Neuer Ford Focus RS (2016): Erste Testfahrt Ford Focus RS angetestet

von AUTO ZEITUNG 03.11.2017

Mit dem neuen Ford Focus RS (2016) soll die Krone des Fahrspaß-Königs nach Köln wechseln. Wir klären in unserer ersten Testfahrt, wie sich der 350 PS starke Allrad-Sportler fährt.

Von wegen König der Kompaktklasse. Wenn Jürgen Gagstatter, der Mann hinter dem neuen Ford Focus RS (2016), über den Golf spricht, kann er sich bei aller Ehrfurcht ein höhnisches Lächeln nicht verkneifen. Denn beim Absatz mögen die Kollegen aus Wolfsburg die Nase deutlich vorn haben, doch bei der Adrenalin-Ausschüttung sind die Niedersachsen allenfalls zweiter Sieger. Und daran ist Gagstatter nicht ganz unschuldig. Schließlich ist der Ford-Ingenieur Projektleiter für den Focus RS, der mit 350 PS, 266 km/h Spitze und erstmals mit Allradantrieb das Zeug zum ultimativen Golf-Schläger hat. Denn gemessen am Spaßfaktor ist der neue RS auch für glatte 40.000 Euro noch immer ein Schnäppchen. Zwar haben Skeptiker durchaus ein wenig um den Fahrspaß gefürchtet, als Ford bei der Premiere den ersten RS mit Allrad-Antrieb angekündigt hatte. Denn wo die vier angetriebenen Räder beim Kavalierstart helfen, weil sie die 440 Newtonmeter sauber auf die Straße bringen und so einen Sprintwert von 4,7 Sekunden erst möglich machen und wo sie in Kurven für einen festen Kurs sorgen, stabilisieren sie den neuen Ford Focus RS (2016) natürlich auch und nehmen ihm so ein wenig vom Nervenkitzel, der bei einem Auto wie diesem einfach dazu gehört.

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Erste Testfahrt im neuen Ford Focus RS (2016)

Doch die Sorge löst sich bei der ersten Testfahrt buchstäblich in Rauch auf – der bei entsprechender Fahrweise blau und beißend aus den weit ausgestellten Radhäusern des neuen Ford Focus RS (2016) quillt. Schließlich hat Gagstatter eine Elektronik programmiert, die dem Spieltrieb und dem Nervenkitzel auf Knopfdruck sogar noch Vorschub leistet. Zwei individuell geregelte Kupplungen an der Hinterachse steuern zusätzlich zur Haldex-Kupplung die Kraftverteilung des Allradsystems und erlauben eine Fahrdynamik, wie man sie in dieser Klasse bislang selten erlebt hat. Im Normalmodus noch überraschend komfortabel und eher untersteuernd wie ein Fronttriebler, muss man bei der Testfahrt nur den unscheinbaren Schalter auf dem Mitteltunnel drücken und ins Sport-Programm wechseln, damit das Lächeln am Steuer breiter wird und der Puls in die Höhe schnellt. Während sich die Federung spürbar versteift und man das Lenkrad besser ein bisschen fester greift, dreht sich der Wagen plötzlich mit der Kehrseite in die Kurve und erinnert fast an alte Heckschleudern. Dann beginnt ein Tanz, den man mit ein bisschen Übung allein mit dem Gasfuß dirigieren kann. Als würde man über die Landstraße surfen, swingt man durch die Kurven und man kommt aus dem Staunen kaum mehr heraus, so weit hat sich der Grenzbereich mittlerweile verschoben. Die Musik dazu spielt der 2,3 Liter große Vierzylinder-Turbo aus dem neuen Mustang, der im neuen Ford Focus RS (2016) mit größerem Lader auf 350 PS Nm kommt und durch den offenen Klappenauspuff brüllt, als wäre er allein auf der Welt.

 

Drift- und Track-Modus rocken im Ford Focus RS

Und der Sport-Modus ist nur der Anfang. Als zweite Eskalationsstufe gibt es im neuen Ford Focus RS (2016) auch noch die Stufe "Track", in der Elektronik die Muskeln noch ein bisschen weiter anspannt, ihr Sicherheitsnetz einrollt und den RS allein dem Geschick des Fahrers überlässt. Wer es dann darauf anlegt, der sieht die Welt die meiste Zeit aus dem Seitenfenster und lernt schnell, dass die tief ausgeschnittenen Recaros keine Schau sind, sondern die Insassen aus gutem Grund in die Zange nehmen. Das große Finale ist allerdings ein Platzkonzert der besonderen Art: Der Driftmodus. Zum ersten Mal für ein Serienauto programmiert, werden damit bis zu 100 Prozent der Kraft an das äußere Hinterrad geleitet, die Lenkung ganz weich gestellt und die Traktionskontrolle herunter geregelt. Dann reicht ein kräftiger Gasstoß und ein beherzter Griff ins Lenkrad, schon fährt der Focus RS Kreise um sich selbst. Der Beifahrer wird dabei zwar grün und blau im Gesicht und nach ein paar Minuten versinkt der ganze Platz im beißenden Rauch, in dem die Breitreifen von Michelin gerade aufgehen. Doch am Steuer versinkt man in einem Rausch aus Rauch und Raserei, der ewig währen möge. Selbst vermeintlich überflüssige Extras wie die Lenkradheizung ergeben nach so einer Karussellfahrt plötzlich einen Sinn. Nicht, weil man tatsächlich frieren könnte nach einem solchen Höllenritt. Sondern weil dann die schweißnassen Hände schneller trocknen.

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