Ford Focus, Honda Civic und Mazda 3 im Vergleichstest Auffallend anders

22.08.2011
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Fahrzeuge der Kompaktklasse verfolgen eher eine konservative Design-Linie. Zu groß ist die Angst der Hersteller vor einem Flop ihres Volumenmodells. Der neue Honda Civic bricht völlig mit dieser Tradition. Der erste Vergleichstest klärt, ob sich gestalterischer Mut mit klassischen automobilen Werten vereinen lässt

Er sieht aus, als diene er als Stilvorlage für die nächste Generation von Autoscootern. Dabei will die inzwischen achte Auflage des Civic nicht auf den Rummelplätzen dieser Welt glänzen, sondern den etablierten Stars der Kompaktklasse die Schau stehlen. Zweifellos sticht der neue Kompakt-Honda aus der Masse heraus. Er wirkt von außen wie ein Faustkeil, innen wie ein Flugsimulator. Er ist ein Typ. Doch designerischer Mut ist die eine Seite, auf der anderen stehen die technischen Fakten und der harte Fahralltag. Also haben wir dem Honda Civic mit neuem 1,8-Liter-Motor und 140 PS zwei scharfe Konkurrenten in den Ring geholt: den 145 PS starken Ford Focus und den Mazda3 mit 150 PS, jeweils mit Zwei-Liter-Motor bestückt.

 

Karosserie

Wer vom Ford Focus in den Honda steigt und umgekehrt, erlebt, wie dehnbar der Begriff "kompakt" ist. Im Ford erwartet die Passagiere vorn wie hinten ein in dieser Klasse großzügiges Raumangebot. Kopf, Ellenbogen, Schultern, alle Körperteile melden ausreichend Platz. Da geht es auf den vorderen Plätzen des Honda schon beengter zu, Großgewachsene stoßen oben an. In der Breite kann der Japaner durchaus Paroli bieten, zumal das Cockpit sich - anders als im Ford - nicht burgartig auftürmt, sondern den Fahrer umschließt. Im Mazda3 stört der enge Fußraum, und die Schulter befindet sich in ungewolltem Kontakt zur B-Säule. Auf den hinteren Plätzen wird die Philosophie des neuen Civic schnell klar: Dieses Auto richtet sich auch mit vier Türen gezielt an zweiköpfige Mannschaften. Die Coupéhafte Linie fordert Zugeständnisse, und es sind Kinder, die sich hinten am wohlsten fühlen dürften. Ein Zweier-Team freut sich andererseits über den mit im Normalfall 456 Litern größten Kofferraum seiner Klasse (Ford 385, Mazda 413 Liter). Und die Variabilität des Civic sucht mit leicht umlegbaren Sitzen sowie einem versenkten zweiten Ladeabteil ihresgleichen. Japaner Nummer zwei, der Mazda, punktet mit der besten Übersichtlichkeit sowohl nach vorn als auch nach hinten. Sogar das Ende der Motorhaube lässt sich erahnen, was ihm bei Parkplatz-Zauderern Sympathien verschaffen dürfte. Beim Ford wie auch beim Honda stört die satt im Blickfeld liegende C-Säule. Beim Civic kommt der als Heckspoiler fungierende Querträger noch hinzu, der die Sicht nach hinten weiter einschränkt. Das futuristische Cockpit des Honda bedarf einer Eingewöhnungszeit, danach werfen Bedienung und Funktion keine Probleme mehr auf. Leider hält die Qualität der verwendeten Materialien und Teile nicht das, was die Optik zunächst verspricht. Das ist im Mazda kaum besser. Nur der Ford vermittelt eine Grundsolidität, die vom satten Türschließen bis zum massiven Türinnengriff reicht.

KarosserieMax. PunkteFord Focus 2.0Mazda 3 Sport 2.0Honda Civic 1.8
Raumangebot vorn100706264
Raumangebot hinten100585550
Übersichtlichkeit70546248
Bedienung/ Funktion100908086
Kofferraumvolumen100535763
Variabilität100352040
Zuladung/ Anhängelast80313041
Sicherheit150939598
Qualität/ Verarbeitung200170164161
Kapitelbewertung1000654625651

 

Fahrkomfort

Bleiben wir noch im Innenraum und prüfen den Sitzkomfort. Der Ford gefällt hier am besten: Straffe Polster, ausreichend lange Sitzflächen und eine wirksame Rückenunterstützung unterstreichen seine Reisetauglichkeit. Die wird durch den niedrigsten Geräuschpegel nochmals betont. Der Mazda ist akustisch stets präsent, bei höherem Tempo gar laut, während der Honda dank seiner geringen Windgeräusche entspannt. Die tiefe und flache Sitzposition im Civic hebt die Oberschenkel von der Sitzfläche ab; dafür umfassen die etwas zu weichen Polster die Schultern und bieten so in Kurven ausreichenden Halt. Den bietet das Mazda-Gestühl zwar auch, doch missfallen die etwas zu kurz geratenen Sitzflächen und der schweißtreibende Bezugsstoff. Begeben wir uns auf Straßen unterschiedlichster Qualität, trennt sich schnell die Spreu vom Weizen. Stärker als die beiden Konkurrenten pendelt der Ford auf holprigen Strecken leicht in Querrichtung. Insgesamt straff gefedert, weist seine Bilanz dennoch einen guten Gesamt-Komforteindruck auf. Das lässt sich für den Honda nicht feststellen: Spürbar unterdämpft nickt er auf nicht ebenen Pisten und wirkt stuckerig, voll beladen schlägt die Federung gelegentlich durch. Ganz anders der Mazda: In Federung und Dämpfung fein abgestimmt, versetzt er nicht, taumelt nicht, poltert nicht. Das verleiht ihm in dieser Klasse beinahe Referenzstatus.

FahrkomfortMax. PunkteFord Focus 2.0Mazda 3 Sport 2.0Honda Civic 1.8
Sitzkomfort vorn15011010497
Sitzkomfort hinten100595841
Ergonomie150130127122
Innengeräusche50402627
Geräuscheindruck100605458
Klimatisierung50333331
Federung leer200133138115
Federung beladen200130133114
Kapitelbewertung1000695673605

 

Motor und Getriebe

Wer sich in der Kompaktwagenklasse gegen den Diesel und für den starken Benziner entscheidet, möchte auch Fahrfreude genießen. Klar, die modernen Diesel bieten viel Drehmoment bei niedriger Drehzahl - und das bei günstigstem Verbrauch. Doch Drehfreude und Agilität versprechen eher die Benziner. Allen voran der Honda: i-VTEC heißt die Zauberformel, die dank phasenverstellbarer Nockenwellen und zweifach schaltbaren Nockenprofils für verbesserte Zylinderfüllung sorgen soll. Doch anders als erwartet kann sich das mit einem eng gestuften Sechsgang-Getriebe gepaarte Aggregat nicht gegen die Konkurrenz behaupten. Zwar reagiert der Motor spontan auf Gaspedalbewegungen, doch wirkt der Honda durchzugsschwach. Dies bestätigen auch die Messwerte. Zwischen 100 und 160 km/h vergehen exakt 16 Sekunden. Soll es schnell vorangehen, muss der Fahrer mindestens einen Gang zurückschalten. Zudem klingt der Civic dabei angestrengt. Gleiches gilt für den Mazda, der bei hohen Drehzahlen ebenfalls sehr laut wird. Immerhin: Das mit dem Ford-Motor weitgehend baugleiche Triebwerk beeindruckt mit ausreichend Kraft und sorgt für die besten Fahrleistungen im Test. Auch die passend gestufte und präzise Schaltung gefällt. Lobenswert: Der Kraftstoffkonsum hält sich mit nur 8,7 Liter Super in erträglichen Grenzen. Im Focus arbeitet der Vierzylinder kultivierter und verursacht gerade bei hohen Drehzahlen weniger Geräusche. Doch den Biss, den er im Mazda demonstriert, kann er im Focus nicht zeigen. In den Beschleunigungs- und Durchzugsmessungen fällt der Ford hinter den Mazda3 zurück.

Motor und GetriebeMax. PunkteFord Focus 2.0Mazda 3 Sport 2.0Honda Civic 1.8
Beschleunigung150140150138
Elastizität100
Höchstgeschwindigkeit150767075
Getriebeabstufung100788372
Kraftentfaltung50253222
Laufkultur100635759
Verbrauch325148153142
Reichweite25172216
Kapitelbewertung1000547567524

 

Fahrdynamik

An dieser Stelle folgt sonst der übliche Hinweis, dass Kompaktfahrzeuge keine Rennen gewinnen müssen. Das stimmt auch. Und doch sagt das Verhalten im physikalischen Grenzbereich viel aus über das Potenzial eines Autos, heil aus Notsituationen herauszukommen. Oder einfach Spaß zu bereiten. So überzeugen die beiden Japaner sowohl beim Handling als auch beim Slalom mit beachtlich guten Zeiten. Speziell der Mazda gefällt dabei durch seine präzise, gutes Rückstellmoment vermittelnde Lenkung, die im Zusammenspiel mit dem fahraktiv ausgelegten Chassis viel Fahrspaß bereitet. Bei ausgeschaltetem DSC (ESP) drängt bei Gaswegnahme das Heck etwas nach, was sich aber rechtzeitig ankündigt und beherrschbar bleibt. Der Honda operiert anders: Seine Lenkung wirkt leicht teigig, bindet den Fahrer nicht so gut an die Fahrbahn, vermittelt weniger Präzision. Lastwechselreaktionen pariert der Civic mit gemächlichem, harmlosem Eindrehen in die Kurve; im übrigen schiebt er bei Gaseinsatz am Kurveneingang kontrolliert über die Vorderräder. Dass er trotz motorischer Unterlegenheit die Zeiten des Mazda einstellt, verdankt er seinen im direkten Vergleich geringeren Traktionsverlusten beim Beschleunigen in und aus der Kurve. Hier verpufft das Motorleistungsplus des Mazda einfach. Bestnoten erzielt der neue Honda aber woanders: In der Version "Sport" mit üppigen Breitreifen des Formats 225/45 R 17 ausgerüstet, markiert er den klaren Bremsmeister dieses Trios. Der Ford Focus, dessen erfolgreicher Vorgänger in Sachen Fahrdynamik nicht nur unter seinesgleichen die Messlatte bildete, gerät in der aktuellen Variante etwas ins Hintertreffen. Er wirkt nun behäbiger und nicht mehr so perfekt ausbalanciert. Der Lenkwinkelbedarf ist gestiegen, die Untersteuertendenz auch. Dennoch attestieren wir auch diesem Focus ein narrensicheres Fahrverhalten frei von Überraschungen. Nur das Fahrvergnügen hat etwas Speck angesetzt.

FahrdynamikMax. PunkteFord Focus 2.0Mazda 3 Sport 2.0Honda Civic 1.8
Handling150899393
Slalom100525862
Lenkung100788078
Geradeauslauf50403938
Bremsdosierung30181917
Bremsweg kalt150131118133
Bremsweg warm150128131139
Traktion100383839
Fahrsicherheit150125123120
Wendekreis2011148
Kapitelbewertung1000710713727

 

Umwelt und Kosten

In diesem Kapitel liefern sich alle drei Kontrahenten ein dichtes Kopf-an-Kopf- Rennen. Dass sich am Ende der Honda durchsetzt, hat er vor allem seinem sauberen Triebwerk zu verdanken. Zwar erfüllen alle Testkandidaten die EU-4-Abgasnorm, doch der Honda entlässt die wenigsten Emissionen in die Umwelt. Der Mazda ködert die Kundschaft mit den besten Garantiebestimmungen. Neben drei Jahren Vollgarantie gibt es hier auch eine lebenslange Mobilitätsgarantie – vorausgesetzt, dass die Inspektionen regelmäßig erfolgten. Dass Ford nur zwei Jahre Garantie bietet, kostet ihn wertvolle Punkte. Immerhin werden die Kunden mit der günstigsten Versicherungseinstufung belohnt. Da auch der Wertverlust keinen Sieger oder Verlierer aufzeigt, erlaubt das Kostenkapitel keine eindeutige Kaufentscheidung.

Kosten/UmweltMax. PunkteFord Focus 2.0Mazda 3 Sport 2.0Honda Civic 1.8
Bewerteter Preis675373366373
Wertverlust50767376
Ausstattung25454946
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung50183320
Werkstattkosten20414344
Steuer10434344
Versicherung40424140
Kraftstoff55363734
Emissionswerte25767987
Kapitelbewertung1000750764764

 

Fazit

Der neue Honda Civic beweist Mut im Auftritt, richtet sich im Gesamtpaket an junge Paare, die kompromissbereit sind, was das Raumangebot auf den hinteren Plätzen angeht, und im Gegenzug einen verwandlungsfähigen Laderaum wünschen. Wenn Honda Komfort und Detailqualität rechtzeitig verbessert, könnte Civic der Achte viele Freunde gewinnen. Platz zwei geht an den fahraktivsten im Bunde, den Mazda3, der das Kapitel Motor/Getriebe dominiert. Sein wenn auch zu lauter Motor hängt gut am Gas, das Getriebe passt, die Lenkung vermittelt viel Spaß. Seine Bremsleistungen sind allerdings nur Durchschnitt. Der knappe Sieger heißt Ford Focus, weil er in der Summe der Eigenschaften der ausgewogenste ist. Er bietet die besten Raumverhältnisse und die besten Sitze, und auch sein Qualitätseindruck ist der beste.

Gesamtbewertung

Max. PunkteFord Focus 2.0Mazda 3 Sport 2.0Honda Civic 1.8
Summe5000335633423271
Platzierung123

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