Ford EcoSport vs. Mokka, 2008 und Captur: Kompakt-SUV im Vergleich Was kann das Weltauto?

11.07.2014
Inhalt
  1. KAROSSERIE
  2. FAHRKOMFORT
  3. MOTOR/GETRIEBE
  4. FAHRDYNAMIK
  5. UMWELT/KOSTEN
  6. FAZIT
  7. Technische Daten & Gesamtbewertung als PDF zum nachlesen

Entwickelt in Brasilien, gebaut in Indien und nun angeboten in Deutschland: Der Ford EcoSport ist ein echter Globetrotter. wie schlägt sich der Neuling gegen etablierte Gegner? Vergleichstest

Ford macht momentan in Deutschland anscheinend einiges richtig. Denn dank der vielseitigen und attraktiven Modellpalette ist es den Kölnern mittlerweile gelungen, vom Gesamtabsatz her mit dem ewigen Rivalen Opel weitgehend gleichzuziehen. Und das, obwohl die Rüsselsheimer überaus beliebte Modelle wie den Mokka im Angebot haben. Gegen dieses erfolgreiche Kompakt-SUV positioniert Ford nun den neuen EcoSport, ein Weltauto, das in Brasilien entwickelt wurde und in Indien für den europäischen Markt gefertigt wird.

Im Vergleichstest stellt sich der kantige Crossover mit 125 PS starkem Benziner dem Opel Mokka 1.4 Turbo mit 140 PS. Ergänzt wird das erste Aufeinandertreffen der beiden Kontrahenten durch die jeweils 120 PS starken französischen Herausforderer Peugeot 2008 VTi 120 und Renault Captur TCe 120.

 

KAROSSERIE

Das Platzangebot des Ford stimmt, die Qualität nicht

Abzüglich des außen an der Hecktür angebrachten, rustikales Offroad-Flair verströmenden Ersatzrads bringt es der Ford EcoSport auf eine Länge von nur 4011 Millimeter. Damit ist er der kürzeste Vertreter in diesem Vergleichstest. Dennoch bietet er innen ordentliche Platzverhältnisse. Sowohl vorn als auch hinten fühlt man sich als Erwachsener adäquat untergebracht. Durch die geradlinige Karosserieform kann der EcoSport zudem mit guter Kopffreiheit punkten, was vor allem den Hintensitzenden zugute kommt. Lediglich der mit 4278 Millimeter Außenlänge deutlich größere Opel Mokka bietet im Fond noch mehr Platz. Am wenigsten kann der Peugeot 2008 seine Kleinwagen-Gene verbergen. Der schicke Franzose wartet vorn wie hinten mit der geringsten Kopffreiheit auf, ist insgesamt enger geschnitten und bringt zudem die kleinsten Türausschnitte mit.

Der Renault Captur liegt vom Platzangebot her insgesamt auf einem ähnlichen Level wie der EcoSport, der übrigens mit 333 bis maximal 1238 Litern den kleinsten Kofferraum aufweist. Und auch in Sachen Variabilität hat der kleine Ford-Crossover das Nachsehen gegenüber der Konkurrenz, denn er verfügt bei umgelegter Rückbank weder über einen ebenen, noch über einen doppelten Ladeboden, wie ihn beispielsweise der Opel und der Renault bieten. Außerdem kann sich die seitlich angeschlagene und damit beim Öffnen recht ausladende Hecktür im Alltag als störend erweisen.

Darüber hinaus lässt der Ford es an einigen Ausstattungsdetails vermissen, die auch in dieser Klasse weitgehend zum Standard gehören. So sucht man beispielsweise einen Berganfahrassistenten, eine Rückfahrkamera oder eine Einparkhilfe für die Front in der kurzen Aufpreisliste vergebens. Ja, noch nicht einmal ein Navigationssystem ist derzeit für den EcoSport erhältlich. Was Materialanmutung und Verarbeitung angeht, hinkt er den Wettstreitern ebenfalls hinterher. Unsauber entgratete Kunststoffe, ungleichmäßige Spaltmaße und ein stechender Plastikgeruch bei Sonneneinstrahlung – das kann die Konkurrenz eindeutig besser. Vor allem der Opel wirkt in diesem Umfeld durch seine haptisch angenehmeren Materialien wesentlich hochwertiger.

Zudem gibt der Rüsselsheimer Bestseller, der als einziger auch mit Allradantrieb zu haben ist, den Ton im Bereich der Sicherheitsausstattung an. Für keinen anderen Teilnehmer dieses Vergleichstests gibt es auch nur annähernd so viele Assistenzsysteme – darunter Abstandswarner, Abbiegelicht, Spurhalteassistent oder auch eine Bergabfahrhilfe (nur in Verbindung mit Allradantrieb). Auf Wunsch und gegen 1250 Euro Aufpreis leuchtet der Mokka sogar mit Xenon-Scheinwerfern durch die Nacht – keine Selbstverständlichkeit in diesem Segment.

Ford EcoSport 1.0 EcoBoost
Opel Mokka 1.4 TURBO ecoFLEX
Peugeot 2008 VTi 120
Renault Captur TCe 120 EDC
125 PS 140 PS 120 PS 120 PS
0-100 km/h in 11,5 s 0-100 km/h in 9,3 s 0-100 km/h in 10,9 s 0 - 100 km/h in 11 s
Vorderradantrieb Vorderradantrieb Vorderradantrieb Vorderradantrieb
Spitze 180 km/h Spitze 193 km/h Spitze 196 km/h Spitze 192 km/h
Grundpreis: 36.050 Euro Grundpreis: 36.000 Euro Grundpreis: 40.936 Euro Grundpreis: 31.200 Euro

 

 

FAHRKOMFORT

Die Optionssitze des Opel sind eine Kaufempfehlung

Der Opel ermöglicht nicht zuletzt dank seiner tollen Ergonomie-Sitze (390 Euro) ermüdungsfreies Reisen. Die weitreichend einstellbaren Fauteuils tragen das Gütesiegel der Aktion Gesunder Rücken e.V. und gefallen durch guten Seitenhalt sowie ausgeprägten Langstreckenkomfort. Aber auch in den anderen Testkandidaten lässt es sich gut aushalten – jedenfalls vorn. In der zweiten Reihe sieht die Sache etwas anders aus. Die straff gepolsterte Rückbank des EcoSport hat zwar eine in der Neigung einstellbare Lehne, dafür lässt sie es jedoch an Seitenführung vermissen.

Ähnliches gilt für die französischen Crossover. Erschwerend hinzu kommt beim Peugeot, dass die Beine durch die niedrig montierte Rückbank stark angewinkelt sind. Beim Renault stört die eher schlabberige Polsterung. Am komfortabelsten sitzt man im Fond des Mokka. Seine Rückbank ist angenehm gepolstert und konturierter als die der Mitbewerber.

Beim Federungskomfort gibt sich keiner der kompakten Kraxler eine Blöße. Querfugen und Bodenwellen absorbieren die Federungen des Quartetts grundsätzlich wirkungsvoll. Dennoch: Der Opel und der Renault sind marginal softer abgestimmt als der Ford und der Peugeot und sprechen überdies noch etwas sensibler auf Unebenheiten an.

 

MOTOR/GETRIEBE

Verschiedene Konzepte, ähnliche Effizienz

Antriebstechnisch päsentiert sich das Quartett ungewohnt vielseitig. Während der Mokka (140 PS) und der Captur (120 PS) mit Vierzylinder-Turbomotoren unterwegs sind, setzt der EcoSport auf die 125-PS-Variante des vielfach gelobten, ebenfalls aufgeladenen Ford-Dreizylinders. Der einzige Sauger im Feld ist der 120 PS starke 1,6-Liter-Vierzylinder des Peugeot. Den kräftigsten Eindruck hinterlässt erwartungsgemäß das kultivierte 1,4-Liter-Aggregat des Opel. Das nominell leistungsstärkste Triebwerk im Feld treibt den immerhin 1378 Kilo schweren Rüsselsheimer in 9,3 Sekunden auf Landstraßentempo.

Der Peugeot ist nach dem Opel das flotteste Auto in diesem Vergleichstest. Sein frei atmender Vierzylinder hat mit dem leichten 2008 (1227 Kilogramm Leergewicht) keine allzu große Mühe. Dementsprechend gelingt dem Gallier der Standardsprint aus dem Stand auf 100 km/h in 10,9 Sekunden. Mit einer Höchstgeschwindigkeit von 196 km/h ist der kleine Löwe zudem das schnellste Auto. Wie für den Opel gilt: Der klobige Schaltknauf des manuellen Getriebes im 2008 dürfte gern etwas präziser geführt sein.

Der Renault Captur TCe 120 wird hingegen ausschließlich mit einem Doppelkupplungsgetriebe ausgeliefert. Im Alltag, den man am besten im Automatik-Programm bestreitet, ist es dank seiner unaufgeregten und unmerklichen Arbeitsweise ein angenehmer Begleiter. Im manuellen Modus wünscht sich der sportlich ambitionierte Fahrer von der Sechsgang-Box jedoch etwas mehr Elan beim Wechsel der Übersetzungen. Das Gleiche gilt für den Motor, der die Höchstgeschwindigkeit von 192 km/h erst nach langem Anlauf erreicht.

Das preisgekrönte Dreizylinder-Herz des Ford macht im EcoSport einen etwas müderen Eindruck als beispielsweise in Fiesta oder Focus. Dies gilt vor allem für höhere Geschwindigkeitsbereiche, in denen der naturgemäß große Luftwiderstand des hoch aufbauenden Crossovers zum Tragen kommt. Fleißige Handarbeit am knackig zur schaltenden Fünfgang-Getriebe vorausgesetzt, erreicht der EcoSport erst in 11,5 Sekunden Tempo 100 km/h. Und auch in puncto Höchstgeschwindigkeit hat der Ford mit 180 km/h das Nachsehen gegenüber den anderen SUV. Zum Verbrauch: Mit durchschnittlich 7,3 (Peugeot) bis 7,7 (Ford) Litern je 100 Kilometer liegen alle vier Kontrahenten annähernd gleichauf.

 

FAHRDYNAMIK

Ford und Peugeot mit den längsten Bremswegen

Im Handling fährt der neue Ford den durchweg schnelleren Mitbewerbern hinterher. Auf den Primus, den Opel Mokka, verliert er fast fünf Sekunden. Das liegt weniger an der präzisen wie gefühlvollen Lenkung oder dem knackig abgestimmten Fahrwerk als vielmehr an dem nicht abschaltbaren ESP. Der elektronische Rettungsanker verhindert durch sein überstrenges Eingreifen dynamisches Fahren schon im Ansatz. Weitere Punkte verliert der EcoSport durch seine im Vergleich zum Mokka, erst recht aber im Vergleich zum Captur deutlich längeren Bremswege.

Der Peugeot 2008 umrundet unseren Handlingkurs als Zweitschnellster, wird aber durch seine mäßigen Bremsleistungen in der Kapitel- und Gesamtwertung zurückgeworfen. Bremswege von mehr als 40 Metern im kalten wie warmen Betriebszustand sind zu viel – selbst wenn ein Teil dieses Umstands auf das Konto der Ganzjahresreifen gehen dürfte, mit denen unser Testwagen auf den Redaktionsparkplatz rollte.

Die beste Bremsperformance legt indes der Renault Captur hin. Aus 100 km/h steht der Franzose nach 35,1 Metern – egal ob mit kalter oder warmer Bremsanlage. Auf unserem Handlingkurs ist er jedoch nur wenig schneller als der Ford EcoSport, da auch sein nicht deaktivierbares ESP sehr früh eingreift und mögliche höhere Kurvengeschwindigkeiten somit vereitelt.

 

UMWELT/KOSTEN

2008 mit dem niedrigsten Grundpreis

Den Sieg im Kostenkapitel sichert sich der Captur. Als TCe 120 ist der Franzose erst ab der mittleren Ausstattungslinie Dynamique zu bekommen und dementsprechend reichhaltig mit Extras bestückt. Zum Grundpreis von 19.690 Euro gehören bereits Keyless-Go, Klimaanlage und das Getriebe mit Automatik-Funktion. Weitere Extras sind zumeist in günstigen Paketen erhältlich, wie beispielsweise dem Media & Klima-Paket für 690 Euro, zu dem unter anderem eine Klimaautomatik, Navigationssystem und Sprachsteuerung zählen.

Der EcoSport wird ausschließlich als nahezu voll ausgestattetes Titanium-Modell mit Alu-Rädern, Fensterhebern rundum und sogar gekühltem Handschuhfach ausgeliefert. Zu den wenigen erhältlichen Extras gehören Einparkhilfe hinten, das SYNC-System mit Notruf-Assistent und Smartphone-App-Anbindung sowie Lederbezüge für die Sitze (1170 Euro).

Mit einem Einstandspreis von 18.150 Euro ist der Peugeot 2008 das günstigste Angebot. Dafür wollen in seinem Fall aber beispielsweise Leichtmetallräder extra bezahlt werden. Bei der Konkurrenz sind sie serienmäßig.

Das teuerste Auto ist der Opel Mokka. Der Grundpreis von 22.675 Euro, in dem unter anderem Klimaanlage und Bluetooth-Freisprecheinrichtung enthalten sind, lässt sich dank der Vielzahl an verfügbaren Optionen spielerisch nach oben treiben. Setzt man die Kreuzchen bei der Fahrzeugkonfiguration an den entsprechenden Stellen, übersteigt der Gesamtpreis leicht 32.000 Euro.

 

FAZIT

Der neue Ford EcoSport ist eine Bereicherung im Segment der kleinen Crossover – er bringt neben einer pfiffigen, Offroad-inspirierten Optik eine gute Portion Nutzwert mit. Um zu den Besten dieser Zunft zu gehören, bedarf es aber noch etwas Feinschliff – beispielsweise an der Verarbeitungs- und Materialgüte, der Bremsanlage oder dem Angebot an Assistenzsystemen. Dass der Ford unterm Strich noch Rang drei erreicht, liegt im Wesentlichen an der noch schlechteren Bremsperformance des Peugeot 2008, dem Schlusslicht in diesem Vergleichstest. Auf Platz zwei kommt der Renault Captur ins Ziel. Seine Stärken sind vor allem das gute Raumangebot, die günstigen Preise sowie die hervorragenden Bremsen. Den Vergleichstest gewinnt am Ende das vielseitigste Auto – der Opel Mokka. Viel Platz, guter Komfort, gehobene Sicherheitsausstattung: So sehen Sieger aus.

 

Technische Daten & Gesamtbewertung als PDF zum nachlesen

Marcel Kühler

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