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Italienische Reise

Audi 100 Coupé S und Opel GT

Audi 100 Coupé S | Opel GT
Audi 100 Coupé S und Opel GT

Audi 100 Coupé S und Opel GT

Als 1969 die AUTO ZEITUNG startete, waren Italien und der Gardasee bei den Deutschen ebenso angesagt wie die Titelhelden der ersten Ausgabe: der Opel GT und das kommende Audi 100 Coupé S

"Wie sehr wünschte ich meine Freunde einen Augenblick neben mich, dass sie sich der Aussicht freuen könnten, die vor mir liegt!“

Wir wissen nicht, ob die Begeisterung, die Johann Wolfgang von Goethe am 12. September 1786 beim Anblick des Gardasees während seiner „ItalienischenReise“ empfand, die Initialzündung für die Liebe der Nachkriegsdeutschen zur Apennin-Halbinsel war. Tatsache ist, dass unzählige Urlaubstouren der anfangs noch bescheiden motorisierten Deutsche das oberitalienische Gewässer zum Ziel hatten. Der Gardasee war über die Jahre hinweg Inbegriff der Sehnsucht nach dem Dolce Vita – besonders nach der Zeit der großen Entbehrungen.

Genießen! Das war es, was die Deutschen in den ausgehenden 60ern auch beim Autofahren wollten. Schließlich erntete man die Früchte des Wirtschaftswunders, da durften Autos für breitere Bevölkerungskreise nicht nur Fortbewegungs-, sondern auch Genussmittel sein.

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Als „Audi Sport“ kündigte die erste Deutsche AUTO ZEITUNG am 10. April 1969 das Coupé auf Basis der 100er Limousine an, bevor es 1970 auf den Markt kam. Und in der gleichen Ausgabe musste sich auch der schon 1968 erschienene Opel GT in einem Test bewähren.

Heute, 40 Jahre später, parken dank der freundlichen Teams von Opel Classic und Audi Tradition zwei Exemplare dieser Typen im Topzustand einträchtig nebeneinander und sind bereit für eine gemeinsame Ausfahrt.

Das Audi 100 Coupé S nimmt – wohlproportioniert mit kantigen Formen, Doppelscheinwerfern, leichtem Hüftschwung in der Gürtellinie und Kiemen in der C-Säule – spürbare Anleihen am italienischen Gran-Turismo-Design. Verchromte und geschraubte Fensterrahmen vermitteln automobilen Wohlstand, und die Echtholz-Intarsien im Innenraum fordern nach dem behandschuhten Herrenfahrer am spindeldürren Volant.

Das Raumangebot des zwischen 1970 und 1976 gut 30 000 Mal gebauten Coupés ist selbst für heutige Verhältnisse üppig. Der Preis zur Markteinführung in Höhe von 14 400 Mark war es ebenfalls – er lag fast dreimal so hoch wie der für einen 1300er Käfer!

Da ist der Opel von ganz anderem Charakter: 28 Zentimeter kürzer, 17 Zentimeter schmaler und knapp zwölf Zentimeter niedriger als der Audi, erschien er den Testern schon 1969 als „konsequent gebauter Sportwagen, ein harter Spaß für harte Männer“. Er rollte bis 1973 über 103 000 Mal vom Händlerhof – nicht zuletzt dank seines relativ volkstümlichen Preises von 11 877 Mark für den großen 1,9-Liter mit 90 PS.

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Der 1,1-Liter mit 60 PS kostete 10 767 Mark. Die lange Haube, das Stummelheck und die mit einem lauten „Klaklong“ spektakulär ausfahrenden Klappscheinwerfer lassen Design-Parallelen zu der ab 1968 gefertigten C3-Version der amerikanischen Sportwagen-Legende Corvette erkennen.

Im GT-Innenraum geht es deutlich beengter zu als im Audi: Zwei schmale Sitze – Tuchfühlung mit Beifahrer(in) nicht ausgeschlossen – und eine nur von innen zugängliche Ablage dahinter müssen reichen, auf eine Heckklappe wurde aus Stabilitätsgründen verzichtet. Die Batterie von Zusatzinstrumenten im schwarzen Armaturenbrett verkörpern stilechte Rasanz aus Rüsselsheim, deretwegen sich einst Millionen von Kindernasen staunend an denSeitenfenstern plattdrückten.

Unter der mit einem Powerdome bewehrten GT-Haube werkelt der 1,9-Liter-Motor aus dem Rekord, er liefert 90 PS an die Hinterachse. Das reichte damals für 184 km/h und für 11,1 Sekunden von null auf Tempo 100. Für 100 Kilometer benötigte man rund 10,5 Liter Super. Der Motor ist zwar kein Ausbund an Elastizität, lässt aber dennoch einen zügigen Fahrstil zu, und das Vierganggetriebe verlangt nach einer kräftigen Schalthand. Im Kurvengeschlängel rings um den Gardasee kommen dem GT seine überschaubaren Abmessungen und das geringe Leergewicht von nur 940 Kilogramm entgegen. Hier kann man mit dem Opel trotz fehlender Servolenkung leichtfüßig Haken schlagen.

Da muss der Pilot im 160 kg schwereren Audi schon mehr arbeiten. Die großen Lenkwinkel, das sehr komfortable, aber mehr Karosseriebewegungen verursachende Fahrwerk und die üppigeren Abmessungen tun ihr Übriges. Motorseitig ist der Audi dem Opel dagegen klar überlegen. Statt 115 PS wie zur Markteinführung besitzt unser optisch nach wie vor unverändertes 1973er Modell den abgasoptimierten, laufruhigen 1,9-Liter-Motor mit Einfachvergaser und 112 PS.

Noch heute ist er ein Muster an Elastizität: Im vierten Gang sauber aus 40 km/h beschleunigen? Kein Problem. 185 km/h Höchstgeschwindigkeit waren drin, die 100-km/h-Marke fiel laut Werk nach 11,5 Sekunden, der Verbrauch lag bei 13,5 Liter Super auf 100 Kilometern.

Trotz der verschiedenen Charaktere der beiden lässt es sich hier wie dort treffl ich zeitreisen, während der typische Duft alter Autos – ein Gemisch aus Öl, Benzin, angejahrten Kunststoffen und Polstern – von einem ganzen Autoleben erzählt. Dank der großzügigen Verglasung zieht das herrliche oberitalienische See- und Bergpanorama wie ein Film an einem vorbei. Und bei geöffnetem Seitenfenster kann man fast zugfreie Kühlung genießen oder in den Tunnels der Uferstraße Auspuffklängen lauschen, wie sie heute nur noch Sportauspuffanlagen zustande bringen.

Egal ob Audi 100 Coupé S oder Opel GT – wir wissen nicht, wieviele von ihnen tatsächlich die Straßen rings um den Gardasee unsicher machten. Wahrscheinlich werden sich aber die Fahrer ihre Freunde neben sich gewünscht haben. Ganz im Sinne Goethes.

Autos im Test


Audi 100 Coupé S und Opel GT
Audi 100 Coupé S
PS/KW 111/82
0-100 km/h in 11.50s,
Vorderrad, 4 Gang manuell
Spitze 185 km/h
Preis k. A.
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Audi 100 Coupé S und Opel GT
Opel GT
PS/KW 90/66
0-100 km/h in 11.10s,
Vorderrad, 4 Gang manuell
Spitze 184 km/h
Preis k. A.
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