Fiat 500 Facelift: Der Topolino 2015 im Fahrbericht Geputztes Mäuschen

Der kleine Italiener ist einfach unverbesserlich. Trotzdem ist es Zeit für ein Facelift. Der Fiat 500 2015 im Fahrbericht

Für Alfredo Altavilla ist er ein „Alptraum“. Zwar feiert der Fiat-Europachef den 500er auch als „Herz der Marke“ und lässt auf den Kleinwagen nichts kommen. Nicht umsonst haben die Italiener davon in den letzten acht Jahren über 1,5 Millionen Exemplare verkauft. Doch die Modellpflege lag ihm offenbar wie ein Stein im Magen. Denn wie will man ein Original noch verbessern und wie eine Designikone verändern, ohne dass man die Fans verprellt? Erst recht, wenn auch dieses Auto schon die Kopie eines Klassikers ist.

 

Fiat 500 2015: Topolino-Facelift im Fahrbericht

Weil man dabei vieles falsch und kaum etwas richtig machen kann, hat Fiat die einzige logische Konsequenz gezogen – und einfach nichts gemacht. Zwar wurden angeblich fast 2.000 Bauteile angefasst. Doch wenn in diesen Tagen der „neue“ Fiat 500 zu den Händlern kommt, sieht er deshalb aus wie der alte und man muss schon sehr genau hinschauen, bis man an den LED-Ringen um die Scheinwerfer oder den in Wagenfarbe lackierten Einsätzen in den Rückleuchten doch einen Unterschied erkennt. Selbst der Preis taugt nicht als Indiz: Denn den lassen die Italiener ebenso unverändert und verkaufen den geschlossenen 500er weiter ab 12.250 Euro und das Cabrio ab 14.750 Euro.

Innen sieht die Sache schon ganz anders aus. Zwar bleibt es auch dort bei den bekannten Formen und Farben und an vielen Details wie den großen Kunststoffflächen in den Türtafeln erkennt man noch immer, dass Fiat und die Fiat-Kunden arg aufs Geld schauen. Doch zumindest hält im Cockpit auf Wunsch der neueste Stand der Technik ein: Im Zentralinstrument hinter dem Lenkrad gibt es jetzt optional einen großen farbigen Bildschirm für den Bordcomputer und zwischen die Lüftergitter in der Mitte pflanzen die Italiener auf Wunsch den Touchscreen ihres neuen U-Connect-Navis, mit dem man auch Smartphones besser integrieren kann. Ach ja, und ein Handschuhfach mit Deckel gibt es jetzt endlich auch.

Ähnlich tiefgreifend waren die Anpassungen unter der Haube. Nur weil die Triebwerke künftig die Euro6-Norm erfüllen müssen, braucht man sie ja nicht gleich auszuwechseln oder ihr Setup zu verändern. Also gibt es nach wie vor einen 1,2-Liter mit 69 PS im Basismodell und den 0,9-Liter-Zweizylinder mit 85 oder 105 PS. Etwas später kommt der auch als Öko-Triebwerk mit einem vorzeigbaren CO2-Ausstoß von 89 g/km und dann bringt Fiat mit dem 95 PS starken Multijet-Motor auch wieder einen Diesel. Außerdem sind für das kommende Jahr die Heißsporne von Abarth versprochen.

Dass sich der Fiat beim Fahren trotzdem ein bisschen frischer anfühlt, liegt vor allem an der besseren Dämmung, die dem Zweizylinder gut zu Gesicht steht. Natürlich klingt der Motor noch immer ziemlich kernig und spielt sich ordentlich in den Vordergrund, wenn man dem 105 PS-Maschinchen die Sporen gibt, damit man in 10,0 Sekunden auf Tempo 100 kommt und tatsächlich mit 188 km/h über die linke Spur fliegt. Aber zumindest im Stadtverkehr ist es jetzt deutlich ruhiger an Bord.

Zwar hat sich Signore Altavilla mit der Modellpflege geschickt aus seinem Alptraum gestohlen. Doch zumindest den Kunden hat er die Möglichkeit zu tiefgreifenderen Veränderungen eingeräumt. Mit dem neuen Konzept „Second Skin“. Denn zusätzlich zu den 13 Außenfarben kann man für den 500er künftig ein Dutzend „zweite Häute“ bestellen und das Design individuell variieren. Und falls sich der Geschmack mal ändert oder man zurück zum Original will, ist das kein Problem: Alle Folien lassen sich Rückstandslos wieder entfernen.

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