Fiat 500 Abarth esseesse und Mini JCW Fiat 500 Abarth esseesse und Mini John Cooper Works

27.08.2009

Österreichische Alpenpässe sind die richtigen Spielplätze für die beiden potenten Kleinwagen Fiat 500 Abarth esseesse und Mini John Cooper Works

Alte Rezepte müssen nicht die schlechtesten sein. Es gibt zum Beispiel kaum bessere Wiener Schnitzel mit Erdäpfelsalat als die nach dem alten österreichischen Kochbuch meiner Großmutter zubereiteten. Manchmal gilt das auch für Autos. Ein bekannte und beliebte Vorgehensweise ist es etwa, den stärksten verfügbaren Motor in das kleinstmögliche Modell zu verpflanzen.

Nach diesem Rezept wurden Fiat 500 Abarth esseesse und Mini John Cooper Works komponiert. Ein historisch legitimiertes Unterfangen, schließlich gab es bereits in den 60ern Fiat 500 Abarth und Mini Cooper, die mit starken Motoren und agilem Handling für Furore auf Rennund Rallyepisten sorgten.

FIAT 500 MIT 160 PS
Wobei damals starke Motoren natürlich nicht besonders stark waren. Ein Fiat Abarth 595 SS kam etwa auf rund 30 PS, beim Mini Cooper reichten 1964 ganze 70 PS, um die Rallye Monte Carlo zu gewinnen. Heute muss man natürlich schwerere Geschütze auffahren. Der Fiat 500 Abarth leistet schon 135 PS, das esseesse-Paket legt noch mal 25 Pferde nach. Ein 500 mit 160 PS also – nicht schlecht. 211 PS leistet der Mini mit dem nicht weniger kryptischen Namen John Cooper Works. Äußerlich unterscheidet er sich von den braveren Mini-Modellen vor allem durch die fetten 17-Zöller und einen ebenso dickrohrigen wie lauten Doppelauspuff.

Der übrigens im Fall unseres Testwagens häufiger den Argwohn von Poli zeistreifen erregte. Diese stoppten den Mini gern, um nach einer ABE für die Auspuffanlage zu fragen. (Nein, Herr Wachtmeister, alles original und serienmäßig.) er hat, wobei sich die äußerlichen Unterschiede zwischen einem normalen 500 Abarth und einem esseesse auf die 17-Zöller und das um 15 Millimeter tiefergelegte Fahrwerk beschränken.

Der Dachflügel und die breiten Schwellerverkleidungen gehören bereits zur normalen Abarth-Ausstattung. Scheu vor großen Zahlen, so viel darf hier gesagt werden, sollte man als Abarth- oder John Cooper Works- Interessent ohnehin nicht haben. Mit Grundpreisenvon 20 600 (Fiat) und 28 700 Euro (Mini) zählen beide nicht zu den Sonderangeboten. Wobei im Fall des 500 noch rund 300 Euro für den Einbau des Kits beim Händler hinzukommen, denn den stärksten Fiat 500 kann man nicht einfach von der Stange kaufen. Erst gilt es, einen 500 Abarth zu erwerben, dann kauft man das esseesse-Paket dazu und lässt es beim Händler montieren.

GEHT WIE DIE FEUERWEHR
Für das viele Geld erhält man einen Cooper, der 238 km/h läuft und in 6,5 Sekunden auf 100 km/h spurtet. Der 51 PS schwächere und kaum leichtere Fiat kann das nur wenig schlechter: 211 km/h und 7,4 Sekunden. Dabei sind die Werksangaben für Spurt und Spitzentempo noch nicht einmal die halbe Wahrheit. Denn wie viel Spaß die beiden potenten Kleinen bei kurvenreicher Berg- und Talfahrt wirklich machen, ist nur mit Zahlen kaum zu beschreiben.

Besonders in dem kleinen Briten verfliegen alle Zweifel, sobald man einmal ordentlich Gas gegeben hat. Der 1,6-Liter-Turbomotor bläst los wie die Feuerwehr, das kleine Drehmomentloch im unteren Drehzahlbereich ist schnell durchflogen. Das Lenkrad zuckt dabei leicht hin und her, der Mini will streng an der Kandare geführt werden. Doch der John Cooper Works ist in erster Linie ein Mini. Will sagen, er nervt etwas mit denselben Unzulänglichkeiten, die an seinen zivilen Kollegen ebenfalls stören: dem grotesk großen Zentraltacho, den winzigen Wippschaltern und den unpraktischen Drehreglern für die Klimaanlage.

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Sobald die erste Kurve auftaucht, ist das jedoch vergessen. Anbremsen, zurückschalten, einlenken, wieder aufs Gas – der Mini feuert auf die nächste Gerade. Klar ist er sehr straff abgestimmt, aber auf diesem Geläuf stört das nicht. Noch eine Spur härter geht es ohnehin im Fiat zu. Die Tieferlegung hat dem kleinen Italiener scheinbar den letzten Rest Federweg geraubt. Bereits kleinste Unebenheiten lassen ihn leicht aus der Spur hoppeln.

Da hilft es wenig, dass die elektrische Servolenkung kein Muster an Rückmeldung ist. Dennoch gelingt es dem John Cooper Works nicht, ihn abzuschütteln – selbst wenn der Fiat fast eine Sekunde länger auf 100 km/h braucht. Zu fl ink lässt sich der Abarth um die Biegungen werfen. Traktionsprobleme kennt er dank elektronischer Differenzialsperre übrigens genauso wenig wie der Cooper, der ebenfalls über eine Sperre verfügt.

KAFFEEPAUSE IN SÜDTIROL
Morgens um halb acht haben Mini und Fiat den Weg zur Passhöhe für sich. Einmal hin und zurück übers Timmelsjoch kostet am Mauthäuschen 17 Euro pro Auto, ein wohlfeiler Spaß. Oben, bei 2474 Metern, beginnt Italien. Die beiden Kleinen stürzen sich durch die Serpentinen nach unten Richtung Südtirol. Der Fiat ist erst noch im Vorteil.

Er hat die besseren Sitze mit mehr Seitenhalt, lässt sich leichter um die engen Kehren dirigieren, und bergab fällt das Leistungsmanko noch weniger ins Gewicht. 30 Kilometer später und 1800 Meter tiefer gibt es je einen Cappuccino für die Fahrer und eine Bremsenkühlpause für die Autos. Der Fiat hat sie nötiger als der Mini, dessen Bremsanlage etwas standfester ist.

Der Rückweg macht dann nicht mehr ganz so viel Spaß. Zur späten Vormittagsstunde bevölkern Touristen- Minivans, Wohnmobile, Motorräder und Fahrräder die Passstraße nach Norden Richtung Ötztal. Doch in den beiden Knallerbsen lässt es sich auch treffl ich bummeln. In Österreich ist jetzt bald Zeit für ein Schnitzel. Mit Erdäpfelsalat.
Heinrich Lingner

Fazit

Technische Daten
Motor 
Zylinder4-Zylinder, 4-Ventiler
Hubraum1598
Leistung
kW/PS
1/Min

155/211
6000 U/min
Max. Drehmom. (Nm)
bei 1/Min
260
1850 U/min
Kraftübertragung 
AntriebVorderrad
Fahrwerk 
Bremsenv: Scheiben
h: Scheiben
Bereifungv: 205/45 R 17
h: 205/45 R 17
Messwerte
Gewichte (kg) 
Leergewicht (Werk)1130
Beschleunigung/Zwischenspurt 
0-100 km/h (s)6.5
Höchstgeschwindigkeit (km/h)238
Verbrauch 
Testverbrauch6.9l/100km (Super Plus)
EU-Verbrauchk.A.
Reichweitek.A.
Abgas-Emissionen 
Kohlendioxid CO2 (g/km)k.A.

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