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Toyota Volta Giugiaro - Unter Strom

Unter Strom

Wenn diese Vision wahr wird, hält die Zukunft des Sportwagens einige Überraschungen für uns bereit: Die Giugiaro-Studie Toyota Volta hat nur sechs Zylinder und kein Schaltgetriebe, aber im Gegenzug drei Sitze

Eckdaten
PS-kW408 PS (300 kW)
AntriebAllradantrieb, permanent, Stufenlose Automatik
0-100 km/h4.00 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit250 km/h
Preisk.A.

Stellen Sie sich vor, Sie fahren nach England, und während Sie den Kanal überqueren, verwandeln Sie Ihr Auto in Minutenschnelle vom Linkslenker zum Rechtslenker. Stellen Sie sich weiter vor, Sie fahren mit diesem Auto in England auf eine Rennstrecke, verlegen dafür den Fahrerplatz in die Mitte des Cockpits und nehmen dann zwei "Copiloten" mit, die links und rechts von ihnen sitzen können. Das geht nicht, glauben Sie? Italdesign Giugiaro beweist Ihnen das Gegenteil. Mit dem fahrfähigen Prototypen der Studie "Toyota Alessandro Volta" soll genau das möglich sein, und Giugiaro hat noch mehr Überraschungen auf Lager: einen per Hybridtechnik gesteuerten Allradantrieb zum Beispiel. Welche technische Revolution in diesem Auto schlummert, sieht man ihm auf den ersten Blick nicht an. Der Flachmann aus Turin zeigt die klassischen Proportionen eines MittelmotorSportwagens und keinerlei radikale Design-Elemente. Der Volta stellt einen Querschnitt gängiger Schönheitsideale dar, lässt sich aber auf Anhieb keiner Marke zuordnen. "Er könnte alles sein", gibt Fabrizio Giugiaro unumwunden zu. "Wir suchten nach typischen Toyota-Merkmalen, aber wir fanden keine. Also haben wir sogar die Kühlermaske so klar und schlicht wie möglich gehalten." Natürlich hätte Giugiaro am liebsten einen Ferrari daraus gemacht. Den Nachfolger des 360 Modena zu entwerfen, wäre sein Traumjob. Aber hier ging es darum, die Idee eines dreisitzigen Sportwagens mit Hybridantrieb umzusetzen, und da erscheint jeder Gedanke an Ferrari im Ansatz absurd. Wenn ein Auto nach dem Erfinder der Batterie benannt wird, ist eigentlich klar, dass mindestens ein Elektromotor zu den zentralen Bestandteilen des Konzepts gehört. Beim Toyota Volta sind es zwei. Er übernimmt nämlich das Antriebs-Layout des neuen Lexus RX 400h. Der V6-Ottomotor sitzt bloß nicht vorn, sondern in der Mitte. Er speist über einen Generator das im Boden des Karbon-Chassis untergebrachte Batteriepaket und liefert damit Energie für zwei Elektromotoren, die Vorder- und Hinterachse antreiben. Zur Kraftübertragung sind mechanische Komponenten wie Kardanwelle und Verteilergetriebe unnötig, die Kraftverteilung erfolgt elektronisch. Bei Vollgas stehen kurzfristig über 400 PS zur Verfügung. Der Volta soll damit in vier Sekunden von null auf 100 km/h spurten können, umgekehrt aber bei ruhiger Fahrweise nur sieben Liter auf 100 Kilometern verbrauchen und abgastechnisch selbst die EU-4-Norm weit unterbieten. Er wäre sogar in der Lage, per Elektroantrieb ohne jeden Auspuffkrawall durch Tempo-30-Zonen zu rollen und damit wohl der erste umweltfreundliche Supersportwagen. Weil der Mitteltunnel fehlt, ergeben sich vollkommen neue Möglichkeiten der Innenraumgestaltung. Fabrizio Giugiaro installierte eine fest montierte, durchgehende Sitzbank mit verschiebbaren Seitenflanken und ausfahrbaren Schenkelstützen, die genug Platz für zwei Preisboxer oder auch drei zierlicher gebaute Personen bietet. Es ist nicht der erste Dreisitzer in der Familie. Fabrizios Vater, Giorgetto Giugiaro, entwarf 1968 den Bizzarini Manta. Dieses Projekt stand für den Toyota Volta Pate. Aber der Volta hat noch einen Clou, für den es kein Vorbild gibt: Der Fahrer kann sich seinen Sitzplatz aussuchen. Lenkrad, Pedalerie und Instrumente bilden einen zusammenhängenden Block, der sich in einer Führungsschiene quer über die Cockpitbreite verschieben lässt. Eine Gelenkkonstruktion in der Lenksäule macht es möglich. "Organspender" Toyota schlug eine Drive-by-wire-Lösung vor, aber Giugiaro favorisiert für den Prototypen ein selbst entwickeltes mechanisches System, "weil ein Sportwagen über die Lenkung unmittelbaren Fahrbahnkontakt vermitteln muss, und das gelingt mit der Mechanik besser", wie er erläutert. Den Instrumentenblock so kompakt zu halten, dass er mit dem Lenkrad verschiebbar ist, war eine Kunst für sich. Alle Lichtfunktionen, die Scheibenwischer, das Radio, Zündung und Starter werden über Lenkradtasten gesteuert, zwei Rundinstrumente und zwei Touch-Screen-Monitore für Klimaanlage und Navigationssystem sitzen auf Auslegern, die direkt an der Lenksäule befestigt sind. Kameras ersetzen die Rückspiegel. Was hinter dem Auto passiert, wird auf den Monitoren eingeblendet. Abgesehen vom Show-Effekt spricht die erstklassige Raumausnutzung für den Volta. Er bietet einen Sitzplatz mehr als andere Sportwagen, und im Heck bleibt Platz für ein maßgeschneidertes Kofferset. Die ausgeglichene Gewichtsverteilung und der sehr niedrig liegende Schwerpunkt sind gute Voraussetzungen für hervorragende Fahrdynamik. Im Spätsommer soll der Prototyp fahrfertig sein. Vielleicht steht danach die Sportwagenwelt unter Strom.

Inhaltsübersicht

Autos im Test

Toyota Volta Giugiaro

PS/KW 408/300

0-100 km/h in 4.00s

Allradantrieb, permanent, Stufenlose Automatik

Spitze 250 km/h

Preis k.A.