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Faszination: Lamborghini Huracan in Schweden

Schneesturm

Mit dem Lamborghini Huracán unterwegs in Nordschweden – ohne Spikes, mit viel Gefühl und einem voll auf Performance getrimmten Allradantrieb

Der Huracán ist unumstritten der fahraktivste Lamborghini aller Zeiten. Ein Musterbeispiel an Präzision, leicht beherrschbar und gekonnt abgestimmt. Um das zu beweisen, hat Lamborghini nach Arjeplog in Lappland geladen: Drifttraining mit 610 PS, 560 Nm und Allradantrieb – Einladung angenommen. Als wir das Eis betreten, läuft sich dort bereits eine ganze Armada Huracán LP 610-4 warm. Schon beim Verlassen des Shuttlebusses zieht es den ersten Teilnehmern die Füße weg. Der meterdick zugefrorene See ist spiegelglatt. Die Temperaturen liegen nur um den Gefrierpunkt – zu warm für griffiges Eis. „Ideale Bedingungen“, freut sich Dennis Schmitz, Leiter Entwicklung Gesamtfahrzeuge. Wir werden sehen. Der Lambo sitzt wie angegossen. Das Lenkrad steht senkrecht nah vor der Brust, die Beine strecken sich tief in den Fußraum, der Sitz hat mich fest im Griff – ein perfekter Arbeitsplatz. Ein leichter Zug an der Schaltwippe hinter dem Lenkrad, und der erste Gang ist eingelegt. Zweiter Gang, dritter Gang, mittlere Drehzahlen – hier auf dem Eis ist fein portioniertes Drehmoment gefragt, keine brachiale Spitzenleistung. Und genau das bietet der V10-Motor des Lambo in Reinkultur.

Ein Lenkimpuls, etwas Gas und der Huracán treibt übers Eis

420 Nm, 75 Prozent des Gesamtdrehmoments, lassen sich bereits ab 1000 /min abrufen. Ein kurzer Lupfer am Gaspedal, ein sanfter Impuls am Lenkrad, der Huracán treibt quer in die erste Kurve. Die Rückmeldungen von Fahrwerk, Antrieb und Lenkung sind unmittelbar, intensiv und verlässlich. Auf sich ins Eis bohrende Spikes, die den Grip steigern, hat Lamborghini bewusst verzichtet und speziell für das Auto entwickelte Pirelli Sottozero 3-Winterreifen aufgezogen. Die Italiener wollen so das Potenzial ihres auf Performance getrimmten Allradantriebs demonstrieren.

Lamborghini Huracán: Jetzt als LP 580-2 mit Heckantrieb

Zwischen 50 und 100 Prozent der Kraft transportiert das System an die Hinterachse, null bis 50 Prozent gehen nach vorn. Bereits im Sportmodus mit deaktivierter Traktionskontrolle lassen sich blitzsaubere Driftwinkel fahren, obwohl das ESC (ESP) im Hintergrund stabilisierend mitarbeitet. Nächste Stufe: Corsa-Modus. Jetzt sind alle elektronischen Fahrhilfen ausgeschaltet. Der Fahrer allein hat das Sagen, und die Technik des Huracán hört aufs Wort. Der Lambo folgt der anvisierten Linie, peitscht mit 8000 Touren über die Gerade. Vor der nächsten Kurve sanft bremsen, den Einlenkpunkt finden, die Richtung mit einem sauberen Lenkimpuls vorgeben – und dann die Drehbewegung nutzen und das bullige Drehmoment fein dosiert an die Räder schicken. Die Lamellen der Pirelli-Pneus krallen sich ins Eis. Die Balance, mit der sich der flache Keil aus Sant’ Agata durch die Kurve steuern lässt, fasziniert.

Wechselkurven meistert er dank perfekter Gewichts- und Drehmoment- Balance spielerisch. Die Hinterachse lenkt mit, die Vorderachse stabilisiert den Kurs. Dennis Schmitz ist zufrieden. Kein Huracán ist von der Strecke gerutscht. Die Piloten hingegen kämpfen beim Aussteigen wieder mit der vereisten Oberfläche. Vorteil Allradantrieb – genau das wollte Lamborghini beweisen.

Bildergalerie: Lamborghini Huracán in Schweden

Michael Godde