AUTO ZEITUNG.de Top-Galerien

News
Blog
Erlkönige
Ratgeber
Specials
Tests
Videos

Umfrage

Wer siegt im Neuheiten-Duell BMW gegen Mercedes?:

AUTO ZEITUNG Mobil

AUTO ZEITUNG Mobil

Für unterwegs: Das mobile Autoportal

Mit AUTO ZEITUNG Mobil haben Sie Neuheiten und Erlkönige immer griffbereit – auf Ihrem iPhone, iPod oder Android-Smartphone mehr

Soziale Netzwerke

Auto Fahrbericht Mercedes SLS AMG

Mercedes SLS AMG - Flügeltürer im Fahrbericht

Mercedes SLS AMG
Der Flügeltürer Mercedes SLS AMG mit 571 PS starkem V8 zeigt auf der Rennstrecke von Laguna Seca, was er kann
Eckdaten
PS-KW: 571 PS (420 kW)
Antrieb: Hinterrad, 7-Gang-Doppelkupplung
0-100 km/h: 3.80 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit: 317 km/h
Preis: 177310 €

Sie ist 30 Jahre jünger, ebenso attraktiv und weltberühmt: Nach der Nürburgring- Nordschleife jagt der neue Mercedes SLS AMG jetzt über die Rennstrecke von Laguna Seca, eröffnet am 9. November 1957. Auf der kalifornischen Monterey-Halbinsel in den USA gelegen, besitzt Laguna Seca nahezu Wallfahrtort-Status – nicht nur für die Amerikaner.

In den 70ern brüllten hier die großvolumigen Boliden der CanAm-Rennserie, in den 80er und 90er Jahren rückten die Indy-Car-Serie und die Motorrad- Weltmeisterschaft an. Deren Nachfolge-Meisterschaft, die MotoGP, ist dem rund 3,6 Kilometer langen Kurs bis heute treu geblieben. Ein Abschnitt, der Corkscrew- Corner, macht Laguna Seca besonders berühmt und berüchtigt: Der Asphalt der „Korkenzieher“- Kurve windet sich einen Hügel herunter und verlangt äußerst präzises Fahren.

Doch das Abenteuer beginnt schon vorher. Die kurze Anbremszone liegt direkt hinter einem Buckel und ist nicht einsehbar. Und der SLS rennt hier unbeeindruckt im fünften Gang auf den Buckel zu – obwohl die Corkscrew höchstens den zweiten Gang und einen sensiblen Gasfuß verkraftet. Doch der neue SLS hat schon auf der Nordschleife sein Potenzial gezeigt und lässt sich auch in Kalifornien nicht lange bitten.

Das brandneue Auto-Quartett der AUTO ZEITUNG:
» Die schnellsten Sport-Limousinen. Jetzt kostenlos spielen!

Das für Mercedes nahezu revolutionäre Konzept eines Sportwagens mit Aluminium-Spaceframe-Chassis, Motor-Getriebe-Anordnung in Transaxle-Bauweise und Siebengang- Doppelkupplungsgetriebe zielt auf eine Kundschaft, die weit mehr im Sinn hat als die Konkurrenten mit schierer Kraft und Beschleunigung zu beeindrucken. Der Chassis-Rohbau unter der Aluminium- Karosserie wiegt nur 241 Kilo und besteht zu vier Prozent aus Stahl.

Dieser wird besonders in den A-Säulen zur Verbesserung des Insassenschutzes verwendet. Durch den geräumigen Mitteltunnel verlaufen die Rohre der Abgasanlage und eine steife Verbindung (Torque-Tube) zwischen Motor und Getriebe. Letzteres ist direkt an die Hinterachse angefl anscht. Die Kraftübertragung übernimmt widerum eine in der Torque-Tube rotierende Kardanwelle aus Karbonfasermaterial.

GUTE PLATZVERHÄLTNISSE
Hat man einmal in den perfekt sitzenden Sportschalen Platz genommen und vorher die Flügeltüren wieder zugezogen, fühlt sich gut aufgehoben. Das Platzangebot kann sich sehen lassen, räumliche Enge verspürt man zu keiner Zeit. Wer übrigens auf eine optionale elektrische Zuziehhilfe der Flügeltüren hofft, hat mit Zitronen gehandelt. Das Gewicht der Elektromotoren im Dach stünde im krassen Gegensatz zum Entwicklungsziel, den Fahrzeugschwerpunkt möglichst tief zu halten.

Das unten abgeflachte Lenkrad mit gut erreichbaren Schaltpaddeln ist wie die Sitze optimal einstellbar. Ein Blick auf die breite Mittelkonsole, und die Spannung steigt. Hier finden sich der rote Starterknopf, der Drehregler zur Einstellung der Schaltcharakteristik (mit Schnellstart- Programm „Race Start“) und die drei Tasten für das dreistufi ge ESP, die manuelle Betätigung des Heckspoilers und eine mit AMG-Logo darauf. Letztere aktiviert das „Race Start“-Programm.

Die beiden großen Endrohre verbreiten den angenehm tiefen Sound eines V8-Saugers. Die Boxenausfahrt ist in Laguna Seca besonders lang, man fädelt sich aus Sicherheitsgründen erst nach der ersten Linkskurve in den Verkehr auf der Strecke ein. Neben dem Asphalt bedeckt Sand die Bankette, zu frühes Gasgeben endet bei komplett deaktiviertem ESP also schnell in einer riesigen Staubwolke.

Das Zusammenspiel von mechanischem Lamellen- Sperrdifferenzial und 20 Zoll großen 295er Gummis an der Hinterachse ist beachtlich, doch die Pneus sind mit den Kraftreserven des Motors auch schnell überfordert. Den SLS zunächst sorgsam auf Betriebstemperatur zu bringen, ist die klar bessere Alternative. Elf Kurven sind zu bewältigen, teilweise sehr schnell und nicht einsehbar. Die Runde auf dem Kurs beginnt mit einer zweifach geknickten Startgeraden, die zudem über einen Hügel bergabwärts zum ersten Bremspunkt führt.

Die folgende Andretti Hairpin hat es in sich, ist immer mit einer feinen Sandschicht bedeckt. Das Doppelquerlenker-Fahrwerk – ohne adaptive Dämpfer – und der lange Radstand sorgen für hohe Stabilität beim Anbremsen. Die Lenkung des Flügeltürers ohne variable Übersetzung ist in ihrer Arbeitsweise und Präzision stets einschätzbar, und die nur 19 Zoll großen Vorderräder setzen die Lenkbefehle ohne Verzögerung um.

POWER-V8 MIT 571 PS
Jetzt gilt es, in einem Dreifach- Rechtsbogen Geschwindigkeit für eine sanfte, lange Kurve aufzubauen. Die LED der Schaltanzeige zucken vor jedem Schaltvorgang (minimal 100 Millisekunden) von Grün bis Rot auf. Doch wer gelassen bis Rot Vollgas gibt, sieht sich bei über 7200 Touren schnell mit dem Drehzahlbegrenzer konfrontiert. Denn der AMG-V8 mit 6,2 Liter Hubraum tritt hier in seiner leistungsstärksten Ausbaustufe an und produziert bis zu 571 PS. Zwecks besserer Ölversorgung wurde er auf Trockensumpfschmierung umgestellt.

Weiterer Vorteil: Der V8 kommt ohne großvolumige Ölwanne aus, was eine tiefere Einbaulage des 205 kg leichten Motors ermöglicht. In 3,8 Sekunden soll der SLS auf Tempo 100 spurten, bei 317 km/h regelt die Elektronik ab. In Laguna Seca erreicht man dieses Tempo zwar nicht, doch die Jagd den Berg hinauf zur Corkscrew ist auch bei rund 190 km/h spannend genug. Blind über die Kuppe, davor einlenken und hart anbremsen – der SLS arbeitet mit der ganzen Karosserie.

Das Supersportwagen Foto-Quiz der AUTO ZEITUNG:
» Merken Sie sich, wo der passende Sportwagen steckt!

Selbst mit deaktiviertem ESP stehen beim Betätigen des Bremspedals alle Funktionen des elektronischen Rettungsankers zur Verfügung. Die S-förmige Piste des berüchtigten Korkenziehers führt bergab in eine schnelle Linkskurve. Hier macht sich die nahezu ausgewogene Gewichtsverteilung von 47 zu 53 Prozent mit einem satten Fahrgefühl bemerkbar. Der Mercedes wiegt zwar 1620 kg, verbirgt dies aber geschickt dank eines äußerst agilen Handlings.

Eine mittelschnelle Rechtskurve, kurz beschleunigen und dann voll in die Eisen vor der letzten engen Linkskehre. Auch die meistert der Super-Sportler präzise wie ein Uhrwerk. Optional gibt es übrigens eine Karbon-Keramik-Bremse – die spart 40 Prozent Gewicht gegenüber der Stahl-Variante. Dass der SLS auch anders kann, zeigt er auf den Landstraßen durch das Carmel Valley und den scheinbar endlosen Routen entlang der kalifornischen Pazifikküste, wo entspanntes und völlig stressfreies Gleiten angesagt ist.

Der V8 liefert eine geradezu betörende Geräuschkulisse. AMG ist ein ausgewogener Sportwagen gelungen, der zwar auf übertriebenen Komfort verzichtet, aber trotzdem voll alltagstauglich ist. Ein echtes Erlebnis. Holger Eckhardt

Autos im Test


Mercedes SLS AMG - Fahrbericht
Mercedes SLS AMG
PS/KW 571/420
0-100 km/h in 3.80s,
Hinterrad, 7-Gang-Doppelkupplung
Spitze 317 km/h
Preis 177310 €
mehr