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Ford Focus RS

Focus RS ist  das Sportlichste, was Ford in Europa seit langem auf die Räder gestellt hat.  Wir durften den 305 PS starken Kompakten in den Seealpen von der Leine lassen

Eckdaten
PS-kW305 PS (224 kW)
AntriebFrontantrieb, 6 Gang manuell
0-100 km/h5.90 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit263 km/h
Preis33.900,00 €

Der Parkplatz am Flughafen Nizza ist groß und prall gefüllt. Und doch blitzt schon von Weitem etwas Hellgrünes auf. Als wir näher treten, wird klar, dass sich die Reise bereits jetzt gelohnt hat, denn schon im Stand ist der Ford Focus RS eine Wucht. Vorn ein riesiger, schwarzer Schlund zur Luftaufnahme, an der Seite 19 Zoll große Walzen in breiten Radhäusern und hinten zwei nach oben geschwungene, oberarmdicke Endrohre, in denen Nachbars Kätzchen prima schlafen könnten – solange die Maschine ruht. Ein Druck auf den Startknopf in der Mittelkonsole genügt, und der Fünfzylinder erwacht. Im Leerlauf brabbelt er harmlos vor sich hin – aber wehe, wenn er losgelassen.

Also nichts wie auf in die nahe gelegenen Berge. Trotz Vorderradantrieb krallt sich der 305 PS starke RS fest in den französischen Asphalt und lässt uns seine 440 Nm Drehmoment spüren, indem er uns in die sportlichen Schalensitze drückt. Wie von der Tarantel gestochen schießt der Kölner Muskelprotz aus dem Stand nach vorn, der brüllende Fünfzylinder-Turbo ist ein Ohrenschmaus. Kurzer Stopp, Lenkung auf Sport schalten und im Galopp weiter auf die nächste Serpentine zu. Herunterschalten – das Wastegate zwitschert fröhlich – und das rechte Pedal wieder in Richtung Bodenblech drücken.

In nur 5,9 Sekunden, so verspricht Ford, soll der RS die 100-km/h-Marke knacken, ein kurzer Zug am Schaltknauf inklusive. Erst bei Tempo 263 kapituliert der Über-Focus vor den Windkräften. Damit der RS mit den vorderen 235er Gummi-Pranken viel Halt hat, ist ab Werk eine mechanische Differenzialsperre eingebaut, die die Kraft vom entlasteten Rad nimmt und an den besser haftenden Reifen weiterleitet. Für Fahrstabilität sorgt nicht nur allerlei Spoilerwerk – eine im Vergleich zum Focus ST um 40 Millimeter breitere Spur und die in der Rallye-WM erprobte Revo-Vorderradaufhängung tun ihr Übriges. Das Geheimnis dieser Radaufhängung ist, dass sie mit einem zweigeteilten Achsschenkel Längs- und Querkräfte voneinander trennt und so den starken
Krafteinflüssen in der Lenkung weitestgehend den Garaus macht. So ist der RS stets beherrschbar und trotzdem verdammt schnell.

305 PS starker Vollblutsportler für 33.900 Euro

Der für ein 305-PS-Geschoss günstige Preis von 33900 Euro wurde möglich, weil  das RS-Entwicklungsteam kein komplett neues Auto aufbauen, sondern nur ins Ford-Modellregal greifen musste. Denn als Basis dient der Focus ST, der mit seinen 225 PS auch schon gut im Futter steht. Für das RS-Leistungsplus haben die Techniker den Ladedruck verdoppelt, so dass der Turbo nun mit 1,4 bar Luft in die Brennräume drückt und aus dem einst zahmen Focus einen richtigen Sportler macht.

Den Eindruck unterstreicht auch das Interieur mit Recaro-Schalen, die wie ein Maßanzug sitzen und sogar für längere Touren taugen – allerdings ist die Sitzposition einen Hauch zu hoch. Lenkrad und Schaltknauf liegen gut in der Hand, und über der Mittelkonsole informieren drei kleine Anzeigen über Öl-, Ladedruck sowie die Wassertemperatur. Und damit auch niemand glaubt, dass dies ein im Hinterhof zurechtgemachter Blender sei, prangen außen und innen elf blaue RS-Logos.

Obwohl wir beim Einbiegen auf den Flughafen-Parkplatz bemerken, dass der Über-Focus einen sehr großen Wendekreis besitzt und die Verbrauchsanzeige drei Liter mehr angibt, als die Werksangabe verspricht, ist unser Fazit eindeutig: Der RS ist ein echtes Sportgerät – und schon ab Anfang Juni zu haben.
Paul Englert

Inhaltsübersicht

Autos im Test

Ford Focus RS

PS/KW 305/224

0-100 km/h in 5.90s

Frontantrieb, 6 Gang manuell

Spitze 263 km/h

Preis 33.900,00 €