AUTO ZEITUNG.de Top-Galerien

News
Blog
Erlkönige
Ratgeber
Specials
Tests
Videos

Umfrage

Wer siegt im Neuheiten-Duell BMW gegen Mercedes?:

AUTO ZEITUNG Mobil

AUTO ZEITUNG Mobil

Für unterwegs: Das mobile Autoportal

Mit AUTO ZEITUNG Mobil haben Sie Neuheiten und Erlkönige immer griffbereit – auf Ihrem iPhone, iPod oder Android-Smartphone mehr

Soziale Netzwerke

BMW 335i Cabrio

Die Legende lebt

01.02.2007 / Aus AUTO ZEITUNG 1/2007

Mehr Fahrberichte

Im März geht die vierte Generation des BMW 3er-Cabrios an den Start. Die erfolgreichste Baureihe ihrer Klasse tritt dabei völlig neu auf. Denn auch die Bayern setzen nun auf ein Stahlklappdach

Eigentlich sind Cabriolets der Blech gewordene Unsinn. Warum soll man sich ein Auto kaufen, dem ein entscheidendes Teil fehlt und das dazu auch noch teurer ist als das Coupé oder die Limousine, von dem es abgeleitet wurde? Warum? Weil es Spaß macht, unvernünftig zu sein.

Ein Blick in die Wetterstatistiken der jüngsten Zeit reicht, um die möglicherweise vorhandene Rest- Ratio - bei Sonnenschein wäre ein Cabrio ja durchaus angebracht - in Wohlgefallen aufzulösen. Die deutsche Sommersonne brennt ja neuerdings auf Röststufe, sodass man unweigerlich zum Schattenmann wird. Und selbst hier, in der zu Winterzeiten eigentlich Cabrio-kompatiblen Wüstenmetropole Phoenix, steht das Klima Kopf: Die Kakteen tragen Raureif, und Frost zieht über das Land.

bmw_cabrio_038.jpg
/>
Alles kein Grund, das neue 3er-Cabrio nicht zu mögen. Im Gegenteil. So wechselhaft das Wetter ist, so flexibel gibt sich die erfolgreichste Baureihe unter den Edel-Luftikussen ihrer Klasse. Die mittlerweile vierte Generation verfügt nämlich nun auch über ein praktisches, in stilistischer Hinsicht jedoch heikles versenkbares Hardtop. Praktisch, weil weder Waschanlagen noch Witterung dem Innenraum etwas anhaben können. Heikel, weil die sperrigen Dachsegmente sowie die rückwärtige Scheibe in den Heckabteilen verstaut werden müssen, die in der Regel entsprechend pummelig aussehen.

Nicht so beim 3er, dessen Frachtabteil bei geschlossenem Dach exakt 350 Liter Stauvolumen bietet, von denen in geöffnetem Zustand noch 210 Liter übrig bleiben. An den Reigen der von Stellmotörchen und Hydraulikzylindern vollautomatisch bewegten Karosserieteile haben wir uns ja längst gewöhnt - lediglich 22 Sekunden dauert der Öffnungsvorgang, nachdem der Fahrer per Knopfdruck die Handlungsanweisung erteilt hat. Und BMW legt obendrein Wert auf die Feststellung, dass das Hinwegfaltprozedere dank der reduzierten Zahl beweglicher Teile weit weniger prätentiös ausfällt als bei so manch anderem Konkurrenten mit heißem Blechdach.

In jedem Fall aber ist es den Designern gelungen, dem geöffneten 3er eine unverwechselbare Linie zu geben, die dem sportlichen Anspruch des Hauses gerecht wird. Beson-ders auffällig sind die vergleichsweise kurzen A-Säulen. Die Frontscheibe steht stramm im Wind und spannt sich nicht als halber Dachersatz bis auf Höhe der Vordersitzlehnen. So sitzt der Fahrer buchstäblich im Freien.

Albin Dirndorfer, Projektleiter Fahrdynamik bei BMW und einer der Väter des neuen Cabrios, deutet auf die flache Brüstungslinie seines Schützlings: "Die Sitzposition war uns auch aus Designgründen wichtig. Sitzt der Fahrer zu hoch, wirkt das von außen betrachtet genauso unharmonisch, als wenn er zu tief im Wagen hockt und man nur noch den Kopf sieht."
bmw_cabrio_022.jpg

Der elegante Auftritt resultiert zudem aus der langen Motorhaube und dem knackig kurzen Überhang hinten. Auf eine betonte Keilform haben die Bayern verzichtet. Gerade wie eine Boots-Bordwand zieht sich die Schulterlinie von der A-Säule bis zu den Rückleuchten. Nur die Kopfstützen durchbrechen die gestochen klare Silhouette - ein nötiges Zugeständnis an die Sicherheit.

Wer den 3er kennt, findet sich im Cockpit auf Anhieb zu Recht. Und über die Widrigkeiten des komplexen Bediensystems iDrive ist man in München im Bilde, bleibt sich aber trotzdem treu. Der Rest dagegen ist Teil der um den Piloten herumgebauten Fahrmaschine mit der berühmten Anfangsziffer Drei. Alles liegt griffbereit und macht einen hochwertigen Eindruck.

Fünf Motoren stehen zur Wahl: der vierzylindrige 320i (170 PS, 39900 Euro) und die Sechszylinder 325i (218 PS, 44500 Euro), 330i (272 PS, 48350 Euro), 335i (306 PS) sowie der Sechszylinder-Diesel 330d (231 PS, 49000 Euro).

Zur ersten Ausfahrt unter der kühlen Sonne Arizonas stand uns das 335i Cabrio zur Verfügung. Der Dreiliter-Reihensechszylinder ist die Top-Variante einer neuen Generation von Benzin-Direkteinspritzern. High Precision Injection nennt BMW die Benzin-Direkteinspritzung, bei der der Piezo-Injektor zentral in unmittelbarer Nähe der Zündkerze plat-ziert wurde. Durch diese Position kann der Injektor den Kraftstoff kegelförmig und besonders gleichmäßig im Brennraum verteilen. Die Folge ist eine exakte Gemischdosierung, die eine hö-here Verdichtung ermöglicht und den Wirkungsgrad verbessert.

Der Dreiliter-Top-Motor wird von zwei Turboladern unter Dampf gehalten. Wenn die 306 Pferde den Marschbefehl erhalten, brechen im unbemützten Bayern stürmische Zeiten an. Nicht dass es ungebührlich ziehen würde - zarte Naturen können für 308 Euro ein sehr effektives Windschott ordern. Vielmehr soll der Standardsprint von null auf 100 km/h nach nur sechs Sekunden erledigt sein, sofern man die 2154 Euro teure Sechsgang-automatik mit der Schaltarbeit betraut. Die Handschaltversion ist laut BMW sogar schon nach 5,8 Sekunden am Ziel.

Fahrdynamisch gibt sich das Cabrio wie seine Zunftbrüder mit festem Dach. Das, was mit diesem potenten und bei vollem Leistungseinsatz kernig klingenden Treibsatz möglich wäre, lässt sich auf den von hellwachen County-Polizisten observierten Highways und auf den kurvenreichen Nebenstrecken nur ansatzweise abfordern. Zu hoch liegt die Grenze, die den 3er buchstäblich abflugbereit machen würde, und zu groß ist das Risiko für den Fahrer, sich eine Litanei zum Thema des amerikanischen Verkehrsrechts anhören zu müssen.bmw_cabrio_018.jpg

Wer dem luftigen Bayern trotzdem die Sporen gibt, dem zaubert die Kombination aus dem durchzugsstarken Dreiliter-Biturbo und dem sauber abgestimmten, recht straffen Fahrwerk unwillkürlich ein Lächeln ins Gesicht. Die Lenkung arbeitet erfreulich zielgenau. Das Einlenken erfolgt spontan, und auch die Bewegungen des Aufbaus haken wir als unspektakulär ab.

Das zweistufig operierende elektronische Stabilitätssystem DSC hält das wegen seiner zusätzlichen Versteifungselemente bereits in unbeladenem Zustand 1750 Kilogramm schwere Cabrio (Automatikversion) auf der sicheren Seite und wird in unvorhersehbaren Situationen als nützliches Korrektiv begrüßt. Als uns nämlich beim ersten Ausritt im Scheitelpunkt einer lang gezogenen Kurve unvermittelt eine Lage original Arizona-Sand unter die Räder kam, griff das Regelwerk vehement ein, der Fahrer besorgte nach einer Schrecksekunde den Rest und bewältigte die Situation ohne Probleme. Keine Frage, das 3er-Fahrwerk zählt zu Recht zum Besten seiner Klasse.

Ende März kommt das neue 3er-Cabrio in die Schauräume, in denen ein anderes Mitglied der Baureihe eifersüchtig werden könnte - das 3er-Coupé. Albin Dirndorfer gibt jedoch Entwarnung. "Den Neuen nennen wir bewusst nicht Cabrio-Coupé oder umgekehrt. Unsere Coupé-Kunden setzen ganz klar auf Sportlichkeit und Fahrdynamik. Beim Cabrio aber steht die Eleganz eindeutig im Vordergrund." Wie stets wird das Publikum die Entscheidung treffen. Käufer des 335i Cabrios jedenfalls müssen auf hohe fahrdynamische Qualitäten nicht verzichten. Verzichten dage