 305 PS starker Muskelprotz mit ausgestellten Kotflügeln, einem martialischem Dachspoiler und zwei auffälligen Endrohren. Die lange Entwicklungszeit und ihre Ergebnisse beschreibt RS-Chef Jost Capito in einer so flammende Rede, als ginge es darum, gleich morgen Barrack Obama als US-Präsidenten abzulösen.

Subaru stellt den würdigen Gegner. Der Impreza, seit 1993 in der Rallye-WM vertreten, schart weltweit eine eingeschworene Fangemeinde um sich, die den eigentümlichen, satten Boxer-Sound als ihre Hymne preisen. Aktuell in der dritten Generation 300 PS stark und mit einem ausgefuchsten Allradantrieb ausgestattet, sieht der WRX STi dem Duell gegen den „Frontkratzer“ locker entgegen. Während Ford als Werksteam weiterhin an der Rallye-WM teilnimmt, hat sich Subaru Anfang 2009 werksseitig zurückgezogen. Auch die Rallye Monte Carlo, erstmals 1911 ausgetragen, musste Federn lassen: Sie gehört 2009 nicht mehr zu den Wertungsläufen der Rallye-WM. Den ihr anhaftenden Legenden schadet das aber nicht.

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Der Focus RS will Rallye-Feeling in den Alltag transferieren. Und das gelingt ihm. Das fein abgestimmte Konzert aus dem Ansauggurgeln des Fünfzylinders, dem Zischen des Ladedruckventils und dem tiefen Bass der Auspuffanlage schaltet auch das Fahrer-Gehirn in den Rallye-Modus. Die wilde Optik der Karosserie erfährt innen leichte Dämpfer durch das wenig veränderte Serien-Cockpit und die vergleichsweise hohe Sitzposition. Die Recaro-Sitze sind dagegen spitze. Star des RS-Pakets sind der sorgsam getunte Motor und die Weiterentwicklung der Vorderachse nach dem patentierten Revo-Prinzip. Die modifizierten Mc-Pherson-Federbeine verhindern eine Sturzveränderung der Vorderräder in engen Kurven, der Reifen hält stets auf ganzer Breite Kontakt zur Straße. Kurz: Im Verein mit der mechanischen Quaife-Differenzialsperre erlebt der Fahrer eine neue Dimension des Frontantriebs. Die gebotene Traktion, das gekonnte Zusammenspiel von Leistungs- und Drehmomententwicklung sowie das neu abgestimmte ESP lassen den RS zu einem ernsten Sportwagen reifen – für 33 900 Euro.

Gut 10 000 Euro mehr verlangt Subaru für sein sportliches Spitzenmodell. Der Japaner steht zierlicher auf der Straße, innen fühlt sich der tiefsitzende Fahrer deutlich integrierter. Nur die Arbeit mit der knorrigen Schaltung verhindert allzu große Glücksgefühle. Über einen Drehknopf lässt sich die Kraftverteilung zwischen Vorder- und Hinterachse je nach Einsatzzweck regeln. Auch das Ansprechverhalten der Motor-Drosselklappe kann man beeinflussen, das ESP-System (VDC) ist im Gegensatz zu dem des Ford komplett deaktivierbar. Grip ist im Überfluss vorhanden, die Abstimmung des Turbo-Boxers aber weniger gut gelungen. Die Kraftanschlüsse passen nur bei Schaltpunkten an der Drehzahlgrenze. Das lässt den etwas komfortabler gefederten Subaru in den engen Kehren am Col de Braus leicht zurückfallen. Trotz der wirkungsvollen Bremsanlagen in beiden Autos beschleicht einen angesichts der steilen, felsigen Abgründe ein ungutes Gefühl: Hier fahren die Rallye-Piloten auf Bestzeit? Teilweise auf über 30 km langen Prüfungen – völlig unglaublich. Und welchem Stress ist der Beifahrer dabei ausgesetzt? Von waghalsigen Trips mit Frau oder Freundin an Bord ist jedenfalls abzuraten.
Holger Eckhardt

Fazit

Technische Daten
Motor 
Zylinder5-Zylinder, 4-Ventiler, Turbo
Hubraum2522
Leistung
kW/PS
1/Min

224/305
6500 U/min
Max. Drehmom. (Nm)
bei 1/Min
440
2300 U/min
Kraftübertragung 
Getriebe6 Gang manuell
AntriebVorderrad
Fahrwerk 
Bremsenv: innenbelüftete Scheiben
h: innenbelüftete Scheiben
Bereifungv: 235/35 R 19
h: 235/35 R 19
Messwerte
Gewichte (kg) 
Leergewicht (Werk)1393
Beschleunigung/Zwischenspurt 
0-100 km/h (s)5.9
Höchstgeschwindigkeit (km/h)263
Verbrauch 
Testverbrauchk.A.
EU-Verbrauch9.4l/100km (Super)
Reichweitek.A.
Abgas-Emissionen 
Kohlendioxid CO2 (g/km)k.A.

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