Ferrari 488 GTB im Fahrbericht Schrei vor Glück

12.07.2015

Der neue Bi-Turbo-V8 des 458 Italia-Nachfolgers Ferrari 488 GTB leistet 670 PS. Das müsste reichen. Fahrbericht des italienischen Mittelmotor-Sportwagens

Alles ist neu. Selbst das klassische Ferrari-Rot, das uns Jahrzehnte lang als Farbe der Verheißung begleitet hat, ist nicht mehr das, was es mal war. „Rosso Corsa Metallic“ nennt sich das neu komponierte  Farbkleid des Ferrari 488 GTB, der als direkter Nachfolger des 458 Italia ab September diesen Jahres antreten wird, um eine über 40 Jahre währende Tradition standesgemäß fortzuführen – die Serie der V8-Mittelmotor-Modelle, die in den 1970ern mit dem 308 ihren Anfang nahm und ebenso legendäre wie seltene Preziosen hervorgebracht hat. Aber der Reihe nach: Nach dem Erstlingswerk waren es der 328, der 348, der F355, der 360 Modena sowie F430 und 458 Italia, die ihre jeweilige Ära entscheidend mitgeprägt haben.

 

Ferrari 488 GTB: Mittelmotor-Sportler mit Bi-Turbo-V8

Das Revival der drei magischen Buchstaben GTB – bisher nur im Zwölfzylinder-Umfeld zu finden – weckt nun zusätzliche Erwartungen. Sie stehen für Gran Turismo Berlinetta. Die  Zahlenreihe 488  beziffert in diesem Fall die Größe der Einzelhubräume des neuen V8-Bi-Turbo. Beim Vorgänger 458 beschreiben die ersten beiden Ziffern hingegen noch den Gesamthubraum von 4,5 Liter, während die Acht für die Anzahl der Zylinder steht. Soviel zur Nomenklatura. An der Motorkonfiguration – 90-Grad-V8 – hat sich gemäß tradierter Vorgaben nichts geändert.

Bis auf das Chassis-Layout und die charakteristische, vom Italia geerbte Dachlinie hat der 488 GTB aber nur noch wenig mit seinem Vorgänger gemein. Das könnte man im Wissen um dessen grandioses Leistungs- und Faszinationspotenzial bedauern - muss man aber nicht. Denn was sich mit dem neuen 488 GTB nach der ersten Kontaktaufnahme in seiner Heimatregion um Maranello herum und speziell auf der Teststrecke in Fiorano abgezeichnet hat, ist einmal mehr ein Staunen wert.

Es verheißt höchst spektakuläre Erlebniswelten und veranlasst – wieder einmal – zu kühnsten Hochrechnungen, was die fahrdynamischen Anlagen angeht, speziell die gesteigerten Möglichkeiten auf der Nordschleife: Dort war der Italia vor fünf Jahren mit einer Zeit von 7:38 Minuten unterwegs. Bevor es aber ans Eingemachte geht, gilt zunächst einmal zu klären, ob der nun auch bei Ferrari aus Gründen der Umweltverträglichkeit vollzogene Wechsel vom voluminös ausgelegten Saugmotor-Prinzip auf die kleingebindigere Turbo-Technik einschneidende Veränderungen des Charakters mit sich gebracht hat – speziell solche, die von konservativ eingestellten Ferraristi möglicherweise als Verrat an der Sache angesehen werden könnten.

Was für eine Frage! Natürlich ist der Modellwechsel mit großen Veränderungen verbunden – in Sachen Leistungs-Output sowieso. Der jetzt von einem nur noch 3,9 Liter großen Bi-Turbo-V8 befeuerte 488 GTB bringt ganze 100 Pferdestärken mehr auf die Beine als der Vorgänger, summa summarum 670 PS. Zudem stemmt er mit 760 Newtonmeter (458 Italia: 540 Nm) ein ungleich höheres Drehmoment auf die sogenannte Flat-Plane-Kurbelwelle. Der Neue soll in 3,0 Sekunden auf 100 und in 8,3 Sekunden auf 200 km/h beschleunigen (Italia: 3,4, bzw. 10,5 s).

Die Vmax liegt bei „über“ 330 km/h, bisher waren es „nur“  326 km/h. Und die Rundenzeit des 458 Italia in Fiorano unterbietet der 488 GTB um glatte zwei Sekunden:  1:23 Minuten. Auch wenn es nicht ins Auge sticht: Die aerodynamische Balance ist deutlich besser. Der Abtrieb bei 200 km/h beträgt nun 205 Kilogramm statt wie beim Vorgänger 137. Solchen Steigerungen stehen – wenn man dem Hersteller Glauben schenken darf – signifikante Verbesserungen in puncto Verbrauch und Schadstoffemission gegenüber.

Allerdings sind drei Kardinalfragen mit dieser reizvoll klingenden Aufzählung noch nicht beantwortet: Gibt es für die empfindsame Ferrari-Seele aufgrund des Wechsels von Saug- auf Turbotechnik Grund zum Wehklagen? Klingt der Bi-Turbo-V8 überhaupt noch wie ein Ferrari-V8? Und hat das vom Sauger bekannte, fantastische Ansprechverhalten unter dem neuen Turbo-Diktat gelitten? Dreimal ein klares Nein.

Ferrari nimmt für sich in Anspruch, das Turbotriebwerk mit dem sensibelsten Ansprechverhalten im Portfolio zu haben. Wie es scheint, nicht ohne Grund: So spontan, wie der V8 auf kleinste Gaspedalbewegungen reagiert, ohne sich auch nur den Bruchteil einer Turbo-Gedenksekunde zu gönnen, könnte man glatt meinen, mit Herz und Verstand einem Saugmotor verfallen zu sein. Wer noch empfänglich für hohe Frequenzen ist, dem outet sich der Motor dann aber doch, quasi in geheimer Mission, als Vertreter der aufgeladenen Fraktion.

Der scharfe, heisere Achtzylinder-Sound bleibt auch im Turbo-Zeitalter Ferrari-typisch unverwechselbar. Der Umstand, dass die Tonlage im oberen Drehzahldrittel um eine Oktave tiefer angesiedelt ist und das bisher offene, hochfrequente Schreien etwas zugeschnürter rüberkommt, manche würden vielleicht auch sagen verträglicher, muss nicht unbedingt als klanglicher Verlust betrachtet werden.

 

Ferrari 488 GTB: 670 PS-V8 hinter den Sitzen

Im Gegenteil: In seiner klaren, unverkünstelten Komposition und dem an Dramatik gewiss nicht armen Ausdruck nimmt dieser grandiose V8-Bi-Turbo fast alles von dem vorweg, was der 488 GTB auch als Ganzes verkörpert: ein vorbildliches Stück Automobiltechnik im Allgemeinen und ein affengeiler Sportwagen im Besonderen.

So, wie der Ferrari einlenkt und auch auf der letzten Rille die Linie verfolgt, ohne ins Untersteuern oder Übersteuern oder gar abwechselnd in beides zu verfallen, kommt man nicht umhin, sein fahrdynamisches Talent in den höchsten Tönen zu preisen.

Auch die in wesentlichen Teilen vom 1,2-Millionen-Euro-Überflieger La Ferrari übernommenen Bremskomponenten sind schon rein optisch derart erhaben, dass an ihrer Wirksamkeit und Ausdauer nicht der geringste Zweifel aufkommt. Ach, bevor ich es vergesse: Den 488 GTB gibt’s natürlich auch in jenem Ferrari-Rot, wie wir es kennen. Und zwar selbstverständlich ohne Aufschlag auf den Listenpreis von 204.211 Euro.

TECHNIK
 

Ferrari 488 GTB
Motor Bi-Turbo
Hubraum 3902 cm3
Leistung 492 kW/670 PS
Max. Drehmoment 760 Nm
L/B/H 4568/1952/1213 mm
Leergewicht 1475 kg
Kofferraum 230 l
Beschleunigung1 0-100 km/h in 3,0 s
Höchstgeschwindigkeit1 über 330 km/h
EU-Verbrauch1 11,4 l/SP 100 km
CO2-Ausstoß1 260 g/km
Grundpreis 204.211 Euro
1 Werksangabe

Unser Fazit

Die Faszination Ferrari, die sich in früheren Jahrzehnten „nur“ aus scharfer Silhouette, reichlich PS-Power, superbem Sound, grellem Rot, markantem Namen und vornehmer Herkunft speiste, lässt sich in Form des 488 GTB kaum noch toppen. Der Bi-Turbomotor? Ein grandioses Geschenk. Das Fahrwerk: allererste Sahne. Der Haben-Wollen-Faktor: noch mal gesteigert!

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