Luxus-Cabrios: Maserati GranCabrio und Aston Martin DB9

Stürmische Zeiten

Im neuen Maserati GranCabrio sorgen 440 PS für die angemessene Windstärke. 477 Pferde stehen beim Aston Martin DB9 bereit – ein stürmischer Vergleich

Wahrscheinlich ist in Italien in den letzten 60 Jahren häufiger ein neuer Papst gewählt als ein neuer offener Maserati vorgestellt worden. Nur eine Handvoll Vorgängermodelle listet die Pressemappe zur Präsentation des GranCabrio auf – und vergisst dabei den einzigen echten Viersitzer in der Ahnenreihe: den Biturbo Spyder der 80er.

GranCabrio also. Der Name sorgte bereits auf der letztjährigen IAA für leichte Irritationen. Für uns Deutsche hört sich das möglicherweise zu unitalienisch an, nicht so musikalisch wie GranTurismo oder Quattroporte. Dabei ist der Name gar nicht so verkehrt. Denn der offene Maserati ist in der Tat ein großes Cabrio. Ein sehr großes. Der ebenfalls nicht sehr zierliche Aston Martin DB9 wirkt daneben klein und filigran. Fast fünf Meter Länge, etwa drei Meter Radstand und zwei Tonnen Gewicht – ein ausgewachsenes Auto eben. Das GranCabrio basiert auf dem Coupé GranTurismo, das ja ein leicht gekürzter zweitüriger Quattroporte ist. In der hektischen morgendlichen Rushhour in Rom fällt die Größe natürlich besonders auf.

Wie eine Yacht schiebt sich der Maserati durch Wogen von Punto, 500 und Smart, lässt sich von hurtigen Vespen umschwirren und hält stetigen Kurs nach Südwest. Der Aston Martin folgt im Kielwasser, kaum weniger lässig und eine Spur unauffälliger als der mächtige Maserati. Wer sich ein wenig bewundern lassen will, muss in beiden Luxus-Sportlern nur ein bisschen fester aufs Gas treten.

Und im Falle des GranCabrio die Sporttaste am Instrumentenbrett drücken. Belle Macchine sind in Rom immer noch gern gesehen, scheinen die Blicke der Passanten dann zu sagen. Und der Polizist, der von seiner Boxer-BMW winkt, animiert nur zum schnellen Überqueren der Kreuzung, weil eine Kolonne blaubelichteter Lancia Thesis mit wichtigem Inhalt Durchlass begehrt.

DER MASERATI IST EIN ECHTER VIERSITZER
Dennoch sind wir froh, als wir mit beiden Cabrios unbeschadet die Stadtgrenze erreichen. Auch wenn die Wolken aus Südwesten stürmische Zeiten versprechen. Nach einer Stunde wird der Verkehr dünner und die Straßen schmaler. Während Deutschland noch einmal im Schnee versinkt, freuen wir uns über trockene zehn Grad und öffnen die Stoffverdecke. Das geht natürlich in beiden Fällen vollautomatisch und praktisch gleich schnell.

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Das Dach des Maserati hat dabei den längeren Weg zurückzulegen. Denn im Gegensatz zum fast 20 Zentimeter kürzeren DB9 ist das GranCabrio ein echter 2+2, auf dessen Rücksitzen auch Erwachsene auf nicht zu langen Strecken untergebracht werden können. Im Aston dagegen sollte man den Fond nur im äußersten Notfall zum Personentransport nutzen. Zumal es im Briten bei schnellerer Fahrt deutlich luftiger zugeht als im Maserati.

Die Sitzprobe fällt dennoch zugunsten des DB9 aus, der zwar deutlich enger geschnitten ist, aber mit seiner tiefen Sitzposition und den sehr bequemen Sportsitzen behaglicher wirkt. Im Italiener sitzt man dagegen etwas hoch in modernem, kühlem Ambiente, und die straffen, etwas rutschigen Sitze bieten nur mäßigen Halt. Wir fahren weiter Richtung Küste, vorbei am vernebelten Castel Gandolfo, das Mittelmeer auf dem Navi-Bildschirm fest im Blick. Endlich können wir ein wenig mehr Gas geben.

Der musikalische Achtzylinder legt locker los, von den zwei Tonnen ist wenig zu spüren. Wie aus anderen Maserati-Modelle gewohnt, dreht er seidig, wenn auch nicht leise hoch und harmoniert so gut mit der ZF-Automatik, dass man die sequenzielle Schaltung des GranTursimo S keine Sekunde vermisst. Der Motor des Cabrios entspricht übrigens serienmäßig der S-Spezifikation des Coupés, 4,7 Liter und 440 PS also. Die 405-PS-Version mit 4,3 Liter Hubraum wird im Cabrio gar nicht angeboten.