Fiat Panda, Kia Picanto und VW Up im Test Fiat Panda 0.9 8V TwinAir | Kia Picanto 1.0 | VW Up 1.0

Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Und plötzlich macht sogar Stadtverkehr wieder Spaß: Kia Picanto, VW Up und der brandneue Fiat Panda treten an zum Vergleich der kleinen Vielkönner

Wer hat’s erfunden und liebevoll gepflegt über all die Jahre? Richtig, Fiat war’s. 600, 500 und 126 heißen die Ahnen des Fiat Panda 0.9 8V TwinAir, der schon 1980 als liebenswerter Minimalist für Furore sorgte. Damals ließ es VW mit dem ambitionierten Polo gut sein, vom Up- Vorgänger Lupo war noch nicht die Rede – der kam erst 1998. Und Kia? 1974 bauten die Koreaner ihren ersten Personenwagen, die kleine Stufenhecklimousine Brisa. Bis zum Picanto von heute war es ein langer, dornenreicher Weg, an dessen Anfang Mitte der 80er-Jahre ein Wägelchen namens Pride – Stolz – stand.

Was der Ausflug in die Firmengeschichten soll? Naja. Er veranschaulicht, wo die Erfahrung mit Kleinstwagen zuhause ist und wer die Herausforderer sind in der Klasse der kleinen Quirligen, die in jede Parklücke passen und dennoch vier Menschen und ein bisschen Gepäck Platz bieten. Nun ist Panda, der Dritte, da – und will als 0.9 TwinAir dem Up den in vielen Vergleichstests erworbenen Titel des kleinen Siegerwagens streitig machen. Ein ernsthaftes Wort spricht hier aber auch der Kia Picanto 1.2 CVVT mit.

 

Karosserie

Der Kia überragt den 3,54 Meter langen Up um sechs Zentimeter und ist fünf Zentimeter kürzer als der mittlerweile auf 3,65 Meter gewachsene Panda.

Kapital schlägt der deutlich höhere Fiat, in dem man – nicht unangenehm – aufrecht wie in einem kleinen Van hinterm Lenkrad sitzt, jedoch nicht aus seiner Größe. Vorn ist das Platzangebot hier wie da ordentlich, wobei der Längseinstellbereich der Vordersitze nur im Kia etwas kurz ist. Beifahrer fühlen sich im VW am besten untergebracht. Höheneinstellbar ist dessen rechter Vordersitz zwar ebenso wenig wie die Pendants in Fiat Panda 0.9 8V TwinAir oder Kia. Doch sind deren Beifahrersitze höher montiert als im kleinen Wolfsburger, was die Kopffreiheit auf der rechten Seite spürbar einschränkt.

Auch hinten spürt man im Fiat kaum etwas von der äußeren Größe: Er bietet hier weniger Beinraum als seine mit längerem Radstand gesegneten Konkurrenten, von denen sich der Kia Picanto 1.2 CVVT am ehesten als Viersitzer profiliert.

Eingeschränkt sind auch die Kofferraumvolumina der drei Minis, wobei der Kia mit nur 200 Litern am wenigsten Gepäck schluckt. Immerhin protzt er mit guter Variabilität dank serienmäßig geteilt klappbarer Rücksitze und einem ebenen Ladeboden. Für beides bittet VW gesondert zur Kasse.

Der Panda weiß, was er seinen Käufern schuldig ist. Schließlich begann seine Karriere in den 80ern als tolle Kiste. Er bietet große Vielfalt bis hin zur verschiebbaren symmetrisch oder asymmetrisch geteilten Rücksitzbank und einem zum Tisch klappbaren Beifahrersitz. Das alles kostet aber Aufpreis, wie auch die dritte Kopfstütze im Fond. Serienmäßig gibt es nur das Minimalprogramm mit ungeteilter Rücksitzlehne und einer dicken Stufe in der Ladefläche.

Überhaupt haben die Fiat-Chefs beim Panda mit sehr spitzem Rotstift kalkuliert: ESP – beim 85-PS-Picanto und bei allen VW Up 1.0 Serienausstattung – kostet 300 Euro extra. Selbst vordere Seitenairbags, im Grunde eine Selbstverständlichkeit, wollen mit 250 Euro extra bezahlt werden.

So ist es kein Wunder, dass Panda, der Neue, im Karosseriekapitel nicht über den dritten Platz hinauskommt. Mit dazu bei tragen Bedienmenüs zur Konfiguration diverser Fahrzeugfunktionen, mit deren Verschlüsselung Fiat vermutlich Experten des italienischen Geheimdienstes Servizio per le Informazioni e la Sicurezza Militare beauftragt hat. Ohne Blick in die Bedienungsanleitung, der beim Kia oder beim VW nicht erforderlich ist, läuft im Panda nur wenig auf Anhieb wie gedacht.

KarosserieMax. PunkteVW Up 1.0Kia Picanto 1.2 CVVTFiat Panda 0.9 8V TwinAir
Raumangebot vorn100565254
Raumangebot hinten100383936
Übersichtlichkeit70424244
Bedienung/ Funktion100727270
Kofferraumvolumen10014710
Variabilität100203025
Zuladung/ Anhängelast80152123
Sicherheit150686050
Qualität/ Verarbeitung200124120120
Kapitelbewertung1000449443432

 

Fahrkomfort

VW hat beim Up mit Sicherheit sehr scharf gerechnet, darüber aber nicht vergessen, bei der Fahrwerksabstimmung große Sorgfalt walten zu lassen. So zeigt sich der Wolfsburger Winz als komfortabel federndes Auto, das weniger Knuffe austeilt und weniger Poltern hören lässt als der ebenfalls im Grunde straff ausgelegte Kia.

Der Panda bietet ein in unseren auf Dynamik versessenen Zeiten seltenes Kontrastprogramm: Er ist so weich gefedert, dass die Karosserie sich schon beim Türenschließen zur Seite neigt. So nimmt er tiefe Löcher samtiger als der VW oder der Kia und schunkelt gemütlich über Land. Aufeinanderfolgende Wellen oder auch Kopfsteinpflaster bringen aber größere Unruhe. Punkten kann der Fiat Panda 0.9 8V TwinAir auf jeden Fall durch den ergonomischen Vorteil seiner vier Türen, denn die Rücksitze sind schlicht bequemer erreichbar als die der Konkurrenz. Besonders mühsam ist das beim Up, der erst von Mai an als Viertürer (475 Euro Aufpreis) lieferbar ist: Die Umklapp-Mimik seines Beifahrersitzes ist nicht so ausgefuchst wie die des Picanto (Viertürer-Aufpreis: 400 Euro) und der Durchgang nach hinten auch schmaler.

Nicht wirklich schön sind auch andere Spuren der Kostendämpfung beim Up: Hat man 460 Euro für Funk-Zentralverriegelung, Fahrersitz-Höheneinstellung und elektrische Fensterheber berappt, muss man sich trotzdem über den Beifahrersitz beugen: Der einzige Schalter für den rechten Fensterheber sitzt rechts in der Armlehne. Kia-Käufer können sich vorn über die besten Sitze freuen, denn die des Up sind zwar größer und ebenso straff gepolstert; sie bieten aber in der Lendenwirbelregion zu wenig Unterstützung. Der Fiat Panda 0.9 8V TwinAir gefällt mit weichen, körpergerecht ausgeformten Vordersitzen, die jedoch zu wenig Seitenhalt geben. Beim Klima-Komfort gibt sich VW sehr zugeknöpft: Nur in der Top-Ausstattung (ab 14.300 Euro) ist eine Klimaanlage Serie, ansonsten kostet sie im Paket mit einem CD-Radio 895 Euro. Fiat und Kia sind serienmäßig so spendabel und bieten gegen Aufpreis sogar eine automatische Regelung an.

Gänzlich aufpreisfrei liefert VW indes die beste Geräuschdämmung. Wind-, Abroll und Fahrwerksgeräusche sind besser gedämmt als bei der Konkurrenz, die aber auch nicht richtig laut ist. Zudem lässt auch der Motor relativ wenig von sich hören.

FahrkomfortMax. PunkteVW Up 1.0Kia Picanto 1.2 CVVTFiat Panda 0.9 8V TwinAir
Sitzkomfort vorn150757872
Sitzkomfort hinten100424038
Ergonomie150106110115
Innengeräusche50292524
Geräuscheindruck100545248
Klimatisierung50132830
Federung leer200949092
Federung beladen200888486
Kapitelbewertung1000501507505

 

Motor und Getriebe

Das kann man dem Panda nun wirklich nicht nachsagen. Wie der 500 von 1957 setzt er auf nur zwei Zylinder, die allerdings per Turbo zwangsbeatmet werden. Bis gut 2500 Umdrehungen rumpelt und strampelt der kleine Motor da vorn unter Last so gewaltig, dass derbe Vibrationen sogar in die Sitze vordringen. Dabei klingt er so holperig, dass Uneingeweihte einen kapitalen Motorschaden vermuten.

Immerhin: Bei mittleren Drehzahlen hat der unkonventionelle Motor mit elektrohydraulischer Einlassventilsteuerung einen geradezu lebhaften Punch, den weder der Vierzylinder des Kia noch der Dreizylinder des VW Up 1.0 bieten. Sie hangeln sich brav die Drehzahlleiter hoch und bitten weit vor der 6000er-Marke um den nächsten Gang.

So liefert der Fiat die besten Elastizitätswerte, konsumiert aber mit 6,2 Litern am meisten Benzin. Ein Zehntelliterchen sparsamer ist der Kia auf unserer Verbrauchsrunde, während der Up sich mit nur 5,2 Litern bescheidet. Das Pikante an diesen Werten: Der Up verfügt als einziger der Runde nicht über ein Start-Stopp-System. Das ist beim Panda TwinAir Serie, beim Kia Picanto 1.2 CVVT funktioniert es erheblich besser, kostet jedoch im Paket mit Klimaautomatik, Sitzheizung, Lichtsensor und Nebelscheinwerfern 760 Euro.

Motor und GetriebeMax. PunkteVW Up 1.0Kia Picanto 1.2 CVVTFiat Panda 0.9 8V TwinAir
Beschleunigung150628678
Elastizität100455466
Höchstgeschwindigkeit150313136
Getriebeabstufung100757370
Kraftentfaltung50272830
Laufkultur100465037
Verbrauch325283266264
Reichweite2512910
Kapitelbewertung1000581597591

 

Fahrdynamik

Wer vom dynamischen Auftritt des Kia auf sportliche Talente schließt, wird nicht enttäuscht. Beim Handling erweist er sich als präzises Spaßmobil mit guter Traktion und sehr stabilem Kurvenverhalten. Das Fahrwerk des VW Up 1.0 ist von gleicher Güte, nur hält er sich trotz wirksamerer Bremsen wegen des müden Motors nicht lange im Windschatten des Kia.

Der Fiat Panda 0.9 8V TwinAir kann nicht mithalten. Zu unpräzise ist seine Lenkung, zu träge die wankende Reaktion auf Lenkbefehle, zu ausgeprägt seine Tendenz, stur über die Vorderräder zu schieben. Ganz klar: Wer den Panda ohne ESP ordert, spart am falschen Fleck. Denn ein Kleinwagen muss natürlich nicht auf der Rennstrecke brillieren. Aber bei Ausweichmanövern sollte er das tun, was der Fahrer braucht, um die Situation zu retten.

FahrdynamikMax. PunkteVW Up 1.0Kia Picanto 1.2 CVVTFiat Panda 0.9 8V TwinAir
Handling150687967
Slalom100576446
Lenkung100545045
Geradeauslauf50303027
Bremsdosierung30202018
Bremsweg kalt150975456
Bremsweg warm150944451
Traktion100484641
Fahrsicherheit15010510592
Wendekreis20222023
Kapitelbewertung1000595512466

 

Umwelt und Kosten

Während Fiat den Zweizylinder-Turbo an die teuerste Ausstattung Lounge für 12.890 Euro koppelt und Kia den Vierzylinder im Picanto nur einbaut, wenn man die Top-Ausstattung Spirit für mindestens 12.390 Euro ordert, liefert VW den stärkeren Dreizylinder mit 75 statt 60 PS schon fürs Basismodell Take Up. Das erhält für seinen Preis von 10.450 Euro satte Punkte, geht bei der AUTO ZEITUNG-Normausstattung dafür aber leer aus.

Mit seinem Preisvorteil, den geringen Kraftstoffkosten und dem niedrigen Wertverlust lässt der VW Up 1.0 trotzdem nichts anbrennen. Der teure Fiat gerät in Rückstand, weil er weder so komplett ausgestattet ist wie der Kia noch so beruhigende Garantien bietet wie dieser. Gerade diese Garantien sind ein starkes Argument. Sieben Jahre sicher zu sein vor Reparaturkosten – das macht den Kia sehr sympathisch. Da zahlt man gern etwas mehr Steuern als für die noch kleinvolumigere Konkurrenz.

Kosten/UmweltMax. PunkteVW Up 1.0Kia Picanto 1.2 CVVTFiat Panda 0.9 8V TwinAir
Bewerteter Preis675409350355
Wertverlust50433536
Ausstattung2502112
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung50284517
Werkstattkosten20161515
Steuer10101010
Versicherung40383837
Kraftstoff55464343
Emissionswerte25899090
Kapitelbewertung1000679647615

 

Fazit

Dieses Ergebnis lässt an Klarheit nicht zu wünschen übrig. Der Up ist das beste Angebot im Reich der Kleinen. Er fährt sich am angenehmsten, bietet ein gutes Sicherheitsniveau und frisst einem nicht die Haare vom Kopf. Kaufinteressenten müssen sich aber darüber im Klaren sein, dass die billigste Ausstattung nicht das edle Ambiente des mit Extras aufgehübschten Black Up dieses Tests bietet. Der Kia ist in manchen Dingen nicht so perfekt wie der VW, aber ein starker, begeisternd spritziger Gegner. Der Panda zeigt liebenswerten Charakter. Doch substanziell bietet er zu wenig um mitzuhalten.

Gesamtbewertung

Max. PunkteVW Up 1.0Kia Picanto 1.2 CVVTFiat Panda 0.9 8V TwinAir
Summe5000280527062609
Platzierung123

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