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Jeep Commander 5.7 Hemi V8

Zwölf Wagen westwärts

Dort, wo John Wayne und Co. einst vor laufender Kamera für Gesetz und Ordnung sorgten, kann man vortrefflich vom rechten Weg abkommen, und zwar ganz legal. Wir haben es ausprobiert – mit einem Jeep Commander

Eckdaten
PS-kW362 PS (266 kW)
AntriebAllradantrieb, permanent, 5-Stufen Automatik
0-100 km/hk.A.
Höchstgeschwindigkeitk.A.
Preisk.A.

Eine der ersten Offroad-Touren in Amerikas wildem Westen nahm ein katastrophales Ende: Als während der großen Siedlerbewegung 1856 eine Gruppe von Mormonen als Pioniere mit ihrer Habe – auf Handkarren gestapelt – durch unwegsames Gelände Richtung Utah reiste, wurde sie vor Salt Lake City von einem vorzeitigen und sehr heftigen Wintereinbruch überrascht. Rund 200 Menschen starben.

Da sind wir heute weitaus ungefährlicher unterwegs. Anreise per Linienflug in einer Dash 800 bis Grand Junction und dann mit dem Shuttle-Bus knapp zwei Stunden zur „Sorrel River Ranch“, unserem Basislager. Von dort soll es am nächsten Morgen weitergehen – mit einem Jeep Commander durch eine zerklüftete Landschaft. Statt auf Muskelkraft und Handkarren wie einst die Pioniere können wir auf V8-Power und Allradantrieb zurückgreifen, Eiseskälte oder sengender Sonne setzen wir Heizung und Klimaanlage entgegen.

Utah ist ein wahres Offroad-Eldorado

Hier im Gebiet rund um das Wüstenkaff Moab, wo der Colorado-River träge durchs Tal fließt und sich über Jahrmillionen sein Bett in die roten Sandfelsen gefräst hat, herrschen für Offroad-Fans geradezu paradiesische Zustände: Mehr als 30 Strecken können legal befahren werden. Doch es existieren auch zahleiche abgesperrte Flächen zum Schutz der kargen Vegetation. Verbotsschilder sollten tunlichst beachtet werden, denn der Blick des Police-Officers in seinem Ford Crown Victoria am Straßenrand hat etwas seltsam Humorfreies. Auch die auf der Mittelkonsole befestigte großkalibrige Pump-Gun rät zum Verweilen auf dem Weg der Tugend.

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Die Pfade, die heutzutage Spielplätze für 4x4-Freunde sind, waren früher oft Abbau- und Versorgungswege für Uran-Vanadium- oder Kupferminen. Wobei Pfade nur die Richtung angeben und besagen, dass man schon irgendwie durchkommt. Von befestigten Wegen nach europäischem Verständnis kann keine Rede sein. Bedingungen also, unter denen die Kenntnis dessen, was Mensch und Maschine aushalten, von großem Vorteil sind. Nicht umsonst testet Jeep hier neue Allradkomponenten. Zugleich ist das Gebiet alljährlich Schauplatz der „Easter Jeep Safari“ und damit des größten Offroad-Events der Welt.

Auf diesem Terrain ist der Jeep zu Hause

Hier ist unser Commander ganz in seinem Element: Die 326 PS und 500 Nm Maximal-Drehmoment seines 5,7-Liter-Hemi-V8 reichen aus, um die 2,4 Tonnen des Offroaders beharrlich über Stock und Stein zu wuchten. Unterstützung erhalten wir von der serienmäßigen Fünfgangautomatik, die nach wie vor Mercedes beisteuert und die den Aufenthalt abseits asphaltierter Strecken statt zu einem kupplungsmordenden Unterfangen zu einem komfortablen macht.

Nicht wie im Film mit 40 Wagen westwärts, sondern in einer Kolonne von zwölf Jeeps machen wir uns auf den Weg – nicht ohne den typisch amerikanischen Sicherheitshinweis unseres Trailguides John, wonach „Fahrfehler zu ernsthaften Verletzungen führen können“. Das Ziel ist der „Fins and Things Trail“. Hier wechseln sich glatte Felspassagen mit feinsandigen Abschnitten ab. Auf Haarnadelkurven, in denen dicke Felsbrocken überklettert werden müssen, folgen Steigungen und Gefällstrecken, an denen selbst Fußgänger scheitern. Felshügel heißen hier „Baby Lion’s back“ oder „Hell’s Revenge“.

Wir erklimmen Steigungen, bei denen durch die Windschutzscheibe lediglich der blaue Himmel über Utah zu sehen ist, von der Fahrbahn aber nichts mehr. Die Schrägfahrten reichen bis an die Kippgrenze und sorgen dafür, dass uns nur die Sicherheitsgurte daran hindern, von den sofaartigen Ledersitzen zu rutschen. Dank des Allradantriebs Quadra Drive II mit seinen drei mechanisch hydraulischen Sperrdifferenzialen und der Geländeuntersetzung überwinden  wir alle Hindernisse.

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Die Fahrt gleicht der auf einer Achterbahn – bloß im Schritttempo. Unterdessen schüttelt der V8 seine Kraft lässig aus dem Ärmel, mehr als 2500 Touren sind selten nötig. Die kantige Commander-Form ist alles andere als windschlüpfig, aber hier im Gelände erleichtert sie das Handling ungemein. Schließlich kann man immer genau einschätzen, wo das Auto aufhört.

Wo der Böschungswinkel nicht ausreicht

Bodenkontakt künden. JohnZwar beträgt der vordere Böschungswinkel des Jeep 34,7 Grad, doch speziell am Ende von Gefällstrecken ist ein ganz besonders gefühlvoller Umgang mit der Bremse nötig, um allzu starke Einfederbewegungen und damit ein unweigerliches Aufsetzen des vorderen Überhangs zu vermeiden. Hinten ist der Karosserie-Überhang des Siebensitzers deutlich länger, was den Böschungswinkel auf 27,2 Grad reduziert. Daran werden wir öfters erinnert, wenn nämlich hässliche Knirschgeräusche von winkt ab: „Kein Problem, das ist ein Jeep.“

Oft kommt auch die Achsverschränkung an ihre Grenzen, etwa beim Durchqueren von Felsrinnen. Dann geht es teilweise mit zwei Rädern in der Luft nur noch im Schaukelmodus weiter. Einen kurzen Sandhang müssen wir seitlich passieren, was mit etwas Gegenlenken gelingt. Und immer wieder halten wir an, lassen die Landschaft auf uns wirken. Diese Weite, das Farbenspiel in den Felsen – hier kommt Mutter Natur im Technicolor-Breitwandformat.

Nicht nur der Jeep ist hier Hauptdarsteller

Kein Wunder, dass das Gebiet rund um Moab seit jeher auch Hollywood anzog. John Wayne, Henry Fonda oder Charlton Heston
gaben sich hier in Filmen wie Rio Grande (1950) und Warlock (1958) den Colt in die Hand. Unvergessen ist auch das Roadmovie „Thelma and Louise“, in dem sich Geena Davis und Susan Sarandon hier mit ihrem 64er Ford Thunderbird in die Schlucht stürzten. Wir dagegen vermeiden „Fahrfehler, die zu ernsthaften Verletzungen führen können“ – und fühlen uns in dieser Kulisse ebenfalls wie in einem Film.
Elmar Siepen

Inhaltsübersicht

Autos im Test

Jeep Commander 5.7 Hemi V8

PS/KW 362/266

0-100 km/h in k.A.

Allradantrieb, permanent, 5-Stufen Automatik

Spitze k.A.

Preis k.A.