Vergleich Ford Fiesta ST gegen Seat Ibiza Cupra: Bilder & technische Daten Erste Begegnung

04.04.2013

Vergleich: Rund 180 PS im neuen Ford Fiesta ST und im frisch überarbeiteten Seat Ibiza Cupra beschleunigen den Alltag – spannendes  Aufeinandertreffen der beiden schnellen und sportlichen Kleinwagen

Wer wohl sowas kauft, 180 PS in einem Kleinwagen? Nun, es werden wohl kaum ältere Herrschaften auf der Suche nach einem zurückhaltenden und rationalen Begleiter durch den Auto-Alltag sein. Sondern Leute, die deutlich mehr mit dem Wort „Turbolader“ als dem Wort „Ladevolumen“ anfangen können. Denen ein möglichst großer Driftwinkel viel lieber ist als ein möglichst kleiner Toter Winkel. Und die beim Einsteigen sofort den ESP-Aus-Knopf suchen.

Wenn Sie dazugehören, Ihnen der bloße Anblick des scharfen, blauen Ford Fiesta ST oben rechts aber nicht bereits alle Synapsen bis hin zur völligen Beratungsresistenz mit allerhand körpereigenen Endorphinen geflutet hat und Sie deshalb noch ansatzweise einen guten Ratschlag mitbekommen – lassen Sie es besser! Das mit dem ESP-Aus. Gerade beim neuen Fiesta ST sollte man sich ganz sicher sein, dass man die nötige fahrerische Eignung besitzt, bevor man – wohlgemerkt auf abgesperrten Strecken – tatsächlich das elektronische Sicherheitsnetz ausklinkt und sich ganz dem puren Auto anvertraut.

 

Ford Fiesta ST: Wieselflinker Herzensbrecher

Die Ford-Entwickler haben sich da nämlich richtig etwas getraut, der Fiesta ST ist in Sachen Fahrwerksabstimmung ein bewusstseinserweiterndes Erlebnis: So präzise, so lebhaft, so schwungvoll und gleichzeitig so herausfordernd waren wir schon lange nicht mehr in einem Fronttriebler der 20.000-Euro-Klasse unterwegs. Das Heck des kleinen Rackers lässt sich nur durch Gaswegnehmen herrlich herausschwenken. Wer das beispielsweise auf nasser Fahrbahn übertreibt, sollte mit einer unmaximaler geniert überholenden Hinterachse rechnen, was sich mit einem entschlossenen Gegenlenken gut beherrschbar kontern lässt. Wer sagt denn, dass man nur mit Hecktrieblern driften kann?

Aber Sie ahnen es schon: Lieber das dreistufige ESP im Sport-Modus belassen und hier die ganz spät, ganz sämig einsetzende Funktionsweise genießen, die einem das hellwache Fahrverhalten des Fiesta ST auf dem Silbertablett anbietet, ohne Kopfschmerzen riskieren zu müssen. Und selbst im normalen ESP-On-Modus ist der ST noch ein unheimlich ansteckender, wieselflinker Herzensbrecher, der puren Fahrspaß im Programm hat. „Moment Mal“, sagt nun der ebenso neue Seat Ibiza Cupra, der hier gleich auch noch den technisch sehr ähnlichen VW Polo GTI vertritt. „Schnell sein hat nicht unbedingt etwas mit^maximaler Erregung zu tun!“ Und dann hechtet er völlig unspektakulär dem Fiesta ST hinterher, ist genauso schnell, dabei aber gutmütiger und unaufgeregter. In unserem Vergleich ist also die fast philosophische Frage zu klären, ob sich ein Kleinwagen gebärden darf wie ein Sportwagen. Ob er das tunlichst unterlassen sollte, um ungeübte Fahrer nicht zu verschrecken. Oder ob es bei diesen superstarken Klein-Rennern ja gerade um die Demokratisierung wirklich sportlichen Flairs geht.

Im direkten Vergleich ist relativ schnell klar, dass Ibiza Cupra und Fiesta ST sehr unterschiedlichen Philosophien folgen. Der Fiesta wirkt radikaler und deutlich sportlicher. Um sein immens hohes Dynamik-Potenzial aufzuschließen, muss allerdings ein Könner am Steuer sitzen. Selbst Durchschnittsfahrer spüren jedoch, dass der Fiesta ST ein höchst präzises, quicklebendiges Wetzeisen ist. Und allein der kernig abgestimmte, voluminöse Motorsound des Kölner Feuerzeugs wirkt wesentlich leidenschaftlicher als das technische Vierzylinder-Knarzen des kleinen 1.4 TSI-Motors im Seat. Mit weniger Hubraum, aber einer Kombination aus Kompressor und Turbolader schafft der Motor aus dem VW-Regal dasselbe Leistungsniveau wie der 200 Kubikzentimeter größere 1,6-Liter-Turbo im Fiesta. Subjektiv hat hier aber trotzdem der Ford die Nase vorn – er wirkt spritziger und druckvoller. Auch in puncto Verbrauch rechnet sich die aufwändige Lader-Kombination des VW-Konzern-Motors nicht. Der Ford-Motor schafft denselben Normverbrauch trotz größeren Hubraums – vielleicht gerade weil er nicht ständig noch einen Kompressor mitschleppen muss.

 

DER KONZEPTE – EXTREME GEGEN KOMPROMISS

Dass Seat nur ein aufwändiges Siebengang- Doppelkupplungsgetriebe anbietet und kein manuelles Getriebe, ist in dieser Klasse beinahe unverständlich. Ein nahezu 4000 Euro höherer Grundpreis fällt hier definitiv ins Gewicht, und der Mehrwert der Automatik dürfte strittig sein: Klar schaltet das Getriebe ein paar Millisekunden schneller und ruckfreier und bietet den höheren Komfort – angesichts des passend gestuften und knackigen Ford-Handschaltgetriebes wirkt die Seat-Wahl jedoch schlicht etwas überkandidelt.

Teil 2 und technische Daten

Am Ende dürfte in dieser emotionalen Ecke neben dem geringeren Preis des Fiesta ST vor allem eine Rolle spielen, dass Ford hier nicht einfach eine lecker verzierte Power-Variante auf die Räder gestellt hat, sondern dass sich tatsächlich eine sportverrückte Mannschaft um möglichst gefühlsechte Sportlichkeit bemüht hat: Hochdosierte Querdynamik, durchgedrehte Längsdynamik, tolles Sport-ESP,
Tausch der Standard-Trommelbremsen hinten gegen Scheibenbremsen, sauber abgestimmte E-Differenzialfunktion – der ST ist ein echter Knaller zum kleinen Preis.

Dagegen wirkt der Seat Ibiza Cupra tatsächlich etwas zu routiniert. Seine ausgeprägte Gutmütigkeit und hohe Fahrstabilität mag sich zusammen mit dem ausgezeichneten Handling in richtig schnelle Rundenzeiten umsetzen lassen, gegenüber dem Fiesta ST auch mit wesentlich weniger Drama. Es fehlt jedoch schlicht und einfach jener durchgeknallte Schuss Extase, den man in diesem Segment durchaus sucht. Und notorische ESP-Abschalter können den Ibiza Cupra eh vergessen – das ist im Seat schlicht nicht erlaubt.

TECHNIK
   

SEAT IBIZA CUPRA
FORD FIESTA ST
Motor 4-Zylinder, 4-Ventiler,
Turbo, Kompressor, Direkteinspritzung
4-Zylinder, 4-Ventiler,
Turbo, Direkteinspritzung
Hubraum 1390 cm³ 1597 cm³
Leistung 132 kW / 180 PS bei 6200 /min 134 kW / 182 PS bei 5700 /min
Max. Drehmoment 250 Nm bei 2000 – 4500 /min 240 Nm bei 1600 - 5000 /min
Getriebe 7-Gang, Doppelkupplung 6-Gang, manuell
Antrieb Vorderrad Vorderrad
L/B/H 4066 / 1693 / 1424 mm ca. 3969 / 1764 / 1468 mm
Radstand 2469 mm 2489 mm
Leergewicht 1184 kg ca. 1163 kg
Kofferraumvolumen 236 – 882 l 295 – 979 l
MESSWERTE
   
0 - 100 km/h¹ 6,9 s 6,9 s
Höchstgeschwindigkeit¹ 228 km/h 220 km/h
EU-Verbrauch¹ 5,9 l SP/100 km 5,9 l S/100 km
CO2-Ausstoß¹ 139 g/km 138 g/km
KOSTEN    
Grundpreis 23.590 Euro 19.990 Euro
¹ Werksangaben

Johannes Riegsinger

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