Ferrari F430 Spider

19.12.2008

Mittwoch 2. Juli 2008, 14:30 Uhr
Hochsommer, Bullenhitze, Freibadwetter! Schön, wenn man Urlaub hat. Und den haben gerade alle. Nur ich nicht. Die Luft in meinem Büro steht dumpf und schwül, nicht einmal der auf höchster Stufe flirrende Ventilator schafft es, gegen die brütende Hitze anzukommen

Eckdaten
PS-kW490 PS (360 kW)
AntriebHinterrad, 6 Gang manuell
0-100 km/h4 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit315 km/h
Preisk.A.

Draußen tanzen weißglühende Sonnenstrahlen über die in einer trägen Backofenbrise fächelnden Blätter meiner Bürofenster-Platane. Und da unten auf dem Parkplatz macht sich ein feuerroter Ferrari F430 Spider breit. Dass der Lack kurz vorm Kochen ist, scheint man beinahe bis hier oben zu spüren. Was für ein geiles Gerät!

14:44 Uhr
Diese Affenhitze! Ich schleiche ans Fenster, öffne die Jalousien einen Spalt. Fünf Typen im Anzug, aus dem Bürohaus von gegenüber, drängen sich um den Ferrari. Sie schießen Fotos mit dem Handy. Einer nach dem anderen posiert lässig an der Fahrertür des F430. Ich hole den Funkschlüssel des Spider vom Schreibtisch und drücke – hinter der Jalousie versteckt – auf „Öffnen“. Das laute Klicken des sich entriegelnden Ferrari löst bei den Anzugtypen panikartige Flucht aus. Ich schnippe mit dem Daumen zufrieden auf „Schließen“. Der Ferrari verriegelt sich mit höhnischem Piepsen.

15:59 Uhr
Heute ist früher Schluss. „Hitzefrei“. Ich fahre den Rechner runter, schnappe meine Tasche und lasse mit süßem Hochgefühl den Zündschlüssel des Ferrari in meine Hosentasche rutschen. Hmm! Feuerrot, mit knallgelbem Ferrari-Logo! Während ich die die Treppen runter zum Parkplatz stürme, betaste ich den Schlüssel die ganze Zeit. Dann biege ich schwungvoll auf den Parkplatz. Zwischen all den leasingflottenwieder-verkaufsgrauen Premium-Geschäftskombis wirkt der F430 Spider unglaublich. Breit. Flach. Hungrig. Und ja, ein wenig obszön auch. Ich schlucke. Und streichle den Schlüssel in der Hosentasche.

Oh Nein! Ausgerechnet jetzt taucht die Handy-Truppe wieder auf. Ich kann unmöglich in den Ferrari steigen. Die stille Schönheit des ganzen herrlichen Moments wäre verdorben durch die gaffende Meute. Innerhalb einer Sekunde ist ein Entschluss gefasst: Der Ferrari-Schlüssel verschwindet wieder tief in meiner Hose, ich schlendere mit gleichgültiger Miene zur Bushaltestelle. Die Nachbarn mustern mich misstrauisch. Aber zumindest halten sie nun Abstand zu meinem Schätzchen.

Ich schiele ungeduldig von der Bushaltestelle rüber zum Parkplatz. Ein Anzug nach dem anderen dieselt leasinggrau in den Feierabend. Gerade als der Parkplatz leer ist – leer bis auf eine tief und sexrot auf den Asphalt gegossene Silhouette – öffnen sich vor mir zischend zwei Türflügel, der Busfahrer sieht mich erwartungsvoll und leicht ungeduldig an. Ich kriege das breite Grinsen kaum mehr aus dem Gesicht: „Sorry Mann! Heute fahre ich Ferrari!“ Dann schlurfe ich lässig mit John Wayne-mäßig pendelnden Hüften und Steve McQueen-geheimnisvollem Blick wieder zurück.

16:08 Uhr
Die Ferrari-Tür öffnet sich mit leicht saugendem Widerstand, kurz streift mich ein aufgeheizt-säuerlicher Ledergeruch. Es gibt ja mehrere Arten davon. Angefangen von opulent duftenden Rolls-Royce und Bentley bis hin zum strengen Nashorn-Haus-Aroma der 90er-Jahre-Renault und -Volvo. In einem Ferrari traut sich das Leder maximal den sanften Duft eines guten Schuhs zu, herrlich angereichert durch eine Nase Metall-Kleber und eine Ahnung von Kohlefaser-Harz. Viel eindringlicher als das Interieur riecht beim Ferrari das Exterieur: der glühende Motor, das heiße Öl, klebrige Reifen und scharf beißender Bremsstaub. Wie eine Fahrmaschine eben so riecht.

Längst schon bin ich wie magisch angezogen in die Schalensitze des Ferrari F430 Spider gefallen. Und wer hier sitzt, hat intuitiv das ganze, unverstellte Wesen des Vollstreckens begriffen: Alles in diesem Layout ist auf maximale Kontrolle ausgelegt. Das Lenkrad steht hoch und prominent, Sitzposition und Armaturenträger sind sehr tief angeordnet. Im Endergebnis ist die Übersicht im F430 Spider bestechend, das Auto saugt sich regelrecht um einen herum, lässt dem Fahrer aber gleichzeitig ein Höchstmaß an Beweglichkeit und Kontrolle. Unvergleichlich! Irgendwie muss der Schlüssel ins Zündschloss gelangt sein, mein linker Daumen drückt soeben den Startknopf am Lenkrad. Der V8 benötigt einige Umdrehungen um anzuspringen.

Diese Diva – will tatsächlich gebeten werden … Wow, sexy!
Und dann bin ich erst einmal etwas enttäuscht. Kein donnernder V8-Rumble, kein bellender Formel-1-Sound – stattdessen nichts als das kräftige Summen zweier hubraumstarker Vierzylinder. Was die Angelegenheit ja ungefähr auch tatsächlich trifft: Der Ferrari-V8 ist rein von der Zündreihenfolge her betrachtet kein klassischer V8, sondern eher vergleichbar mit zwei parallel geschalteten Vierzylindern. Zweimal Suzuki GSX-R 1000. Klar, eindeutig, schnörkellos.

17:20 Uhr
Ich tippe das rechte Schaltpaddel kurz an, der erste Gang klackt in die Schaltbox. Ich gebe Gas und rolle entschlossen vom Parkplatz. Das Stoffdach bleibt oben. Ich mag es nicht, im offenen Auto gesehen zu werden. Schaulaufen, wie peinlich. Und dann auch noch im Ferrari. Nein, danke! Hier drinnen habe ich das Auto ganz für mich allein. Ab nach Hause.

20:26 Uhr
Die Abendsonne lodert ein letztes Mal dunkelrot auf und fällt dann am Horizont in die Berge des Schwarzwalds. Ich habe Angelika vorhin gesagt, dass ich noch ein wenig Ferrari fahren werde. Sie hat nur gelächelt und gemeint: „Bis morgen früh dann …“ Jetzt warte ich hier in den Hügeln zwischen Heckengäu und Schwarzwald auf die Nacht. Streuobstwiesen, unterbrochen von struppigen Hecken, eine schmale Straße windet sich über die Kuppen und Buckel der im Abendlicht wogenden Landschaft.

Ein ganzer Pulk von getarnten Porsche Panamera glüht vorüber, die Testfahrer aus dem nicht weit entfernten Weissach fallen angesichts des unversehens herumlungernden Ferrari F430 Spider beinahe von der Straße. Eine Hand mit emporgerecktem Daumen grüßt aus dem Seitenfenster von Panamera Nr. drei – Autofans eben. Plötzlich trifft mich unversehens eine nach kühler Waldluft duftende Brise. Die Nacht, sie kommt! Ich drücke den Knopf fürs elektrisch betätigte Stoffverdeck. Runter mit der Haube. Zeit, die Reise anzutreten.

0:13 Uhr
Irgendwo hinter Freudenstadt. Die B294 läuft schnurgerade Richtung Norden bis Besenfeld. Vollkommene Schwärze links und rechts im dichten Nadelwald. Nur die Baumwipfel hoch oben zerfurchen eine Ahnung von Dunkelblau. Der Ferrari durcheilt einen stockfinsteren Tunnel aus Bäumen, lediglich die Tunneldecke besteht aus sattschwarzem Nichts, illuminiert vom Silberglanz des Universums. Ein endloser Sternhimmel.

Plötzlich falle ich ins Loch der Bezugssysteme: Gerade eben noch habe ich mich fiebrig, elastisch, ruhelos vorwärts bewegt, ein energischer Lichtkegel räumt den Weg frei für die stetig dahinschnürende Maschine. Um mich herum flackert der Klangteppich des F430 hinaus in den Wald, ich bin im Zentrum, ich bin das Auge des Sturms. Und jetzt herrscht plötzlich gefühlter Stillstand. Die Dunkelheit ist so endlos und endgültig, dass ich nichts als ein weiterer einsamer Stern im All bin. Eine Sekunde lang hier, dann schlägt wieder die zirpende Stille des Waldes hinter mir zusammen, die Nacht verwischt alle meine Spuren.

Seit Stunden fahre ich nun schon. Sanft schnurrend durch schlafende Dörfer, dann auf der brachial trompetenden Höllenorgel des ab 4000/min schlagartig losbrüllenden V8 surfend über Berge und Täler. Mein Kopf ist gefüllt mit den Gerüchen der Nacht, meine Haut hat ein wahres Gefühls-potpourri aller Nuancen hinter sich: trockene Wärme, gefüllt mit dem duftenden Aroma der Wiesen. Dann unversehens ein kalter Schauder. Feuchtkühle Finger kriechen aus den Wäldern, moosig, farnig, erdig, und streichen über mein Gesicht. In den Dörfern riecht es leicht nach Sauerbraten mit Spätzle, nach Rauch und Schlaf, die abstrahlende Hitze der Hauswände füllt das Cockpit des Ferrari F430 Spider.

1:47 Uhr
Nebel kriecht durch die Hügel, in denen ich vor Stunden meine Reise angetreten habe. Das Licht des Vollmonds zerfasert über einer milchigen Zauberlandschaft. Morgen wird hier wieder die Sonne scheinen. Und ich übermüdet ins Büro fahren. Mit geschlossenem Verdeck.

Fazit

Technische Daten
Motor 
ZylinderV8 / 4
Hubraum4308
Leistung
kW/PS
1/Min

360/490
8500 U/min
Max. Drehmom. (Nm)
bei 1/Min
465
5250 U/min
Kraftübertragung 
Getriebe6 Gang manuell
AntriebHinterrad
Fahrwerk 
Bremsenv: innenbel. Scheiben
h: innenbel. Scheiben
Bereifungv: 225/35 ZR 19
h: 285/35 ZR 19
Messwerte
Gewichte (kg) 
Leergewicht (Werk)1450
Beschleunigung/Zwischenspurt 
0-100 km/h (s)4
Höchstgeschwindigkeit (km/h)315
Verbrauch 
Testverbrauchk.A.
EU-Verbrauch18.3l/100km (Super Plus)
Reichweitek.A.
Abgas-Emissionen 
Kohlendioxid CO2 (g/km)k.A.

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