Möchten Sie auf die mobile Seite wechseln?

JA NEIN

Die Legende lebt - Aston Martin DB4 Zagato

Die Legende lebt

Anfang der 60er-Jahre waren Aston Martin und Ferrari hart im Gefecht. Le Mans, Spa-Francorchamps und Monza hießen die Schauplätze erbittert geführter Sportwagen-Rennen

Eckdaten
PS-kW352 PS (259 kW)
AntriebHeckantrieb, 4 Gang manuell
0-100 km/h8.00 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit250 km/h
Preis1.200.000,00 €

Geld ist ein Seelenverderber, sagt ein Sprichwort. Doch es hilft bei der Flucht aus dem faden blechernen Einerlei in die Arme aufregender Schönheiten. Die bringen uns beschwingt von da nach dort und den Nachbarn zu der Frage, ob wir Lotto, Roulette oder den Hochstapler spielen. Natürlich sollte man sich den sensiblen Umgang mit dem feinen Wagen vor Fahrtantritt tief verinnerlichen, denn Nonchalance am Steuer führt auf Abwege und zu Ärger mit dem Mann von der Versicherung. Wie zum Beispiel im schönen kalifornischen Malibu an einem Dienstag im Februar dieses Jahres, als der schwedische Industrielle Stefan E. seinen 645 000 Euro teuren Enzo Ferrari im Zuge eines privaten Straßenrennens mit einem Mercedes SLR McLaren bei Tempo 200 an einen Strommast setzte. Der Mann überlebte, was man von Mast und Enzo nicht behaupten konnte.

Noch weit größere Vorsicht sollte der walten lassen, der einen der extrem seltenen Aston Martin DB4 GT Zagato in die Finger bekommt. Schließlich repräsentiert der Brite einen Gegenwert von 1,2 Millionen Euro. Im Gegensatz zu den vergleichsweise inflationär umherfahrenden Enzo – 349 Exemplare wurden bei Ferrari gebaut – stellte man vom Aston nur vier Exemplare auf die großen Räder. Genauer gesagt von dessen Zweitauflage, die erst 1991 ans Tageslicht rollte. Wie es zur Wiederauferstehung dieses Renners kam, muss unbedingt erzählt werden.

Anfang der 60er-Jahre behakten sich Aston Martin und Ferrari im Rennsport, dass es eine Freude war. Am Steuer der britischen Boliden jener Zeit saßen tollkühne Männer wie Jim Clark, Graham Hill und Roy Salvadori. Sie sollten den konkurrierenden Ferrari 250 GT Berlinetta zeigen, wo der sprichwörtliche Hammer hängt. Doch die 250er-Ferrari mit ihren drei Liter großen V12-Triebwerken und wenigstens 280 PS waren so genannte SWB-Versionen (short wheel base), also relativ kurze, dazu gewichtsoptimierte und nur 1120 Kilogramm leichte Geschosse, denen schwer beizukommen war. Deshalb bekam der Aston Martin GT ein spezielles Konditionstraining, und Schleifer vom Dienst war kein Geringerer als Gianni Zagato, der sich in Mailand als Konstrukteur automobiler Siegertypen längst einen Namen gemacht hatte.

Das Ergebnis dieser Zusammenarbeit war der DB4 GT Zagato, der auf der London Motor Show 1960 als Prototyp vorgestellt wurde. Insgesamt 20 aus England angelieferte Chassis gingen durch die Hände Zagatos, der das Gewicht jedes einzelnen Exemplars durch die Verwendung extrem dünner Aluminiumbleche um 148 Kilo senkte. Aus heutiger Sicht hätte der Italiener die goldene Ehrennadel der Weight Watchers verdient. Die dünne Leichtmetallhaut ist ein weiterer Grund, dem Aston mit Respekt zu begegnen. Man muss keine Strommasten fällen, um das betörend geformte Blech zu deformieren.

Vielleicht waren seine Lenker deshalb auch ein bisschen zu vorsichtig, als sie vor 45 Jahren mit den ersten Zagato GT ins Duell mit Ferrari geschickt wurden und nur bescheidene Resultate einfuhren. Unter der langen Haube steckte anfangs ein 3,7 Liter großer Reihensechszylinder, der von drei Weber-Doppelvergasern versorgt wurde. Exakt 314 PS gab das für die damalige Zeit mit 9,7:1 extrem hoch verdichtete Triebwerk bei 6000 Umdrehungen ab. Gleich zwei Zündkerzen pro Brennraum machten dem bärenstarken Aggregat Feuer.

Doch der große Durchbruch blieb den Aston Martin DB4 GT Zagato dennoch verwehrt. Die aufwändige Technik zeigte sich etwa bei den 24 Stunden von Le Mans zu anfällig. So hätte nicht viel gefehlt und dieses Prachtstück wäre für immer zu den Akten gelegt worden. Einem ehemaligen Aston Martin-Ingenieur verdanken wir die Wiederauferstehung des Wunderwerks. Richard Williams, selbst Besitzer eines Zagato, regte 1989 die so genannte Sanction-II-Reihe an. Gianni Zagato und Aston Martin-Chef Victor Gauntlett unterstützten die Wiederauflage von vier DB4 GT Zagato der Neuzeit.

Zagato selbst machte klar, was sich da in Mailand auf jeden Fall verbieten würde: "Das Wort Replika ist in diesem Zusammenhang völlig unangebracht." Techniker und Karossiers bauten das Rennwagen-Quartett buchstäblich von Hand auf. Als Antriebsquelle kam allerdings ein modernisiertes Sechszylinder-Aggregat mit 4,2 Liter Hubraum und 352 PS zum Einsatz. "Kraft macht keinen Lärm. Sie ist einfach da und wirkt", notierte Albert Schweitzer einst. Das gilt zumindest für die Startphase des dicken Sechszylinders: Ein Dreh am filigranen Zündschlüssel lockt den trägen Anlasser nicht nennenswert aus der Reserve. Ruckelnd und bockend wacht das 352 PS starke Eisenpaket eine halbe Ewigkeit lang widerstrebend auf. Die Kolben verfallen in ein widerwilliges Auf und Ab. Wer jetzt das Gaspedal zu fest tritt, ersäuft die ganze Pracht mit teurem Sprit und darf zu Fuß gehen. Also, mehr Gefühl bitte. Doch wenn der Aston erwacht, wird der Landkreis um den Schlaf gebracht. Mit erreichter Betriebstemperatur hämmert der von zwei putzigen Schalldämpferchen gedeckelte 4,2-Liter ohrenbetäubende Schalldruck-Kaskaden in die Landschaft, die sich bis in den Brustkorb spüren lassen. Ferrari, wo habt ihr euch versteckt?

Den DB4 GT Zagato mit der Chassis-Nummer 0198 kaufte sich übrigens 1991 Tony Smith - der Manager des Rockballaden-Großverdieners Phil Collins. Er befindet sich heute in privater Hand in Deutschland, über die Kaufsumme ist nichts bekannt. Ausfahrten mit dem grünen Flachmann sind schon wegen der raren Ersatzteile selten und halsbrecherische Privatrennen à la Malibu ohnehin tabu. Stefan Miete

Inhaltsübersicht

Autos im Test

Aston Martin DB4 GT Zagato

PS/KW 352/259

0-100 km/h in 8.00s

Heckantrieb, 4 Gang manuell

Spitze 250 km/h

Preis 1.200.000,00 €