Triumph TR2 Franchorchamps: Fahrbericht Ein Traum wird wahr

01.12.2013

Der TR2 Roadster von Triumph gilt als britisches Urgestein. Ein renommiertes und extrem rares Coupé auf dessen Basis stammt indes aus Belgien. Hier ist seine spannende Geschichte

Wer an hochkarätige Automobile aus Belgien denkt, dem fallen Namen  ein  wie  Minerva,  Excelsior oder Impéria. Aber Triumph? Saßen die nicht in Coventry? Dennoch machte sich das kleine Land um die Erfolgsgeschichte der ersten TR-Baureihe und damit um die Sanierung der Marke Triumph verdient. 1939 in Konkurs gegangen und 1945 von der Standard Motor Company wiederbelebt, erhielt Triumph vom TR2 ab 1953 finanziell und imagemäßig erheblichen Rückenwind. Entscheidenden Anschub für die Ausweitung von Produktion und Geschäft Richtung Kontinent lieferte der Marshall-Plan, mit dem die Vereinigten Staaten westlichen Verbündeten und Gegnern gleichermaßen nach dem Zweiten Weltkrieg wirtschaftlich auf die Beine halfen.

Subventionen, Steuererleichterungen und geöffnete Zollschranken ermöglichten den Austausch von Bauteilen und Maschinen über die europäischen Landesgrenzen hinweg. Da traf es sich gut, dass die Impéria-Fertigungsanlagen in Nessonvaux, auf halbem Weg zwischen Lüttich und Spa gelegen, noch intakt und geeignet waren, für Hersteller aus den Nachbarländern zu produzieren. Schließlich hatte Impéria mit all seinen Marken, zu denen auch die eingangs genannten zählten, bereits während des Krieges den Betrieb eingestellt. Unter den Auftraggebern der am Rande des Untergangs dümpelnden Firma finden sich Namen wie Adler, Alfa Romeo, Büssing – und eben Standard Triumph.

Bauteile für rund 500 TR2, die Dokumentation ist lückenhaft, kamen in Kisten nach Nessonvaux. Die daraus gefertigten Fahrzeuge trugen ein N am Ende der Chassisnummer, Hinweis auf ihren kontinentalen Entstehungsort. In nur 22 Exemplaren wurde zudem ein TR2-Abkömmling kreiert, der auf den schillernden Beinamen Francorchamps hört und den man sich in TR-Kreisen zuraunt wie die Kunde von einem weißen Elefanten. Francorchamps ist die nationale Motorsport-Weihestätte der Belgier im Dreieck zwischen Spa, Malmédy und Stavelot. Neben der Seltenheit dieses besonderen Modells sorgt seine unzweifelhafte Eleganz unter TR2-Liebhabern für Furore. Elf sind erhalten, sieben von ihnen fahrbereit. Verantwortlich für die gelungene Linienführung zeichnete Impéria-Mitarbeiter Franz Pardon, als historische Person eher unbekannt, bis heute jedoch mit seinen Initialen auf einem Schild auf den Flanken des Francorchamps verewigt.

 

Auferstanden aus einer Ruine

Classic Cars bekam Gelegenheit, den frisch restaurierten TR2 Francorchamps des belgischen Triumph-Experten Patrick Van Houtven zu fahren. Drei Jahre Intensivbehandlung hatte er seinem seltenen Restaurationsobjekt angedeihen lassen, das er in beklagenswertem Zustand aus den Niederlanden reimportierte. Im Zuge seiner Nachforschungen brachte Van Houtven in Erfahrung, dass ein damaliger Manager bei Impéria eine eigene Firma unterhielt, die Teile für Türen und Transparentdach, Schlösser und Scharniere des Francorchamps herstellte. Wei-tere Komponenten stammten aus dem Konzernregal, wie die Fensterhebermechanismen des Triumph Mayflower.

Die Wirtschaftlichkeit des prestigeträchtigen Unterfangens schien nicht von zentraler Bedeutung gewesen zu sein: Obwohl ein Viertel teurer als der Standard-TR2, spielte der Francorchamps kaum Gewinn ein. Ähnlich steht es um die finanzielle Seite der Van Houtvenschen Restaurierung: Die Kosten übersteigen den Marktwert erheblich. Doch damals wie heute ging es wohl mehr um das faktische Ergebnis als um den finanziellen Erfolg.Der Qualitätsanspruch offenbart sich bereits beim Einstieg in die licht und großzügig gestaltete Zwei-Personen-Kabine – ganz im Gegensatz zum spartanisch wirkenden Roadster-Interieur. Die Sitze sind um 50 Millimeter nach innen gerückt, ebenso wie Instrumente und Lenkrad. Wo Roadster-Fahrer den Ellbogen auf den Türrahmen auslagern müssen, finden die Arme hier bequem Platz im Innenraum. Statt klaustrophobischer Enge unterm Roadster-Verdeck bietet das Coupé wohltuende Kopffreiheit. Der Trick: Die Francorchamps-Macher legten den Fahrzeugboden um 25 Millimeter tiefer. Leiterrahmen und aufgesetzte Stahlkarosserie beließen sie indes in ihrer Konstruktionslage.

Über der TR2-Besatzung wölbt sich ein transparentes Kunststoffdach, das viel Licht einfallen lässt – und viel Wärme. Im Sinne eines angenehmen Raumklimas ist es nach hinten aufstellbar, was für ausreichend Luftdurchsatz im Cockpit sorgt. Eine distinguierte Note erhält der Innenraum durch feines Leder im Zweifarb-Design für Sitze, Instrumententafel und Verkleidungsteile sowie hochwertige, farblich abgestimmte Teppiche. Das Grün im Van-Houtven-Coupé trifft den charakteristischen Metallic-Ton der Karosserie, der sich aus erhaltenen Lacksplittern des Wracks ableiten ließ. Der Preis für diese extra Portion Schöner Wohnen sind 62 Kilogramm Mehrgewicht gegenüber dem Ausgangsprodukt.

Dieses Kilo-Plus macht sich in der Fahrdynamik glücklicherweise kaum bemerkbar. Der Zweiliter-Vierzylinder, aus einem Standard-Vanguard-Triebwerk abgeleitet, stellt dank zweier SU HS2-Vergaser 91 PS und genügend Drehmoment für zügiges Fortkommen parat. Unterstützt wird die Agilität durch ein gut abgestuftes, exakt schaltbares Getriebe. Dessen stets leise heulende Viergang-Mechanik wird durch ein Overdrive-Getriebe von Laycock de Normanville erweitert. Das komplexe Planetenräderwerk samt Doppelkonuskupplung wird elektro-hydraulisch betätigt – und zwar so weich und elegant, als verrichte im Hintergrund ein moderner Wandlerautomat seine Arbeit. Zur Betätigung findet der Fahrer vor dem Schaltstock einen zusätzlichen Hebel auf der Mittelkonsole.

Vier Lockheed-Bremstrommeln hinter den Speichenrädern halten den Vorwärtsdrang des Coupés recht sicher unter Kontrolle, wenn auch mit viel muskelbildendem Pedaldruck. Das gelungene Konzept und die saubere Verarbeitung, nicht zu vergessen die kompetente Restaurierung, vermitteln ein im Vergleich zum Roadster kultiviertes Fahrerlebnis ohne garstige Nebengeräusche wie Quietschen, Knarzen oder Rattern. Das Dach verleiht der TR2-Struktur spürbar Stabilität. Was sich dem Fahrer dieses auferstandenen Francorchamps so selbstverständlich darstellt, ist das Ergebnis kompromisslosen Strebens nach Originalität und Qualität. Van Houtven scheute keine Mühen bei der Beschaffung von Originalteilen.

So verging für das Auftreiben der korrekten vorderen Blinkergläser ein ganzes Jahr. Aus Zypern etwa stammten Triumph-Vanguard-Komponenten, ehemalige Armeebestände – kistenweise Krimskrams, um an ein wichtiges Teil zu kommen, und sei es nur als Muster zum Nachbau. Aus dem Vollen fertigte der Tüftler die Messingrahmen für die seitlichen Dreieckfenster. Der einzig verbliebene Sitz diente als Prototyp für den zweiten. Das nicht vorhandene Interieur entstand nach dem Vorbild eines zweiten Francorchamps gänzlich neu. Van Houtven stellte gar eigene Werkzeuge her, etwa um das Dach in die gewünschte Form zu bringen.

Ein Peugeot-205-Dach diente ihm als Form zum Biegen des Acryl-Kunststoffs. Beim Wiederherstellen der Fensterheberanlage half ein Fahrradmechaniker mit Teilen, die entsprechend modifi ziert werden konnten. Zahlreiche Karosseriepartien bedurften der Neufertigung (siehe Bildergalerie). Improvisationsgabe und Liebe zum Detail zeichnete den Restaurator ebenso aus wie die Schöpfer des Originals. Bei Standard Triumph in Coventry war man über die Aktivitäten bei Impéria nicht uneingeschränkt glücklich: Man wünschte sich viel mehr eine eigene Fabrikation auf dem Kontinent – ein Wunsch, der 1958 mit dem Werk im belgischen Mechelen in Erfüllung ging. Dort produzierte man TR5, Herald und andere Modelle. Für die Impéria-Belegschaft zahlte sich der Einsatz für den Francorchamps nicht aus: 1957 gingen im Werk Nessonvaux die Lichter endgültig aus. Immerhin hat man der TR-Welt ein glänzendes Vermächtnis hinterlassen.

Triumph TR2 Franchorchamps: Technische Daten
Antrieb
R4-Zyl.; 2-Ventiler; zwei Vergaser SU HS2; Hubraum: 1991 cm3; Leistung: 67 kW/91 PS bei 4800/min; max. Drehm.: 159 Nm bei 3000/min;
Viergang-Getr. mit Overdrive; Hinterradantrieb
Aufbau und Fahrwerk
Leiterrahmen, Stahlkarosserie mit zwei Türen; Radaufhängung vorn: doppelte Dreiecksquerlenker, Schraubenfedern, Teleskopdämpfer; hinten: Starrachse, Blattfedern, hydraulische Hebeldämpfer; Bremsen: v./h. Trommeln; Reifen: v./h. 5.50-15, Räder: 4 x 15
Eckdaten
L/B/H: 3835/1410/1270 mm; Radstand: 2235 mm; Spurw. v./h.: 1143/1156 mm; Leergewicht: ca. 1017 kg; Bauzeit: 1954 bis 1955; Stückzahl: 22; Preis (1954): 147.500 Belg. Francs
Fahrleistungen1
Beschleunigung: 0 auf 100 km/h in ca. 12,0 s; Höchstgeschwindigkeit: 173 km/h; Verbrauch: ca. 8,0 l/100 km
1 Werksangaben

Klaus Rosshuber

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