Möchten Sie auf die mobile Seite wechseln?

JA NEIN

Ferrari California

Ein neuer Klassiker

Optisch erinnert der neue Ferrari California an traditionelle Modelle des italienischen Sportwagenherstellers – unter der edlen Karosserie steckt jedoch modernste Technik

Eckdaten
PS-kW460 PS (338 kW)
AntriebHinterrad, 7 Gang Automatik
0-100 km/h4.00 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit310 km/h
Preisk.A.

Viele Experten und Ferrari-Fans lagen daneben: Der neue California ist nicht etwa ein kleiner Einsteiger à la Dino und erst recht kein Sparmodell, sondern ein ausgewachsener Sportwagen mit klassisch anmutender Karosserie und vielen, für die italienische Marke neuen technischen Details. Erstmals ist ein V8 Motor unter der Fronthaube eingebaut, erstmals gibt es bei Serienautos von Ferrari eine Direkteinspritzung, erstmals kommt eine Siebengang-Automatik mit Doppelkupplung zum Einsatz, und erstmals gibt es ein faltbares Hardtop, das aus dem Coupé in Windeseile ein Cabrio macht. Und auch sonst überraschen die Italiener mit bisher zumindest von Ferrari nicht gekannten Einzelheiten. So können Kunden zum Beispiel eine variable Innenraumgestaltung mit umklappbaren Rücksitzlehnen ordern – wenn es denn mal so weit ist, dass der Ferrari California überhaupt offiziell bestellt werden kann. Die Öffentlichkeit kann das Cabrio erstmals im September auf dem Autosalon in Paris bestaunen, und ab diesem Termin sind auch die Auftragsbücher geöffnet.

Sie werden sich schnell füllen: Denn der Neue ist optisch einfach hinreißend, er zeigt, wie Ferrari sich einen echten GT vorstellt. Das Gesicht mit der leicht noch vorne gezogenen und dicht über dem Boden liegenden Nase und den gewölbten Kotflügeln stellt ebenso wie der Lufteinlass auf der Haube und die seitlichen Schlitze eine direkte Verbindung zum Ur-California und zum Spyder auf Basis des 250 GT her. Moderne Zutaten wie der Kohlefaser-Frontspoiler und die Luftöffnungen in der Front sind optimal dazugefügt worden. Das ist einfach moderne Klassik.

Trotz der oben angebrachten Rückleuchten wirkt das Heck mit der schwarzen Blende und dem stark ausgeprägten Diffusor allerdings etwas zu mächtig. Doppelte Auspuffrohre auf jeder Seite, die beim California übereinander angebracht sind, unterstreichen den Power-Auftritt zusätzlich.

Dennoch: Ob mit geschlossenem Dach oder geöffnet, der Neue macht stets eine gute Figur und sieht überaus appetitlich aus. Das geteilte Karbondach von Webasto ist übrigens leichter als die Stoffmütze des F430 Spider  und verschwindet in nur 14 Sekunden, flach zusammengeklappt im Gepäckabteil – es soll das schnellste Klappdach im Serieneinsatz sein. Bei geschlossenem Dach passen 360 Liter in den Kofferraum, in geöffnetem Zustand fasst das Gepäckabteil immerhin noch 260 Liter. Platz genug für zwei Golftaschen, so Ferrari. Und wem dieses Platzangebot fürs Gepäck zu gering ist, kann jetzt sogar umklappbare Rücklehnen oder aber eine Durchreiche für Skier bestellen.

Ein Ferrari als Nutzfahrzeug? Nicht ganz: die sportlichen Gene und die technischen Möglichkeiten in Sachen Fahrdynamik sind beim California, wie bei jedem neuen Modell von Ferrari, nochmals verbessert worden. Erstmals bekommen die Kunden der Nobel-Marke aber auch jede Menge Alltagstauglichkeit dazu.

Also einsteigen. Man spürt sofort das typische Ferrrari-Feeling mit Leder und Aluminium, aber alles ist trotzdem anders. Platz satt in alle Himmelsrichtungen und ein überraschend neues Interieur mit einem Bedien-Satelliten aus Aluminium auf der Mittelkonsole. Der Drehzahlmesser thront wie gewohnt in der Mitte der Anzeigen und beginnt mit dem roten Bereich bei 7800 Umdrehungen. Rechts daneben findet sich der bis 350 km/h reichende Tacho und links davon ein Display, über das alle anderen Motordaten und Infos abgerufen werden können. Die hinteren Plätze reichen höchstens für Kleinkinder oder für geduldig ertragene Kurzstrecken aus. Die Notsitze können aber auch wahlweise durch Staufächer ersetzt werden oder einfach gleich als Ablage bestellt werden.

Das Fahrgefühl des California kann man eigentlich nicht beschreiben, man muss es selber erfahren, so Roberto Fedeli, Technischer Direktor bei Ferrari. Wir haben es dank des völlig neuen Fahrwerks, der Aerodynamik und der Elektronik mit F1-Traktionskontrolle geschafft, dem Auto eine Balance zu geben, die es fahrdynamisch auf höchstes Niveau bringt. Zur besseren Gewichtsverteilung wurde der Tank des California nicht unterhalb des Kofferraums, sondern unter den Rücksitzen montiert.

Durch die Wahlmöglichkeiten bei Fahrwerkseinstellung und Getriebemodus kommt aber der Komfort bei Bedarf auch nicht zu kurz, erklärt Fedeli. Wir bieten unserer Meinung nach das Höchstmaß dessen, was ein Sportwagen an Komfort verträgt.

Der neue Motor mit 4,3 Liter Hubraum leistet 460 PS und soll den California in weniger als vier Sekunden von Null auf 100 km/h beschleunigen. Dank Direkteinspritzung arbeitet er deutlich sparsamer als jedes bisherige Ferrari-Triebwerk und ermöglicht eine Höchstgeschwindigkeit von 310 km/h. Geschaltet wird über Wippen am Lenkrad oder automatisch. Mit dem neuen Siebengang-Automatikgetriebe mit Doppelkupplung wird die Schaltzeit auf Null verkürzt. Allerdings mussten wir uns etwas einfallen lassen, damit der Fahrer die Gangwechsel spürt. Wer will schon einen Ferrari fahren und nicht spüren, wie der nächste Gang einrastet. Wie wir das hinbekommen haben, bleibt aber zunächst unser Geheimnis, so Fedeli. Der Techniker widerspricht zumindest nicht der These, dass das neue Getriebe bei Ferrari das Ende der bisher verwendeten F1-Schaltung bedeuten wird.

Der auf einem neuen Chassis basierende California ist ein Mix aus Klassik und modernster Technik, perfekt in Szene gesetzt. So stellt man sich schlicht und ergreifend einen Bestseller vor. Gebaut werden soll das Cabrio in einer neuen Montagehalle im Werk Maranello. Nur über die genaue preisliche Positionierung ist man sich noch nicht im klaren.

Die ersten Modelle sollen im Januar 2009 an die Kunden ausgeliefert werden. Der Unkostenbeitrag dafür wird zwischen 180000 und 200000 Euro liegen. Eine Menge Geld, aber für echte Ferraristi kein Hindernis. Wer nicht schnell bestellt, wird lange warten müssen, hört man hinter vorgehaltener Hand.


Inhaltsübersicht

Autos im Test

Ferrari California

PS/KW 460/338

0-100 km/h in 4.00s

Hinterrad, 7 Gang Automatik

Spitze 310 km/h

Preis k.A.