Neuer Ford Focus im Vergleichstest Ford Focus 2.0 TDCi - Opel Astra 2.0 CDTI -VW Golf GTD

02.09.2011

Der Titel für das beste Auto der Kompaktklasse ist heiß begehrt. Ford schickt jetzt den komplett neuen Focus ins Rennen, der sich mit Opel Astra und VW Golf misst

Das Jahr 2011 beginnt für Ford mit einem Paukenschlag. Zum Frühjahr hat der Konzern seine wohl wichtigste Markteinführung geplant: den komplett neu entwickelten Focus. Der soll nicht nur an den Erfolg der beiden Vorgängergenerationen anknüpfen, die sich seit 1998 weltweit mehr als zehn Millionen Mal verkauft haben. Er bildet gleichzeitig auch die technische Basis für mindestens zehn weitere Modellreihen, die Ford in den nächsten Jahren präsentieren will. So steht der neue C-MAX ebenfalls auf dieser Plattform. „One Ford“ nennt der Hersteller diese Produktstrategie, die ein weitgehend einheitliches Design und die gleiche technische Basis für Ford-Fahrzuege weltweit definiert. Der neue Focus trifft in unserem Vergleich erstmals auf die Verkaufsschlager VW Golf und Opel Astra.

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Entwickelt wurde der neue Ford Focus unter der Leitung des Kompetenzzentrums für kleine und kompakte Fahrzeuge in Köln-Merkenich. Optisch trägt er klar die Züge von Fiesta und Ka – Ford nennt das die nächste Stufe des Kinetic Designs. Allerdings erinnert das Heck mit den üppig in die hinteren Kotflügel hineinragenden Rückleuchten eher an fernöstliche Formensprachen. Mut beweist Ford auch bei der Farbauswahl. Neben den grellen Tönen Candy- oder Mars-Rot findet sich in der Palette ebenso die Lackierung Honig-Olive-Gelb, in der sich der hier gezeigte Testwagen deutlich von den biederen Farbtönen der Konkurrenz abhebt und ihn je nach Sonneneinstrahlung fast golden erstrahlen lässt.

Angeboten wird der Golf-Gegner aus Köln in drei Karosserievarianten – als kompakter Fünftürer für mindestens 17.850 Euro (1.6 Ti-VCT), als viertürige Stufenheck-Limousine (ab 18.350 Euro) sowie als Kombi ab 18.600 Euro. Für die erste Ausfahrt sind wir in den 4,36 Meter langen Fünftürer gestiegen. Der Rest der neuen Focus-Familie ist etwa 20 Zentimeter länger.

Als Topmodell 2.0 TDCi mit 163 PS starkem Dieselmotor und Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe (nur in Titanium-Ausstattung erhältlich) kostet er 27.850 Euro. Zum Vergleich: Der nur sieben PS stärkere Videos > Fahrberichte > VW Golf GTD mit Doppelkupplungsgetriebe ist gut 2000 Euro teurer (29.975 Euro), den Opel Astra mit 160 PS starkem Zweiliter-Diesel und manueller Sechsgang-Schaltung gibt es dagegen schon für 24.465 Euro (mit Sechsgang-Automatik: 26.115 Euro). Dafür ist der Focus im Titanium-Trimm mit Klimaautomatik, Tempomat, Berganfahrassistent, Soundsystem mit Bluetooth und automatisch abblendendem Innenspiegel besser ausgestattet.

Ohnehin können Opel und VW nicht bei der umfangreichen Ausstattungsliste mithalten. Schon die optional erhältliche beheizbare Frontscheibe – für die man nebenbei bemerkt zur kalten Jahreszeit mehr neidische Blicke erntet als ein Ferrari-Fahrer im ganzen Jahr – bleibt dem Focus in dieser Klasse exklusiv vorbehalten. Und neben den üblichen Extras wie Leder, Navi oder Xenonlicht bietet Ford auch erstmals drei verschiedene Fahrer-Assistenz-Pakete an, die man in diesem Umfang ebenso wenig in Golf oder Astra findet. Voll ausgestattet rollt der Focus mit automatischem Einparkhelfer, Müdigkeitswarner, Fernlicht- und Fahrspurassistenten, Verkehrsschilderkennung sowie Toter-Winkel-Überwachung vor. Die Fahrassistenzsysteme lassen sich über das kleine Farbdisplay zwischen den Rundinstrumenten aktivieren. Allerdings wirkt das ohnehin schon futuristische Cockpit bei voller Bestückung überladen.

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Ganz besonders stolz sind die Kölner auf das so genannte Low Speed Safety System, das auch als einzelne Option für 350 Euro in der Preisliste auftaucht. Kernstück des komplett neu entwickelten Sicherheitspakets ist eine Infraroteinheit, die zusammen mit der Kamera für Tempolimits und Fahrspurassistent zwischen Frontscheibe und Rückspiegel sitzt. Allerdings schränkt die große Kunststoffabdeckung das Blickfeld des Fahrers ein wenig ein. Das Low Speed Safety System soll helfen, die Folgen eines Auffahrunfalls bei geringem Tempo zu mildern oder den Unfall gar ganz zu vermeiden. Dabei wird der Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug beziehungsweise zum Hindernis 100 Mal pro Sekunde gemessen. Droht ein Zusammenstoß, legt die Bremshydraulik die Beläge an die Scheiben – ist der Unfall nicht mehr zu vermeiden, leitet die Elektronik automatisch eine Vollbremsung ein und schließt die Drosselklappe des Motors. Überprüfen konnten wir die Funktionsweise natürlich nicht, die Fahreigenschaften des neuen Focus hingegen schon.

Auf den engen Serpentinenstrecken an der südfranzösischen Mittelmeerküste liefert der kompakte Kölner eine Glanzvorstellung ab. Willig setzt seine Lenkung jeden Befehl um und liefert trotz elektrischer Entkopplung eine sehr authentische Rückmeldung. Mit reichlich Kraft und 340 Newtonmeter Drehmoment schiebt der brummige Diesel die 1,4 Tonnen schwere Fuhre problemlos auch steile Anstiege hinauf. Das schafft nur der Golf schneller. In acht Sekunden soll der Wolfsburger auf Tempo 100 beschleunigen. Astra und Focus brauchen laut Hersteller rund eine Sekunde länger, wobei der Opel bei dieser Prüfung träger wirkt. Am Kurvenausgang kämpft er zudem mit Traktionsproblemen beim Beschleunigen. Diese kennt der Focus dank der so genannten Torque Vectoring Control nicht. Das System verhindert mit ultraschnellen und sehr dosierten Brems-Eingriffen das Durchdrehen des entlasteten kurveninneren Antriebsrads. Der Golf hat mit dem XDS ein ähnliches System an Bord, das aber hier und da ein hörbares Durchdrehen zulässt. Obwohl das adaptive Fahrwerk des Opel Astra Sports Tourer 2011: Kompakter Kombi (FlexRide: 980 Euro) grundsätzlich komfortabler ausgelegt ist, fehlt es ihm besonders im Sportmodus etwas an Gelassenheit. Hier gehen spontane Schläge zu deutlich in den Innenraum durch. Die adaptiven Dämpfer im Golf (DCC: 965 Euro) sind deutlich straffer ausgelegt und reagieren selbst im Comfort-Modus auf einige Unebenheiten mit übertriebener Härte.

Der Ford gibt ein harmonischeres Gesamtbild ab, auch wenn er im Charakter ebenso sportlich straff ausgelegt ist. Einstellbare Stoßdämpfer vermisst man hier selbst auf langen Autobahnetappen nicht. Einzig das automatisierte PowerShift-Getriebe trübt den Fahrspaß im neuen Focus. Im Stop-and-Go-Verkehr nerven das schwer dosierbare Anfahren und die nervösen Gangwechsel bei geringem Tempo. Und bei Teillast schaltet die Elektronik zu früh einen Gang herunter, das Beschleunigen aus niedrigen Drehzahlen wird so zum Balanceakt. Wie gut ein Doppelkupplungsgetriebe funktionieren kann, demonstriert der Golf. Sein DSG reagiert schneller auf Zwischensprintbefehle, lässt aber auch den Schub aus tiefen Drehzahlen zu.

Nach EU-Norm begnügen sich Focus und Golf mit 5,3 respektive 5,4 Liter Diesel pro 100 km, der handgeschaltete Astra soll sogar mit nur 4,9 Litern auskommen. Bei unserer Ausfahrt in den südfranzösischen Bergen verbrauchten die drei Kompakten allerdings laut Bordcomputer mit rund 6,5 Litern annähernd gleich viel.

Fazit

Auch wenn sich der neue Focus beim Design mehr traut als seine sachlicher anmutenden Vorgänger, bleibt er doch eine echte Alternative zu Golf und Astra. Preislich liegt der Kölner genau zwischen den Angeboten aus Wolfsburg und Rüsselsheim. Dabei steht er ihnen bei Antrieb und Lenkung in nichts nach. Sein harmonisch sportliches Fahrwerk dürfte manchem Kunden sogar besser gefallen. Und bei einigen Ausstattungsdetails müssen die Konkurrenten die Segel streichen: Die Vielzahl elektronischer Assistenzsysteme setzt in dieser Klasse neue Maßstäbe. Nur die etwas nervige Abstimmung des automatisierten Doppelkupplungsgetriebes trübt das ansonsten stimmige Bild. Wer die Gänge traditionell per Hand sortiert, kann mit dem Focus lange rundum glücklich werden.

Technische Daten
Motor 
Zylinder4-Zylinder, 4-Ventiler, Turbodiesel, Partikelfilter
Hubraum1968
Leistung
kW/PS
1/Min

125/170
4200 U/min
Max. Drehmom. (Nm)
bei 1/Min
350
1750 - 2500 U/min
Kraftübertragung 
Getriebe6-Gang-Doppelkupplung
AntriebVorderrad
Fahrwerk 
Bremsenv: innenbelüftete Scheiben
h: Scheiben
Bereifungv: 225/45 R 17
h: 225/45 R 17
Messwerte
Gewichte (kg) 
Leergewicht (Werk)1351
Beschleunigung/Zwischenspurt 
0-100 km/h (s)8.1
Höchstgeschwindigkeit (km/h)220
Verbrauch 
Testverbrauchk.A.
EU-Verbrauch5.4l/100km (Diesel)
Reichweitek.A.
Abgas-Emissionen 
Kohlendioxid CO2 (g/km)k.A.

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