Ferrari F12 Berlinetta 2012: Fahrbericht zum V12-Supersportler Bestes Pferd im Stall

19.12.2012

Erster Fahrbericht: Der neue Ferrari F12 Berlinetta mit 740 PS starkem Frontmittelmotor wirbelt gewaltig Staub auf und setzt neue Bestmarken

"Best Ferrari ever Made." Luca di Montezemolo, Ferrari-Präsident, hegt keine Zweifel an den Qualitäten des F12, der mit einer Leistung von 740 PS etwa genauso viel Power hat wie ein aktueller Formel-1-Rennwagen. Und genau wie bei diesem fällt die brachiale Gewalt des Motors im Ferrari-Topmodell allein über die Hinterräder her. Gewagt.

 

Ferrari F12 Berlinetta 2012: Fahrbericht zum 599-Nachfolger

Doch die Rundenzeit von 1:23 min auf der hauseigenen Piste in Fiorano gibt bereits ein erstes Indiz dafür, wie perfekt die Frontmittelmotor-Konstruktion funktioniert – schließlich unterbietet der F12 damit die Zeit eines Enzo um volle zwei Sekunden.

Das will ich sehen. Also schnell einsteigen, anschnallen und los geht’s. Noch während ich durch die winzige Boxengasse rolle, nehme ich zur Kenntnis, dass das Cockpit erfreulich luftig wirkt. Das in anderen Supersportlern scheinbar unvermeidliche Enge-Gefühl – es bleibt aus. Die Sitze sind bequem, alle Bedienelemente liegen gut zur Hand. Allerdings bleiben die Blinker-Drucktasten im Lenkrad sowie die mickrigen Hupenknöpfe gewöhnungsbedürftig. Das sauber gerastete Manettino hingegen erlaubt eine spielerisch leichte Auswahl des bevorzugten Setups und suggeriert dem Piloten stets einen Hauch von Racing-Atmosphäre.

Ich wähle „Sport“ für die Einrollrunde. Boxenausfahrt, grün, los! Schon beim ersten Druck aufs Pedal reißt der 6,3 Liter große V12 ansatzlos an. Dem Sauger scheint es völlig gleichgültig zu sein, ob ich bei 2000 Touren sanft angase oder jenseits der 5000 voll durchtrete – jeder Gasbefehl wird bedingungslos umgesetzt. Es gibt nur wenige Motoren, die derart spontan am Gas hängen. Der V12-Direkteinspritzer gibt sich dabei keineswegs biestig oder kapriziös, sondern erlaubt es dem Fahrer, die überbordende Kraft penibel genau zu dosieren. Traumhaft.

Abgesehen davon, dass der V12 trotz der rekordverdächtig hohen Verdichtung von 13,5 : 1 im Leerlauf samtig säuselt und durchgehend vibrationsfrei läuft, begeistert er mit einem herzerweichenden Klangspektakel. Er ist nicht unnötig laut, aber seine V12-typischen Obertöne im Ansaug- und Abgas-Trakt wurden von den Ferrari-Ingenieuren mit viel Akribie so klar wie möglich moduliert.

Neben einer hydrogeformten, zweifachen 6-in-1-Abgasanlage und den vierfachen 70-mm-Endrohren kommt dazu ein Resonanzsaugrohr-System zum Zug, das einerseits einen möglichst effizienten Ladungswechsel jedes einzelnen Zylinders garantiert und zugleich die V12-charakteristischen Frequenzen in Richtung der vorderen Schottwand ableitet. Den vollen Sound genießen also nur Fahrer und Beifahrer. Der Umwelt bleibt ein Appetizer, der jedoch genügt, um ein wohliges Kribbeln in der Magengrube auszulösen.

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Darüber hinaus begeistert der Zwölfzylinder mit explosionsartigem Hochdrehen. Das Limit von 8700 Touren wirkt beinahe willkürlich, denn der Motor fühlt sich so quicklebendig an, als ob er selbst bei 10.000 noch zulegen würde. Auf der anderen Seite offenbart er eine verblüffende Elastizität: Bereits ab 2500 Umdrehungen liegen 80 Prozent des maximalen Drehmoments (690 Nm) an, und selbst nahe der Leerlauf-Drehzahl zieht der F12 Berlinetta unverzagt los.

Den zweiten Teil des Fahrberichts mit Video gibt es hier.

Dabei assistiert ein Doppelkupplungsgetriebe mit sieben Gängen, das in sämtlichen Situationen in Windeseile die passende Übersetzung serviert, ohne dabei jemals hektisch zu agieren. Selbst bei voller Beschleunigung zeigt die Schaltung keine lästigen Schaltrucke, sondern nutzt die Gangwechsel sogar für eine minimale Zusatzbeschleunigung durch die gezielte Überlappung der beiden Kupplungsvorgänge. In Zahlen: null auf 100 km/h in 3,1 Sekunden, Tempo 200 fällt nach 8,5 Sekunden. Spitze? Mindestens 340 km/h. Da der gesamte Antrieb zudem auf Effizienz getrimmt wurde, verspricht Ferrari einen CO2-Ausstoß von 350 g/km, was einem Verbrauch von 14,8 Litern entspricht. Angesichts der möglichen Fahrleistungen ein sehr respektabler Wert, der nebenbei bemerkt um 30 Prozent unter den Angaben des Vorgängermodells 599 liegt.

 

Ferrari F12 Berlinetta: Faszinierende V12-Soundkulisse

Zurück auf die Piste. Das Manettino steht auf Race, der Bordcomputer signalisiert optimale Temperaturen für Reifen, Bremsen und Motor – jetzt gilt’s. Beim Herausbeschleunigen aus der langen Links auf die Start-/Zielgerade muss die Traktionskontrolle zeigen, was sie kann, denn unmittelbar nach dem Scheitelpunkt befehle ich stumpf: Vollgas! Und siehe da, der F12 schießt wie von der Zwille geflitscht davon. Die Gewichtsverteilung von 46 zu 54 Prozent, der niedrige Schwerpunkt von 460 mm und die antizipierend operierende elektronisch gesteuerte Differenzialsperre bauen im Verbund mit den von Michelin zugelieferten 315er-Gummiwalzen derart viel mechanischen Grip auf, dass die Regelelektronik nicht eingreifen muss. Wow! Es folgt eine atemberaubende Beschleunigungsorgie, dann leichter Linksknick, der Tacho steht auf 240 km/h, und da vorn geht es rechts ums Eck – voll in die Eisen, die keine sind!

Ein neues Fertigungsverfahren der riesigen Karbon-Keramik-Scheiben erlaubt aggressivere Beläge – und unglaublich hohe Verzögerungen. Aus 200 km/h soll der F12 in 131 Metern stoppen. Das sind zehn Meter weniger als beim 599. Doch fast noch wichtiger ist, wie gefühlvoll sich die Bremse dosieren lässt. Außerdem zeigt sie sich vollkommen resistent gegen Fading. Wird es zu heiß, öffnen sich zwei Klappen in der Front und kühlen die Stopper zusätzlich. Natürlich hilft bei der Beschleunigung ebenso wie beim Bremsen, dass der neu konstruierte GT-Ferrari komplett aus Aluminium besteht. Zwölf verschiedene Arten kommen zum Einsatz und senken das Gewicht um 70 Kilo – bei erhöhter Karosseriesteifigkeit.

Die wiederum unterstützt ein präzises Einlenken. Dennoch verblüfft die Agilität, mit welcher der F12 begierig jede Richtungsänderung umsetzt. So leichtfüßig sind oft nicht mal Kleinwagen. Dabei legt der Ferrari dank der ausgeklügelten Aerodynamik mit Kamm-Heck, Diffusor, voll verkleidetem Unterboden und den spektakulären Aero-Bridges hinter den vorderen Radläufen sowie dem Fahrwerk mit adaptiven Dämpfern zugleich eine Stabilität an den Tag, die von der ersten Runde an für rückhaltloses Vertrauen in sein dynamisches Potenzial sorgt. Die neuerdings mit zwei Kolben bestückten Dämpfer benötigen nur noch ein Viertel der Reaktionszeit und stellen binnen fünf Millisekunden das optimale Setup ein. All das führt dazu, dass der Umgang mit dem 740-PS-Heißblut so leicht fällt, dass der Fahrer beinahe schon zu furchtlos loshämmert. Auch ich schalte in der zweiten Runde bereits alle Fahrhilfen aus und schwelge in der spielerischen Beherrschbarkeit des Supersportlers. Das geht bei 42 Grad italienischer Sommerhitze jedoch rasch an die Substanz der Reifen. Die Bestzeit in Fiorano knacke ich so jedenfalls nicht…

Doch bevor mein fahrerisches Talent ernsthaft in Frage gestellt wird, nutze ich die Pneus als Ausrede und verlasse den Rundkurs. Über Landstraßen und Ortsdurchfahrten düse ich Richtung Süden in die Berge. Selbst wenn ich das Gaspedal nur sanft berühre, ist der F12 mit Abstand das schnellste Auto im Verkehr. Jetzt ist Charakterstärke gefragt, sonst wird es ganz schnell illegal. Also lasse ich mich lässig dahintreiben, bin immer noch sehr schnell und stelle erstaunt fest, wie übersichtlich das Auto ist. Außerdem baut der F12 fünf Zentimeter kürzer, zwei schmaler und sechs Zentimeter flacher als der 599, was ihn auf winkligen Sträßchen und in engen Ortspassagen ungleich handlicher macht.

Dennoch bietet der Berlinetta zwei Personen dank des betont zierlich gestylten Cockpits mehr als ausreichend Platz. Features wie das integrierte Navi und die Klimaautomatik machen Reisen angenehm entspannt, und auch der Abrollkomfort taugt für längere Strecken – ohne Kompromisse. Die Auslieferung des Ferrari F12 Berlinetta startet im Frühjahr. Und der Preis? 268.400 Euro.
Martin Urbanke

AUTO ZEITUNG

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