Fiat 8V Gestatten Otto Vu

21.04.2012

Auf Italienisch heißt der kleine Sportwagen mit Zweiliter-V8 charmant „Otto Vu“. Und zum 90-jährigen Jubiläum der Marke Fiat in Deutschland erinnern wir uns ungemein gern an solche italienischen Momente

Ein verspielter Funke Genialität und tief empfundene Leidenschaft ziehen sich schon immer durch die Geschichte der alteingesessenen Autofirma aus Turin. Die Italiener haben so nicht nur dem modernen Kleinwagen unverkennbar ihren Stempel aufgedrückt – man denke hier nur an den Fiat 500, den Uno, den Panda und andere große Würfe –, sondern sie haben auch in anderen Auto-Segmenten immer wieder aufhorchen lassen.

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90 Jahre währt dabei mittlerweile der Flirt dieser quirligen Auto-Querdenker mit uns Deutschen: 1922 wurden die ersten Fiat-Autos offiziell nördlich der Alpen verkauft, seitdem lassen wir uns von den Kreationen aus Turin verblüffen, inspirieren, ärgern, wechselweise auf die Palme und/oder die Straße bringen. Fiat und die Deutschen – das ist eine herzliche Beziehung, die wir vom Fahrersitz eines wilden Hunds mit deutschem Vornamen aus genießen wollen: gestatten, Otto. Otto Vu.

SPIELZEUG FÜR RENN-ENTHUSIASTEN
Sieben Jahre nach Kriegsende erwarteten die italienischen Kommunisten einen neuen „Topolino“ für das arbeitende Volk und kein Spielzeug für Renn-Enthusiasten. Aber es scheint, als habe die versammelte Autoindustrie Italiens von Ferrari über Lancia und Cisitalia bis hin zu Moretti und Stanguellini in jenen Jahren nur daran gedacht, Rennen zu fahren, und Fiat wollte dabei sein.

Neben der Produktion von neuen Mittelklasse-Limousinen, Geländewagen und dem aktualisierten Vorkriegs-Cinquecento beschloss Fiats Chefentwickler Dottore Dante Giacosa, auch Kapazitäten für den Bau eines Gran Turismo freizuhalten. Der Motor war einmalig in seiner Konstruktion. Als V8 mit 70 Grad Zylinderwinkel nutzte er die letzte verbliebene Lücke zwischen dem V12 von Ferrari, den V- und Reihensechszylindern von Lancia und Maserati sowie den neuen DOHC-Vierzylindern von Alfa Romeo.

Damals stritten die Ingenieure nämlich noch ums Prinzip. Die Ausführung im Detail folgte dafür gängigen Konstruktionsprinzipien: Der Zweiventiler mit halbkugelförmigen Brennräumen und Gemischaufbereitung über zwei Doppelvergaser brachte es anfangs auf 105 PS. Bis 1954 ließen sich 22 weitere Pferdestärken mobilisieren. Das Fahrwerk mit hinterer Einzelradaufhängung versprach sportliche Kompetenz, aber die Form der mit einem selbsttragenden Rahmengerüst verschweißten Karosserie war, gelinde ausgedrückt, gewöhnungsbedürftig.

Fiats Spezialabteilung unter Fabio Rapi hatte sie im Windkanal ausgetüftelt: ein Fließheck-Coupé im Stil der Mille-Miglia-Rennwagen aus der unmittelbaren Vorkriegszeit mit riesigem Kühlermaul und kleinen, weit außen platzierten Scheinwerfern – nicht schön, aber windschlüpfig und damit schnell. Als das Auto vorgestellt wurde, spitzten die Zeichner bei Italiens Aufbauherstellern freudig die Bleistifte, denn damit würde sich nicht jeder 8V-Käufer auch abseits der Mille Miglia blicken lassen.

HÜLLE VOM MASERATI A6 G2000
Rund die Hälfte aller 114 gebauten Fiat 8V wurde auswärts eingekleidet, die meisten bei Zagato, der bewies, dass es möglich war, schön und schnell gleichzeitig zu sein. Zagato musste dafür seine ideale Coupéform nicht neu erfinden: Ein Jahr zuvor hatte er für den annähernd gleich großen Maserati A6 G2000 eine wunderbare Hülle geschneidert, die sich auf den Otto Vu fast eins zu eins übertragen ließ – von den schlichten Rundscheinwerfern über den geschwungenen Wagenkörper bis zum runden Hinterteil.

Das ovale Kühlergitter, der dreieckige Fuß der hinteren Dachsäule und die verchromten vertikalen Luftauslässe in den Flanken hinter den Vorderrädern stimmen bei beiden Autos exakt überein. Vielleicht lag es an den Fahrern, aber die Konkurrenz war schneller: Bei der Mille Miglia im Jahr 1953 siegten die Maserati in der Zwei-Liter-Klasse, und ein Jahr später schnappte eine Aurelia GT dem 8V den Klassensieg weg.

Fiat gewann zwar noch die Sportwagenmeisterschaft, aber damit war das Achtzylinder-Kapitel beendet: Inzwischen verlangten nicht mehr nur die Kommunisten neue Kleinwagen. Im Rückblick mögen Autos wie der Otto Vu kaum mehr als eine Randnotiz sein, sie haben sich jedoch als Zeugnis einer lebensfrohen Experimentierfreude eingeprägt, die uns Jahrzehnte später noch mit Fiat rechnen lässt. In diesem Sinne: Mille Grazie, Fiat. Salute, auf die nächsten 90 Jahre!

TECHNIK
 

FIAT 8V
Motor V8-Zylinder, 4-Ventiler, ohv, vorn längs
Hubraum 1996 cm3
Leistung bei 93 kW / 127 PS bei 6600/min
Max. Drehmoment bei 140 Nm bei 4500 /min
Getriebe 4-Gang-Getriebe
Antrieb Hinterradantrieb
Aufbau und Fahrwerk Selbsttragende Karosserie
mit integriertem Rahmen; v. u. h.: Querlenker,
Federn, Dämpfer, Stabi.;
Bremsen rundum Trommeln
Bereifung 165 R400 87S
L/B/H 4040/1570/1290 mm
Radstand 2400 mm
Leergewicht 997 kg
Höchstgeschwindigkeit 190 km/h
Bauzeit 1952 - 1954
Stückzahl 114

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