Europäische Gegner Europäische Gegner

30.11.2006
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Noch nie waren die internationalen Kandidaten in der Diesel-Oberklasse zahlreicher. Grund genug, drei völlig unterschiedliche Charaktere auf den Prüfstand zu stellen - mit überraschendem Ergebnis.

Die Botschaft moderner Oberklasse-Diesel an das Auto fahrende Volk ist eindeutig: viel Komfort zu moderaten Betriebskosten dank selbstzündender Motoren. Am ehesten ließen sich von diesem Wahlversprechen bisher die Besitzer der Mercedes-E-Klasse überzeugen, führte sie doch 2003 mit über 49 000 verkauften Exemplaren in Deutschland das Segment der Oberklasse-Diesel-Limousinen an. Zum Test tritt das deutsche Diesel-Denkmal mit dem 177 PS starken Fünfzylinder als E 270 CDI mit einer Fünfstufen-Automatik (2030 Euro) an. Hier trifft es auf zwei Außenseiter, die dennoch eine intensive Beachtung verdienen. Den Alfa 166 2.4 JTD 20V kennzeichnen ein Facelift und ein neuer Multijet-Diesel unter der Haube. Für das im Testwagen verbaute, ebenfalls fünfstufige Automatik-Getriebe namens Sportronic verlangen die Italiener 2100 Euro. Der Dritte im Bunde kommt aus Tschechien, trägt aber deutsche Gene. Die Karosserie des Skoda Superb 2.5 V6 TDI Tiptronic basiert auf der Langversion des VW Passat, der einst für den chinesischen Markt kon-zipiert wurde. Sechszylinder und Schaltautomat Tiptronic (1650 Euro) stammen von Audi.

 

Karosserie

Auch im nunmehr sechsten Baujahr vermag das zeitlos elegante Design des Alfa 166 immer noch zahlreiche Blicke auf sich zu ziehen. Beim Platzangebot überlässt der Mailänder das Feld allerdings der automobilen Opposition, denn vorn wie hinten fehlt es ihm gegenüber seinen Gegnern spürbar an Ellbogenfreiheit. Auf der Rückbank droht Großgewachsenen gar Kopfkontakt mit dem Dachhimmel. Hier schlägt die Stunde des Skoda Superb, der beim Platzangebot vor allem im Fond gar den Mercedes zu deklassieren vermag. Sein maximaler Knieraum von 61 Zentimetern übertrifft auch die Langversion einer Mercedes S-Klasse. Dafür hält der E 270 CDI mit 562 Litern das größte Gepäckabteil bereit (Alfa 490, Skoda 462 Liter), das dank der niedrigsten Ladekante am einfachsten zu beladen ist. Als einziger bietet der Mercedes gegen Aufpreis eine asymmetrisch geteilte Rückbank (499 Euro). Das Ladevolumen komplett auszunutzen fällt jedoch schwer, da die Zuladung angesichts der üppigen Ausstattung des E 270 CDI (Leergewicht 1831 Kilogramm) auf mäßige 369 Kilogramm sinkt (Skoda: 523 Kilogramm, Alfa: 414 Kilogramm). In puncto Sicherheitsausstattung patzt der Alfa, denn weder ein mittlerer Dreipunktgurt, eine dritte Kopfstütze hinten noch Isofix-Kindersitz-Halterungen sind lieferbar. Überdies fehlt es ihm an einem Einklemmschutz für die Fensterheber. Vorbildlich dagegen zeigt sich der Mercedes, wenngleich man sich in Stuttgart selbst eine Isofix-Halterung noch mit 46 Euro extra vergüten lässt. Der Skoda bietet weder ein Reifendruck-Kontrollsystem und hintere Seiten-Airbags - auch nicht gegen Aufpreis. Dafür glänzt der Tscheche mit der besten Verarbeitung, wie die perfekten Passungen und ein auf schlechten Straßen klapperfreies Interieur belegen. Da hält selbst der Mercedes nicht mit, den eine rappelnde Kopfstütze hinten links Punkte kostet. Der Alfa wirkt insgesamt routiniert verarbeitet, erreicht aber in der Wertigkeit der verwendeten Materialien nicht das Niveau der Konkurrenz.

KarosserieMax. PunkteMercedes E 270 CDI AutomatikSkoda Superb 2.5 V6 TDI TiptronicAlfa Romeo 166 2.4 JTD 20V Multijet Sportronic
Raumangebot vorn100807968
Raumangebot hinten100799550
Übersichtlichkeit70555350
Bedienung/ Funktion100767660
Kofferraumvolumen100564650
Variabilität10014135
Zuladung/ Anhängelast80354334
Sicherheit15012812095
Qualität/ Verarbeitung200170175160
Kapitelbewertung1000693700572

 

Fahrkomfort

Erheblichen Anteil am Wohlbefinden an Bord hat die Ergonomie. Hier liefern Mercedes und Skoda ein hohes Maß an Perfektion. Menschen jeglicher Statur finden in beiden eine optimale Sitzposition, und die Bedienelemente liegen gut zur Hand. Dennoch sind auch sie nicht perfekt. Beim Mercedes stört beispielsweise nach wie vor der überfrachtete Blinkerhebel, mit dem auch der Scheibenwischer bedient wird, während der Skoda mit einer fummeligen Höheneinstellung der hinteren Kopfstützen nervt. Dem Alfa fehlt es an einem ausreichend großen Einstellbereich für das Lenkrad, und der Sitzheizungsschalter am Sitz ist nur schwer auffindbar. Sein Gestühl dürfte insgesamt etwas straffer gepolstert sein. Das gilt auch für das des Mercedes. Perfekt wirkt die Polsterung dagegen im Skoda. Unterwegs begeistert der Mercedes mit einer gelungenen Entkoppelung der Insassen von Fahr- und Windgeräuschen. Folglich nimmt der Reisende im Daimler die Umwelt beinahe wie wattiert wahr, was ein stressfreies Reisen auch über viele hundert Kilometer ermöglicht. Dazu passt der gute Federungskomfort, der allenfalls von teilweise trocken durchgereichten Stößen beim Überrollen von Fahrbahnabsätzen ein wenig getrübt wird. Obwohl hinten nur mit einer einfachen Verbundlenkerachse ausgestattet, bleibt der Skoda der E-Klasse mit ihrer aufwändigen Mehrlenker-Hinterachse sowohl im Ansprechverhalten als auch in der Absorption von Stößen dicht auf den Fersen. Auf der Autobahn erreicht er, nur mit dem Fahrer besetzt, nicht ganz die Geschmeidigkeit des Daimlers, während bei Fahrten mit maximaler Zuladung die Summe der Eindrücke auf verschiedensten Fahrbahnbelägen zum Punktegleichstand zwischen Skoda und Mercedes führt. Demgegenüber entpuppt sich der Alfa von ganz anderem Naturell. Bodenunebenheiten aller Art reicht der Mailänder trockener durch als seine Rivalen. Voll beladen schlägt er gar durch.

FahrkomfortMax. PunkteMercedes E 270 CDI AutomatikSkoda Superb 2.5 V6 TDI TiptronicAlfa Romeo 166 2.4 JTD 20V Multijet Sportronic
Sitzkomfort vorn150117121100
Sitzkomfort hinten100748565
Ergonomie15011210595
Innengeräusche50364133
Geräuscheindruck100706868
Klimatisierung50403830
Federung leer200158155130
Federung beladen200150150120
Kapitelbewertung1000757763641

 

Motor und Getriebe

Der neue, 175 PS starke Fünfzylinder-Common-Rail-Diesel im Alfa wartet dank Multijet-Einspritzung mit einem dezen-ten Verbrennungsgeräusch und einem vibrationsarmen Lauf sowie einer für Dieselverhältnisse hohen Drehfreude auf. Bis zu 5000 Umdrehungen sind möglich, ohne dass das 2,4-Liter-Aggregat störende Vibrationen produziert. Untermalt wird die Vorstellung von einem für Selbstzünder ungewöhnlich kehlig-röhrenden Klang. Hier waren zweifellos Akustiker mit Herzblut bei der Sache. Weniger überzeugen kann dagegen die Automatik. In mittleren Drehzahlbereichen reagiert sie spontan, missfällt aber beim Herunterschalten mit einem deutlichen Schaltrucken, während beim Ausdrehen der Gänge das Hochschalten zu lange dauert. Mit 9,7 Sekunden von null auf Tempo 100 und 218 km/h Höchstgeschwindigkeit ist zügiges Vorankommen garantiert. Negativ schlägt allerdings der mit 9,6 Litern höchste Testverbrauch im Trio zu Buche. Kaum weniger Sprit (9,5 Liter) genehmigt sich der Skoda. Seine Tiptronic agiert im Gegensatz zur Alfa-Automatik wesentlich geschmeidiger, kann aber die ausgeprägte Anfahrschwäche des 163 PS starken 2,5-Liter-V6 nicht kaschieren. Daran ändert auch das bereits bei 1250/min bereitstehende maximale Drehmoment von 350 Nm nichts. So erklären sich auch die mäßigen 10,7 Sekunden für den Sprint von 0 auf 100 km/h. In der Höchstgeschwindigkeit liegt der Skoda mit 217 km/h auf Alfa-Niveau. Über das gesamte Drehzahlband hinweg verhält sich der Tscheche kultiviert. Nur das allgegenwärtige TDI-typische harte Verbrennungsgeräusch trübt das Bild. Mit 2,7 Liter Hubraum und 177 PS liegt der Mercedes E 270 CDI erwartungsgemäß bei den Fahrleistungen an der Spitze (0 auf 100 km/h 9,2 Sekunden, Höchstgeschwindigkeit 228 km/h) und besticht zugleich mit dem niedrigsten Testverbrauch von 8,9 Litern. Im Gegensatz zum Skoda plagt ihn keine Anfahrschwäche. Satte 425 Newtonmeter Drehmoment bei 2000 Touren garantieren in der Praxis eine bemerkenswert mühelose Art der Kraftentfaltung. Dafür arbeitet der Mercedes-Fünfzylinder bei hohen Drehzahlen knurrig, was die Insassen dank der guten Entkoppelung aber nicht über Gebühr stört. Die Automatik arbeitet ebenso spontan und sanft wie die des Skoda.

Motor und GetriebeMax. PunkteMercedes E 270 CDI AutomatikSkoda Superb 2.5 V6 TDI TiptronicAlfa Romeo 166 2.4 JTD 20V Multijet Sportronic
Beschleunigung150153138148
Elastizität100
Höchstgeschwindigkeit150988788
Getriebeabstufung100909075
Kraftentfaltung50
Laufkultur100606065
Verbrauch325151145144
Reichweite25272326
Kapitelbewertung1000579543546

 

Fahrdynamik

Mit hervorragenden Verzögerungswerten (Kaltbremswert: 37,5 Meter, Warmbremswert: 37,7 Meter) punktet sich der Daimler in diesem Kapitel nach vorn. Seine komfortbetonte Abstimmung erkauft sich der E 270 CDI mit einem im Vergleich zur Konkurrenz relativ indirekten und etwas gefühllosen Lenkung. Ähnlich indifferent wirkt das Pedalgefühl beim Bremsen, was eine exakte Dosierung spürbar erschwert. Zudem zeigt das träge Einlenkverhalten, dass Agilität nicht zu den Stärken des Stuttgarters zählt. Zunächst leicht untersteuernd, drängt er bei allzu hohem Tempoüberschuss mit dem Heck behutsam nach außen, bevor das ESP helfend eingreift. Dass er dennoch die schnellste Handlingzeit liefert, verdankt er in erster Linie seinem bärenstarken Motor. Der Skoda, im Test mit der Elegance-Ausstattung und daher hinten mit 225/45er-Reifen im 17-Zoll-Format besohlt, legt ein wesentlich agileres Fahrverhalten an den Tag. Vorgegebenen Kursänderungen folgt er leichtfüßiger und zielgenauer als der Mercedes. Im Extremfall hält den zum Untersteuern tendierenden Tschechen das fein regelnde ESP sicher auf Kurs. Der Alfa zeigt, wie sportlich sich selbst eine Oberklasse-Limousine bewegen lässt. Nahezu frei von Seitenneigung durchfährt er Kurven dank eines weitgehend neutralen Eigenlenkverhaltens und der 225er-Reifen hinten, die serienmäßig zur Distinctive-Ausstattung des Testwagens gehören, wie auf Schienen. Versuche, ihn aus der Ruhe zu bringen, erstickt das ESP bereits ruppig im Ansatz. Dafür nimmt es ihm auch ein Stück seiner Dynamik. Dies wirft ihn bei der Handlingzeit ebenso zurück wie die langen Schaltpausen der Automatik.

FahrdynamikMax. PunkteMercedes E 270 CDI AutomatikSkoda Superb 2.5 V6 TDI TiptronicAlfa Romeo 166 2.4 JTD 20V Multijet Sportronic
Handling150917888
Slalom100334851
Lenkung100596565
Geradeauslauf50424845
Bremsdosierung30303545
Bremsweg kalt15012511287
Bremsweg warm1501239697
Traktion100353535
Fahrsicherheit150128135125
Wendekreis20343227
Kapitelbewertung1000700684665

 

Umwelt und Kosten

Bereits bei der Anschaffung spart der Skoda-Käufer gegenüber dem Alfa-Kunden 4450 Euro. Mercedes-Interessenten zahlen gar 8234 Euro mehr. Selbst wer die Kosten für die Extras der AZ-Normausstattung addiert, fährt mit dem Tschechen immer noch am günstigsten. Das Gleiche gilt für die Wartungskosten und die Versicherungseinstufung. Im Gegensatz zu seinen Konkurrenten erfüllt der Tscheche die EU-4-Abgas-Norm. So kommt sein Besitzer in den Genuss einer Steuervergünstigung in Höhe von 613,55 Euro. Obwohl der Mercedes unter anderem die geringsten Kraftstoffkosten und das umfang-reichste Garantiepaket verbucht, kann er in diesem Kapitel nicht gegen den Skoda bestehen. Dies gilt auch für den Alfa 166, der zwar ein leiseres Vorbeifahrgeräusch als der Skoda verursacht, niedrigere Anschaffungs-, Wartungs- und Kfz-Steuerkosten als der Mercedes erfordert, die Konkurrenz ansonsten aber nicht übertrumpfen kann.

Kosten/UmweltMax. PunkteMercedes E 270 CDI AutomatikSkoda Superb 2.5 V6 TDI TiptronicAlfa Romeo 166 2.4 JTD 20V Multijet Sportronic
Bewerteter Preis675185201192
Wertverlust50624636
Ausstattung25969794
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung50353323
Werkstattkosten20414745
Steuer1082713
Versicherung40323328
Kraftstoff55393838
Emissionswerte25657157
Kapitelbewertung1000563593526

 

Fazit

Viel Komfort zu moderaten Betriebskosten - dieses Versprechen löst derzeit der Skoda am besten ein und gewinnt. Der Mercedes glänzt als solides und komfortables Reiseauto mit bärenstarkem Motor, verschenkt jedoch den Sieg wegen der teilweise hohen Kosten und der schlechten Abgaswerte. Der Alfa verkörpert erfolgreich die sportive Limousine mit dem attraktivsten Design, verlangt aber an-sonsten Kompromissbereitschaft.

Gesamtbewertung

Max. PunkteMercedes E 270 CDI AutomatikSkoda Superb 2.5 V6 TDI TiptronicAlfa Romeo 166 2.4 JTD 20V Multijet Sportronic
Summe5000329232832950
Platzierung123

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