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Porsche 356 Speedster und Boxster GTS auf James Deans Spuren

Jenseits von Eden

Südlich von Bakerfield fahren wir auf der Route Deans nach Westen, landen dann endlich an einer Tankstelle in der Einöde. Blackwells Corner. Hier stoppte James Dean ein letztes Mal, er kaufte Zigaretten und Äpfel. Gigantische James Dean-Figuren zieren heute die Einfahrt, der Weg zum Tankstellen-WC ist dicht behängt mit Zeitungs-Ausrissen. 60 Jahre – und immer noch ist die Heiligen-Verehrung in vollem Gange. Popkultur-Religion in Cinemascope.

Wer allerdings wissen will, wie sich der wilde, unendlich freie Junge mit den Äpfeln gefühlt hat, muss weg von der gelackten Tankstelle, weg vom modernen Highway 46 und eines der verwitterten Asphaltbänder nehmen, das ein paar Meilen weiter südlich über die Berge rumpelt. Ungeähr so muss die 446 am 30. September 1955 gewesen sein: ein für US-amerikanische Verhältnisse ziemlich schmales Sträßchen, das wellig und staubig mit ausgefransten Rändern zwischen Dornbüschen und Telegrafenmasten daherkommt. Und es ist wichtig, dieser alten Straße auf die Spur zu kommen, denn sie trägt die eigentliche Schuld am Drama, das sich kurz vor 18:00 Uhr ereignete.

Die Lost Hills sind einsam und gespenstisch, ein Mann in einem kleinen Auto wird von der dramatischen Wildnis vollkommen verschluckt. Nach dem stundenlangen, windumtosten Ritt von Los Angeles herauf fühlt sich diese Mondlandschaft an wie das Innere deiner Seele. Herausfordernd windet sich die alte 446 durch die kahlen Hügel, zwingt den Fahrer und seinen Porsche in einen gierigen, hypnotischen Rhythmus. Und wenn sich dann der Blick nach unten ins Tal des Cholame Creek öfnet, meint man regelrecht, den Magnetismus des unermesslich weiten Talbodens zu spüren. Du bist ein Nichts in der Ewigkeit, pure Geschwindigkeit, nie wieder zu stoppen.

Auch 60 Jahre später schlüpfen wir völlig atemlos und verzaubert aus den Bergen und treiben die Porsche hinunter in die Ebene. Links von uns ist immer wieder die alte Straße zu erkennen, die zwischen Dornbüschen und Steppengras dahinschnürt. Pfeilgerade und unauhaltsam bis zur Abzweigung der SR 41 – und die ist im Fluss der Fahrt, in der unsäglichen Weite einfach nur eine unbedeutende Stelle am Straßenrand.

Die Sonne steht um diese Uhrzeit Ende September schon tief im Westen unter grauen Wolken, James Dean ährt in eine difuse Aura aus Licht. Dass ihm ein anderes Auto entgegenkommt, sieht Dean trotzdem. Dass sich der andere zum Abbiegen bereit macht, bemerkt er ebenfalls. „Der sieht uns ganz bestimmt, der hat uns bestimmt gesehen“, brüllt er Rolf Wütherich im Fahrtwind zu. Aber die Magie der Straße, der Sog der hypnotischen Fahrt machen ein Stoppen oder Bremsen unmöglich. Weiter, weiter, singt die Straße. Flieg, Junge, flieg, bellt der Rennmotor des Porsche! Donald Turnupseed hat ebenso viele Meilen in seinem Ford-Hot Rod hinter sich, auch er muss wie in Trance die Erscheinung des silberglänzend dahinhuschenden Porsche gesehen haben, aber der Rockabilly-Groove des V8 sitzt prall in seinen Adern. Alles so unwirklich, „Be-Bop-A-Lula“... Dieser Moment kommt in keinem Unfall-Gutachten vor. Aber als wir am 30. September 2014 im letzten Tageslicht am Straßenrand stehen, verstehen wir, was hier geschehen ist.

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Johannes Riegsinger