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Im Vergleich: Die schnellsten Supersportwagen
Audi R8 5.2 FSI quattro | Corvette ZR1 | Lamborghini Murciélago LP 670-4 SuperVeloce | Mercedes SLS AMG | Porsche 911 Turbo
Aus AUTO ZEITUNG 10 / 2010
Wer mit Supersportlern wie dem neuen Mercedes-Flügeltürer in Kontakt kommt, ist akut suchtgefährdet. Das gilt auch für die Boliden von Audi, Corvette, Lamborghini und Porsche
Es ist soweit: Nach mehreren Appetizern in Form von ersten Bildern, Berichten und Ausfahrten, steht der Mercedes SLS AMG nun hier. Genau vor uns. Die legitime Reinkarnation des legendären Flügeltürers aus den 50ern. Der sportlichste Serien-Mercedes aller Zeiten. 571 PS stark, betörend schön gezeichnet und sündhaft teuer.
Gibt es einen Supersportwagen, der die Faszination dieses Geschosses noch toppen kann? Oder verblasst der Glanz des großen Sterns im SLS-Grill womöglich bei näherer Betrachtung? Wir haben fünf absolute Traumwagen zusammengestellt, um zu checken, welcher die intensivste Wirkung auf seinen Fahrer hat. Achtung: Suchtgefahr!
FÜNF AUTOMOBILE TRÄUME
Neben dem SLS treten die arrivierten deutschen Ausnahme-Athleten Audi R8 5.2 FSI quattro und Porsche 911 Turbo an. Beide mit Allrad, aber etwas weniger Leistung. Am anderen Ende der Skala schließen sich die Exoten Corvette ZR1 und Lamborghini Murciélago LP 670-4 Super Veloce an. Feuer frei.
Beginnen wir mit dem Porsche, der seit über 40 Jahren zu den faszinierendsten Sportwagen weltweit gehört. Das Grund-Konzept mitsamt Boxermotor im Heck ist seit dem ersten Tag gleich geblieben, die Leistung ist dagegen enorm gestiegen. Die aktuelle Ausbaustufe entfacht mit 500 PS und bis zu 650 Nm Drehmoment eine Kraftexplosion, die Neulingen schlagartig die Sprache verschlägt.
Unser Testwagen mit Doppelkupplung und Sport-Chrono Paket bringt es im Overboost sogar kurzfristig auf ein Drehmoment von 700 Nm (2100 bis 4000/ min), was den Elfer aus dem Stand in 3,2 Sekunden auf 100 km/h katapultiert. Begleitet vom Porsche-typischen Boxer-Sägen schießt die Fuhre davon. Tempo 200 fällt nach 10,6 Sekunden, bei Tempo 312 ist Feierabend. Wow. Allerdings verlangt der etwas zappelige Geradeauslauf bei voller Fahrt nach einer ruhigen Hand am Lenkrad.
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Der Turbo ist seit der letzten Überarbeitung und der Umstellung auf die neuen Benzin- Direkteinspritzer-Motoren deutlich aggressiver geworden. Mit Wonne wirft er sich in Kurven jeder Art und schafft mit seinen bissig zupackenden Bremsen Vertrauen. Entgegen aller Vorurteile lässt sich der Turbo relativ einfach am Limit bewegen.
Leichter zumindest als der Audi R8, dessen V10-Triebwerk mit 525 PS einheizt. Unser Exemplar mit Handschaltung beschleunigte zwar nicht ganz so hurtig (3,7 s) wie der Porsche, aber immerhin schneller als ein R8 mit automatisiertem Getriebe. Wichtiger ist aber, dass der Handschalter ein exaktes Dosieren der Schaltpunkte und des Schleppmoments an der Hinterachse erlaubt, was routinierten Fahrern im Grenzbereich hilft.
Nahe der Haftgrenze ändert der Audi seinen bis dahin recht verbindlichen Charakter mit ausgeprägt guten Manieren auf langen Strecken in ein Mittelmotor- typisches, anspruchsvolles Fahrverhalten. Blitzschnell zackt das mächtige Heck herum. Wer damit zurechtkommt, wird den Allradler von Kurve zu Kurve weiter reizen und die präzise Lenkung rühmen. Wer den Audi ohne ESP-Filter voll auskostet, wird schlagartig abhängig – oder erliegt seinen Nebenwirkungen.
Rein leistungsmäßig kommt als nächster der Mercedes SLS an die Reihe. 571 PS, die einzig auf die Hinterräder losgehen, sorgen schon im Stand für Respekt. Doch das Konzept mit Frontmittelmotor, Transaxle-Getriebe und gewaltigen Hinterrädern verhilft dem SLS zu einem unglaublich guten mechanischen Grip. Vollgas im Stand, und der Flügeltürer schießt mit minimalem Schlupf davon.
100 zeigt der Tacho nach 3,7 Sekunden, womit er exakt den Wert des Audi erreicht. 200 knackt der Benz in 10,9 Sekunden, die Spitze liegt ein akademisches km/h über der des R8. Diese Zahlen verblassen jedoch angesichts des Sound-Erlebnisses, das der SLS zelebriert. Wie ein Rennboot der Offshore-Klasse blubbert der 6,2 Liter große AMG-V8 – gerade so, als ob seine Auspuffrohre unter Wasser enden würden.
Runterschalten quittiert der Antrieb mit einem herzzerreißenden Klang- Szenario, das Blubbern, Brüllen und Knallen in Perfektion verschmilzt. Ja, dies ist tatsächlich ein Mercedes – und was für einer. Hat man sich erst einmal an den ungewohnten Blick über die lange Fronthaube gewöhnt und daran, dass man beinahe auf der Hinterachse sitzt, brennt man derartig schnell über die Rundstrecke, dass Turbo und R8 nur mit Mühe dranbleiben.
Bloß auf der Bremse offenbart der SLS eine Schwäche: Wellige Beläge bringen ihn rasch ans Limit. Stabilität und Verzögerungsleistung leiden empfi ndlich unter dem Einfl uss von Bodenunebenheiten.
Immer noch high vom Flügeltürer steigen wir um in die Corvette. Und zwar die ZR1 mit 647 PS. Wie der Mercedes vertraut auch der Ami auf Hinterradantrieb. Überhaupt ähneln sich die zwei Rivalen stark: Den tragenden Unterbau überspannt eine dramatisch geformte Kunststoffhülle. Der mächtige Motor sitzt vorn.
Doch so unglaublich es scheinen mag, die Vette setzt in allen Punkten noch eins drauf. Dabei ist es weniger die Beschleunigung, die selbst bis 200 km/h nur um wenige Zehntel auseinanderklafft. Der Topspeed liegt jedoch klar höher, und die Bremsen sind schlicht die Besten aller Serien- Autos. Die Kompressor-getunte Corvette entpuppt sich als reinrassiger Rennwagen.
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Je schneller das Tempo, desto besser funktionert sie. Die elektrische Servolenkung vermittelt dabei ein absolutes Höchstmaß an Präzision. Untersteuern kennt die ZR1 nicht. Übersteuern schon! Je nach Setup der Fahrhilfen (siebenstufig) verlangt die Flunder zunehmend mehr Mut und Talent. Wer sie beherrscht, erlebt den Geschwindigkeitsrausch seines Lebens.
Zuletzt der Lambo. 670 PS – sechshundertsiebzig. Dieser V12 dominiert alles. Sein Brüllen übertönt jedes andere Geräusch, sein Schub ist unbeschreiblich. Verglichen mit dieser Kraftorgie verblasst selbst die brachiale Optik des Murciélago zur Nebensache. Der optionale, riesige Karbon-Flügel am Heck erlaubt irrwitzige Querbeschleunigungen.
Jedoch wirkt der Über-Lambo auf kurvigen Strecken stets eine halbe Nummer zu groß und sperrig. Das feinnervige Handling der anderen geht ihm ab. Dieses Manko egalisiert er mit seiner gigantischen Power und einem Show-Talent, mit dem selbst der Flügeltürer nur schwer konkurrieren kann.
Im Super Veloce dreht sich alles nur um Kraft und Geschwindigkeit. Alltagsnutzen spielt keine Rolle. Das macht ihn zum Radikalen unter den Extremisten. Wer ihm verfällt, wird sich nie wieder für andere Autos interessieren.
Auf Dauer bekömmlicher, aber nicht minder faszinierend wirken Mercedes und Corvette. Porsche und Audi geben sich deutlich milder. Das wär’ also geklärt.
Fazit - Martin Urbanke
Wenn ich die Wahl hätte, würde ich die Corvette ZR1 nehmen. Sie verkörpert das Sportwagen-Ideal so perfekt wie kein anderes Auto. Zudem ist sie mit nur 50 Exemplaren für Europa eine echte Rarität, eignet sich aber trotzdem zum alltäglichen Einsatz. Kurzum: ein Traum. Wobei, wenn ich es recht bedenke, ist der Mercedes das schönere Auto. Kaum langsamer, aber weniger extrem. Außerdem sicher bis ins Detail – ein Mercedes eben. Oder doch der Audi, der auf der Rennstrecke sein zweites Gesicht zeigt und seine Alltagstauglichkeit mit einem anspruchsvollen Handling toppt.
Zudem verhilft ihm der quattro-Antrieb selbst bei widriger Witterung zu einer Top-Performance. Na gut, das gilt natürlich auch für den Porsche 911 Turbo, der sich mittlerweile als die ultimative Interpretation des Heckmotor- Konzepts präsentiert. Hier passt einfach alles, man fühlt sich sofort zuhause – und außerdem ist er schnell wie die Sucht. Das sich nach ihm mittlerweile kaum noch jemand umdreht, hat auch Vorteile.
Denn der Lamborghini Murciélago LP 670-4 Super Veloce ist nicht nur schwierig auszusprechen, sondern mit ihm fährt man auch keinen Meter unbeobachtet. Das kann auf Dauer echt anstrengend und nervig sein. So müssen sich Stars fühlen. Naja, zugegeben, ganz so schlecht war das eigentlich auch nicht …
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