Auto Fahrbericht Lexus LFA
Lexus LFA - Fahrbericht des 560-PS-Boliden
Lexus LFA
Aus AUTO ZEITUNG 23 / 2009
Lexus LFA
Lexus kann auch anders: Der neue LFA ist kein Öko-Renner, sondern ein 560-PS-Bolide für das ultimative Fahrerlebnis
| Eckdaten | |
|---|---|
| PS-KW: | 560 PS (412 kW) |
| Antrieb: | Hinterrad, 6 Gang sequentiell |
| 0-100 km/h: | 3.70 Sekunden |
| Höchstgeschwindigkeit: | 325 km/h |
| Preis: | 375000 € |
Seit neun Jahren ist Haruhiko Tanahashi für dieses ehrgeizige Projekt verantwortlich. Neun Jahre lang entwickelten er und sein Team ein Auto, das typische Lexus-Eigenschaften scheinbar über Bord wirft. Die japanische Marke steht für extrem leise, edle Automobile, gilt mitsamt der großen Mutter Toyota als Wegbereiter für den Hybridantrieb. Der LFA will dagegen nur eines – „ein Vollblut-Supersportwagen sein, der ein einzigartiges Fahrerlebnis vermittelt; ein Auto, das an Fahrdynamik kaum zu übertreffen ist“.
Die Nürburgring-Nordschleife wurde von Lexus in den letzten Jahren kurzerhand zum Testlabor erklärt. Kaum ein Sportwagen hat hier so viele Runden während seiner Entwicklung abgespult. Dazu kamen zwei Einsätze (2008/2009) mit seriennahen LFA beim 24- Stunden-Rennen auf dem Eifelkurs. In diesem Jahr startete auch der neue Toyota-Präsident Akio Toyoda unter dem Pseudonym „Morizo“ an Bord eines der beiden Renn-LFA.
ENGE VERWANDTSCHAFT
Die Unterschiede zwischen der renntauglichen Version und dem endgültigen Straßenauto sind gering. Überrollkäfig und andere sicherheitsrelevante Rennwagenfeinheiten fehlen – wie auch der riesige, feststehende Heckfl ügel. Doch selbst Details wie die Stoßdämpfer-Abstimmung sind identisch.
Unter der Fronthaube – mit einem Schlitz vorn zwecks Zuführung von Frischluft – sitzt der 4,8 Liter große und rund 200 Kilo schwere V10. Der Front-Mittelmotor verzichtet auf eine Benzin-Direkteinspritzung, dafür brauchen seine Einzeldrosselklappen nur 120 Millisekunden zur vollständigen Öffnung. Das 560 PS starke Aggregat besitzt eine Trockensumpfschmierung (13 Liter), die eine Ölversorgung auch bei Querbeschleunigungswerten von bis zu zwei g garantiert.
Das Supersportwagen Foto-Quiz der AUTO ZEITUNG:
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Bei der maximalen Drehzahl von 9000 /min oszilieren die Kolben mit einer mittleren Geschwindigkeit von 25 m/s, Pleuel und Ventile sind aus leichtem Titan gefertigt, die Ventildeckel aus Magnesium. Die Zylinderköpfe wurden in Zusammenarbeit mit Yamaha entwickelt, und auch die außerordentliche Klangcharakteristik des LFA hat Lexus mit Hilfe von Yamaha-Spezialisten aus dem Musikinstrumentenbau erreicht.
PLAYSTATION-CHARAKTER
Wer die futuristisch anmutende Pilotenkanzel entert, nimmt in zwei maßgeschneiderten Schalensitzen Platz. Das Kohlefaser-Lenkrad mit den beiden feststehenden großen Schaltwippen dahinter besitzt Playstation-Charakter. Das Cockpit-Display besteht aus einem mehrschichtigen TFT-Bildschirm mit individuellen Anzeigeoptionen. Rechts oben am Cockpitrand sitzt ein Wählschalter (vier Modi) für die Schaltcharakteristik des sequenziellen Getriebes, darunter der Drehknopf für die Schaltgeschwindigkeit (sieben Stufen; 0,2 bis 1,0 s).
Das Triebwerk spricht extrem schnell auf Gaspedalbewegungen an, auch die Schaltpaddel reagieren auf kleinste Berührungen – das verlangt anfangs Konzentration. Das steife und leichte Karbonchassis, das gekonnt straff abgestimmte Fahrwerk und die bissigen Keramikbremsen verleihen dem LFA eher den Charakter eines kultivierten Rennwagens als den eines Straßensportlers.
Der Lexus wankt kaum noch mit der Karosserie und bleibt selbst bei brutalen Anbremsmanövern auf der Rennstrecke spurstabil. Irgendwann überfordert die enorme Bremswirkung das überhitzte Reifenprofil, der LFA rutscht dann geradeaus. Doch zwei Kilometer Abkühlung reichen, um die volle Bremskraft wieder nutzen zu können.
Die Sport-Einstellung des VSC (ESP) arbeitet angenehm unauffällig und erlaubt sogar kleinere Ausfallschritte der Hinterachse. Eine VSC-Deaktivierung ist auch möglich. Der LFA flößt viel Vertrauen ein, die erreichbaren Geschwindigkeiten auf der welligen Nordschleife sind erstaunlich hoch. Chefingenieur Haruhiko Tanahashi und sein Team haben ganze Arbeit geleistet. Wermutstropfen gibt es dennoch: Nur 500 LFA wird es weltweit geben, Links- und Rechtslenker. Und: Der Supersportler kostet stolze 375 000 Euro. Holger Eckhardt

















































