Ferrari 458 Italia und Porsche GT3 RS 4.0 im Vergleichstest Ferrari 458 Italia vs. Porsche 911 GT3 RS 4.0

19.09.2011
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Da werden harte Kerle weich: Ferrari 458 Italia und Porsche 911 GT3 RS 4.0 auf Zeitenjagd am Nürburgring. Aber: Die Race-Performance ist nicht alles – trotz erhöhten Adrenalinspiegels

Das hat in über 13 Jahren als Tester noch niemand zu mir gesagt: „Wenn du das Auto crashst, ist es nicht schlimm. Hauptsache, du fährst eine richtig schnelle Rundenzeit. Nur das zählt“, sagt der Ferrari-Mann in italienischem Englisch, der mir am Nürburgring den Ferrari 458 Italia übergibt. Breites Grinsen, Daumen hoch, Tür zu. Ich bin sprachlos. Na gut, meinetwegen gern! Handschuhe an, Gang rein und ab auf die Strecke – schließlich lauert in der Box ja noch der neue Porsche 911 GT3 RS 4.0. Mal sehen, wer am Ende das Rennen macht.

 

Karosserie

Das auffällige Luftleitwerk an Front und Heck des 911 sorgt für einen dramatischen Auftritt, es dient vor allem einer optimalen Aerodynamik. Allein die so genannten Flics auf den Ecken des vorderen Stoßfängers erhöhen die Lenkpräzision nachhaltig. Ferrari bevorzugt integrierte Bauteile wie die flexiblen Flaps in der Front, den glatten Unterboden und einen Diffusor – woraus sich ebenfalls eine ausgeklügelte und perfekt ausbalancierte Aerodynamik ergibt.

Ferner setzen beide Rivalen auf Leichtbau. Der Italia kommt dank Chassis und Außenhaut aus Aluminium auf 1606 kg, der GT3 RS nutzt sogar Karbon für die vorderen Kotflügel und die Haube sowie Polykarbonat für die hinteren Seitenscheiben und das Heckfenster. Effektives Leergewicht: 1554 kg.

KarosserieMax. PunkteFerrari 458 ItaliaPorsche 911 GT3 RS 4.0
Raumangebot vorn1006657
Raumangebot hinten100
Übersichtlichkeit703032
Bedienung/ Funktion1006580
Kofferraumvolumen10090
Variabilität10021
Zuladung/ Anhängelast80910
Sicherheit1506970
Qualität/ Verarbeitung200195190
Kapitelbewertung1000445440

 

Fahrkomfort

Auch das adaptive Fahrwerk des scharfen 911er ist ein Fall für die Rundstrecke. Im Alltag nervt der RS mit bockharten Federn und kaum gedämmten Innengeräuschen. Die sehr eng geschnittenen Schalensitze lassen sich bei Bedarf gegen bequemere Sitze eintauschen. Aber wer will das schon bei einem Rennwagen mit Straßenzulassung?

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Andererseits demonstriert der Rivale aus Maranello, dass sein adaptives Fahrwerk den Spagat zwischen Rennstrecke und Buckelpiste perfekt beherrscht und Schalensitze nicht kneifen müssen. Zudem klingt der Ferrari wesentlich angenehmer, obwohl der V8 bei langsamer Fahrt einen messbar höheren Schalldruck erzeugt.

FahrkomfortMax. PunkteFerrari 458 ItaliaPorsche 911 GT3 RS 4.0
Sitzkomfort vorn15013590
Sitzkomfort hinten100
Ergonomie150130128
Innengeräusche50611
Geräuscheindruck1007565
Klimatisierung503533
Federung leer200140105
Federung beladen200140105
Kapitelbewertung1000661537

 

Motor und Getriebe

Ein Druck auf den Ferrari-roten Startknopf im Lenkrad weckt den heißblütigen V8 im Heck des Ferrari 458 Italia, der brav und geschmeidig vor sich hin brummelt. Etwas Gas, und das automatisierte Doppelkupplungsgetriebe nimmt ruckfrei den Dienst auf. Daran ändert sich auch nichts, wenn man fester draufdrückt. Die Schaltung arbeitet stets sanft und fix. Sie hat in fast jeder Situation den passenden der sieben perfekt aufeinander abgestimmten Gänge parat. Wer per Schaltwippen eingreift, kann speziell bei sportlicher Fahrt gezielte Schaltvorgänge veranlassen – oder einfach im virtuos dargebotenen Klangspektrum schwelgen. Von heiser röhrend bis infernalisch schreiend sind alle Tonlagen vertreten. Die Lautstärke regelt das Gaspedal. Rasante Fahrleistungen bei angemessenem Verbrauch (16,4 l pro 100 km) sind da beinahe nebensächlich. Beinahe: Unser Testexemplar stürmt in exakt zehn Sekunden aus dem Stand auf 200 km/h und läuft laut Tacho 341 km/h. Wer das Start-Stopp-System (1190 Euro) ordert, kann laut Ferrari weitere 1,5 Liter sparen – ohne Kraftverlust.

Der neuerdings vier Liter große Sechszylinder-Boxer im Porsche 911 GT3 RS 4.0 läuft sogar noch genügsamer: 14,8 Liter im Test sind ein sehr guter Wert, der sich allein mit Tempo-Verzicht weiter reduzieren lässt. Mehr Spaß macht es aber, dem feurigen Rennmotor, der aus den Modellen GT1 und GT3 RSR in der Motorsportszene bestens bekannt ist, die Sporen zu geben. Ansatzlos reißt der 4.0 an. Auch der Heckmotor des 911er begeistert mit enormem Drehvermögen, spontaner Gasannahme und Linearität. Und: Kein anderer Serien-Boxer entwickelt dabei einen derartig druckvollen Gänsehaut-Sound wie dieser Vierliter-Sauger. Jeder Gasstoß klingt nach Zielspurt, jedes Ausdrehen nach Rundenrekord. Nur das Einmassen-Schwungrad verursacht im Leerlauf eher beängstigende als betörende Rasselgeräusche. Außerdem erfordert die manuelle Schaltung Kraft und Geschick, will man optimale Gangwechsel erzielen.

Die Beschleunigungs- und Elastizitätswerte des 500-PS-Porsche sind ebenfalls ein echter Hammer, wobei der recht kurz übersetzte sechste Gang zwar gut auf die Rundstrecke passt, aber die Spitze auf 310 km/h limitiert.

Motor und GetriebeMax. PunkteFerrari 458 ItaliaPorsche 911 GT3 RS 4.0
Beschleunigung150150148
Elastizität1009391
Höchstgeschwindigkeit150146135
Getriebeabstufung10010088
Kraftentfaltung505049
Laufkultur1008575
Verbrauch32570100
Reichweite2588
Kapitelbewertung1000702694

 

Fahrdynamik

Doch zurück zum Anfang: dem Nürburgring. Denn nur auf abgesperrter Strecke können die Supersportler offenbaren, wie viel Dynamik in ihnen steckt.

Der Porsche lenkt unglaublich präzise ein, erzielt rekordverdächtige Querbeschleunigungen von über 1,4 g und bremst schlichtweg sensationell. Rundenzeit: 1:38,05 min. Er ist damit schneller als Corvette ZR1, Mercedes SLS AMG, Nissan GT-R, Porsche 911 Turbo S und Lamborghini Gallardo Superleggera – um nur ein paar Referenzen zu nennen.

Der Ferrari 458 Italia setzt sogar noch eins drauf und brennt 1:37,81 min in den Asphalt. Dabei besticht er mit feinnervigen und verblüffend gutmütigen Reaktionen, während der GT3 RS 4.0 einen trainierten Fahrer verlangt, um das volle Potenzial abzurufen. Der 911 ist ein lupenreiner Racer, aber der 458 macht das Rennen. Ganz ohne Crash.

FahrdynamikMax. PunkteFerrari 458 ItaliaPorsche 911 GT3 RS 4.0
Handling150137136
Slalom10098100
Lenkung1009896
Geradeauslauf504033
Bremsdosierung302425
Bremsweg kalt150125123
Bremsweg warm150135140
Traktion1006561
Fahrsicherheit150135105
Wendekreis20414
Kapitelbewertung1000861833

 

Umwelt und Kosten

Wenig Masse, viel Kasse: Grundpreis, Wertverlust und Versicherungstarife sprengen die Bewertung. Doch die zwei sind jeden Cent wert, betrachtet man das Geld als langfristige Investition in das eigene Vergnügen. Zudem überrascht der Ferrari mit siebenjährigem Inklusive-Service, was ihn einer Beurteilung nach Schema F entzieht.

Kosten/UmweltMax. PunkteFerrari 458 ItaliaPorsche 911 GT3 RS 4.0
Bewerteter Preis67500
Wertverlust5000
Ausstattung25015
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung502119
Werkstattkosten20
Steuer1055
Versicherung4000
Kraftstoff551116
Emissionswerte258080
Kapitelbewertung1000117135

 

Fazit

Bei Antrieb und Fahrdynamik – den prägenden Eigenschaften von Supersportlern – liegen Ferrari 458 Italia und Porsche 911 GT3 RS 4.0 noch auf Augenhöhe. Beide Autos sind schneller als erlaubt und lassen sich nur auf der Rundstrecke ausreizen. Doch der Ferrari ist um den entscheidenden Wimpernschlag schneller sowie geräumiger und erheblich komfortabler, was ihn zum souveränen Sieger kürt. Der RS 4.0 hingegen reizt mit unverfälschtem Rennsport-Feeling – und beflügelt Männer-Phantasien.

Gesamtbewertung

Max. PunkteFerrari 458 ItaliaPorsche 911 GT3 RS 4.0
Summe500027862639
Platzierung12

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