Vergleich: Ferrari F12 Berlinetta und Mercedes SLS AMG Black Series Freies Spiel der Kräfte

10.04.2013

Supersportler im Vergleich: Ferrari F12 Berlinetta und Mercedes SLS AMG Black Series definieren das Thema Sportwagen ganz unterschiedlich. Wunderbar austrainierte Fahrmaschinen sind beide

Vergessen Sie die Verbräuche. 13,7 und 14,8 Liter? Schaffen Sie eh nicht. Oder wollen Sie sich mit Ferrari und Mercedes nur im Windschatten von Lkw verstecken? Eben! Ein italienischer V12 muss brüllen und ein Affalterbacher Achtzylinder bollern. So sieht’s aus. Also gönnen Sie ihnen ein paar Liter mehr, sie haben es verdient. Außerdem dürfte die Spritrechnung noch das kleinste Problem für die meisten unter uns sein. Vielmehr kann man sich herrlich den Kopf über der Frage zerbrechen: Wo bekomme ich 250.000 Euro her? So viel kostet nämlich die schärfste Serienversion des SLS, der Black Series, mit dem Segen der Behörden. Dass Ferrari für den F12 Berlinetta noch einmal rund 18.000 Euro mehr verlangt, macht in diesen Preis-Sphären kaum noch einen Unterschied.

Damit hätten wir das Finanzielle geklärt. Aber was bekommt man für solche Summen? Auf der einen Seite einen SLS AMG im extrovertierten Sport-Ornat – samt Frontsplitter, Heckspoiler und Diffusor aus Karbon, vier Endrohren sowie vergrößerten Luftein- und auslässen. Auf der anderen Seite einen Gran Turismo mit niedriger Front und hohem Heck, ohne Flügelwerk – ganz klassisch eben. Doch nicht nur beim Styling, auch in Sachen Technik gehen der Italiener und der Deutsche verschiedene Wege – obwohl beide auf hochdrehende Saugmotoren setzen.

 

Nichts geht über Hubraum

Für den Black Series gingen die AMG-Ingenieure ans Eingemachte und modifizierten den 6208 Kubikzentimeter großen V8 aus dem Standard-SLS. Denn auch bei 8000 Umdrehungen muss der Ventiltrieb halten, bei 7400 Touren entwickelt der handgefertigte Vierventiler maximal 631 PS. Damit das Aggregat unter Dauerfeuer standfest bleibt, wurden Kurbelwellenlager und Pleuelverschraubungen angepasst, Öl- und Wasserkühlung verbessert sowie das Steuergerät auf die neuen Parameter programmiert. Davon bekommt man im Cockpit aber kaum etwas mit. Deutlich spürbar hingegen ist die komplett neue Abstimmung des Doppelkupplungsgetriebes (DCT) mit sieben Gängen. Das sitzt wie beim Ferrari nach wie vor an der Hinterachse (Transaxle-Bauweise), nun aber einen Zentimeter tiefer, um den Schwerpunkt des Fahrzeugs zu senken. Das DCT setzt nicht nur Schaltbefehle mit den kleinen Wippen hinterm Lenkrad schneller um, auch die Gangwechsel erfolgen eine Spur zackiger – ohne den Boliden dabei aus der Ruhe zu bringen. Außerdem legte AMG die HinterachsÜbersetzung kürzer aus, sodass der Black Series bei Tempo 315 km/h ausdreht. Nur 315? Ja, denn für stupide Vollgas-Fahrten wurde der Black Series nicht gebaut. Er braucht Kurven – davon bekommt er nicht genug.

Eine ganz andere Natur ist der F12 Berlinetta, mit 740 PS das (noch) stärkste Ross auf dem Ferrari-Paddock. Zwar ist sein V12 noch größer, dreht höher, entwickelt über 100 PS mehr als der V8 des SLS und soll den keilförmigen GT auf über 340 km/h beschleunigen. Doch der Italiener wirkt allein von außen betrachtet eine Spur entspannter als der Schwabe – trotz Kammheck mit Monster-Diffusor und „Aerobridges“ am Bug, um bei hohem Tempo zusätzlichen Abtrieb zu erzeugen. Ob das Luftleit-Prinzip aus Modena funktioniert, wollen wir ausprobieren. Am besten auf abgesperrter Strecke, wo niemand mahnend den Zeigefinger hebt. Wir fackeln nicht lange und stellen den Manettino genannten Drehschalter auf „Race.“ Lenkung: ultradirekt. Schub: ein Traum. Gangwechsel: superschnell. Rückmeldung: sehr präzise. So muss sich ein Sportwagen bewegen. Und wenn er dann noch genügend Komfortreserven hat, ist auch der Alltag gerettet.

Wer jetzt denkt, der AMG würde sich so eine Vorstellung gefallen lassen, hat sich geirrt. Auch der Black Series bedient die Flanier-Fraktion und Ampel-Angaser – mit Radio, Navi, Klima und der gewohnt einfachen Mercedes-Bedienung. Über Verarbeitung und Materialqualität müssen wir uns in dieser Preisklasse erst gar nicht unterhalten. Alcantara, Leder und Sichtkarbon schaffen Wohlfühl-Atmosphäre. Selbst die Sportschalen mit feststehenden Rückenlehnen sehen puristischer aus als sie sind und taugen durchaus für gemütliche Fahrten.

Doch gemütlich wollen wir’s heute ja nicht, also angeschnallt, Motor an, Getriebe auf „M“ und ESP aus. Wir fingern noch kurz nach dem AMG-Knopf, um Infos über die aktuell abgerufene Leistung sowie das Drehmoment auf den Bildschirm zu bringen. Doch wer auf der Rennstrecke noch Zeit hat, sich mit Zahlen und Grafiken zu beschäftigen, der ist nicht wirklich schnell. Also den Blick nach vorn, denn der Formel-1-Rundkurs von Le Castellet ist topfeben, die Auslaufzonen sind mit breiten blauen Streifen markiert – und irgendwie sieht alles gleich aus.

 

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Nach ein paar zügigen Aufwärmrunden haben wir uns an den Parcours gewöhnt und legen noch eine Schippe drauf. Ende Start-Ziel schalten wir in den Fünften und bremsen den 1550 kg leichten Black Series von knapp 200 auf 50 km/h herunter. Zweiter Gang, enge Rechtskurve und wieder voll beschleunigen. Für einen kurzen Moment ringen die 325er-Pilot Sport Cup 2 von Michelin um Haftung, das Heck zuckt. Dann verzahnt sich der warme Gummi wieder mit dem Asphalt, und wir peilen die nächste Kurvenkombination an.

Es ist ein Genuss, wie exakt und leichtfüßig das Coupé mit Front-Mittelmotor einlenkt und die Spur hält, wie man es bis tief in Kurven hineinbremsen und auf Zug mit hoher Querbeschleunigung sowie absolut stabiler Straßenlage wieder herausbeschleunigen kann. Dabei machen sich das fein abgestimmte, elektronische Sperrdifferenzial sowie die größere Spurweite (vorn/ hinten: 2,0/2,4 Zentimeter) und neue Stabilisatoren an der Vorderachse bemerkbar. Auch die Gewichtsreduktion von insgesamt 70 Kilogramm trägt zur gesteigerten Dynamik des an sich schon agilen SLS bei. Dafür speckten die Entwickler unter anderem bei den Sitzen (aus mit Kohlefaser verstärktem Kunststoff: -15 kg), Abgasanlage (aus Titan: -13 kg) und der Bremse (Karbon-Keramik-Scheiben: -16 kg) ab. Allein acht Kilogramm verliert der SLS durch die Bord-Batterie mit Lithium-Ionen-Zellen.

Im Gegensatz dazu ist der Ferrari mit 80 Kilogramm mehr auf den Rädern etwas kompromissbereiter, aber dennoch kein schlechterer Sportwagen, sondern lediglich anders interpretiert. Den Unterschied zwischen Berlinetta und Black Series erfährt man erst im Grenzbereich – und dorthin werden sich vermutlich nur die wenigsten wagen. Nicht wegen des hohen Spritverbrauchs, sondern weil eine Viertelmillion auf Rädern ganz schnell verfl iegen kann.

FAZIT:

Welchen würden Sie nehmen, wenn …? Zum Glück müssen wir uns mit dieser Frage nicht beschäftigen, denn das wäre eine echte Herausforderung. Ferrari F12 Berlinetta und Mercedes SLS AMG Black Series haben Dampf ohne Ende, klingen wie echte Rennwagen, sind auf der Rundstrecke die Könige und bieten sogar noch ein wenig Alltagsnutzen. Ein Besser oder Schlechter gibt es nicht, sondern nur die Frage nach dem persönlichen Geschmack. Und das ist auch gut so!

Mercedes SLS AMG Black Series: Technische Daten
Ferrari F12 Berlinetta: Technische Daten
Antrieb
V8-Zyl., 4-Vent.; Trockensumpfschmierung; Bohrung x Hub: 102,2 x 94,6 mm; Verdichtung: 11,3 : 1; Hubraum: 6208 cm3 ; Leistung: 464 kW/631 PS bei 7400 /min; max. Drehm.: 635 Nm bei 5500/min; max. Drehzahl: 8000 /min; 7-Gang, Doppelkupplung; Hinterradantrieb
Antrieb
V12-zyl., 4-Vent., Direkteinspritzung, Trockensumpfschmierung; Bohrung x Hub: 94,0 x 75,2 mm; Verd.: 13,5 : 1; Hubr.: 6262 cm3 ; Leist.: 545 kw/740 PS bei 8250 /min; max. drehm.: 690 nm bei 6000 /min; max. drehz.: 8700/min; 7-gang, doppelkupplung; Hinterradantrieb
Fahrwerk
v./h.: Doppelquerlenkerachse, Federn, adaptive Dämpfer, Stabilisator; ESP; Bremsen: v./h.: innenbel., gelochte Karbon-Keramik-Scheiben; ABS, Bremsassistent; Reifen: v.: 275/35 ZR 19; h.: 325/30 ZR 20, Michelin Pilot Sport Cup 2
Fahrwerk
v.: Doppelquerlenker; h.: Mehrfachlenkerachse; v./h.: adaptive Dämpfer; eSC (eSP); Bremsen: v./h.: innenbel., gelochte Karbon-Keramik-Scheiben; ABS, Bremsass.; Reifen: v.: 255/35 zR 20; h.: 315/35 zR 20, Michelin Pilot Supersport
Eckdaten
L/B/H: 4646/1977/1264 mm; Radstand: 2680 mm; Leergewicht: 1550 kg; EU-Verbr.: 13,7 l SP/100 km; Beschleunigung: 0 auf 100 km/h in 3,6 s; Höchstgeschw.: 315 km/h, Grundpreis: 249.900 Euro
Eckdaten
L/b/h: 4618/1942/1273 mm; Radstand: 2720 mm; Leergewicht: 1630 kg; EU-Verbr.: 14,8 l SP/100 km; Beschleunigung: 0 auf 100 km/h in 3,1 s; Höchstgeschw.: 340 km/h, Grundpreis: 268.400 Euro

Paul Englert

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