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Jaguar XK 120 FHC

Marathon mit Stil

In den 50er-Jahren gehörte es zum guten Ton, die Leistungsfähigkeit neuer Modelle durch Rekordfahrten unter Beweis zu stellen

Eckdaten
PS-kW179 PS (132 kW)
AntriebHeckantrieb, 4 Gang manuell
0-100 km/h9.50 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit200 km/h
Preisk.A.

Die Briten überfielen Belgien kurz nach dem Krieg in schöner Regelmäßigkeit. Kleine Trupps überquerten den Kanal mit Transportern und luden hinter der Küste ihre Sportwagen ab. Sie hatten es nicht auf die Städte abgesehen, nur auf die Straßen: Die schnurgerade Autobahn zwischen Ostende und Jabbeke eignete sich besser für Hochgeschwindigkeitstests als jedes Stück Asphalt auf der Insel.

Am 30. Mai 1949 fand eine regelrechte Invasion statt: Per DC9 ließ Jaguar-Chef William Lyons sogar Journalisten einfliegen, als der neue Sportwagen XK 120 seinem Namen erstmals alle Ehre machen und die Schallmauer von 120 Meilen pro Stunde (192,96 km/h) knacken sollte – was auch gelang: Fahrer Ron Sutton erreichte über 200 km/h. Diese Großtat war eine Herausforderung für sämtliche Herrenfahrer Großbritanniens, und es dauerte nicht lange, bis einer von ihnen, Leslie Johnson, eins draufsetzte: Mit seinem eigenen XK 120 überquerte er im Oktober 1950 den Kanal und fuhr auf dem Rundkurs von Monthléry bei Paris 24 Stunden nonstop mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 173 km/h. Am Steuer wechselte er sich mit dem 20-jährigen Rennfahrertalent Stirling Moss ab.

Moss war auch mit von der Partie, als Johnson und Jaguar knapp zwei Jahre später nach Monthléry zurückkamen, um im großen Stil Rekorde zu brechen. Im Gepäck hatten sie das zweite rechtsgelenkte Exemplar des 1951 vorgestellten XK 120 Fixed Head Coupé (FHC), ein bildschönes zweisitziges Coupé, wie es vor allem der amerikanische Markt als Ergänzung zum seit 1949 verkauften Roadster verlangte. Sein Motor ist ein Gedicht: Der siebenfach gelagerte Sechszylinder mit Alu-Kopf und zwei obenliegenden Nockenwellen schnurrt wie ein Kätzchen und lässt sich selbst von dem ellenlang übersetzten Getriebe nicht in die Knie zwingen. Die Special-Version produziert 180 PS, 20 mehr als die Serienausführung.

Der XK 120 eignete sich als Allround-Sportwagen wie kaum ein anderes Auto danach. Privatfahrer starteten mit ihm bei Rallyes, Tourenwagenrennen und Langstreckenmarathons wie Lüttich-Sofia-Lüttich. Sogar in Le Mans gingen fast serienmäßige XK 120 an den Start. Die Rekordwoche in Monthléry war laut Stirling Moss "unterwegs so langweilig, dass ich begann, einer jungen Dame am Streckenrand bei jeder Vorbeifahrt Kusshände zuzuwerfen. Doch als ich das Steuer weitergegeben hatte und zu ihr hinging, um sie kennenzulernen, stellte ich fest, dass sie nicht halb so schön war, wie ich vermutet hatte."

Auch das Team erlebte eine böse Überraschung: Nach fünf Tagen, über 10000 Meilen und vier neuen Weltrekorden über kürzere Distanzen zwang eine gebrochene Blattfeder das Auto zur Reparatur in die Box. Der Rekordversuch war damit gescheitert, doch Jaguar bewies Sportsgeist und setzte die Jagd fort. Am Ende des siebten Tages standen 27120 Kilometer auf dem Zähler. Das Durchschnittstempo betrug 161,4 km/h – vor 52 Jahren. Könnte Ihr Auto das heute besser?

Inhaltsübersicht

Autos im Test

Jaguar XK 120 FHC

PS/KW 179/132

0-100 km/h in 9.50s

Heckantrieb, 4 Gang manuell

Spitze 200 km/h

Preis k.A.