Bugatti Grand Sport und Lamborghini Reventón Roadster Die schnellsten Roadster der Welt

05.09.2011

Die zwei exklusivsten und schnellsten Roadster der Welt sind Kinder des Volkswagen-Konzerns. Höchste Zeit also, um Bugatti Grand Sport und Lamborghini Reventón Roadster gemeinsam zu zeigen

Wir, die wir schon ein wenig älter sind, wissen, dass es noch gar nicht so furchtbar lange her ist, als das Golf Cabriolet das einzige offene Automobil aus dem Volkswagen-Konzern war. Denken Sie ruhig ein paar Sekunden darüber nach, es stimmt tatsächlich. Heute markieren etwa das in Mexiko gebaute VW New Beetle Cabriolet und der in Nordost-Frankreich gefertigte Bugatti Veyron die Extreme einer Modellpolitik, die kaum eine Nische auslässt.

Wer beispielsweise einen siebenstelligen Betrag für einen offenen Zweisitzer ausgeben will, kann im Konzern sogar wählen: Reicht der Lamborghini Reventón Roadster mit seinem 670 PS leistenden 6,5-Liter-V12, oder soll es doch der Bugatti Grand Sport mit 1001 PS sein? Das Geld dürfte dabei wahrscheinlich die kleinste Rolle spielen: Wer die 1,3 Millionen für den Lambo hat, der dürfte die 1,7 für den Bugatti ebenso locker aus der Spielgeldkasse schütteln.

BEIDE SUPERSPORTLER HABEN MITTELMOTOREN

Oder anders gesagt: Wenn Sie über den Preis nachdenken, sind Sie schon zu arm. Das Geld ist ohnehin nicht immer das entscheidende Kriterium: Um einen Reventón zu kaufen, braucht man zudem etwas Glück. Lediglich 20 Exemplare sind geplant, fast alle bereits an treue Kunden vergeben. Da sollte man sich rasch entscheiden. So gesehen ist die auf 150 Exemplare ausgelegte Grand Sport-Serie schon sehr großzügig.

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Der Bugatti Grand Sport bedient sich – natürlich – der Technik des geschlossenen Veyron 16.4, wobei die Ziffern für die Zahl der Zylinder und der Turbolader stehen. Die PS-Zahl des monströsen W16 ist hinglänglich bekannt, ebenso imposant ist der Wert in Kilowatt: 736. Und 1250 Nm klingen ebenfalls eher nach schwerer Arbeitsmaschine als nach Supersportwagen.

Die Fahrleistungen des offenen Bugatti sind weit jenseits dessen, was man sich als normalsterblicher Autofahrer so vorstellen kann. Unter drei Sekunden auf 100 km/h, nach 7,3 Sekunden Vollgas liegen 200 km/h an, weitere 9,4 Sekunden später ist der Grand Sport mit 300 km/h unterwegs. Und immer noch 107 km/h von der möglichen Höchstgeschwindigkeit entfernt.

Selbst ein Reventón-Pilot würde blass, wenn ein Grand Sport neben ihm mit Vollgas loslegte. Der offene Zweisitzer bedient sich der Technik des Lamborghini Murciélago LP 670-4 SuperVeloce, was ja an und für sich nicht so verkehrt ist. Mit einer Leistung von knapp über 100 PS pro Liter Hubraum ist der mächtige Zwölfzylinder einer der potentesten Saugmotoren, den man zur Zeit kaufen kann. Und 3,4 Sekunden bis 100 km/h sowie 330 km/h Topspeed sind nicht von ganz so schlechten Eltern.

Klare Einigkeit herrscht auch bei den Antriebsphilosophien. Womit ein für allemal klar ist: Wenn es wirklich darum geht, maximale Leistung in maximale Längs- und Querdynamik umzusetzen, führt am guten alten Mittelmotor kein Weg vorbei. Das wusste schon Professor Porsche in den frühen 30er Jahren, als er die Auto Union-Silberpfeile auf Kiel legte. Womit sich der Kreis zum Volkswagen- Konzern schließt. Heute gesellen sich zum längs eingebauten Mittelmotor Allradantrieb und Hightech-Getriebe.

Nur in der Ausführung im Detail unterscheiden sich Bugatti und Lambo: Die Elsässer bauen auf ein Allradsystem mit Haldexkupplung an der Vorderachse und ein Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe. In Sant’Agata wird die Allrad-Lösung mit Visco- Kupplung samt automatisiertem Schaltgetriebe bevorzugt.

Überhaupt ist der Lamborghini der Extremist in diesem Vergleich, so seltsam das auch klingen mag. Seine Form eckt im wahrsten Sinne des Wortes an, er versucht gar nicht so zu tun, als wolle er nur spielen. Jede Linie, jede Ecke ist aggressiv und zornig. Er springt ins Bild wie ein Apache-Kampfhubschrauber, der über die Baumwipfel kommt.

Dazu passt die Sitzposition im engen, spartanischen Cockpit. Wer schon mal in einem Lamborghini Countach der 70er Jahre gesessen hat, wird sich schnell heimisch fühlen. Der Reventón ist eigentlich nur in Details anders. Das winzige, mit Wildleder bezogene Lenkrad, die leicht schräge Sitzhaltung mit den nach rechts verlegten Pedalen. Und die schlechte Sicht.

Moderne Lamborghini haben zum Rückwärtsfahren eine Kamera samt Monitor. Früher, bei Countach und Diablo, setzte man sich auf den Schweller, bediente mit den Zehenspitzen die Pedale und peilte unter der Schmetterlingstür hindurch nach hinten. Ich weiß, umständlich und gefährlich. Aber unglaublich cool.

SCHLICHTES INSTRUMENTENBRETT IM BUGATTI
Überhaupt Monitore. Im Reventón gleicht die Instrumenteneinheit eher dem Glascockpit eines Airbus oder Eurofighters. Wenn alle Lichter aufblitzen, sucht man fast automatisch nach dem Fadenkreuz und einem mit einer Extrakappe gesicherten roten Knopf.

Das kann im Bugatti nicht passieren. Obwohl er reichliche 20 Zentimeter kürzer ist als der ausladende Lambo, bietet er im Innenraum deutlich mehr Platz. Und eine entspanntere Sitzposition. Wenn dies jetzt ein gepunkteter AUTO ZEITUNG-Vergleichstest wäre, bekäme der Grand Sport noch Extrapunkte für die bequemeren Sitze, die übersichtlichen Instrumente und die einfachere Bedienung. Denn der Bugatti hat nur die nötigsten Knöpfe und Bedienhebel. Die sind hübsch und ordentlich angerichtet, sodass sich der Bugatti- Novize auf Anhieb zurechtfindet.

Zu einfach für ein unfassbare 1,7 Millionen Euro teures Auto, mögen manche meinen. Aber die vornehme Bescheidenheit im Interieur hat natürlich Methode. Sie folgt dem Markennimbus, entspricht der Konstruktionsphilosophie des alten Patrons Ettore Bugatti. Ein Fall für Introvertierte ist der Grand Sport natürlich trotz seiner harmonisch gerundeten Außenhaut nicht. Ebensowenig wie der Reventón. Wenn die Multizylinder gestartet werden, bilden sich um beide mittlere „Flashmobs“. Ohne Ankündigung im Internet. Aber das ist eine ganz andere Geschichte.
Heinrich Lingner

BUGATTI GRAND SPORT
W16-Zylinder - 4 Turbolader - 7993 cm3 - 736 kW (1001 PS) bei 6000 /min - 1250 Nm bei 2200-5500 /min - 7-Gang-DSG - Allradantrieb - L/B/H: 4462/1998/1208 mm - Leergewicht: 1990 kg - 0-100 km/h: 2,7 s - Höchstgeschwindigkeit: 407 km/h - EU-Verbrauch: 24,9 l SP/100 km

LAMBORGHINI REVENTÓN ROADSTER
V12-Zylinder - 6496 cm3 - 493 kW (670 PS) bei 8000 /min - 660 Nm bei 6000 /min - automatisches 6-Gang-Schaltgetriebe - Allradantrieb - L/B/H: 4700/2058/1132 mm - Leergewicht: 1760 kg - 0-100 km/h: 3,4 s - Höchstgeschwindigkeit: 330 km/h - EU-Verbrauch: 21,3 l SP/100 km

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