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Range Rover 3.6 TDV8 - Jungle Track

Range Rover 3.6 TDV8

Der aktuelle Range Rover 3.6 TDV8 macht nicht viel Aufhebens um seine Offroad-Qualitäten. Was er wirklich kann, haben wir auf dem legendären Jungle Track ausprobiert

Eckdaten
PS-kW272 PS (200 kW)
AntriebAllradantrieb, permanent, 6-Stufen-Automatik
0-100 km/h9.20 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit200 km/h
Preis85.900,00 €

Meterhohe Rhododendron-Büsche säumen eine tief zerfurchte, matschige Fahrspur, die sogenannte Broken Tree Road. Das Buschwerk steht so dicht, dass man nicht weiter als einen halben Meter weit hineinsehen kann. Doch keine Angst, hinter den großen, sattgrünen Blättern lauern weder hungrige Tiger noch bissige Affen oder bösartige Schlangen. Dort, wo das Grünzeug lichter steht, blitzt allenfalls ein Stück Backsteinmauer durch. Nein, wir sind nicht mitten im Regenwald, sondern im Land Rover-Stammwerk Solihull nahe Birmingham – welcome to the jungle.

Genauer gesagt: Willkommen auf dem legendären Jungle Track, einem verschlungenen Wegenetz mit etlichen Schikanen und Finessen, das früher dazu diente, die Geländegängigkeit der produzierten Fahrzeuge direkt vor Ort auszuprobieren. Seit nunmehr acht Jahren nutzt das hauseigene Experience Center den dschungelartig zugewucherten Bereich auf dem Werksgelände für Fahrerlehrgänge und Produktpräsentationen. Die Erprobungsarbeit hat sich längst auf ein riesiges Areal namens Eastnor Castle verlagert – oder findet an irgendeinem entlegenen Ort dieses Erdballs statt, der besonders extreme klimatische oder geografi sche Bedingungen aufweist.

GESPICKT MIT SCHIKANEN UND HINDERNISSEN
Dabei bietet der Jungle Track eigentlich alles, was das Herz eines gestandenen Offroaders begehrt: knietiefe Wasserdurchfahrten, extreme Steigungen, beängstigende Schräglagen, knackige Verschränkungen sowie diverse Hindernisse aus Holz und Beton wie Brücken, Wippen oder Treppen. Auch die Toblerone zählt zu den Schikanen des Kurses: eine mannshohe Wulst aus Beton, die es in diagonaler Richtung zu überqueren gilt. Erste Zweifel keimen auf, ob dies tatsächlich der richtige Umgang mit einem Auto für mindestens 85 900 Euro ist. Unser Testwagen im luxuriösen Autobiography-Trimm ist sogar noch wertvoller – 111 500 Euro.

Für diese Summe wartet der Range Rover 3.6 TDV8 aber auch mit allem auf, was das Fahren im Gelände erleichtert. Angefangen bei einem bärenstarken V8-Diesel, der nicht nur mit 272 PS klotzt, sondern vor allem mit einem bulligen Drehmoment von 640 Nm antritt und so zusammen mit der Geländereduktion (1:2,93) jeder noch so fiesen Steigung den Schrecken nimmt – 45 Grad packt der riesige 4x4 garantiert, je nach Untergrund sogar noch etwas mehr.

Außerdem hat der Range selbstverständlich einen permanenten Allradantrieb mit variabler Kraftverteilung und zwei elektronisch geregelten Sperrdifferenzialen – eins in der Mitte, eins an der Hinterachse. Deren Steuerung lässt sich ebenso wie das Ansprechverhaltendes Motors, die Getriebesteuerung und das Kennfeld der Traktionskontrolle mit dem Terrain Response-Drehschalter an unterschiedliche Bodenbeschaffenheiten anpassen.

Für die Toblerone wählen wir das Programm „Felsenklettern“: Die Luftfederung hebt den Range ins Geländeniveau. Damit wächst die Bodenfreiheit auf mindestens 283 Millimeter. Ferner erlauben Böschungswinkel von 34 Grad vorn und 26,6 Grad hinten sowie ein Rampenwinkel von 30 Grad, ohne Grundkontakt über den Betonbuckel zu krabbeln.

Und zwar vollkommen mühelos. Mit einer minimalen Kriechneigung setzt sich der Range in Bewegung und drängt zunächst mit dem vorderen rechten Rad himmelwärts. Kurz bevor es den höchsten Punkt erreicht, ist die maximale Verschränkung von 33 Zentimetern erreicht. Noch stehen alle vier Räder fest auf dem Boden. Das ändert sich jedoch schon wenige Zentimeter später. Aber selbst bei ausgereizter Achsverschränkung schiebt der Geländewagen beharrlich und ruckfrei weiter. Die beiden Differenzialsperren und die Traktionskontrolle sichern den Vortrieb sogar dann, wenn schon zwei Räder in der Luft hängen. Sofern wenigstens ein Rad noch Bodenkontakt hat, marschiert der Range Rover weiter.

Bis hierhin muss der Fahrer zudem nicht viel machen – außer zusehen und staunen. Erst jetzt,  kurz bevor der rund 2,7 Tonnen schwere Brocken talwärst kippt, heißt es genau zielen, sonst drohen wir womöglich doch den maximalen seitlichen Kippwinkel zu überschreiten. Dabei erweisen sich die ausgeprägten Peilkanten in der Motorhaube als hilfreich, weil sie – vom Fahrersitz aus gesehen – die exakte Position der Räder markieren.

FÜNF KAMERAS LIEFERN LIVE-BILDER INS COCKPIT
Auf der Burma Bridge, einer kollabierten Brückenkonstruktion, spielt der Offroader einen weiteren Trumpf aus: sein Surround Kamerasystem. Fünf Kameras (zwei vorn, je eine im Außenspiegel und eine am Heck) versorgen den Fahrer mit Live-Bildern von der gesamten Umgebung. So lässt sich der Wagen millimetergenau durch knifflige Passagen wie diese zirkeln. Wenn das noch nicht reicht, kommt die Venture-Cam zum Zuge. Diese stoß- und spritzwasserfeste Kamera funkt ihr Bild auf das zentrale Display im Cockpit – und zwar bis zu 15 Meter weit. Großes Kino.

Nächste Prüfung: deep water. Vor uns liegt eine Wasserdurchfahrt, die es in sich hat – man sieht bloß nicht wo und was. Also vertrauen wir darauf, dass die angegebene Wat-Tiefe von 70 Zentimetern genügt und stechen in See. Das Klatschen des Wassers gegen den Unterboden, das Blubbern der gefluteten Auspuffendrohre und das Gurgeln um die Türen wirken nicht gerade beruhigend, doch der Range stampft ungerührt ans rettende Ufer.

Welche Hindernisse wir auch ansteuern, der Range Rover bewältigt sie alle mit Bravour und quasi im Alleingang. Besonderes Fahrkönnen erfordert er nicht. Darum schließen wir: Es gibt wohl kaum ein anspruchsvolleres Testgelände als den Jungle Track, aber auch kaum ein geländegängigeres Auto als den aktuellen Range Rover. Martin Urbanke

Inhaltsübersicht

Autos im Test

Range Rover 3.6 TDV8

PS/KW 272/200

0-100 km/h in 9.20s

Allradantrieb, permanent, 6-Stufen-Automatik

Spitze 200 km/h

Preis 85.900,00 €