Kompakte Diesel von Fiat, VW und Ford im Vergleichstest Mutig und stark

12.09.2011
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Optisch ein Hauch Maserati, technisch auf hohen Nutzwert ausgerichtet, soll der neue Fiat Bravo der Konkurrenz das Leben schwer machen. Der 150 PS starke 1.9 Multijet 16V trifft im Vergleich auf den Ford Focus 2.0 TDCi mit 136 PS und den 140 PS leistenden VW Golf 2.0 TDI

Vom Erfolg dieses Autos hängt die Zukunft der gesamten Marke ab. Deshalb haben sich die Entwickler des Fiat Bravo besondere Mühe gegeben, ein Auto zu konstruieren, dass elegantes Design mit praktischen Tugenden verbindet und eine Verarbeitungsgüte aufweist, wie sie noch kein Italiener zuvor besaß. Das haben wir doch alles schon mal gehört, oder? Stimmt, aber um zu signalisieren, wie ernsthaft die Italiener ihr Vorhaben dieses Mal verfolgen, löst ein neues, rotes Logo das bisherige blaue Emblem der Turiner Traditionsmarke ab. Uns interessiert trotzdem nur eines: Wie gut behauptet sich der Bravo im Vergleich gegen den konzeptionell ähnlich ausgerichteten Ford Focus sowie den unumstrittenen Klassenprimus VW Golf?

 

Karosserie

Der Fiat Bravo hat von Hause aus vier Türen, während die hinteren Pforten bei Ford (825 Euro) und VW (744 Euro) Aufpreis kosten. Auch wenn der Golf weniger tatsächlich nutzbare Innenbreite vorweist als seine Konkurrenten, bietet er doch zumindest vier Insassen den insgesamt luftigsten Aufenthaltsort. Dank des geradlinigen Dachverlaufs heimst der VW mehr Punkte für sein Raumangebot ein. Seine steil stehende Heckklappe ermöglicht zudem den üppigsten, maximalen Stauraum. Die recht bescheiden anmutenden 350 Liter Standardvolumen sind mit und ohne Reserverad vorhanden. Fiat und Ford haben ebenfalls serienmäßig ein Reifendichtmittel an Bord, büßen aber bei Montage eines vollwertigen Ersatzrades gehörig Ladevolumen ein. Zudem wartet der VW mit der höchsten Zuladung auf und ist am penibelsten verarbeitet. Seine Materialien sind nicht wirklich wertiger, aber geschickter eingesetzt. Bei der Verarbeitungsqualität hat Fiat gewaltig aufgeholt. Selbst auf üblen Holperstrecken knistert und knackt nichts im steifen Aufbau. Lediglich die Passungen der Kunststoffflächen im unteren Armaturenträger könnten sauberer ausfallen, und der billige Nadelfilz im Kofferraum sowie die freiliegenden Scharniere der Rückbank trüben das Bild. Die rechts vom Radio angebrachten Schalter für das Nebellicht und die nur mit Schlüssel zu entriegelnde Tankklappe sind Beispiele für eine etwas weniger einfache Bedienung gegenüber den Wettbewerbern. Die flach stehenden und äußerst massiven A-Säulen schränken außerdem die Rundumsicht ein, ebenso wie die breiten C-Säulen. Ein zusätzliches Seitenfenster beim Ford sowie dessen besser einsehbare Motorhaube erleichtern das Manövrieren des Focus. Sein Laderaum erlaubt die wenigsten Varianten, was jedoch nicht darüber hinwegtäuschen sollte, dass keiner der Kandidaten bei umgeklappten Rücksitzen über ein ebene Ladefläche verfügt. Der Sicherheitsausstattung des Ford mangelt es an serienmäßigen Isofix-Ösen. Außerdem gibt es das Kurvenlicht nicht in Verbindung mit Xenon-Scheinwerfern oder umgekehrt

KarosserieMax. PunkteVW Golf 2.0 TDIFord Focus 2.0 TDCiFiat Bravo 1.9 M-JET 16V
Raumangebot vorn100656261
Raumangebot hinten100565454
Übersichtlichkeit70373834
Bedienung/ Funktion100909080
Kofferraumvolumen100303434
Variabilität100252035
Zuladung/ Anhängelast80423131
Sicherheit150827282
Qualität/ Verarbeitung200185178177
Kapitelbewertung1000612579588

 

Fahrkomfort

Bereits bei der ersten Sitzprobe im neuen Fiat irritiert, dass die Polster im Schulterbereich deutlich zu wenig Abstützung bieten. Die Kontur der Lehne vermittelt den Eindruck, ein dünnes Kissen im Kreuz zu haben – und das ist nicht die Lordosenstütze. Außerdem fehlt es den recht kleinen Sitzflächen an Seitenhalt. Erheblich bequemer sitzt man im Focus, der jedoch von den hervorragenden Sitzen im Golf nochmals klar getoppt wird. Weite Einstellbereiche, gute Seitenführung, sehr angenehme Polsterhärte – einfach gelungen. Auch die Feder-Dämpfer-Abstimmung des VW überzeugt. Lediglich bei voller Beladung erlaubt sich die Hinterachse beim Überqueren von derben Fugen einen leichten Hopser. Noch geschmeidiger erledigt dies der Focus, der zudem mit den leisesten Geräuschmesswerten punktet. Einen kleinen Vorteil verbucht er ferner im Punkt Klimatisierung, weil bereits die günstigste Version mit einer Klimaanlage ausgerüstet wird, und Optionen wie Zuheizer oder beheizte Frontscheibe erhältlich sind. Im Unterschied zu den ersten Testautos rollte dieser Fiat Bravo auf Sportreifen der Geschwindigkeitsklasse W (bis 270 km/h), die ihn knochiger abrollen lassen. Bereits auf der Autobahn kommt Unruhe auf. Zwar sprechen die Federelemente sensibel an, doch die Dämpfer der Hinterachse wirken leicht unharmonisch. Effekt: Dehnungsfugen an Brücken oder Kanaldeckel melden die Hinterräder recht ruppig weiter. Bodenwellen hingegen sind kein Problem, auch wenn die Federwege kürzer sind als bei Ford und VW. An dieser Charakteristik ändert die Zuladung von Passagieren und Gepäck zwar nur wenig, aber dafür wandelt sich der Abrollkomfort zum Guten.

FahrkomfortMax. PunkteVW Golf 2.0 TDIFord Focus 2.0 TDCiFiat Bravo 1.9 M-JET 16V
Sitzkomfort vorn150135115105
Sitzkomfort hinten100725957
Ergonomie150132130124
Innengeräusche50213125
Geräuscheindruck100555656
Klimatisierung50233231
Federung leer200138140129
Federung beladen200134137131
Kapitelbewertung1000710700658

 

Motor und Getriebe

In das Antriebskapitel startet der Bravo mit einem leichten Leistungsvorteil: 150 PS entwickelt der Multijet 16V. Der 2.0 TDCi im Ford hat zwar den größten Hubraum, lässt es aber bei maximal 136 PS bewenden. Das Pumpe-Düse-Aggregat im Golf bringt es auf 140 PS. Beim Drehmoment herrscht Einigkeit: 320 Nm sind im Höchstfall möglich, die der 2.0 TDI des Golf nicht nur als erster erreicht, sondern auch am längsten aufrecht erhält. Entsprechend ungestüm stürmt er vorwärts. Seine Leistungsabgabe erfolgt willig und spontan, aber hohe Drehzahlen liegen ihm nicht sonderlich. Dennoch sprintet er auf der Autobahn oberhalb von 160 km/h sogar am stärkeren Bravo vorbei, bevor die Drehzahl bei Tacho 220 elektronisch limitiert wird. Noch schneller rennt nur der Fiat, der mit einigem Anlauf wieder zum TDI aufschließt und schließlich mit über 230 km/h auf dem Tacho davoneilt. In (gemessener) Wahrheit liegen die drei flotten Diesel jedoch nicht so weit auseinander: Der Ford streckt bei 203 km/h die Waffen, der VW bei 205, und der Fiat läuft echte 209. Auch beim Verbrauch erzielt der Fiat den höchsten Wert: Auf unserer Test-runde genehmigte er sich 7,8 Liter Diesel je 100 km im Schnitt. Der Ford verfeuerte 7,5 Liter und der VW verbrannte nur 6,9 Liter. Nebenbei bemerkt: Die Werksangabe lautet unisono 5,6 Liter. Ebenfalls einheitlich ist der Partikelfilter in allen Fahrzeugen vorhanden, was jedoch beim Golf bedeutet, dass der übliche Vierventilkopf einer zweiventiligen Konstruktion weicht und ein Mehrpreis von 590 Euro fällig wird. Wenig verwunderlich, aber der Vollständigkeit halber erwähnt sei, dass der Fiat am spurtfreudigsten ist, und der Ford den Anschluss nur mit Mühe halten kann.

Motor und GetriebeMax. PunkteVW Golf 2.0 TDIFord Focus 2.0 TDCiFiat Bravo 1.9 M-JET 16V
Beschleunigung150140139144
Elastizität100
Höchstgeschwindigkeit150757379
Getriebeabstufung100888182
Kraftentfaltung50333031
Laufkultur100495153
Verbrauch325201194190
Reichweite25151313
Kapitelbewertung1000601581592

 

Fahrdynamik

Sein Leistungsmanko von 14 PS auf den Bravo wirft den Focus in den möglichen Rundenzeiten zurück. Auch wenn er subjektiv eindeutig der lebhafteste Vertreter seiner Zunft ist, muss er seine Rivalen ziehen lassen. Seine bestechend präzise Lenkung reagiert nie hektisch und verleiht ihm sowohl ein leichtfüßiges Handling als auch einen stoischen Geradeauslauf. Der Fiat hingegen operiert aus der Mitte heraus leicht unruhig, was sowohl ein präzises Dirigieren erschwert als auch den Geradeauslauf mindert. Sein Fahrwerk wurde konsequent auf Sicherheit getrimmt: Das ESP lässt sich nicht abschalten, und Übersteuern zeigt der Bravo höchstens im Ansatz. Auf der anderen Seite macht ihn diese Auslegung recht träge, und die Kurventempi liegen nicht so hoch wie bei Ford und VW – trotz der breiten 17-Zoll-Räder des Testwagens. Der Golf hat den ausgewogensten Charakter: Nicht ganz so agil wie der Focus, aber mit einem mustergültig stabilen Fahrverhalten auch jenseits des Grenzbereichs, fährt er dem Rest des Feldes davon. Wie gut ausbalanciert das Fahrwerk ist und welches Potenzial in ihm steckt, belegt das Tempo im Slalomtest: 62,6 km/h liegen bereits auf dem Niveau von Sportwagen.

FahrdynamikMax. PunkteVW Golf 2.0 TDIFord Focus 2.0 TDCiFiat Bravo 1.9 M-JET 16V
Handling150504445
Slalom100635247
Lenkung100818269
Geradeauslauf50404339
Bremsdosierung30191912
Bremsweg kalt150808086
Bremsweg warm150867779
Traktion100353531
Fahrsicherheit150139133129
Wendekreis20151213
Kapitelbewertung1000608577550

 

Umwelt und Kosten

Addiert man die Aufpreise für Partikelfilter, vier Türen und die AZ-Normausstattung zum Grundpreis hinzu, sind die Anschaffungskosten für den VW am höchsten. Knapp 600 Euro weniger kostet der Ford, weitere 1200 Euro günstiger wird der Bravo angeboten. Allerdings gleicht der VW den höheren Verkaufspreis mit niedrigeren Wartungskosten, preiswerteren Versicherungsklassen und einer unbegrenzt gültigen Mobilitätsgarantie wieder aus. Unterm Strich der Teuerste ist der Ford Focus 2.0 TDCi, der mit seinem sensationell niedrigen Kohlenmonoxid-Ausstoß aber der klare Favorit für Umweltbewusste ist. Der Fiat Bravo 1.9 Multijet 16V startet bereits zu einem günstigem Tarif von 22000 Euro und verfügt dabei serienmäßig über Kurvenlicht, ein hochwertiges RDS-CD-Radio, höheneinstellbaren Beifahrersitz – und ein wirklich gelungenes Styling.

Kosten/UmweltMax. PunkteVW Golf 2.0 TDIFord Focus 2.0 TDCiFiat Bravo 1.9 M-JET 16V
Bewerteter Preis675231231241
Wertverlust50242424
Ausstattung2571314
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung50281717
Werkstattkosten20161413
Steuer10777
Versicherung40333231
Kraftstoff55444342
Emissionswerte25838479
Kapitelbewertung1000473465468

 

Fazit

Keine Frage, der Bravo verkörpert den bislang besten Fiat der jüngeren Automobilgeschichte. Dennoch reicht es nach Punkten nicht ganz, um die etablierten Rivalen Focus und Golf zu düpieren. Weder im Raumangebot noch bei der erfreulich soliden Verarbeitung bietet er echte Vorteile. Fahrdynamisch hält er trotz sportlich-straffem Fahrwerk nicht ganz jenes Versprechen, das seine rassige Optik gibt: Zu brav und unpräzise manövriert der Bravo um die Kurven. Der quirlige Ford hat das agilste Fahrwerk und hält angesichts seiner bescheidenen Leistung von 136 PS wacker mit. Außerdem überzeugt er im Komfortkapitel. Der VW Golf ist vielleicht kein Auto für die Emotionen, aber ein sehr ausgewogenes und gereiftes Fahrzeug. Je länger und intensiver man sich mit ihm auseinander setzt, desto mehr überzeugt er – und gewinnt den Test somit verdient.

Gesamtbewertung

Max. PunkteVW Golf 2.0 TDIFord Focus 2.0 TDCiFiat Bravo 1.9 M-JET 16V
Summe5000300429022856
Platzierung123

Tags:
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