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ZZ Top: Die Autos des Rock-Stars Billy Gibbons

Cars & Guitars

Ein Treffen mit Bill Gibbons, dem Chef, Sänger und Gitarristen von ZZ Top, ist nichts Alltägliches. Chefredakteur Volker Koerdt konnte den leidenschaftlichen Sammler von Autos und Gitarren in seinem Haus in Beverly Hills besuchen

Der Ocean-Drive-Boulevard in Beverly Hills schlängelt sich immer steiler die Anhöhe hinauf. Der Lamborghini LP640 Roadster faucht leise röchelnd die Steigung entlang. Schließlich stoppen wir vor einer Einfahrt mit einem zwei Meter hohen Holztor - umgeben von mächtigen Kakteen.

Nicht die schlechteste Adresse für einen Zweitwohnsitz. Seinen Hauptwohnsitz hat der gebürtige Texaner und ZZ Top-Chef Bill Gibbons in Houston. Eine freundliche Frauenstimme aus der Gegensprechanlage fragt, wer wir sind. Wie von Geisterhand öffnet sich das Tor.

Gibbons Freundin begrüßt uns: "Billy kommt gleich." Schließlich erscheint der kleine und schmächtige, etwa 60 Kilo leichte und vielleicht bekannteste Bart der Welt auf der Terrasse - im Schlafanzug. Gibbons blinzelt in die kalifornische Morgensonne und grinst: "Ihr seid etwas früher als geplant, aber kein Problem. Was wollt ihr trinken?"

Als Erfinder des Texas-Rock und mit rund 40 Millionen verkauften Alben im Rücken sieht man alles etwas lockerer. Seit fast 40 Jahren ist die Drei-Mann-Formation ZZ Top weltweit bekannt für harten Rock und erdigen Blues. Neben der Musik sind Autos die große Leidenschaft des 57-jährigen Gitarristen, Sängers und Songschreibers.

"Ford, Cadillac und Chevrolet waren die ersten Worte, die ich als kleiner Kerl gelallt habe." Gibbons - inzwischen im schwarzen Anzug mit schwarzen Schuhen und schwarzer Sonnenbrille - fährt sein ebenso pechschwarzes ’61er-Cadillac-Coupé DeVille aus einer seiner drei Garagen, die alle mit Hebebühnen ausgestattet sind. Das chromblitzende und picobello gepflegte Coupé erinnert an die Zeit, als Cadillac noch uramerikanische Straßenkreuzer baute.

Als typischer Hot-Rod-Fan liebt es Gibbons, seinen Autos eine persönliche Note zu verleihen. "Das besondere ist der Sound." Gibbons gibt Gas und bringt den Cadillac etwas auf Drehzahl. Der grollende Bigblock bellt durch halb Beverly Hills. "Klingt nicht nach Original", sage ich.

"Stimmt, der Motor hat rund 600 PS. Und noch eine Kleinigkeit habe ich eingebaut", grinst der Autonarr, und wie von Geisterhand hebt sich das Sechs-Meter-Monster aus den Federn - dank Luftfederung. "Einige andere Autos von mir stehen im St. Peter’s Museum in Los Angeles. Wir können nachher hinfahren. Mit dem Lambo, das wäre cool."

Doch vorher zeigt mir der Saiten-Derwisch noch einige Highlights aus seiner Gitarren- sammlung. Um die 100 Stück besitzt er, genau weiß er es nicht. Ein besonders seltenes und kostspieliges Exemplar ist seine rote Gretsch aus dem Jahr 1959, von der nur drei hergestellt wurden. Als wir gemeinsam das Gitarren-Riff von "La Grange" anstimmen, einem der großen ZZ Top-Hits, zittern mir doch etwas die Finger. Es kommt schließlich für einen Freizeit- Gitarristen wie mich nicht alle Tage vor, mit einem Rock- Gitarren-Helden zusammenzuspielen.

Doch ich kann mich revanchieren und auch Bill Gibbons etwas nicht Alltägliches bieten: den brandneuen Lamborghini Murciélago Roadster mit 640 PS, den es bei unserem Treffen in den USA noch nicht auf dem Markt gab. "Wow, unglaublich."

Dem Musiker gehen die Worte aus, als er sich in die orangemetallicfarbene Flunder schält. Nach einer kurzen Einweisung startet Bill den Motor und quetscht sich in den morgendlichen Verkehr von Los Angeles. "Mensch, was für ein Sound, was für eine Beschleunigung", jubelt er nach einem kurzen Tritt auf das Gaspedal. Doch am meisten scheinen ihn die Bremsen zu beeindrucken. "Unglaublich, wie die Dinger zupacken", entfährt es ihm, als nach der ersten Bremsung unsere Köpfe heftig nach vorn nicken.

V8 vom US-Präsidenten

Und Bill Gibbons ist nicht nur ein leidenschaftlicher Autofan. Er ist auch ein Kenner der Szene. "Lamborghini gehört doch inzwischen zu Audi. Die Qualität scheint auf den ersten Blick nun deutlich besser geworden zu sein."

Schließlich kommen wir im St. Peter’s Museum an, dem der Rockstar einige seiner Autos zur Verfügung gestellt hat. Sein ganzer Stolz ist ein ’32er-Ford Roadster mit einem herrlich kupferfarbenen Motorblock und einem komplett verchromten Zylinderkopf. "Den habe ich einst aus einer Scheune geholt und einen ganz seltenen, in Frankreich gebauten V8-Flathead-Motor einbauen lassen.

Rudy Rodriguez, ein Bekannter von mir, hat den Ford zwei Blocks von seinem Haus entfernt gefunden. Dort hat er 50 Jahre auf ihn gewartet. Eines Tages musste er an der roten Ampel halten, und zufällig war die Garagentür offen, sodass er den Wagen sehen konnte." Der Wert heute? "Um die 150000 Dollar."

Ein weiterer Blickfang ist der Cadzzilla - ein Cadillac Sedanette aus dem Jahr 1948. Unter der Haube sitzt ein 8,2 Liter großer Cadillac-Einspritzer. "Der Motor ist ein spezieller Bigblock von Cadillac, der für die Präsidentenlimousine von 1968 entwickelt wurde. Davon gibt es nur zwei Stück. Das Ding ist ein wahres Biest."

Den Durchbruch schafften Bill Gibbons und ZZ Top einst im Vorprogramm von Jimi Hendrix. "Seither war Rock-Musik für mich immer Entertainment, aber auch Marketing. Cars and Guitars und unsere Bärte sind unser Markenzeichen." Gitarren und Autos will der sympathische Gibbons weiter sammeln. Fortsetzung folgt ...
Volker Koerdt