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Auto Fahrbericht Fliegender Maßanzug

Maserati Granturismo

Maserati Granturismo
Ach, das können die Italiener: Verzweifelt schöne Autos bauen, Musik und Mechanik vereinen. Der neue Maserati GT ist ein Paradebeispiel
Eckdaten
PS-KW: 411 PS (302 kW)
Antrieb: Hinterrad, 6 Gang Automatik
0-100 km/h: 5.20 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit: 285 km/h
Preis: 112280 €

Vielleicht ist es gut so, dass dieses Auto nicht Mistral heißt, Ghibli oder Merak. Man vermeidet bei Maserati in jüngerer Zeit sorgfältig allzu lyrische Namensbezeichnungen, wählt stattdessen Ziffern (3200) oder schlichte Beschreibungen des jeweiligen Aggregatzustands (Quattroporte).

Dass die dazugehörigen Autos derweil immer hinreißender werden, spricht ja nur für die Taktik der Funktionalitätstaufe: Zu viel Zuckerguss wäre schließlich beinahe nicht auszuhalten. Nach dem "Viertürer" also nun der "Große Reisewagen", der "GranTurismo". Und was sollen wir sagen – es wird einfach immer schöner. Der Quattroporte darf ja bereits als die mit Abstand sinnlichste Limousine aller Zeiten gelten, ein solches Prädikat ist unter den GT ungleich schwerer zu holen.

Zu schwer wiegen die Aston Martin, Jaguar und Ferrari. Und trotzdem: Mit dem neuen Maserati GranTurismo zeigt Pininfarina der Welt wieder einmal, wie es geht. Der GT verbindet klassische Anleihen (der phänomenale, nach innen gewölbte Kühlerschlund) unkompliziert mit allermodernster Moderne (die schnörkellos gezeichneten LED-Rückleuchten) und erzählt die ganze Story auf perfekten Proportionen.

Wie es Pininfarina schafft, die Gesamtmaschine trotz aller Verwegenheit kein bisschen protzig aussehen zu lassen, sondern eher jugendlich und kompakt, das verblüfft.

Ein automobiler Sympath, kein Vergleich zu den rollenden Kontoauszügen mancher deutscher Hersteller. Zu dieser hingebungsvollen Artigkeit passt das im 2+2-Schnittmuster ausgelegte Cockpit: Statt kompromissbehafteter Enge erwartet die Insassen im Maserati GranTurismo unverkrampfte Intimität. Selbst die Fondsitze dürfen – im 2+2-Sinn – ernst genommen werden, Konkurrenten wie ein Porsche 911, BMW 6er oder Jaguar XKR haben hier fühlbar weniger zu bieten.

Nicht einmal Qualität und Funktionalität werden durch gröberen Unfug verletzt, den man aus Italien gelegentlich schon erlebt hat. Das Interieur wirkt solide verarbeitet, sämtliche Funktionen sind nachvollziehbar dargestellt und stringent zu bedienen. Großes Lob: Das Navigationssystem besticht durch sein hochauflösendes Display und Kartenmaterial von der Fest-platte. Die blitzschnellen Zugriffe auf das System machen richtig Spaß, zusätzlich können auf der 30 GB- Festplatte bis zu 180 Stunden Musik gespeichert werden.

Einziger Kritikpunkt: Die relativ breit geschnittenen Sitze vorn lassen für schlankere Fahrer den endgültigen Seitenhalt vermissen – und der wird dringend benötigt. Denn der Maserati GT ist trotz seiner Länge ein überzeugend fahraktiv ausgelegtes Auto. Einlenken, unter Zug vollstrecken – das geht wie im Rausch. Besonders in mittlere Radien schmiegt sich der GT mit Verve, die hecklastige Gewichtsverteilung kaschiert das vorn liegende Gewicht des großvolumigen Achtzylinders ausgezeichnet.

Nur in den ganz engen Serpentinen machen sich die schieren Dimensionen des großen Sporttourers bemerkbar. Ähnlich charakterstark gibt sich der Motor. Er gehört nicht zur omnipotenten Gattung moderner "Eiskalt-Allesniederwalzer", der klassische V8-Sauger leistet mit 405 PS gerade so viel, um wirklich schnelles und lässiges Fahren zu ermöglichen, wirkt dabei aber nie abgekoppelt, unterfordert oder gelangweilt.

Das automatisierte Sechsganggetriebe mit manueller Eingriffsmöglichkeit unterstützt durch gekonnt gesetzte Schaltpunkte, der sonor brodelnde V8 zaubert aus der Trickkiste der Leidenschaften. So schön. Johannes Riegsinger

Autos im Test


Maserati Granturismo
Maserati Granturismo
PS/KW 411/302
0-100 km/h in 5.20s,
Hinterrad, 6 Gang Automatik
Spitze 285 km/h
Preis 112280 €
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