Erster Test: VW Touareg gegen Mercedes ML Mercedes ML 350 und VW Touareg V6

28.05.2010
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Seit langem ist der Mercedes ML eine etablierte Größe im SUV-Segment – jetzt fordert ihn VW mit dem komplett neuen Touareg heraus

Mit der Zeit ist das so eine Sache. Das Gute an ihr ist, dass man mit ihrem Verlauf Dinge von Beständigkeit und Reife zu schätzen lernt. Im Fall des Mercedes ML sind dies ausgereifte Technik, gefälliges Design und eine absolut solide Verarbeitung. Auf der anderen Seite der Zeit steht aber der Fortschritt. Und den kann selbst eine so burgenhafte Erscheinung wie der ML nicht aufhalten.

Zwischen der Markteinführung der aktuellen zweiten Generation (Baureihe W164) und dem brandneuen VW Touareg liegen gut fünf Jahre. Nicht viel Zeit, könnte man meinen. Doch die Hersteller haben nicht geschlafen und fleißig weiterentwickelt – gerade für die sehr anspruchsvollen Kunden hochpreisiger Automobile. Und so wirkt schon der Vergleich der Ausstattungslisten der zwei Kontrahenten wie eine kleine Zeitreise.

Touareg-Extras wie Spurwechseloder Spurhalteassistent, Wankausgleich oder dynamische Fernlichtregulierung sucht man beim ML vergebens – ebenso hochauflösende Farb-Displays zwischen den Armaturen und eine Rundum-Kameraüberwachung. Ohne Frage: Das große SUV von VW kommt aus einem neuen Zeitalter.

 

Karosserie

Die Enden der Karosserie kann man von keinem der beiden Fahrerplätze ausmachen – das Rangieren mit den Dickschiffen gestaltet sich aber dank Einparkhilfen kinderleicht. Im Touareg überwachen auf Wunsch Kameras in Stoßfängern und Spiegeln den kompletten Bereich rund ums Auto und senden eine beeindruckende 360°-Ansicht auf den großen Bildschirm im Armaturenträger (Area View: 1535 Euro).

So lässt sich der 4,90 Meter lange Wolfsburger wie in einem Computerspiel per Draufsicht durch enge Passagen zirkeln. Das Platzangebot der fast identisch großen Allradler ist üppig – beide Innenräume sind optimal ausgenutzt. Selbst fünf Passagiere dürften sich hier auf längeren Strecken nicht beschweren.

Eingeengt fühlt man sich schon wegen der großzügigen Kopffreiheit nicht. Beim Gesamt-Kofferraumvolumen gewinnt der Mercedes – variabler ist aber der VW. Schiebt man seine Rücksitze ganz nach hinten, entsteht eine herrschaftliche Knieund Beinfreiheit für die hinteren Mitfahrer.

KarosserieMax. PunkteVW Touareg V6 TDI BlueMotion TechnologyMercedes ML 350 BlueTec
Raumangebot vorn1009390
Raumangebot hinten1008889
Übersichtlichkeit705654
Bedienung/ Funktion1009088
Kofferraumvolumen1006163
Variabilität1004543
Zuladung/ Anhängelast806062
Sicherheit150122116
Qualität/ Verarbeitung200180176
Kapitelbewertung1000795781

 

Fahrkomfort

SUV-Käufer schätzen im allgemeinen die erhöhte Sitzposition und den übersichtlichen Blick auf den Verkehr. Bei ML und Touareg kommen äußerst bequeme Sitze und die perfekte Ordnung im Cockpit dazu. In beiden fühlt man sich auf Anhieb wohl – die Sessel im Touareg sind sogar noch etwas weicher gepolstert.

Wie im ML können auch hier die vorderen Plätze für etwas mehr als 1000 Euro Aufpreis nicht nur beheizt, sondern auch belüftet werden. Apropos Luft: Die sorgt optional auch im Fahrwerk für Ruhe und verwandelt ML und Touareg endgültig in fahrende Wohnzimmer. Selbst grobe Unebenheiten bügeln die Luftfederungen spielend weg.

Sie bleiben selbst voll beladen auf Buckelpisten absolut souverän. Querfugen verleiten den VW allerdings mitunter zum Stuckern. Dank elektronischer Dämpferregelung kann der Fahrer zwischen sportlicher, normaler und komfortabler Abstimmung wählen.

Dem Mercedes steht auf welliger Fahrbahn der Normal-Modus am besten. Das sanfte Schaukeln im Komfort-Modus schlägt empfindlichen Insassen schnell auf den Magen.

FahrkomfortMax. PunkteVW Touareg V6 TDI BlueMotion TechnologyMercedes ML 350 BlueTec
Sitzkomfort vorn150122122
Sitzkomfort hinten1008077
Ergonomie150120120
Innengeräusche504140
Geräuscheindruck1006062
Klimatisierung504542
Federung leer200145148
Federung beladen200144148
Kapitelbewertung1000757759

 

Motor und Getriebe

Der bärenstarke Antritt des ML samt Siebengangautomatik wurde schon in vielen Vergleichstests gelobt. Gerade der mächtige Anschub aus unteren Drehzahlen und das tief knurrende Brummen begeistern. Der Touareg kontert jetzt mit seinem seidenweichen V6 und einer sanften Achtstufenautomatik.

Die reagiert nicht nur schneller auf Gasbefehle, sondern schaltet dazu auch mit weniger Ruckeln. Dank der lang übersetzten letzten Stufe dreht der Touareg bei Tempo 100 nur 1500 Umdrehungen. Das spart Sprit und senkt den Geräuschpegel spürbar. Kraft hat der Common-Rail-Motor ohnehin bei jeder Drehzahl – schon ab 2000 Umdrehungen liegt das maximale Drehmoment von 550 Newtonmetern an.

Auf der Autobahn rollt man fast immer lässig in Stufe acht dahin. Nur beim beherzten Tritt aufs Gas serviert die Elektronik blitzschnell einen anderen Gang. Übrigens hat der Touareg im Gegensatz zum ML jetzt auch ein Start-Stopp-System an Bord. Wie im Schwestermodell Porsche Cayenne schaltet sich der Motor in Ampelpausen ab, um beim Lösen der Bremse sofort wieder anzuspringen.

Das funktioniert absolut unauffällig und sorgt unter anderem für den Verbrauchsvorteil von 0,5 Litern zum ML. Außerdem verfügt der Touareg über einen wirkungsgradoptimierten Drehstromgenerator und verlegt die Ladezyklen seiner Batterie nach Möglichkeit in die Schubphasen.

Weil Touareg und ML mehr Straßenkreuzer als Geländewagen sind, gibt es die Offroadtechnik bei beiden nur als Extra. Wer das jeweilige Paket ordert, bekommt hier wie da ein Untersetzungsgetriebe zum langsamen Kraxeln bergauf und bergab, eine Fahrwerkshöherlegung sowie elektronisch geregelte Differenzialsperren für Hinterachse und Mittendifferenzial. Mercedes legt außerdem noch einen Unterfahrschutz für anfällige Technikkomponenten obendrauf.

Motor und GetriebeMax. PunkteVW Touareg V6 TDI BlueMotion TechnologyMercedes ML 350 BlueTec
Beschleunigung150119112
Elastizität10000
Höchstgeschwindigkeit1506660
Getriebeabstufung1009087
Kraftentfaltung503432
Laufkultur1008077
Verbrauch325193184
Reichweite251818
Kapitelbewertung1000600570

 

Fahrdynamik

Die gewaltigen Massen von mehr als zwei Tonnen lassen sich nicht verleugnen. Da helfen selbst die viel versprechenden Leistungswerte von mehr als 200 PS nicht. Für schnelle Slalom- und Handling-Zeiten wurden diese Autos einfach nicht gebaut. Vor allem der ML wirkt auf dem Handlingparcours träge, schiebt bald über die Vorderräder. Jedoch zieht er dank seines nicht abschaltbaren ESP stets unbeirrt seine Bahn. Mercedes setzt voll auf Sicherheit.

Auch wenn sich der Touareg in Kurven ähnlich stark zur Seite neigt und ebenfalls zum Untersteuern tendiert, hat man mit ihm doch deutlich mehr Spaß. Bewegungen am Lenkrad werden direkter umgesetzt, Wechselkurven leichtfüßiger bewältigt, und das Heck lässt sich hin und wieder zum Mitlenken überreden.

Allzu heftige Lastwechselreaktionen pariert das ESP umgehend. So erkämpft sich der neue Touareg einen Vorsprung von ganzen 3,8 Sekunden pro Runde. Gefährlich wird er dabei aber unter keinen Umständen. Auch bei der Entwicklung der Bremsen leisteten beide Hersteller gute Arbeit. Selbst nach zehn Vollbremsungen aus 100 km/h stehen die Autos nach weniger als 37 Metern. Angesichts der hohen Schwerpunkte und der Leergewichte von rund 2,3 Tonnen ein gutes Resultat.

FahrdynamikMax. PunkteVW Touareg V6 TDI BlueMotion TechnologyMercedes ML 350 BlueTec
Handling1505844
Slalom1004842
Lenkung1008580
Geradeauslauf504646
Bremsdosierung301817
Bremsweg kalt1508382
Bremsweg warm1508589
Traktion1008585
Fahrsicherheit150130133
Wendekreis2088
Kapitelbewertung1000646626

 

Umwelt und Kosten

Man könnte meinen, dass der Mercedes ML 350 BlueTEC dank aufwändiger Abgasaufbereitung mit Harnstoffeinspritzung, Stickoxidkatalysator (SCR-Kat) und Euro-6-Norm zumindest steuerliche Vorteile genießt. Doch weit gefehlt. Wegen der neuen Einstufung nach Hubraum und CO2-Ausstoß hat er bei der Kfz-Steuer sogar das Nachsehen und ist jährlich 72 Euro teurer als der Touareg – trotz Euro-5-Norm.

Ab dem 1.1.2011 erhalten Euro-6-Autos wenigstens einen Bonus in Höhe von 150 Euro. Der VW Touareg V6 TDI BlueMotion Technology spart hingegen allein beim Kauf beinahe 7500 Euro und verursacht durchweg niedrigere Unterhaltskosten. Das zahlt sich aus.

Kosten/UmweltMax. PunkteVW Touareg V6 TDI BlueMotion TechnologyMercedes ML 350 BlueTec
Bewerteter Preis67511398
Wertverlust501210
Ausstattung251615
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung502827
Werkstattkosten201511
Steuer1065
Versicherung402221
Kraftstoff553332
Emissionswerte258583
Kapitelbewertung1000330302

 

Fazit

Das ausgewogene Konzept des Mercedes ML sicherte ihm bisher viele Sympathien. Doch neben dem neuen VW Touareg wirkt der Stuttgarter ein wenig in die Jahre gekommen. Der Wolfsburger kann dem Altmeister nicht nur in vielen Dingen das Wasser reichen, er ist in einigen Disziplinen sogar deutlich besser. In Sachen Komfort erfindet er das Rad zwar nicht neu, liegt aber mit dem ML auf Augenhöhe und setzt sich bei der Fahrdynamik klar vom geruhsamen Schwaben ab. Sein größter Pluspunkt ist aber sicher der neue, kultivierte und sparsame V6 TDI.

Gesamtbewertung

Max. PunkteVW Touareg V6 TDI BlueMotion TechnologyMercedes ML 350 BlueTec
Summe500031283038
Platzierung12

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