Mitsubishi i-MiEV
Mitsubishi i-MiEV - Der City Stromer
Mitsubishi i-MiEV
Aus AUTO ZEITUNG 17 / 2009
Mitsubishi i-MiEV
Ende 2010 bringt Mitsubishi mit dem i-MiEV das erste Elektroauto in Großserie auf den deutschen Markt
| Eckdaten | |
|---|---|
| PS-KW: | 64 PS (47 kW) |
| Antrieb: | Hinterrad |
| 0-100 km/h: | k. A. |
| Höchstgeschwindigkeit: | 130 km/h |
| Preis: | 34000 € |
Produktbezeichnungen, die weltweit verwendet werden, bringen manchmal Probleme mit sich: In irgendeiner der rund 6900 zur Zeit vom Menschen verwendeten Sprachen kann der Name eine unschöne oder irreführende Bedeutung haben. Gerade Mitsubishi hat in dieser Beziehung einschlägige Erfahrungen – so heißt das große SUV der Japaner im spanischen Sprachraum und in den USA Montero, weil dort Pajero zu den Wörtern gehört, mit denen man in jeder Dorfkneipe eine Schlägerei anzetteln kann.
Mit dem neuen i-MiEV drohte nicht so gravierendes, aber doch ähnliches Ungemach. Für den deutschsprachigen Raum war deshalb zunächst ein anderer Name im Gespräch. Doch jetzt zeigen sich die Japaner selbstbewusst: i-MiEV bleibt, schließlich sei das Auto der erste MiEV, der nicht müffelt.
Einführung Ende 2010
Und das ist buchstäblich so: Schließlich steht das Kürzel für Mitsubishi Innovative Electric Vehicle. Der völlig emissionsfreie i-MiEV wird Ende 2010 als erstes reines Elektroauto in Großserie auch bei uns zu kaufen sein. In Japan und in Großbritannien beginnt bereits jetzt die Markteinführung, allerdings noch in kleinen Dosen: Bis März sollen in Japan 1400 Exemplare an den Mann oder die Frau gebracht werden.
Der Elektroflitzer basiert auf dem Heckmotor-Kleinwagen Mitsubishi i, der seit 2006 in Asien im Handel ist. Dort, wo bisher ein Dreizylinder-Benziner seinen Dienst verrichtet hat, arbeitet allerdings ein Synchron-Elektromotor mit 64 PS, der die Hinterräder antreibt. Der Unterflurtank des Benziners wird durch ein Paket aus 22 Modulen mit je vier Zellen moderner Lithium-Ionen-Batterien ersetzt. Ihre Energie genügt für rund 140 km Reichweite – bei moderater Fahrweise unter Verzicht auf Fremdverbraucher wie Heizung oder Klimaanlage.
Soweit die Theorie, jetzt zur Praxis. Für die erste Fahrt im Mitsubishi i-MiEV stand uns ein rechtsgelenktes Vorserienfahrzeug zur Verfügung, das in etwa der japanischen Spezifikation entspricht. Die 3,39 Meter lange Karosserie wirkt gestreckt. Dank des relativ großen Radstands von 2,55 Metern finden bis zur vier Insassen im i-MiEV genügend Beinfreiheit vor, die Innenbreite ist allerdings recht knapp bemessen. Der Kofferraum langt einem Kleinwagen. Dafür endet der Mitsubishi gefühlt unmittelbar vor der Windschutzscheibe: Unter der winzigen Fronthaube befi nden sich im Wesentlichen nur der Behälter für die Scheibenwaschanlage und eine Unterdruckpumpe für den Bremskraftverstärker.
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Diese Pumpe ist bei Bremsmanövern auch für eines der am deutlichsten zu hörenden Fahrgeräusche verantwortlich. Ansonsten dringt nur ein leises Summen ans Ohr des Fahrers, das in Nähe der Höchstgeschwindigkeit von 130 km/h zu einem Pfeifen wird. Im Stadtverkehr gilt es, Fußgänger im Auge zu behalten: Nicht jeder nimmt das leise rollende Elektroauto rechtzeitig wahr. Zu Problemen hat das aber bei der Tour durch die Kölner City nicht geführt.
Überhaupt ist die Fahrt im i-MiEV viel normaler, als man zunächst vielleicht vermutet. Nach dem Eintritt mit einem Keyless-go- System stellt man den Antrieb per Drehknopf scharf, rückt den Wahlhebel des stufenlosen Wechselgetriebes auf D und gibt Gas, pardon Strom. Wie vom Gummiband gezogen saust der Mitsubishi los. Dank des kräftigen Drehmoments von 180 Newtonmetern, das der Elektromotor schon unmittelbar beim Anfahren zur Verfügung stellt, gehört der i-MiEV beim Ampelspurt meist zu den Siegern.
In der Stadt und auf der Landstraße mischt der kleine Japaner also durchaus munter mit. Auch auf der Autobahn blamiert er sich nicht, bei hohem Tempo leidet der Energiegehalt der Batterien aber rasant an Schwindsucht. In der Stadt, wo bei den häufigen Bremsmanövern mehr Energie zurückgewonnen wird, fällt das nicht so auf. Hier ist stundenlanges Fahren möglich, besonders wenn der Wahlhebel auf Eco ruht: Dann stehen zwar nur 24 PS zur Verfügung, der Hunger des Motors wird aber gezügelt. Für Bergfahrten gibt es zudem den Modus B für Brake, der bei Abfahrten mehr Energie zurückgewinnt und ansonsten wie eine Motorbremse wirkt.
In Japan ab 34 000 Euro
Trotz eines auf die Wünsche japanischer Kunden zugeschnittenen sehr weichen Fahrwerks ist der i-MiEV komfortabel und – bei allerdings maßvoller Beanspruchung – sicher unterwegs. Über ABS und den Schleuderschutz ESP verfügt der Mitsubishi aber nicht. In Japan ist das Elektroauto serienmäßig mit LED-Leuchten an Front und Heck sowie einem Entertainmentsystem mit Navi ausgestattet. Der Preis: umgerechnet rund 34 000 Euro. Die Tarife für Deutschland stehen noch nicht fest.
Klaus Uckrow
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