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Alfa Romeo 8C Competizione im Fahrbericht

Herzschmerz

Kohlefaser-Karosserie, 450 PS stark, knapp 300 km/h schnell, limitiert auf 500 Exemplare weltweit. Der 8C Competizione erzeugt beinahe schmerzhaftes Herzklopfen und ist Alfa Romeos bester Imageträger

Eckdaten
PS-kW450 PS (331 kW)
AntriebHeckantrieb, 6 Gang Automatik
0-100 km/h4.20 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit292 km/h
Preis159.860,00 €

» Das Video zum Alfa Romeo 8C

War der Mann mit dem Musterkoffer noch nicht bei Ihnen? Dann sieht es schlecht aus für Sie. Denn alle 500 Exemplare des wilden Alfa Romeo sind verkauft oder besser gesagt verteilt. Über 1500 Bewerbungen für den 8C Competizione gingen innerhalb von eineinhalb Stunden nach der Pressekonferenz auf dem Pariser Autosalon 2006 bei Alfa Romeo ein.

Allein aus Deutschland kamen 210 Interessenten, die der Kaufpreis von mindestens 159860 Euro nicht störte. Die Entscheidung, wer zu den glücklichen Gewinnern in der Alfa-Lotterie gehören durfte, wurde vom Vorstand des Unternehmens selbst getroffen. Und der Mann mit dem Musterkoffer für Leder- und Lackfarben sowie Polsterarten besuchte dann die 81 deutschen Auserwählten.

Competizione rosso heißt die meist gewählte Farbe – nicht nur in Deutschland. Und in genau dieser Lackierung steht der Traumsportler zum exklusiven und wohl auch einzigartigen Fahrtermin bereit. Die Maserati-Gene sorgfältig unter der aufregenden Kohlefaserhaut versteckt, so präsentiert sich der Otto Tschi (8C). Er ist schnörkellos gezeichnet von Wolfgang Egger, der schon die Alfa Romeo-Modelle 156 (mit Walter de Silva), 159 und Brera kreierte, heute aber Designchef bei Audi ist.

Die Technik lehnt sich an den Maserati GranSport an, ist aber gründlich modifiziert. Die Radaufhängungen, das automatisierte Sechsgang-Getriebe und die Bremse stammen vom Konzernkollegen. Der Hubraum des V8 – ursprünglich eine Ferrari-Entwicklung – beträgt im Alfa aber satte 4,7 Liter statt nur 4,2 Liter im Maserati. Leistung (450 PS) und maximales Drehmoment (480 Newtonmeter) stiegen entsprechend an. Rund 100 Kilogramm leichter als der Organspender aus Modena und mit einem um zwei Zentimeter kürzeren Radstand ausgestattet, verspricht der Alfa größtes Fahrvergnügen.

V8-Gänsehaut-Klang

Der Druck auf den roten Starterknopf weckt den V8 auf, der sich als akustischer Leckerbissen entpuppt. Ein, zwei Oktaven tiefer als beim Maserati wummert der Sound aus den vier Auspuffendrohren schon im Stand, die Gänsehaut lässt nicht lange auf sich warten. Ein weiterer Druck, diesmal auf die Sport-Taste, verkürzt nicht nur die Schaltzeiten auf 80 Millisekunden und schärft die Gaspedalkennlinie nach, er bewegt auch zwei Klappen im Auspufftrakt. Die Folge: Der V8 atmet jetzt noch ungehemmter und lautstärker aus – Amore mio!

In nur 4,2 Sekunden soll der Super-Alfa auf 100 km/h beschleunigen, und wer ihn live erlebt hat, äußert kaum Zweifel daran. Die 20 Zoll großen Pirelli-Sportreifen – an der Hinterachse im 285er-Format – krallen sich zunächst im Asphalt fest, werden bei maximalem Leistungseinsatz aber mühelos von der Kraft des Motors übermannt. Keine Sorge, ESP ist serienmäßig an Bord, kann aber abgeschaltet werden.

Wer es ruhiger angehen lässt, genießt die Aussicht auf eine äußerst attraktive Cockpitlandschaft. Besonders die Mittelkonsole aus gefrästem Aluminium begeistert. Stimmig geformte Kipphebel und Schalter lassen die Gedanken an Großserienprodukte schnell verblassen. Selbst der Qualitätseindruck kann bei diesem Exemplar aus dem Prototypenbau überzeugen. Nur die zweifarbige Skalierung der beiden großen Rundinstrumente ist etwas klein geraten und schwer ablesbar. Und nicht weit her ist mit dem Sitzkomfort. Ein Grund dafür: die dünnen Polster. Seitenhalt und Einstellmöglichkeiten sind allerdings gut. Auch die Position des Leder-Lenkrads lässt sich schnell an jede Körpergröße anpassen.

Breiter Grenzbereich
Auf der Testrecke stürmt der rote Teufel mühelos über die Geraden und beschleunigt kraftvoll, gleichmäßig aus engen Ecken heraus – den absoluten Leistungskick eines Ferrari oder Lamborghini bleibt er schuldig. Das Fahrwerk ist straff abgestimmt, aber nicht unmäßig hart. Dafür neigt sich die Karosserie beim schnellen Einlenken in Kurven, und das Heck zeigt dabei eine deutliche Tendenz zum Lastwechsel-Übersteuern.

Hektisch wird es dennoch nicht: Die Übergänge im breiten Grenzbereich sind weich genug, um rechtzeitig reagieren zu können. Auch die gut dosierbare Bremsanlage zeigt sich vom Testreckenbetrieb unbeeindruckt. 8C-Käufer können einen Lehrgang buchen, um ihr eigenes Auto kennen zu lernen. Nach diesem ersten heißen Flirt wird es dann wieder in den Neuzustand versetzt. Aber das hat Ihnen der freundliche Alfa-Mann mit dem Musterkoffer sicher längst erklärt.
Holger Eckhardt

Inhaltsübersicht

Autos im Test

Alfa Romeo 8C Competizione

PS/KW 450/331

0-100 km/h in 4.20s

Heckantrieb, 6 Gang Automatik

Spitze 292 km/h

Preis 159.860,00 €