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Aston Martin DB9 Volante
Aston Martin DB9 Volante
Aus AUTO ZEITUNG 15 / 2005
Die offene Version des DB9 garantiert Luftfahrt erster Klasse. Schon der Blick ins Cockpit des Zwölfzylinder-Cabrios ist ein Aha-Erlebni
| Eckdaten | |
|---|---|
| PS-KW: | 457 PS (336 kW) |
| Antrieb: | Heckantrieb, 6 Gang Automatik |
| 0-100 km/h: | 5.20 Sekunden |
| Höchstgeschwindigkeit: | 265 km/h |
| Preis: | 162000 € |
Sein Name ist Martin. Aston Martin. So oder so ähnlich beginnen viele Geschichten über die berühmten Sportwagen aus der Manufaktur in Warwickshire. Klar, die Erwähnung jenes Bond, der vorn James heißt, gibt dem Thema die gewisse Prise Britishness. Wie Martin allerdings an Aston geriet, ist viel interessanter. Nach dem ersten Weltkrieg gründeten die Herren Lionel Martin und Robert Bamford nahe London eine Automobilwerkstatt. Martin nahm in der Grafschaft Hertfordshire erfolgreich am Bergrennen von Aston teil. Das freudige Ereignis wurde, aus ehrlichem Stolz, kurzerhand im Markennamen verewigt.
Längst ist Aston Martin selbst ein Teil des britischen Wesens, das aus deutscher Sicht ohne Himalaya Darjeeling, Manchester United oder Adelsnamen wie Lord Ackenthorpe of Fortescume irgendwie unvollkommen wäre. Die Finanzkraft eines Blaublüters wünscht man sich beim Blick in die aktuelle Preisliste. In Gestalt des zwölfzylindrigen, 457 PS starken DB9 Volante steht dort nämlich ein begehrenswerter, aber auch herzhaft kalkulierter Traum auf Rädern. Wer die geöffnete Version eines der schönsten Gran Turismo der Welt mit nach Hause nehmen möchte, muss sich von 162 000 Euro trennen können.
Die Trennung würde sich lohnen, soviel ist sicher. Auf jedem Zentimeter – sorry: Inch – seiner ganz aus Aluminium gefertigten Karosserie stellt der offene DB9 viel Kraft und Eleganz zur Schau. Dabei steht er, wie das auf der IAA 2003 vorgestellte Coupé, stilistisch in der Tradition des Aston Martin-Boliden Vanquish. Unter den Schwingen des Markenzeichens giert eine mächtige Kühlermaske nach Frischluft.
Der Volante kauert flach auf dem Asphalt. Hinter der breiten Front mit ihren ausgestellten Kotflügeln verjüngt sich der Wagenkörper im Bereich der beiden Türen. Eine echte Wespentaille also, zumal das Heck wiederum kräftig in die Breite geht. Die Rücklichter haben die Form langer Leuchtenbänder und sind wahrscheinlich jene Bauteile, die Autobahnmitbenutzern am ehesten in Erinnerung bleiben, wenn ihnen ("Was war das denn für einer"?) ein "Dee-Bee-Nine" enteilt ist. Wer länger Zeit zum Betrachten hat, der registriert dankbar, dass der Volante potent ist – aber niemals protzig wirkt.
Diese stilistische Balance zwischen Sein und Schein setzt sich auch im Innenraum fort. Von einem mächtigen Mitteltunnel getrennt, nehmen Fahrer und Beifahrer auf feinst belederten Sportsitzen Platz, während der Blick auf ein Cockpit fällt, das vor allem aus einem großen Posten Leichtmetall besteht. Aus ihm ließen die Aston-Designer eine Uhrensammlung herausarbeiten, die auf extrem moderne Art prachtvoll wirkt. Dass die Ziffern von Tachometer und Drehzahlmesser bei Tageslicht kaum zu erkennen sind, weil das Alu kolossal blendet: so what! Ein Blick auf die assistierende Digitalanzeige hilft. Handwerkliche Finesse durchzieht das DB9-Interieur von vorn bis hinten. Für schnödes Hartplastik ist da kaum Platz. Die einzige Ausnahme ist der automatisch ausfahrende Navi-Bildschirm – er sieht aus, als habe sich Mister Bean in eine Modelagentur verirrt.
Ein kurzer Druck auf den Startknopf dient als Weckruf in Richtung Maschinenraum, wo unter fulminantem Bollern jener 6,0-Liter-Zwölfzylinder erwacht, der – in unterschiedlichen Leistungsstufen – auch in anderen Aston Martin-Modellen für gewaltigen Vortrieb sorgt. Die Art, wie er seine Leistung entfaltet, ist tief beeindruckend. Denn schon bei 1500 Umdrehungen pro Minute, also im Drehzahl-Souterrain, stehen 490 Newtonmeter oder umgerechnet rund 80 Prozent des maximalen Drehmoments bei Fuß. Gangwechsel überlässt der Fahrer entweder komplett der geschmeidig arbeitenden Sechsstufen-Automatik oder er erledigt sie über Schaltwippen am Lenkrad. Die Bedienung der Getriebeautomatik erfolgt über Tasten im Armaturenbrett. Mit so viel Dampf unter der Haube werden Überholmanöver zu flüchtigen Momenten.
Sobald das Gaspedal in Bodenkontakt tritt, staucht der Volante selbst rüstig motorisierte Sportlimousinen unter volltönendem Trompeten aus den zwei Endrohren auf Rennpappen-Niveau zusammen. Der Standardsprint von null auf 100 km/h ist nach 5,2 Sekunden ein Fall für die Akten. Allerdings legt der kräftige Angelsachse dabei Trinksitten an den Tag, die nur englischen Fußballfans Respekt einflößen. Im Mittel pumpt er 16,5 Liter Sprit durch die Einspritzdüsen. Dafür entschädigt der Volante mit bestechend präzisem Fahrverhalten.
Die direkte, nicht zu leichtgängige Lenkung und die gekonnte Fahrwerksabstimmung lassen das hohe Lebendgewicht von 1930 Kilogramm auf kurvigen Strecken schnell vergessen. Auch die Freunde gediegenen Fortkommens kann der offene DB9 begeistern, ist seine Federung doch weniger auf Krawall gebürstet, als es das überaus agile Fahrverhalten vermuten lässt. Und wenn er in nur 17 Sekunden vollautomatisch die Stoffmütze vom Kopf gezogen hat, verwöhnt der Aston mit einer weitgehend zugfreien Offenheit, die auf der Autobahn für besondere Erlebnisse sorgt.
Beim Blick in den Rückspiegel wirkt die Horde der am Anschlag fahrenden Familienkombis wie ein Ausflug des "Wir fahren nur im zweiten Gang"-Clubs. Wie sagen sie drüben in Warwickshire so schön? "Freiheit ist nicht, seine Grenzen zu kennen, sondern zu spüren, dass man keine hat." Kluge Briten! Stefan Miete
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Autos im Test
Aston Martin DB9 Volante
PS/KW 457/336
0-100 km/h in 5.20s,
Heckantrieb, 6 Gang Automatik
Spitze 265 km/h
Preis 162000 €
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0-100 km/h in 5.20s,
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