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01.12.2006
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Platz für fünf Personen, Stauraum für das ganz große Urlaubsgepäck oder den Ikea-Karton in XXL, gepaart mit einer gehörigen Portion Prestige, ansprechenden Fahrleistungen und einem Maximum an Sicherheit zu fairen Tarifen: die Oberklasse-Kombis BMW 520d Touring und Mercedes E 220 CDI T-Modell im spannenden Duell

Mit dem gerade vorgestellten Facelift will Mercedes der E-Klasse mehr Dynamik verleihen. Optisch weist lediglich die aggressiver gestaltete Frontschürze auf dieses Ziel hin. Technisch sollen die auf 170 PS (bisher 150 PS) gestiegene Leistung des 220 CDI sowie das Fahrwerk mit dem so genannten "Direct Control"-Paket für spürbar mehr Schwung in den Hüften sorgen. Leiden darunter jetzt die nützlichen Tugenden des T-Modell getauften Kombis? Und: Wie steht es jetzt um den Komfort? Antworten auf diese Fragen liefert der direkte Vergleich mit dem für seine Fahrdynamik bekannten Wettbewerber aus München, dem BMW 5er. Als 520d Touring hat auch er einen Vierzylinder-Diesel unter der Haube, der es mit 163 PS beinahe auf dieselbe Leistung bringt. Zudem trumpft auch diese Kombi-Version mit einem großzügig bemessenen Frachtabteil auf.

 

Karosserie

Im Heck des BMW gibt es 500 bis 1650 Liter Ladevolumen. Wahrlich nicht wenig, doch der Mercedes ist schlicht größer. Sein Frachtabteil (690 bis 1950 Liter) schluckt mindestens zwei Koffer zusätzlich. Wer den maximalen Stauraum ausnutzen will, muss darüber hinaus feststellen, dass sich im BMW kein glatter Ladeboden ergibt, weil die vorgeklappten Lehnen der Rückbank schräg auf den Sitzflächen aufliegen. Im Mercedes falten sich die Polster hingegen so ineinander, dass eine topfebene Fläche entsteht. Beide Transporter haben zudem serienmäßig Gepäcktrenn-Netze und Laderaumrollos. Separate Staufächer im Ladeboden sind ebenfalls Standard. Einen Skisack muss der Kunde hier wie dort extra bezahlen, das gilt auch für die diversen Laderaum-Nützlichkeiten: Wannen, Gurte, Netze, Matten, Befestigungen – das Zubehörsortiment beider Hersteller ist vielfältig. Mit einer separat öffnenden Heckscheibe kann indes nur der BMW dienen, eine Zusatzbank entgegen der Fahrtrichtung offeriert dagegen nur der Mercedes-Händler. Diese taugt allerdings lediglich als Notlösung, da die Passagiere in der dritten Reihe höchstens 1,4 Meter groß und 40 Kilogramm schwer sein dürfen. Schade: Der nach vorn umklappbare Beifahrersitz ist mit dem Facelift aus der Ausstattungsliste gestrichen worden. Die bei Kombis beliebte Dachreling zählt beim E-Benz zur Grundausrüstung, beim 5er-BMW kostet sie 250 Euro zusätzlich. Die erlaubten Anhängelasten liegen bei 1800 Kilo (BMW) und 1900 Kilo (Mercedes). Wer die E-Klasse mit der aufpreispflichtigen fünf-stufigen Automatik ordert, darf wegen des höheren Anfahrmoments sogar 2100 Kilo ziehen. Wie intensiv sich die Entwickler bei BMW und Mercedes dem Insassenschutz widmen, belegt die umfangreiche Sicherheitsausstattung: Neben den klassenüblichen Dingen tauchen in der BMW-Preisliste auch Details wie Isofix (Beifahrersitz), Abstandsregelung, Nachtsicht-Kamera, Fernlichtassistent und Head-up-Display auf. Mercedes bietet seinen Kunden ebenfalls die optionale Abstandsregelung an. Ferner gibt es Intelligent Light (Kurvenlicht mit erweiterten Funktionen und variabler Ausleuchtung), Feuerlöscher und integrierte Kindersitze. Presafe ist in der gelifteten E-Klasse stets an Bord, aber für Isofix-Befestigungen sind immer noch 58 Euro Aufpreis fällig. Übrigens: Den 220 CDI gibt es nicht mit Runflat-Pneus oder Breitreifen, weil er nur mit der Basisbereifung die Euro-4-Grenzwerte einhält. BMW liefert die Notlaufräder gegen Aufpreis – ohne Verlust der Schadstoffklasse.

KarosserieMax. PunkteMercedes E 220 CDI T-ModellBMW 520 d Touring
Raumangebot vorn1008079
Raumangebot hinten1008085
Übersichtlichkeit706364
Bedienung/ Funktion1007665
Kofferraumvolumen1008771
Variabilität1004529
Zuladung/ Anhängelast803636
Sicherheit150119114
Qualität/ Verarbeitung200182177
Kapitelbewertung1000768720

 

Fahrkomfort

Beide Edel-Laster haben ab Werk luftgefederte Hinterachsen samt Niveauregulierung, das getestete T-Modell besaß sogar rundum Luftfedern (Airmatic DC, 1160 Euro). So ausgerüstet verdauen die Großkombis klaglos die volle Zuladung. Weder Fugen noch Kanaldeckel oder extreme Bodenwellen locken die Fahrwerke aus der Reserve und lassen die Federung durchschlagen. Insgesamt rollt der Mercedes jedoch erheblich geschmeidiger ab als der BMW, der mit aufpreispflichtigen Breitreifen bestückt war (245/45 R 17, 950 Euro). Die kommoden Sitze und das angenehme Klangbild runden den guten Eindruck des E 220 CDI ab. Leise ist der 520d zwar auch, doch seine serienmäßigen Sitze können nicht voll überzeugen: Es mangelt ihnen an Seitenhalt und Schulterunterstützung.

FahrkomfortMax. PunkteMercedes E 220 CDI T-ModellBMW 520 d Touring
Sitzkomfort vorn150130109
Sitzkomfort hinten1007888
Ergonomie150112110
Innengeräusche503736
Geräuscheindruck1007774
Klimatisierung504242
Federung leer200160145
Federung beladen200160140
Kapitelbewertung1000796744

 

Motor und Getriebe

Wer angesichts der Basis-Diesel mit einem Leistungsmangel rechnet, ist bereits nach wenigen Kilometern angenehm überrascht. Besonders der CDI-Motor gefällt mit kräftigem Durchzug bei sehr günstigen Verbrauchswerten (7,6 Liter im Test). Außerdem laufen beide Vierzylinder dank Common-Rail-Einspritzung und Ausgleichswellen so kultiviert, wie es Oberklasse-Kunden erwarten. Der Motor im 5er benötigt etwas mehr Kraftstoff (8,1 Liter), beschleunigt verhaltener und zeigt eine leichte Anfahrschwäche. Dafür brilliert er mit Drehfreude sowie seinem knackigen Sechsgang-Getriebe. Gegen Aufpreis lässt sich übrigens das Tankvolumen des Mercedes auf 80 Liter erhöhen, womit die durchschnittliche Reichweite auf 1053 Kilometer anwächst.

Motor und GetriebeMax. PunkteMercedes E 220 CDI T-ModellBMW 520 d Touring
Beschleunigung150138131
Elastizität100
Höchstgeschwindigkeit1508888
Getriebeabstufung1008993
Kraftentfaltung503634
Laufkultur1006668
Verbrauch325164159
Reichweite253633
Kapitelbewertung1000617606

 

Fahrdynamik

Das überarbeitete Mercedes-Fahrwerk erlaubt nun spürbar höhere Kurvengeschwindigkeiten, die E-Klasse lenkt agiler ein als frühere Modelle. Daraus resultieren flotte Rundenzeiten im Handling-Test. Trotz ausgeprägter Seitenneigung eilt das T-Modell zudem recht schnell um die Slalom-Pylonen. Dennoch erreicht es nie jene Leichtfüßigkeit und Agilität, die den 520d Touring auszeichnen. Gegenüber vorangegangenen Tests auf Serienrädern (s. Heft 10/2006) dominiert dieser BMW das Dynamik-Kapitel. Die optionalen 245er-Reifen harmonieren prächtig mit dem Auto. Der Kombi lenkt so präziser, ist schneller und beweglicher, baut mehr Traktion auf und bremst bissiger. Nur wer die Fahrdynamikkontrolle ganz außer Funktion setzt, muss im Extremfall fahrerisches Talent beweisen und ein ausbrechendes Heck bändigen. Dafür wird er mit sportlichem Fahrverhalten belohnt.

FahrdynamikMax. PunkteMercedes E 220 CDI T-ModellBMW 520 d Touring
Handling1508488
Slalom1004756
Lenkung1007884
Geradeauslauf504440
Bremsdosierung301521
Bremsweg kalt150128138
Bremsweg warm150127133
Traktion1004550
Fahrsicherheit150130123
Wendekreis20139
Kapitelbewertung1000711742

 

Umwelt und Kosten

Selbstverständlich lassen sich die Hersteller all die guten Eigenschaften ihrer Autos entsprechend bezahlen. Billig ist weder der BMW noch der Mercedes. Doch der Touring kann für sich reklamieren, das preiswertere Auto zu sein. Anschaffung, Wertverlust, Unterhaltskosten – rein wirtschaftlich spricht alles für den 5er. Der günstigere Verbrauch des E 220 CDI verschafft ihm bei 20000 Jahreskilometern gerade einmal einen Vorteil von rund 100 Euro.

Kosten/UmweltMax. PunkteMercedes E 220 CDI T-ModellBMW 520 d Touring
Bewerteter Preis675309319
Wertverlust504550
Ausstattung254848
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung502714
Werkstattkosten203943
Steuer102628
Versicherung403737
Kraftstoff553937
Emissionswerte257880
Kapitelbewertung1000648656

 

Fazit

Das Mercedes E 220 CDI T-Modell geht aus diesem Test nicht nur als der bessere, weil praktischere Kombi hervor, sondern ist auch das insgesamt bessere, weil harmonischere Auto. Der Benz überzeugt mit seinem laufruhigen, kräftigen und sehr sparsamen Motor. Zudem zeigt die jüngst geliftete E-Klasse mehr Dynamik – ohne Einbußen im Komfort. Respekt. Der BMW 520d Touring macht als Transporter eine weniger überzeugende Figur. Er tut sich dafür auf der Handlingstrecke als sportlich-agiles Auto hervor und ist sowohl in der Anschaffung als auch im Unterhalt das preiswertere Fahrzeug. Als geräumige und bequeme Familien-Reiseautos eignen sich beide Kandidaten ganz hervorragend.

Gesamtbewertung

Max. PunkteMercedes E 220 CDI T-ModellBMW 520 d Touring
Summe500035403468
Platzierung12

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