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Maserati 3500 GT Spyder

Ein Tiger zum Schmusen

Rassiges Temperament in stilvoller Verpackung, gepaart mit einem Schuss weltmännischer Eleganz, die jedem Ferrari abging, zeichnete Maseratis ersten Gran Turismo, den GT 3500 Spyder, aus

Eckdaten
PS-kW230 PS (169 kW)
AntriebHeckantrieb, 5 Gang manuell
0-100 km/h7.50 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit235 km/h
Preisk.A.

Manche Großtat wird aus der Not geboren. Dieses Auto zum Beispiel, einer der schönsten Sportwagen der Nachkriegszeit, entstand nicht aus freien Stücken, sondern nur, weil seine Erbauer dringend Geld brauchten. Denn Maserati steckte ab Mitte der 50er in der Klemme. 30 Jahre lang war die Rechnung aufgegangen, brachte die Fabrikation von Zündkerzen, Batterien, Zubehör und Werkzeugen genug Geld ein, um quasi nebenbei mit großer Leidenschaft eine äußerst erfolgreiche Rennwagenfabrik zu unterhalten. Maserati war in der Formel 1 wie bei Rennsportwagen die bevorzugte Marke der Privatfahrer und bis tief in die 50er-Jahre hinein erfolgreicher als ihre in der Nachbarschaft heranwachsende Rivalin, die Scuderia Ferrari. Der große Argentinier Juan-Manuel Fangio gewann 1957 auf einem Werks-Maserati 250 F seine fünfte Weltmeisterschaft. Doch nicht alles, was mit seinem Land zusammenhing, war gut für Maserati. Der Firmen-Eigner Adolfo Orsi hatte in Argentinien Geld im großen Stil investiert und mit dem Sturz des Staatspräsidenten Péron alles verloren.

Um überleben zu können, waren zwei Entscheidungen unumgänglich: erstens die Schließung des eigenen Rennteams und zweitens die Entwicklung von echten Straßenfahrzeugen. Maseratis Konstrukteursgenie Giulio Alfieri hatte fortan zwei Aufgaben, und es verwundert nicht, dass er beim Bau eines straßentauglichen Gran Turismo tief in die Rennsportkiste griff, um Bauteile daraus als Basis zu verwenden. Zum Beispiel den wunderbaren Sechszylinder mit zwei obenliegenden Nockenwellen und Doppelzündung aus dem LangstreckenRennwagen 300S. Dieser Motor ist in seinen Grundfesten sogar mit dem Triebwerk des Formel-1-Rennautos verwandt. Im Maserati 3500 GT benimmt er sich aber so gesittet und alltagstauglich, wie es sich für einen Edelsportwagen gehört. Akustisch ist er ein Genuss. Das heisere Ansauggeräusch und das kehlige Schlürfen der drei Weber-Vergaser verraten die Rennsport-Gene. Mit diesem Klang macht er jeden Kreisverkehr zur Schikane und jede Autobahn zur Start-Zielgeraden, selbst wenn man es gemütlich angehen lässt.

Ab 1962 verpasste Maserati den modifizierten Versionen mit Blick auf den amerikanischen Sportwagenmarkt den dazu passenden Beinamen: Sebring. 230 PS reichten Ende der 50er locker für einen Platz in der ersten Startreihe der Traumwagen. Ein Mercedes 300 SL Roadster hatte "nur" 215, der Ferrari-V12 leistete in der zivilen Ausführung nicht mehr als 240, und Englands Aushängeschilder Jaguar XK150 und Aston Martin DB4 wurden wie der Maserati von Sechszylindern mit vergleichbaren Eckwerten befeuert. Der exquisite Facel-Véga HK 500 aus Frankreich stellte mit seinem mächtigen US-V8 eine Ausnahme dar. Für italienische Verhältnisse stand Giulio Alfieri technischen Innovationen ungewöhnlich aufgeschlossen gegenüber. Sein Maserati GT bekam schon Ende der 50er Scheibenbremsen an der Vorderachse, und Experimente mit der ersten Lucas-Benzineinspritzung führten 1961 zum Modell 3500 GTI.

Die meisten Kunden gaben jedoch der Vergaserbatterie den Vorzug, weil sie den Werkstatt-Mechanikern bei der exakten Einstellung weniger Kopfzerbrechen bereitete. Die Karosserien wurden wie üblich von renommierten "Zulieferern" gefertigt. Bis 1964 erhielten rund 2000 Maserati GT einen Coupé-Aufbau der Carrozzeria Touring, während nur 242 Autos mit verkürztem Radstand zu Alfredo Vignale geliefert wurden, der den offenen Zweisitzer entworfen hatte. Die Handarbeit im Hause Vignale führte dazu, dass kaum zwei Autos exakt gleich aussahen. Sogar die Abmessungen konnten variieren. Maserati-Experten unterteilen die Spyder-Produktion heute grob in drei Serien, die sich hauptsächlich durch die Länge der Motorhaube, die Positionierung der Zusatzleuchten und Entlüftungsschlitze sowie die Ausführung der Rundinstrumente voneinander unterscheiden. Angedeutete Heckflossen und die luxuriöse Ausstattung mit elektrischen Fensterhebern und voll versenkbarem Verdeck setzten amerikanische Akzente. Diese konservative Linienführung behielt Maserati auch bei den von Frua gestylten Baureihen Mistral und Mexico bei und schwenkte erst ab 1966 mit dem Ghibli zögerlich auf eine dramatischere Formensprache um.

Heute dienen die klassischen Linien des 3500 GT wieder als Vorbild für neue Modelle: Beim aktuellen Quattroporte springt das rechteckige Kühlergitter auf die gleiche Weise zwischen den Scheinwerfern hervor wie vor 45 Jahren, und es bedarf keiner prophetischen Gaben, um vorherzusagen, dass der nächste Spyder ähnliche Proportionen und Stilelemente aufweisen wird wie der Klassiker von 1959. Traumwagen hin oder her, damals wie heute reichten die Verkaufserlöse nicht, um im Rennsport noch einmal zu großer Form aufzulaufen. Als Lieferant von V12-Motoren für das Cooper-Team blieb Maserati noch bis Ende der 60er in der Formel 1 präsent. Dann ließ man sich auf eine Allianz mit Citroën ein – wieder eine aus der Not geborene Aktion. Aber diesmal keine Großtat.

Inhaltsübersicht

Autos im Test

Maserati 3500 GT Spyder

PS/KW 230/169

0-100 km/h in 7.50s

Heckantrieb, 5 Gang manuell

Spitze 235 km/h

Preis k.A.