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Faszination: Mit dem Klassiker BMW 503 Coupé in der Toskana

Arrivederci Albrecht

BMW 503 und 507 zählen zu den großen Würfen des Designers Albrecht Graf von Goertz – und beinahe brachen die V8-Modelle BMW das Genick. Eine Ausfahrt in der Toskana im 503 Coupé. Faszination

Schlechtes Gewissen. Man scheucht keinen Viertelmillion-Euro-Klassiker durch die Toskana, als sei es ein Nachsaison-Angebots-Mietwagen. Über den Hügeln zirpt die Lerche irgendwas von Puccini, Zitronenfalter taumeln in romantischer Verzückung durch die Kräuter, ein Trupp Säulenzypressen steht für den Katalog des toskanischen Tourismus-Verbandes stramm. Die eben noch so ungehobelt durch die Ausläufer des Appennin zuckende Straße wandelt sich einer Laune des örtlichen Straßenbauamts folgend gerade jetzt zum topfebenen, supergriffigen Renn-Layout: Lyrik in Asphalt, sehnsuchtsvoll in die Wiesen gefräste Kurven.

Faszination BMW 503 Coupé: Ausfahrt durch die Toskana

Wenn wir dem BMW 503 Coupé in diesem Leben wenigstens einmal die Chance geben wollen, einen 507 Roadster zu verblasen, dann jetzt: Zügel frei für alle 140 Pferde. Der 3,2-Liter-V8 legt sich mit furiosem Halali ins Zeug, die Nadel des Drehzahlmessers pendelt verstört zwischen 5000 und Feuerrot, hier oben war sie vermutlich schon das eine oder andere Jahrzehnt nicht mehr.

Ein paar Meter weiter vorne fegt ein schneeweißer BMW 507 immer höchstens eine Handbreit neben der Ideallinie dahin. Die langen, silbernen Wedel der Gräser am Straßenrand tanzen in der Fahrtwind-Wirbelschleppe, vollziehen eine glitzernde Verneigung und bäumen sich dann in der Druckwelle wieder auf. Das ist wunderschön anzusehen – und auch anzuhören.

Aus dem langen, abstehenden Auspuff des 507 grollt ein kerniger V8-Bass, dunkles Brodeln beim Anbremsen der Kurven, hartes Hämmern auf den Geraden, ständige Erinnerung an die souverän anschiebenden 150 PS des 507. Zehn PS weniger, knapp 200 Kilogramm mehr Gewicht – auf dem Papier hat unser  großes,  dunkelrotes 503 Coupé keine Chance gegen den kompakteren Roadster.

Und zugegeben: Der 503 ist bei weitem nicht so hinreißend erotisch wie sein zweisitziger Bruder, das weinrote Coupé wirkt im Vergleich regelrecht brav und gutbürgerlich. Eine aufrecht stehende, schmale BMW-Niere zwischen hervorstehenden Rundscheinwerfern; die Lufteinlässe links und rechts der Zusatzscheinwerfer machen auf Clark Gable-Schnauzbart. So sehen zartbesaitete Feingeister aus: elegant, adrett, ein Luxus-Coupé mit Einstecktuch.

Aber der Fahrer des 507 Roadster rechnet nicht mit unserem Angriff, er kennt den versteckten Groll nicht, den ein 503 gegen den glamourösen 507 hegen muss: Beide Fahrzeuge wurden Mitte der 1950er-Jahre vom inzwischen legendären Designer Albrecht Graf von Goertz gezeichnet. Während der 507 aber in einem wahren Durchmarsch zur Ikone des Münchener Automobilherstellers wurde, blieb dem Coupé ein undankbarer zweiter Platz. Selbst die süßlich geschwungenen Barockengel der 501/502-Baureihe erhielten oft mehr Aufmerksamkeit als der klar und modern gezeichnete 503.

Und immer wenn dann die Rede auf das Drama von 1959 kommt, demzufolge die hoffnungslos überteuerten Luxus-V8-Automobile der damaligen BMW-Modellpalette alle Schuld am Beinahe-Aus der Marke haben sollten, wird der 507 ganz selbstverständlich ausgenommen. Zeitlose Schönheit hier, Elvis Presley dort – das ärgert den 503 schon seit langem!

Dass der Roadster dann aber auch noch direkt bei BMW gefertigt wurde, er selbst aber „nur“ bei Baur im schwäbischen Ausland, schlägt dem Fass den Boden aus. Er will Genugtuung. Und zwar jetzt! Über alle vier Räder schiebend, quietscht das Coupé mit aller Macht hinter dem 507 her.

>> Hier geht's zu Teil 2 und den technische Daten

Johannes Riegsinger