Ford Fiesta 1.6 TDCi | Opel Corsa 1.3 CDTI | VW Polo 1.9 TDI Da bin ich wieder

06.11.2008

Mit frischer Technik und neuem Design kehrt der Fiesta zurück – und nimmt nun mit Elan die Kleinwagen-Elite ins Visier, allen voran den Opel Corsa und den VW Polo

Wendet sich der Kunde schon beim Blättern im Katalog mit Grausen, fällt es auch dem geschicktesten aller Verkäufer schwer, ihn zu einer Probefahrt zu überreden. Design ist in hohem Maße entscheidend für den Erfolg eines Autos. Das Auge isst eben mit – wie schon jeder gute Koch weiß.

Wäre Design alles, tja: Dann hätte der Ford Fiesta beim Großen Preis um die Gunst der Kunden wohl einen Platz in der ersten Startreihe sicher, wenn er am 11. Oktober zu den Händlern rollt. Denn was Ford-Chefgestalter Martin Smith und seine Mannschaft dem neuesten Spross der seit 1976 gebauten Modellfamilie an Formen mit auf den Weg gegeben haben, signalisiert keine behutsame Weiterentwicklung der bestehenden Designsprache, sondern einen radikalen Neuanfang. Der Vorgänger sieht dagegen so altbacken aus wie die Landpomeranze, die alle Modetrends der hippen Metropolen schlicht verschlafen hat.

Stark geneigte Scheibe
Im Stil des Kuga gekleidet, mit angespitzten Scheinwerfern und einem vanartig sanften Übergang von der Motorhaube zur Fahrgastzelle, mit stark geneigter Windschutzscheibe und Coupé-Anklängen am Heck, wie sie auch beim Opel Corsa zu finden sind, macht der Fiesta nun auf obercool und trendy. Der VW Polo, der Anfang 2009 abgelöst wird, zeigt sich dagegen noch im klassischen Kleinwagen-Outfit, was seinem Erfolg allerdings nicht im Geringsten schadet: Bis Ende Juli fand er 2008 in Deutschland knapp 45000 Käufer, während es der alte Fiesta nur auf gut 25000, der Opel Corsa immerhin auf fast 42700 brachte. Nun, Design ist wohl doch nicht alles, auch die inneren Werte zählen.

Wer zum Beispiel vom VW in den Opel und in den Fiesta umsteigt, wird verstimmt feststellen, dass die modischen Kleinen aus Rüsselsheim und Köln komplett ignorieren, dass Kleinwagen bevorzugt in der Stadt genutzt und demzufolge oft auch geparkt werden. Aus Fahrersicht enden die zwei am unteren Ende der Windschutzscheibe – und der Blick zurück ist dank kleiner Heckfenster ebenso unerfreulich. Nicht ohne Grund bietet Ford für den Fiesta – Novum in dieser Klasse – eine Einparkhilfe für vorn und hinten an (455 Euro). Den Polo bekommt man auch ohne diese Hilfen noch passabel rangiert, wenngleich auch er meilenweit von der Kastenform entfernt ist, die Fiesta, Polo und Corsa in ihren jungen Jahren Mitte der 1970er auszeichneten.

Auch im Innenraum spielen der Fiesta und der gut verarbeitete Opel die jugendliche Karte mit Bedienoberflächen, die vor allem im Ford an portable Musikanlagen erinnern. Die V-förmig angeordneten Tasten, mit denen sich das im Übrigen hervorragend klingende CD-Radio des Fiesta bedienen lässt, wirken auf manchen vielleicht abschreckend. Doch unter dem Ghettoblaster-Design steckt eine Bedienlogik, deren Funktionalität der des VW Polo nicht nachsteht.

Preiswerte Navigation
Auf Wunsch liefert Ford eine Bluetooth-Schnittstelle zum Handy samt Freisprecheinrichtung (der Opel übrigens auch) oder eine USB-Buchse zur Integration von iPod & Co., die weder Opel noch VW bieten. Besonders nah am Kunden ist der Fiesta auch in Sachen Navigation: Teure Festeinbau-Lösungen wie beim Corsa (ab 860 Euro) oder beim Polo (ab 1875 Euro) sind gar nicht erst im Angebot. Stattdessen gibt es für 90 Euro eine Halterung für Garmin-Geräte der Nüvi-Serie inklusive Verkabelung zur Stromversorgung.
Gänzlich ohne Aufpreis dagegen gibt es schon im Basismodell Ambiente einen eigenen Airbag für die Beine des Fahrers und ESP.

Letzteres kostet bei VW 420, bei Opel 400 Euro, sofern man nicht einen Polo mit mindestens 100 PS beziehungsweise den Corsa 1.7 CDTI ordert. Für die erste gemeinsame Ausfahrt mit den modernen Kleinwagen-Klassikern aus Deutschland stand uns jedoch der Corsa 1.3 CDTI zur Verfügung, der ebenso 90 PS leistet wie der Fiesta 1.6 TDCi. Relativ kleine Motoren also, die den 100 PS des 1,9 Liter großen Polo-Motors und vor allem dessen um rund 40 Newtonmeter höherem Drehmoment wenig entgegenzusetzen haben.

Tatsächlich spielt dieser Polo leistungsmäßig in einer anderen Klasse, wobei vor allem der Corsa merklich abfällt. Sein kleiner Motor ist zwar vibrationsarm und glänzt mit Drehfreude. Doch unter 2000 Touren kommt er nur mühsam in Schwung und hat keine Chance gegen den dampflokartig anschiebende Pumpe-Düse-Diesel aus Wolfsburg. Der Preis für diese Kraftreserven ist allerdings hoch, denn die Laufkultur dieses Motors ist bekanntlich eingeschränkt. Wie es besser geht, demonstriert der Fiesta, dessen elastisches Triebwerk leise und kraftvoll arbeitet und sich ganz nebenbei noch mit dem niedrigsten Normverbrauch profiliert: 4,2 Liter zu 4,9 (Opel) und 5,0 Liter (VW): Wenn diese Ersparnis auch in der Praxis erlebbar ist, hat der Fiesta-Fahrer gut lachen.

Vorteil durch Leichtbau
Wie viel dieser Genügsamkeit dem Motor selbst, der Auslegung des hervorragend schaltbaren Fünfganggetriebes oder der Aerodynamik zuzuschreiben ist, kann niemand sagen. Fest steht, dass ein Teil dieser Knausrigkeit auch aufs Konto erfolgreich praktizierten Leichtbaus geht: Laut Werksangaben wiegt der Fiesta 1.6 TDCi deutlich weniger als eine Tonne und unterbietet die Konkurrenz damit locker um 150 Kilogramm.

Diese lobenswerte Diät geht ersten Erfahrungen zufolge nicht zu Lasten der Verarbeitung oder des Geräuschkomforts, denn der Ford glänzt mit leisem Abrollen sowie gut gedämmten Motor- und Windgeräuschen. Sie trägt aber sicherlich dazu bei, dass sich der Fiesta agiler, spielerischer als der etwas kopflastige VW und präziser als der in der Lenkung indifferente Opel pilotieren lässt. Dies ist bemerkenswert, da Ford im Fiesta erstmals eine rein elektrisch unterstützte Servolenkung einsetzt. Diese spritsparenden Lenkungen liefern nur mit hohem Aufwand so viel Lenkpräzision wie hydraulische Systeme.
Dabei vernachlässigt der neue Ford dankenswerterweise nicht den Federungskomfort.

Die für Europa gedachten Exemplare sind zwar nicht so sänftengleich abgestimmt wie jene, die demnächst auch in China und Australien verkauft werden. Doch es muss, zumindest im Einpersonenbetrieb, wirklich dicke kommen, bis ruppige Stöße den Fahrer durchschütteln. Der Opel Corsa zumindest erschien auf einigen hundert Kilometern italienischer Landstraße nicht ganz so ausgewogen, während der Polo dem Fiesta auf Augenhöhe begegnet – nicht schlecht, wenn man bedenkt, dass er der Methusalem dieses Trios ist.
So bleibt der Fiesta nach dem ersten Treffen der deutschen Kleinwagen-Meister in guter Erinnerung.

Mit dazu bei trägt auch die Preisgestaltung: Der Corsa 1.3 CDTI als Fünftürer kostet mindestens 18070 Euro, weil es ihn erst ab dem Ausstattungsniveau Edition gibt. Das bietet allerdings schon Klimaanlage, Kopfairbags und CD-Radio. Der fünftürige Polo 1.9 TDI mit Partikelfilter kostet 17205 Euro, wobei Klimaanlage und CD-Radio (Paketpreis 890 Euro) sowie Kopfairbags (455 Euro) extra gehen. Die Preise des Fünftürer-Fiesta 1.6 TDCi starten dagegen bei 15250 Euro; mit Klimaanlage, CD-Radio und Kopfairbags ergeben sich 17345 Euro. Auch beim Preis-Design hat Ford also etwas gewagt.

Fazit

Glückwunsch nach Köln: Der neue Fiesta spielt ganz eindeutig in der ersten Liga der Kleinwagen. Er verfügt über das klassenübliche Platzangebot, ist komfortabel und agil, sorgfältig zusammengebaut und bezahlbar. Hinzu kommt im konkreten Fall der erfreulichen Diesel. Das Design kann man mögen, man muss aber nicht. Denn die Übersichtlichkeit ist für einen Kleinwagen miserabel. Das gilt auch für den Opel Corsa, der die Design-Karte ebenso intensiv spielt wie der Ford. Zweite auffällige Schwäche des Corsa 1.3 CDTI ist sein müder Motor. Und der Polo? Auch kurz vor der Ablösung schlägt er sich wacker. Respekt!

Technische Daten
Motor 
ZylinderR4 / 4 T
Hubraum1896
Leistung
kW/PS
1/Min

74/101
4000 U/min
Max. Drehmom. (Nm)
bei 1/Min
240
1800 U/min
Kraftübertragung 
Getriebe5-Stufen Automatik
AntriebVorderrad
Fahrwerk 
Bremsenv: Scheiben
h: Scheiben
Bereifungv: 185/60 R 14
h: 185/60 R 14
Messwerte
Gewichte (kg) 
Leergewicht (Werk)1117
Beschleunigung/Zwischenspurt 
0-100 km/h (s)10.7
Höchstgeschwindigkeit (km/h)188
Verbrauch 
Testverbrauch0l/100km (Diesel)
EU-Verbrauch5l/100km (Diesel)
Reichweitek.A.
Abgas-Emissionen 
Kohlendioxid CO2 (g/km)k.A.

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