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Mercedes SLS AMG und Lexus LFA im Tracktest

Mercedes SLS AMG und Lexus LFA

Zwei exklusive Traumwagen im harten Duell: Lexus LFA und Mercedes SLS AMG kämpfen auf dem Rundkurs um jede Zehntelsekunde

Auf dem Papier trennen beide nur Nuancen, Details. Das Layout ist identisch: Frontmittelmotor, Stahlrohrtunnel (Torque-Tube) zum Transaxle-Getriebe, Hinterradantrieb, selbst die Leistung von 560 und 571 PS weicht nicht groß voneinander ab. Der größte Unterschied liegt im verwendeten Material für den Chassisbau: Lexus verwendet beim LFA eine speziell gewebte Struktur aus Kohlefasern, Mercedes spendiert dem SLS AMG dagegen eine Spaceframe-Konstruktion aus Aluminium. 100 kg Gewichtsersparnis versprach sich das Team von LFA-Chefingenieur Haruhiko Tanahashi durch die Kombination von Kohlefaser-Chassis und Hilfsrahmen aus Alu gegenüber einer reinen Metall-Konstruktion. Der Blick auf die Waage zeigt aber Erstaunliches: Der LFA wiegt mit 1609 kg nur 65 kg weniger als der SLS AMG. Perfekt ist dagegen die Gewichtsverteilung des Japaners. Zwischen Vorder- und Hinterachse besteht ein Unterschied von drei Kilogramm, beim Mercedes lasten immerhin fast 100 kg mehr auf der Hinterachse.

BESCHLEUNIGUNGS-DUELL
Dank Launch-Control-Funktion für das Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe schnellt der SLS reproduzierbar in 3,8 Sekunden mit minimalem Schlupf an den Hinterrädern auf Tempo 100. Nach 11,4 Sekunden ist er doppelt so schnell. Am Lexus-Testwagen lässt sich die Launch-Conrol nicht aktivieren, alles hängt vom Feingefühl des Fahrers ab. 3,9 Sekunden für den Spurt auf 100 km/h bedeuten daher das Ende der Fahnenstange, zwei Zehntel über der Werksangabe. Bis 200 km/h liegt er mit dem SLS aber gleichauf. Ähnliches spielt sich bei der Bremsprüfung ab: Die Kaltbremswerte aus 100 km/h sind nahezu identisch (LFA: 33,5 m/SLS: 33,4 m), unter starker Belastung – zehn Vollbremsungen aus 100 km/h bis zum Stillstand arbeitet sich der Lexus im Durchschnitt einen Vorteil von einem Meter heraus (LFA: 32,3 m/SLS: 33,4 m).

Über die Preisgestaltung ein Wort zu verlieren, erübrigt sich angesichts der bereits ausverkauften Mini-Serie von 500 handgefertigten Lexus LFA. Produktionsbeginn der Kundenautos ist im Dezember. 14 LFA gehen an deutsche Besteller. Der SLS AMG verkauft sich ebenfalls prächtig, darf im Vergleich zum Lexus mit einer Jahresproduktion von über 3500 Einheiten aber schon als Massenware gelten.

IMPOSANTE KRAFTWERKE
Ein Blick unter die Motorhaube des Mercedes verrät die weit zur Fahrzeugmitte hin liegende Position des klangvollen V8 mit 92 PS pro Liter Hubraum. Der intern M159 genannte Motor wiegt 205 kg und entwickelt 650 Nm Drehmoment. Das Ansprechverhalten auf Gasbefehle ist jederzeit spontan, die Kraft im Drehzahlkeller enorm – eigentlich bei jeder Drehzahl. Diesem Triebwerk geht anscheinend nie die Puste aus. Die Einbaulage des Lexus-72-Grad-V10 ist ebenso weit hinten gewählt. Er wiegt nur 200 kg und leistet 117 PS pro Liter Hubraum. Mit 480 Nm Drehmoment hat er das Nachsehen gegenüber dem Kraftmeier aus Deutschland. Doch Ansprechverhalten und Laufkultur des bei 9000 Touren aufkreischenden Triebwerks übertrumpfen den SLS-Motor noch.

Einen perfekt sitzenden Arbeitsplatz bietet der Lexus ebenfalls. Lenkrad und Sitze lassen sich nahezu jeder Statur anpassen. Mit Drehknöpfen an der Cockpitseite kann man den Sport-Modus und kürzere Schaltzeiten aktivieren. Das individuell programmierbare TFT-Display stellt jetzt einen weiß unterlegten und grob skalierten Drehzahlmesser dar. Kurz vor dem Erreichen der Maximaldrehzahl warnt er rot blinkend zum Hochschalten an den feststehenden Wippen. Mehr Einstellmöglichkeiten gibt es nicht.

ZEITENJAGD
Eine Aufwärmrunde genügt, der LFA flößt sofort viel Vertrauen ein, das VSC (ESP) bietet im Sport-Modus einen ausreichend großen Spielraum mit Sicherheitsreserven. Die Schikane nach Start/Ziel verlangt zielgenaues Einlenken bei rund 140 km/h. Der LFA rührt sich dabei nicht einmal, die Karosserie wankt nur minimal. Früh aufs Gas, voll beschleunigen bis zur Spitzkehre. Tempo 204 zeigt das GPS-System an, Vollbremsung bis runter auf 47 km/h – kein Problem. Präzises Anbremsen gelingt mit dem LFA Runde für Runde. Die Vorderachse lenkt willig in die 180-Grad-Kehre ein, aber nicht hektisch. Kaum spürbarer Schlupf an den Hinterrädern beim Herausbeschleunigen, der Grip ist unglaublich, die feine Dosierung der Motorleistung bereitet kein Problem. Das Getriebe schnalzt in 0,2 Sekunden die Gänge mit einem kurzem Schlag rein. Durch die schnellen Passagen des Kurses fliegt der LFA völlig unspektakulär, selbst das Umsetzen von einer Rechts- in eine Linkskurve bei 155 km/h bringt keine Unruhe in das Fahrwerk. Im letzten Sektor zeigt der Japaner dann sein wahres Können. Die Kurvengeschwindigkeiten in der engen, letzten Schikane setzen Maßstäbe und verhelfen ihm zu einer Topzeit von 1:35,66 Minuten.

Im Cockpit des Mercedes SLS AMG lassen die Einstellmöglichkeiten ebenso keine Wünsche offen. Hier sind die Schaltpaddel aber am Lenkrad befestigt und drehen sich mit. Schaltstrategie per Drehknopf auf „Sport plus“ stellen, jetzt wechselt der SLS selbstständig die Gänge – nahezu perfekt angepasst an die Fahrsituation. Das ESP hält den Mercedes im Notfall auf Kurs. Mit dem strafferen AMG-Perfomance- Fahrwerk ausgerüstet, geht es auf die Piste. In der schnellen ersten Schikane wankt der SLS spürbar mehr, lenkt aber fast noch giftiger ein. Vor der Spitzkehre ist der Mercedes bereits schneller, verlangt aber einen früheren Bremspunkt. Die Geschwindigkeit in der Spitzkehre ist aber geringer als beim Lexus. Jetzt tobt er anfangs leicht quergehend die lange Gerade entlang. Kurzes Anbremsen bei 221 km/h, dann Umsetzen in die mittelschnelle Links: Der SLS arbeitet schwer, wechselt zwischen leichtem Unter- und deutlichem Übersteuern unter Last. Bis zum Ende des zweiten Sektors liegt er nur zwei Zehntel hinten. Danach aber hat er der extremen Stabilität des LFA wenig entgegenzusetzen. Ergebnis: 1:37,50 Minuten, fast zwei Sekunden langsamer als der Japaner. Der SLS verlangt äußerst sensibles Gasgeben und Lenken. Dem LFA kann der Fahrer schon früh die Sporen geben, im SLS geht das aufgrund des brachialen Schubs kaum. Wie ein amerikanischer NASCAR-Rennwagen jagt er brüllend über den Kurs. Der LFA dominiert ihn in der Art eines präzisen Formel-Renners.
Holger Eckhardt

Inhaltsübersicht

Autos im Test

Mercedes SLS AMG

PS/KW 571/420

0-100 km/h in 3.80s

Hinterrad, 7-Gang-Doppelkupplung

Spitze 317 km/h

Preis 177.310,00 €

Lexus LFA

PS/KW 560/412

0-100 km/h in 3.90s

Hinterrad, 6 Gang sequentiell

Spitze 325 km/h

Preis 375.000,00 €