Fiat 500 Abarth 695 Tributo Ferrari Will der nur spielen?

11.09.2011

Leicht unterschätzt man ihn: Doch dank 180 PS starkem Turbo ist der Abarth 695 der schnellste Fiat 500 aller Zeiten und ein ernsthafter Sportler

Fernando Alonso besitzt einen – und auch Felipe Massa. Die beiden Ferrari-F1-Piloten dürfen einen von insgesamt 1696 Abarth 695 Tributo Ferrari fahren. Der schnellste Fiat 500 aller Zeiten fordert dank der Mischung aus „Hab-mich-lieb-Gesicht“ und dem druckvollen 180-PS-Turbo selbst Vollgasprofis heraus.

Fiat-Abarth 695 und 695 SS – bei diesen Zahlen schnalzen Kenner mit der Zunge. Die rund 470 Kilo leichten, renntauglichen Kugelblitze mit getunten Zweizylindermotoren jagten zwischen 1965 und 1971 der meist leistungsstärkeren Konkurrenz einen gehörigen Schrecken ein. Aufgebohrt auf 690 cm³ und statt 18 PS dann 30 oder gar 38 PS stark, brachten die luftgekühlten Motörchen die optimierten 500er auf bis zu 140 km/h.

Darüber kann dieser rote, Verzeihung rosso-corsa-farbene, aktuelle Winzling nur lachen. 225 km/h stehen provokativ im Fahrzeugschein. Und wer ihn einmal auf der freien Autobahn erlebt hat, zweifelt nie mehr daran. Das verführt auch schon mal zu der ein oder anderen Torheit. Wie zum Beispiel das natürlich rein zufällige Betätigen der Lichthupe. Irgendwie muss der Porsche 911 doch kapieren, was sich ihm da von hinten so schnell nähert. Tatsächlich löst der Abarth 695 Tributo Ferrari in solchen Fällen kein aggressives Verhalten aus. Es ist eher ein so ungläubiges Staunen, das nur noch von einem tieffliegenden Ufo getoppt werden könnte. Hier hilft der „Ich-bin-doch-so-niedlich“-Faktor auf jeden Fall weiter.

DIE BREMSE DES ABARTH WIRFT DICH VEHEMENT IN DIE GURTE
Wer dem 695er auf den Zahn fühlt, muss entdecken: Der geht so brachial wie er aussieht. Gut, die werksseitigen sieben Sekunden für den Sprint auf 100 km/h erreicht er nicht ganz, doch 7,3 Sekunden sind angesichts der wild scharrenden Vorderräder spitze. Endgültig in die Herzen der Tester schmeichelt sich der kleine Rote beim Bremstest: Mit 33,6 (kalt) und 33,9 Meter Bremsweg (warm) aus Tempo 100 stößt er in Sportwagenbereiche vor, klopft zumindest dort mal an. Die Brembo-Bremse wirft den Fahrer vehement in die Gurte, das ABS ist bestens abgestimmt.

Dass sich trotz der Sabelt-Leichtbausitze im Slim-Fit-Format an der Sitzhöhe nichts geändert hat, ist allerdings bedauerlich. Die kutschbockartige Haltung stört das beim Entern des Innenraums augenblicklich aufkeimende Rennfahrer-Gefühl doch erheblich. Gut, auch an den Türinnenverkleidungen im 500er-Billigplastik-Look sollte der Blick schnell vorüberschweifen und auf das wertige Lederlenkrad und die Alu-Pedale fallen.

Während man sich noch fragt, wo die separate Bedienungsanleitung für das in sich verschachtelte Rundinstrument liegt, umfassen die Hände schon die beiden Schaltwippen am Lenkrad. Ein Dreh am Zündschlüssel, und das Turbomotörchen erwacht – lautstark und basslastig aus vier Rohren röchelnd. Genial! Und es wird noch besser: Warm gefahren geht der Abarth 695 Tributo Ferrari trotz langer Übersetzung kräftig zu Werke, beschleunigt auch bei Tempo 200 mehr als beeindruckend. Die Gänge ausdrehen und im Sportmodus manuell hochschalten wird mit einem klar vernehmlichen Knallen aus dem Auspuff belohnt. Herunterschalten geschieht mit automatischem Zwischengas. Kindliche Freude kommt auf. Die versiegt erst, wenn die automatisierte Schaltung im Automatikmodus ruckelnd die Gänge wechselt. Das nervt!

Das Koni-Fahrwerk plus Tieferlegung ist natürlich kein Garant für entspanntes Dahingleiten. Es bevorzugt eher die härtere Gangart und geht auch schon mal die eine oder andere Liebelei mit Spurrillen ein. Dafür hält es den kurzen, aber hoch aufbauenden Abarth auf Kurs. Das Kurbeln am Lenkrad und dabei die Reserven von Bremsen und Fahrwerk ausloten macht richtig Spaß. Die Vorderachse setzt in engen, schnell gefahrenen Kurven konzeptbedingt die Grenzen, die rote Kugel schiebt dann stur über die Vorderräder. Ob das Alonso und Massa genauso gespürt haben, als sie 2010 in Monza ihren Abarth 695 Tributo Ferrari übernommen haben? Das ist leider nicht überliefert.
Holger Eckhardt

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TECHNIK
 
Motor 4-Zylinder, 4-Ventiler, Turbolader
Hubraum 1368 cm³
Leistung 180 PS (132 kW) bei 5750/min
Max. Drehmoment 230 Nm bei 3300/min
Antrieb Vorderrad
Getriebe 5-Gang, automatisiert
Fahrwerk Vorne:
McPherson-Federbeine,
Querlenker, Stabilisator;
Hinten:
Verbundlenkerachse, Federn,
Dämpfer, Stabilisator;
ESP
Bremsen v.: innenbelüftete Scheiben;
h.: Scheiben;
ABS, Bremsassistent
ECKDATEN / MESSWERTE
 
L/B/H 3657/1409/1485 mm
Radstand 2300 mm
Leergewicht / Zuladung 1131 / 329 kg
Beschleunigung
0 - 100 km/h in
7,3 s
Höchstgeschwindigkeit 225 km/h
Bremsen (100 - 0 km/h) kalt: 33,6 m
warm: 33,9 m
Testverbrauch 8,4 l S / 100 km
Grundpreis 42.700 Euro

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